Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 14 (22.4.1899)
- Date
- 1899-04-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 14. Die Wahrheit. Seite 11. Seite Wehmuth beschleicht ob des Verfalles, so freuen wir uns andererseits des Aufblühens neuer Gemeinwesen, da dieser Proceß bloß ein „Mesehane hamokaum“ bedeutet. So sehen wir in jenen Gemeinden neue Gotteshäuser erstehen, und die Mitglieder im edlen Wetteifer begriffen, die Stätte der Andacht mit den synagogalen Bedürfnissen auszustatten. Ein.derartiger Fall ist auch aus unserer Gemeinde zu berichten. Die Eheleute Markus Ornstein spendeten für den hiesigen Tempel ein prachtvolles Paroches. Dasselbe ist aus rothem Sammt mit reicher Goldstickerei gearbeitet. Im oberen Theile prangt als Symbol „Kesser schel Thauroh“. Möge der Allmächtige den edlen Spendern noch viele Jahre der Lebensfülle gewähren l F. Budapest. 17. April. Die Repräsentanz der israelitischen Cultusgemeinde hielt gestern unter dem Vorsitze des Präsidenten Sigmund Kohner im Sitzungssaale der Gemeinde ihre Jahres- General-Versammlung ab. Präsident Sigmund Kohner gedachte in seiner, einen Rückblick auf das verflossene Jahr werfenden Eröffnungsrede in pietätvollen Worten des Ablebens zweier Wohlthüter der ungarischen und speeiell der Budapester Judenschaft: der Baronin Moriz Hirsch mtb Alexander Wahrmann's, worauf die General-Versammlung ihrer schmerzlichen Trauer protokollarisch Ausdruck verlieh. Laut dem Berichte der Vorstehung sind die Ausgaben für das Jahr 1899 mit 500.996 fl. präliminirt; hievon entfallen auf Tempelzwecke 60.000 fl., auf Unterrichtszwecke 96.000 fl., für Spitalszwecke 112.000 fl., für die Armen- Unterstützung 50.000 fl., für andere wohlthätige Ausgaben 20.000 fl., und für das Rnbbinat 50.000 fl. Bei den Einnahmen figuriren die directen Cultusbeiträge mit 168.000 fl. Die Zinsen der in der Verwaltung der Cultusgemeinde stehenden Stiftungen stellen sich auf 45.000 fl. Di-. Max Schächter stellt den Antrag, die Vorstehung möge in irgend welcher Art die Repräsentanz in ihre Wirksamkeit einbeziehen, weil nur auf diese Weise die in der Repräsentanz vertretene große Intelligenz zur Geltung gelangen könne. Nachdem Paul Tencer diesen Antrag befürwortet hatte, erklärte Präsident Sigmund Kohner, dass derselbe nur bei Äenderung der Statuten durchführbar sei. Die Vorstehung werde sich mit der Frage beschäftigen und der General- Versammlung einen concreten Vorschlag unterbreiten. Dr. Max Schächter zieht hierauf seinen Antrag zurück und schließt sich dem Vorschlag des Präsidenten an. Hierauf erfolgte die Annahme des Berichtes in seiner Gänze. Nach Annahme des Berichtes der Nechnungs-Revisions-Commission wurde der Vorstehung das Absolutorium ertheilt. Der Antrag der Vorstehung, betreffend die Errichtung einer Königin Elisabeth-Stiftung von 40.000 Kronen, deren jährliche Zinsen am Todestage weiland Ihrer Majestät unter die Armen vertheilt werden sollen, wird angenommen und mit der Verwaltung der Stiftung die Wohlthätigkeits-Section betraut. Ebenso wurde der Antrag der Vorstehung, zum Baue eines neuen Waisenhauses im Stadtwüldchen einen Grund zu kaufen, acceptirt. In den Ausschuss wurde an Stelle des verstorbenen Brüll Jacob v. Fürst gewählt. Gyanta. (Confessionelle Toleranz.) Die kleine und aus fast Armen bestehende Gemeinde Gyanta im Biharer-Comitat ersuchte die Repräsentanz der Ortsgemeinde um Schenkung eines Grundstückes zur Errichtung eines rituellen Bades, welche Bitte abschlägig erledigt wurde. Als der ehrwürdige Ortspfarrer Herr Diöszegh Mihaly hiervon Kunde erhielt, sprach er am nächsten Sonntag in der Kirche über allgemeine Menschenliebe, wie auch über confessionelle Toleranz sehr begeisternd, und bezeichnete es als religiöse Pflicht der christlichen Gemeinde, der jüdischen Gemeinde ihre gedachte Bitte zu erfüllen. Ueberdies versprach er der Gemeinde, ihr zur Erbauung eines Tempels Geldhilfe zu leisten. Unter dem Eindrücke dieser begeisterten Rede beschloss die Ortsgemeinde einstimmig, der jüdischen Gemeinde nicht nur zu einem rituellen Bade, sondern auch zur Erbauung eines Tempels einen Grund unentgeltlich zu überlassen. Zur Realisirung dieses Beschlusses hat auch der Bezirks-Notar Herr Korom Jozsef angeeifert. Möge diese Musterthat die weiteste Nachahmung finden. Verschiedene Nachrichten. Wien. Am 1. Mai feiert Herr Emanuel Groag, Director der türk.-israel. Volks- und Religionsschule, das 25jährige Jubiläum seiner Wirksamkeit an dieser Anstalt. Director Groag, der den Ruf eines ausgezeichneten Schulmannes genießt, war vorher als Lehrer an der Talmud-Thoraschule in der Malzgasse thätig. Seine zahlreichen Schüler werden ihm gewiss an seinem Ehrentage Beweise aufrichtiger Dankbarkeit und Verehrung entgegenbringen. Wien. Am 19. April wurde Herr Berthold Ro send erg, der volle 42 Jahre als Diener des hiesigen Beth-Hamidrasch und als Tempeldiener des Leopoldstädter Tempels angestellt war, im Alter von 76 Jahren unter besonderen Ehren zu Grabe getragen. Von den beiden Söhnen des Verstorbenen ist der eine Capellmeister in Breslau, welcher telegraphisch avisirt wurde und mit seiner Frau hieherkam, aber den alten Vater nicht mehr lebend traf, der andere Beamter des „Mercur". Im Trarrerhause erschienen Herr David Ritter von Gntmann, der Vicepräsident der Cultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit den Vorstehern Banrath Stiaßny, Dr. Marcus Spitzer, Emil Horner, die Tempelvorsteher Teltfcher und Wasservogel, kaiserlicher Rath l)r. Lieben, Obercantor Singer, Eantor Schiller, Amtsleiler Wiener, sümmtliche Functionäre des Tempels und zahlreiche Gemeindemitglieder. Den liturgischen Theil der Trauer-Ceremonie versah Eantor Blatt mit verstärktem Chor, und Rabbiner Dr. Schmidt hob die Pflichttreue und Ehrenhaftigkeit des Verblichenen hervor, der sein Amt mit seltener Genauigkeit erfüllte und sich dadurch allgemeine Achtung erwarb. Lector Friedmann hielt dem Verstorbenen am Grabe einen ehrenden Nachruf, in welchem er ihn als h ".sb rmpa schilderte, der im Dienste von rra;-! rrnsr rnin thätig war, da er auch viele Studirende förderte. Die Chewrah Kadischa widmete ihm für seine Verdienste ein Ehrengrab. Holleschau, 19. April 1899. Am 16. d. M. fand im hiesigen Tempel eine solenne Trauerfeier für die verewigte Baronin Clara v. Hirsch statt, zu der sich eine ungemein zahlreiche Menge Andächtiger eingefanden hatte. Eingeleitet wurde die Feier durch Psalmen und Gebete, welche von Herrn Cantor Michal o v s k y in überaus würdiger Weise vorgetragen wurden. Hierauf widmete Herr Rabbiner Dr. I. Freimann der Verblichenen einen warmen Nachruf. Der Redner wies zunächst auf jene Stelle der heiligen Schrift hin, in welcher zwischen dem Berichte vom Auszuge aus Aegypten uub der Offenbarung am Sinai das Wiedersehen Moses mit seiner Gattin geschildert wird und wobei ganz Israel zu einer Familie vereint der Frau des göttlichen Mannes Ehre erwies. Auch in diesen Tagen, zwischen dem Feste der Befreiung aus Aegypten und der Offenbarung am Sinai, feierte ein Moses — Baron Moriz v. Hirsch — der seinen bedrängten Glaubensgenossen ein Erretter und Befreier geworden, ein Wiedersehen mit seiner Gattin im Reiche des ewigen Lebens, und ganz Israel, zu einer leidtragenden Familie vereint, feiert in rückhattslofer Bewunderung den beispiellosen Edelmuth dieses gottbegnadeten Menschendaseins, welches dem ganzen Judenthum zum unermesslichen Segen gereichte. Tarnow. In der hiesigen Hauptsynagoge wurde am 16. d. M. für die verewigte Baronin Hirsch eine^rauerandacht veranstaltet, bei welcher unser Obercantor Herr S. Rosenbaum mit seinem Chore in ausgezeichneter Weise fungirte. Neutra. Am 11. April wurde im hiesigen Tempel zum Andenken an die verstorbene Baronin Hirsch ein Trauergottesdienst veranstaltet, an welchem die Honoratioren der Stadt, der Gesammtvorstand der Gemeinde unter Führung des Präses, Herrn Josef v. Engel, und viele Gemeindemitglieder theilnahmen. Nach Aufführung des Psalm 67 durch Obercantor L. Krasniansky mit Chor widmete Rabbiner Dr. M. Himmler der verblichenen Wohlthäterin in ungarischer Sprache einen tiefempfundenen Nachruf. Zala-Szt. Groth. Anlässlich des Hinscheidens der Baronin Clara Hirsch-Gereuth wurde in der hiesigen Gemeinde-