Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1899-04-22 · Heft 14 (22.4.1899) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 14 (22.4.1899)
Date
1899-04-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3062972-3062973-3062987--00233-3066725
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Die Wahrheit. Seite 10. Nr. 14. Ebensowenig verursachte es Gewissens bedenken, die zweite Frage zu beantworten, ob eine jüdisch-religiöse Scheidung ohne einen gerichtlichen Act schon bindend sei. Man half sich hier mit der Auskunft, dass gerade nach den rabbinischen Vorschriften die vollzogene religiöse Ehescheidung jede Möglichkeit für die Geschiedenen ausschließen müsse, sich noch als verbunden zu betrachten. Daher dürfe unter unseren modernen Verhältnissen gerade vom rabbinischen Standpunkte aus eine jüdisch-religiöse Scheidung nicht eher als bis nach vollzogener gerichtlicher Scheidung als gültig anerkannt werden. (Fortsetzung folgt.) Gemeindeuud Veremsbote. Wien. Donnerstag, den 13. April behandelte Herr Seminar- Professor Dr. Hirsch-Hildesheimer aus Berlin in einer Versammlung des „Politischen Volksvereines" in einem überaus fesselnden Vortrage das gegenwärtig besonders actuelle Thema: „Jüdische Colonisation in Palästina". Nach den einleitenden geographischen Bemerkungen entwarf der Vortragende ein lebensvolles Bild des heiligen Landes, und die zahlreichen Zuhörer machten sozusagen an der Hand eines kundigen Führers eine Reise durch Palästina, vr. Hildesheimer schilderte dann die Gründung, Entwicklung und die heutigen Verhältnisse der jüdischen Colonien, und mit einem reichen statistischen Materiale wies er auf die mannigfachen Erfolge der Colonisation hin. Die ausgezeichnete Qualität der Producte, sowie der Umstand, dass die meisten Colonisten materiell günstig gestellt sind und sogar schon Ersparnisse zurücklegen, lassen auf eine rationelle Wirtschaft schließen und dienen als treffender Beweis für die Eignung des jüdischen Stammes zur Bodencultur. Die Absicht des Vortrages ging dahin, hier in Wien in weiteren Kreisen Interesse für die Colonisationssrage zu erwecken, und diesen Zweck hat sowohl der Vortragende, als auch der „Politische Volksverein" bei dem zahlreichen Auditorium erreicht. Beiden gebührt Dank und Anerkennung. Wie«. Donnerstag, den 13. April wurde in der Vorstandssitznng des österr. Ungar. Cantoren-Vereines der Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr erstattet. Trotz der bescheidenen Mittel und der geringen Mitglicderzahl hat der Verein im letzten Jahre an Witwenbeiträgen und sonstigen Unterstützungen die Summe von 440 fl. ausbezahlt. Nach Verlesung des Cassaberichtes wurde dem Cassier Cantor M. Blatt der Dank des Vorstandes für seine aufopfernde Mühewaltung ausgedrückt. Dem bernssunfähigen Mitgliede, Cantor Löw in Jglan, wurde ein Juvaliditätsbeitrag von 200 fl. bewilligt. Es wäre dringend zu wünschen, dass dieser überaus segensreich wirkende Verein seitens der Berufsgenoffen und weiterer Kreise größere Förderung fände. Wien. Samstag, den 22. April findet im Restaurant Kühner, I. Adlergaffe 6, um 1j28 Uhr Abends, die Xlll. ordentliche General-Versammlung des Vereines „Oesterr. Israel. Union" statt. In dieser Versammlung wird der Vorstand über die Abwehrthätigkeit des Vereines und über die traurigen Vorgänge der letzten Zeit in Nachod und Polna Bericht erstatten. Wien. Der verdienstvolle Obmann des Allgemeinen Kranken- und Unterstützungs-Vereines „Montefiore", Herr M. Bo ndi, ist von seiner Ehrenstelle zurückgetreten und wurde an seine Stelle der bisherige Obmann-Stellvertreter, Herr Josef Pollak, zum Obmann-Stellvertreter Herr Leopold Wein wurm gewählt. Brünn, 12. April. Gestern trat der Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, die der Trauer um die jüngst hingegangene Frau Baronin Hirsch gewidmet war. Der Vorsitzende, Herr kaiserlicher Rath H. Epler, eröffnete die Sitzung mit folgender Ansprache; er sagte: „Wir stehen unter dem Eindrücke der tiefsten Trauer über den Hingang einer Frau, welche wie keine andere der Jetztzeit von allen Nationen und Confessionen als die edelste, wohlthätigste Menschenfreundin gepriesen wird. Ein Klageruf entrang sich Tausenden bei der Nachricht vom Tode der Frau Baronin Clara Hirsch-Gereuth, und in der That ist der Hingang dieser edlen Frau ein tieferschütterndes Ereignis. Wir Alle wissen es, in welch' hochherziger Weise diese Frau überall ohne Unterschied der Nationalität oder der Eousession mit vollen Händen spendete und half, wie kein Nothleidender vergebens sich an sie wendete; wir Alle kennen die groß angelegten Stiftungen für die leidende Menschheit und wissen, dass ihr ganzes Leben der Humanität und dem Wohlthun gewidmet war. Sehen Sie sich dieses milde, engelsgleiche Antlitz an, welches wir im Bilde zu besitzen das Glück haben, und Sie werden begreifen, dass ihr Hingang nebst den Hunderttausenden, die sie unterstützt hat, besonders von Jenen, welche ihr im Leben näher standen, tief beklagt wird, und dass derselbe eine nnausfüllbare Lücke in deren Herzen zurückgelassen hat. Auch unser Land und unsere Gemeinde hat Beweise der Großherzigkeit der Dahingeschiedenen, und wir werden ihr ein ewiges ehrendes und dankbares Gedenken bewahren. Ihr Andenken sei, so wie sie segenspendend war, ein gesegnetes für alle Zeiten!" — Der Vorstand, der diesen Nachruf stehend angehört hatte, beschloss, denselben dem Protokolle einzuverleiben, den Hinterbliebenen der Verewigten das Beileid der hiesigen israelitischen Gemeinde in einer Adresse auszusprechen und ihren Namen bei jeder Seelenfeier im hiesigen Tempel für ewige Zeiten nennen zu lassen. Brünn. (Mährisch-jüdischer Waisenhilfsverein.) Kürzlich fand die diesjährige Generalversammlung dieses Vereines statt. Der Vicepräsidcnt des Vorstandes kais. Rath Mandl eröffnete dieselbe mit einem ehrenden Nachrufe auf den im Jänner l. I. verstorbenen Herrn Bernhard Morgenstern, der dem Vorstände dieses Vereines durch mehrere Jahre angehörte und für denselben stets das wärmste Interesse bekundet hat, dem er auch letztwillig durch das namhafte Legat von 5000 fl. Ausdruck verlieh. Ebenso gedachte der Vorsitzende der kürzlich dahingegangenen Wohlthäterin, Frau Clara Baronin Hirsch-Gereuth, die unter den zahllosen großartigen Zuwendungen für menschenfreundliche Zwecke auch um diesen Verein sich verdient gemacht, indem sie ans dem Legate ihres sel. Gatten von einer Million Francs demselben den größten Antheil per 110.000 fl. zuwies. Die Versammlung, welche diese Nachrufe stehend angehört, beschließt, dieselben dem Protokolle der heurigen Versammlung einzuverleiben und überdies für die große Philanthropin Baronin Hirsch durch Vermittlung des Cultusvorstandes einen Trauergottesdienst im hiesigen Tempel zu veranstalten. Aus dem sodann verlesenen Thütigkeitsberichte des Vorstandes für das Jahr 1898 sei Folgendes zu entnehmen: Die Einnahmen betrugen 12.421 fl. 27 kr., gegen 11.439 fl. 84 kr. im Vorjahre; die Spenden, worunter ein Legat des Herrn Jsid. Strakosch von 200 fl., blieben um 243 fl. gegen das Vorjahr zurück. Die Jahresbeiträge, per 963 fl. sind um 120 fl., die Mitgliederzahl von 113 auf 117 gestiegen. Für die Waisenpflege wurden verausgabt 11.097 fl. 80 kr., um 1420 fl. mehr als im Vorjahre. Nach Erstattung des Thätigkeitsberichtes verlas Herr L. Löw-Beer den Cassabericht, welcher genehmigt und dem Vorstande hierauf die Entlastung ausgesprochen wird. Nach Annahme des Voranschlages wird die Wahl von zwei Vorstandsmitgliedern vorgenommen, und zwar wird Herr L. Löw-Beer wieder-, Herr Salom. Perlhefter neugewählt. Zu Revisoren werden Heinrich Pollak und Ignaz Schulz bestimmt und nach einem Danke für den Vorstand die Versammlung geschlossen. Neuhaus. Seit der Neuconstituirung der israelitischeil Cultusgemeinden gewinnen auch bezüglich dieser die Worte des englischen Staatsmannes Salisbury, dass nämlich „die Starken immer stärker, die Schwachen immer schwächer werden", an Actualität. Wir sehen alte, ehrwürdige Kehiloth nur mehr ein Scheindasein führen, während Gemeinden, die noch vor wenigen Jahren ungekannt waren, heute bereits zu bedeutenden Cultusgemeinden herangewachsen sind. Und wie uns auf der einen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.