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Die Wahrheit · 1899-04-30 · Heft 15 (30.4.1899) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 15 (30.4.1899)
Date
1899-04-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Die Wahrheit. Nr. 15 Seite 9. Sohn Alois Nie und ihre 32jährige Tochter, die Fabriksarbeiterin Anna Nie, waren angeklagt, Zucker, Seife und andere Gebrauchsgegenstände, die aus den geplünderten Wen der Kaufleute Müller, Lederer und Stransky herrührten, gestohlen zu haben. Sie wurden zu je vier Monaten schweren Kerkers verurtheilt. Bei der Fabriksarbeiterin Carolina Dubanka war gelegentlich einer Hausdurchsuchung ein Kindermantel aus dem demolirten Geschäfte der Firma Landes saisirt worden. Sie wurde zu sechswöchentlichem schweren Kerker verurtheilt. Die Fabriksarbeiter Adolf Berka und Carl Winter hatten sich wegen gefährlicher Bedrohung des in der Fabrik Goldschmidt bediensteten Magazineurs Fleischner zu verantworten. Berka wurde zu vier Monaten, Winter zu drei Monaten schweren Kerkers verurtheilt. Gemeinde- und Veremstwte. Wien. In der Plenarsitzung des Vorstandes vom 23. April 1899 wurde einhellig beschlossen, den in Paris verstorbenen Wohlihäter Dr. Salomon Hayum Goldschmidt aus Frankfurt a. M. in die Liste jener Personen auszunehmen, welche bei derTodten- Gedächtnisfeier an den Festtagen wegen ihrer Verdienste um die hiesige Cultusgemeinde genannt werden. Verliehen wurden: Das Moriz Todesko'sche Stipendium per sl. 500-— jährlich über Nominirung des Herrn Friedrich Todesco an den Maler Josef Kriwer für die Dauer von drei Jahren; die Dr. Emanuel Bunzl'sche Stiftung für Blinde im Betrage von je fl. 10'— über Vorschlag des Armenamtes an fünf Personen; die Josef und Cäcilie Adler'sche Miethzins-Beitragsstiftung im Betrage von zusammen fl. 125-— über Vorschlag der Stifterin an sechs Personen; die Clara Krasnopolsky'sche Armenstiftung im Betrage von zusammen fl. 52-— an acht Personen. Die Verleihung folgender Stiftungen wird zur Kenntnis genommen: Die Ignaz und Rosalie Wolf'sche Krankenstiftung im Betrage von zusammen fl. 100-— an drei Personen (Verleihung durch das Curatorium); die Nanette von Wertheimstein'sche Stiftung zur Ausstattung für ein armes Mädchen im Betrage von fl. 150-— (Verleihung durch die israelitische Kinderbewahranstalt); die Gustav Fischl'sche Kadischgebetstiftung im Betrage von fl. 600-— und die Nathan Figdor'sche Stiftung für das Alterversorgungshaus im Betrage von fl. 1000-— gelangen zur Annahme. Die eventuelle Uebernahme der in der Verwaltung der Prager Cultusgemeinde stehenden Wilhelm Bunzel'schen Familienstiftung per fl. 10.000 für verarmte Kaufleute wird wegen sich ergebender Schwierigkeiten in der Verwaltung abgelehnt. An verschiedene Vereine und Corporationen werden pro 1899 Subventionen im Gesammtbetrage von ö. W. fl. 1875-— gewährt. An Spenden sind eingelaufen: Von Herrn Wilhelm Zierer für das Mannheimer Kinderasyl fl. 100-—, für den Verein zur Errichtung von Volksküchen nach israelitischem Ritus fl. 300-—, für den Verein „Ferienheim" fl. 200-—; von der Familie des seligen Herrn Adolf Stern für Arme fl. 200-—; von Herrn Leopold Sachs für das Wölflerheim fl. 200-—; von Herrn Maximilian Paul-Schiff für hungernde Schulkinder fl. 50-—; von Frau Rosalie Winter für Arme fl. 50-—; von Herrn Adolf Aufrichtig für das Versorgungshaus fl. 5'—; von der Mutter eines Rigorosanten für arme Studenten fl. 5-—; von Herrn Lehrer Moses Pick, Herausgeber der „Thautropfen", für arme Schulkinder fl. 2-—; von Herrn S. Schopf für Arme fl. 1-—. Wie«. Die am 23. d. M. stattgesundene Generalversammlung des Vereines zur Hebung der Gewerbe inWien, hat neuerdings die Nothwendigkeit der Beschaffung eines geeigneten Versammlungslocales für jüdische Vereinszwecke erwiesen, denn mit den erschienenen 150 Besuchern war der Restaurationssaal Hernfeld derart überfüllt, dass später Erschienene keinen Raum mehr vorfanden und den Rückzug antreten mußten. In Vertretung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde war Herr Bau- und Gemeinderath Wilhelm Stiaßny erschienen. Anwesend waren ferner die Herren: Cultus-Vorsteher und Architekt Max Fleischer, Architekt Modern, Präsident H. Eltbogen in Vertretung des jüdischen politischen Volksvereines, Jacques Jäger in Vertretung der österreichisch-ungarischen Colonial-Gesellschaft und Delegirte verschiedenener Corporationen. Der Präsident Herr S. Brod eröffnete die Versammlung mit einem ehrenden Nachrufe der edlen Philanthropin Baronin Hirsch, und hielt sodann einen Jahresbericht, der die außerordentlichen Leistungen des Gewerbe-VereineS im letzten Jahrescyclus zum Ausdrucke brachte. Wiederholt wurde derselbe durch den allgemeinen und stürmischen Beifall der Versammlung unterbrochen. In diesem Berichte wird der Nachweis geliefert, wie sehr der Verein den jüdischen Gewerbestand geistig gehoben, wie viele Arbeiten durch die alljährlich erschienenen 3000 empfehlenden Verzeichnisse unter die Mitglieder gebracht wurden, wie viele jüdische Gesellen bei unseren Meistern durch die Vereinsleitung placirt, und welchen Meistern unverzinsliche Darlehen von je fl. 300—400 verschafft wurden. — Täglich von 5 bis 7 Uhr herrscht im Vereinslocale ein reger Parteienverkehr. — Mit großer Befriedigung wird auch dem Berichte entnommen, dass eine erhebliche Anzahl von Mitgliedern dem Gewerbe-Vereine ihre Existenz zu verdanken haben. Hierauf erstattete Vorstandsmitglied, Fabrikant Herr I. Steiner, denCassaberichi, aus welchem zu ersehen war, dass der vorjährige Cassa-Saldo von fl. 1962'49 auf fl. 3280'89 angewachsen, welches Resultat von der Versammlung mit großen Beifall ausgenommen wurde. — Auf Anregung der Herren Edmund Hoffmann und Leopold Schwarz wurde Herr S. Brod per Acclamation neuerdings für die Dauer von zwei Jahren zum Präsidenten gewählt. Auch alle in Function gewesenen vierzehn Vorstandsmitglieder wurden durch Stimmzettel wiedergewühlt. Erhebend und würdig wirkten auf jeden der Anwesenden die gewerblichen Demonstrationen vier jüdischer Meister, die ihre schönen, thatsächlich musterhaft ausgeführten Erzeugnisse vorstellten und zu denselben in freier und ungezwungener Form ihre Erklärungen abgaben. Schlossermeister Herr Julius Löwy brachte sein von ihm angefertigtes Dampfmaschinen-Modell in Thätigkeit, Bau- und Kunstglaser Jakob Kohn veranschaulichte die Bleiverglasung an Kirchen- und anderen Fenstern mit großer Geschicklichkeit, Speuglermeister und Installateur Alois Kolber zeigte sein neu erfundenes Kugelventil, Uhrmacher Emanuel Löwy feine elektrisch regulirbaren Uhren, wie solche bei der Wiener Stadtbahn eingeführt sind. Alle Demonstrirenden hatten lebhaften Beifall und versprechen sich von ihren Erfindungen ein lohnendes Geschäft. Das Wort ergriffen ferner Vicepräses Herr L. Guttmann, Beck, Fliedmann, Steiner rc. Zum Schluffe gab Mitglied Herr Pilpel eine sehr gute Anregung zur Gründung eines gewerblichen Organes. Nach 11 Uhr schloss der Präsident die höchst animirte und interessante neunte ordentliche Generalversammlung des Vereines zur Hebung der Gewerbe in Wien. Wien. Sonntag, den 23. d. M. fand unter Vorsitz des Herrn B. Hofbauer eine Versammlung von Vertrauensmännern der orthodoxen Partei behufs Gründung einer freien Vereinigung aller Orthodoxen Wiens statt. In Längerer Debatte traten namentlich die Herren Oppenheim und Boudi jun. für die Creirung des Vereines ein und begründeten dieselbe damit, dass jüdische Institutionen, wie Mikwe, Koscherfleisch. Religionsunterricht von Seiten der Cultusgemeinde und des Rabbinates arg vernachlässigt werden. Aufgabe des Vereines soll es sein, die Lösung dieser Fragen streng nach den Satzungen der Religion anzustreben. Zur Ausarbeitung der Statuten wurde ein zehngliederiges Comitv, mit dem Einberufer Herrn B. Hofbauer an der Spitze, eingesetzt. Wien. Im „Politischen Volksverein" fand am Mittwoch, den 26. April 1899, llJ2 Uhr Abends, in Khuner's Restaurationssaal, I., Adlergasse 6, die General-Versammlung mit nachfolgender Tagesordnung statt: Vorstandbericht und Debatte; Bericht der Revisoren; Wahl des Präsidenten, der Vorstandmitglieder und zweier Caffe-Revisoren; Anträge und Discussionen. Wien. Der „Jüdische Volksverein" veranstaltete Donnerstag, den 27. April 1899, 7,8 Uhr Abends, im Festsaale des Hotel

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