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Die Wahrheit · 1899-04-30 · Heft 15 (30.4.1899) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 15 (30.4.1899)
Date
1899-04-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Nr. 15. Seite 8. Die Wahrheit. Hoffnung war weder David's, noch Salomo's Zeit. David's Regierung gab nur das Vorbild ab für die Regierung des Messias. Solange also das Vorbild in der Wirklichkeit lebte, lag kein Grund vor, dieses erst für die Zukunft zu erhoffen. Erst als die glückliche Zeit entschwunden war, ersehnte und erhoffte man sie ftir die Zukunft. Der Niedergang begann schon in den letzten Regierungsjahren Salomo's. Dieser weise Fürst suchte das Glück Israels mit falschen Mitteln zu begründen. Den unterworfenen Völkern ließ er ihren Götzendienst, indem er hoffte, dass sie nach und nach zur Erkenntnis des wahren Gottes gelangen werden. Aber gerade das Gegentheil trat ein. Anstatt die Götzendiener zu bekehren, bekehrte sich Israel zum Götzendienst. — Salomo stattete seinen Hof mit verschwenderischer Pracht aus, um seiner Regierung einen besonderen Glanz zu verleihen. Aber gerade das war sein Unglück. Denn das Volk brach unter der Steuerlast zusammen und die Empörung konnte ihr Haupt erheben. Schon sein Sohn Rechabeam verlor zehn Stämme und mußte seine Herrschaft auf den einen Stamm Juda beschränken, und so wurde die Hoffnung auf den Bestand des Davidischen Reiches zunichte gemacht. Kaum zwei Menschenalter waren vorüber, und die politische Macht, sowie die sittliche Kraft war vernichtet. In solcher Zeit wuchs das Verlangen nach dem verlorenen Glück, und die Hoffnung stellte sich ein, dass es einst wiederkehren würde. Die zeitlichen Mißstände schrumpften zu einer vorübergehenden Erscheinung zusammen, aus der das frühere Glück in erneutem Glanze wieder erstehen würde — so wurde die messianische Hoffnung geboren. Die Davidische Regierung lieferte die ersten Bausteine zu dem herrlichen Gedankenbau, an dem alle folgenden Geschlechter Weiterarbeiten sollten. Der äußere Bau war allerdings in kurzer Zeit vollendet, aber seine innere Ausgestaltung ändert sich von Geschlecht zu Geschlecht je nach dem Zeitgeist und den herrschenden Begriffen. Seine endgiltige Vollendung ist noch in weite Ferne gerückt und in tiefes Dunkel gehüllt. Dieses Räthsel ist eng verknüpft mit dem großen Geheimnis von der Entwicklung und Verbreitung der wahren Aufklärung über das sociale Leben, die Gerechtigkeit, Sittlichkeit und Religion unter der gesammten Menschheit. (Fortsetzung folgt.) Lingesendet. Löbliche Redaction! Ich lese in Ihrem geschätzten Blatte Nr. 14 in dem Artikel „Rachmonus oder Gemillus Chesed?", dass das Wörtchen „nebbich", welches dem jüdischen Sprachschätze angehört, seiner etymologischen Bedeutung nach bis heute noch nicht mit Sicherheit erklärt ist. Hiezu erlaube ich mir zu bemerken, dass nach der Meinung der meisten Sprachforscher das Wörtchen „nebbich" slavischen Ursprunges ist, wie die in der böhmischen Sprache vorkommenden Wörter wie „neboby“, „neboh“ (sprich neboch), „ubohy“, „ubozak“ ii. s. w. (deutsch: arm, bemitleidenswerth) beweisen. Aehnliche Worte kommen auch in anderen slavischen Sprachen vor. Das Wort ..ueboh“, „neboliy“ besteht aus ue-boh, das ist nicht Gott, also so viel wie gottverlassen; ^uboüy" aus u-bob, das ist bei Gott, Ausruf des Schmerzes und der Niedergeschlagenheit, auch zur Bekräftigung einer Behauptung. Ich zeichne hochachteud Dr. A. St. Wien, am 23. April 1899. Wochenschau. Dichtung und Wahrheit. Die „Oesterreichisch-israelitische Union" ersucht uns um Aufnahme folgender Mittheilung: Vor einigen Tagen ging durch die antisemitische Presse Deutschlands und Oesterreichs die Nachricht, dass in Mainz ein Dienstmädchen, das von seinem jüdischen Dienstherrn unsittlich belästigt wurde, in der Nacht vom 10. auf den 11. d. M. vom vierten Stocke eines Hauses auf die Straße sprang und sich tödtlich verletzte. Nach genauen Erhebungen der Mainzer Polizeibehörde hat der jetzt in Haft befindliche Besitzer der Wirtschaft „zur Ludwigsbahn", Mathias Ruß, in das Zimmer der fünfzehnjährigen Helene Rühl eindringen wollen, und sich auch nach dem Selbstmorde des Mädchens äußerst roh benommen. Er ist aber nicht Jude, sondern Katholik. — Am 13. d. M. brachte ein hiesiges antisemitisches Blatt die Meldung, dass sich vor etlichen Nächten eine Gesellschaft jüdischer Studenten vor der Pfarrkirche „zum heiligen Johann von Nepomuk" anstößig benommen und derartiges öffentliches Aergernis erregt habe, dass die Wache sie zum Polizei-Commissariate abführte. Nach den eingeleiteten Erhebungen ist weder auf dem Polizei- Commissariate Leopoldstadt, noch bei der Polizei-Direction über einen derartigen Vorfall eine Meldung eingelangt. Für die eonfesfionelle Schule. Bei der letzten General-Versammlung des katholischen Schul- I Vereines kam es zu einer - bedeutsamen Kundgebung für die 1 confessionelle Volksschule, und kein Geringerer als der Fürst- Erzbischof von Wien, Cardinal Dr. Gruscha, war es, der zum ersten Male in dieser Vereinsversammlung erschien und sich über die confessionelle Volksschule in folgender Weise äußerte: „Es gibt eine Schule des Lebens für uns Alle, die ja nicht mit der Jugend abgeschlossen hat, mit der Lehre und mit der Erziehung in unserem kindlichen Alter. Ja im Gegentheile! Gerade diese confessionelle Schule unserer Jugend musste und sollte nach Anordnung unserer heiligen Kirche die Vorschule sein für unsere Lebensschule. Und ist unsere Lebensschule nicht confessionell? Sind wir nicht Alle als Katholiken verpflichtet, unseren Glauben im öffentlichen Leben zu bekennen und nach demselben zu leben und zu wirken? Wenn aber die öffentliche » Lebensschule für uns Alle eine confessionelle ist und bleiben » muss und will, kann sie, logisch gefragt, auf einem anderen > Boden glücklich fundamentirt und aufgebant werden, als auf dem Boden einer confessionellen Jugendschule? Sie begreifen das Herz Ihrer Bischöfe und den apostolischen Freimuth, zu dem sie seit Jahren, ja seit Jahrzehnten in Oesterreich sich verpflichtet fühlen, die Forderung nach einer auf der Religion, auf dem Glauben der katholischen Kirche ruhenden und von demselben durchdrungenen Volksschule immer wieder und stets dringlicher zu erneuern, und die Bischöfe werden nicht ermüden, ihre Stimme kraft ihres Rechtes, kraft ihrer Amtspflicht fort und fort zu erheben, bis aus immer weiter und weiter sich ziehenden Privatkreisen der Glaube in die Oeffentlichkeit hinübertritt, wieder beherrschend das öffentliche Leben." Der nächste Redner, Geistlicher Johann Hauser, sagte unter Anderem: „Wir Katholiken kennen aber eine Staatsgewalt im Sinne eines Fichte oder Hegel nicht, wir kennen nur eine Allmacht Gottes, aber keines Staatsgötzen." Zu den Nachoder Exeessen. Aus Königgratz wird gemeldet: Dem hiesigen Kreisgerichte wurden bisher insgesammt 67 Personen unter dem Verdachte der Theilnahme an den Excessen oder des Diebstahls von Waaren aus den geplünderten Kaufläden eingeliefert. Unter diesen befindet sich auch der Häusler Zdarsky, der von der Plünderung herrührende Waaren im Werthe von 300 fl. in einem Düngerhänfen und in einer Grube verscharrt hatte. Die Soldaten förderten Kleidungsstücke, Stoffe, Mehl, Hülsenfrüchte zu Tage. Mehrere Personen hatten sich bereits vor dem Erkenntnisgerichte zu verantworten. Die 68jährige Francisca Nie, ihr 27jähriger

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