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Die Wahrheit · 1899-04-14 · Heft 13 (14.4.1899) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 13 (14.4.1899)
Date
1899-04-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 13. Die Wahrheit. Seite 7. Vor Uebergang zur Tagesordnung bemerkt der Präsident, dass die Frage der Herabsetzung des Steuer-Minimums, welche eine Statutenänderung involvire, den Gegenstand der Berathung in einer demnächst stattfindenden öffentlichen Plenarsitzung des Vorstandes bilden werde. Der Rechnungsabschluss für das Jahr 1898 ist von der Buchhaltung bereits fertiggestellt; derselbe wird in den nächsten Tagen vom Vertreter-Collegium vorgelegt werden und sodann noch in diesem Monate die von dem § 97 der Statuten vorgesehene Verlautbarung erfolgen. Herr Vice-Präsident Dr. Gustav Kohn beantragt Namens des Vertreter-Collegiums, dem Bethaus- und Synagogen-Verein für Wieden und Margarethen für Tempelzwecke ein unverzinsliches Darlehen im Höchstbetrage von fl. 15.000 zu gewähren. Der Antrag wird angenommen. Heber Bericht der III. Section (Referent Herr Di-. Grünseld) wird ab 1. Mai d. I. der bisherige Secundararzt zweiter Classe im Spitale der israelitischen Cultusgemeinde. Herr Di\ Alois Nossal, zum Secundararzt erster Classe, Herr Dr. Adolf Schwarz zum Secundararzt zweiter Classe ernannt und Herrn Di-. Felix Reach das durch Ernennung des Dr. Schwarz zum Secundararzt freigewordene Königswarter'sche Stipendium verliehen. Ueber Referat des Herrn Baurathes S t i a ß n y gelangen auf Grund des Antrages der II. Section 6 Plätze a fl. 300 der Dr. Adolf Sack'schen Stiftung für Techniker zur Verleihung. Das vom Herrn Vice-Präsidenten Dr. Kohn Namens der I. Section vorgelegte Referat, betreffend die Regelung der Mohelim-Frage wird über Antrag des Herrn Dr. Berger vertagt und der Gegenstand zur nochmaligen Berathung an die I. Section geleitet. Die von der Rechtssection über Anregung der Herrn Dr. Grünfeld vorgeschlagene Aenderung in der Concursausschreibung für die Dr. Sax'sche Herzkrauken-Stiftung wird genehmigt. Die mit der General-Omnibus-Gesellschaft und drei anderen Fuhrwerksfirmen, betreffend die Uebernahme des Leichenfuhrwerkes, geschlossenen Verträge pro 1899 gelangen im Sinne des Antrages des Referenten Baurath Ritter von Gold schmidt zur Annahme. Nach Erledigung mehrerer Personalien wird die Sitzung um 1 Uhr Mittags geschlossen. An Spenden sind eingelaufen: Für das Siechen Haus: Julius und Theodor Reitlinger fl. 400.—. Für Ausspeisung und Bekleidung armer Schulkinder: Präsident kaiserlicher Rath Klinger fl. 30.—, I. Eißler & Bruder fl. 100.—, Firma Lederer & Wolf fl. 100.—, David Fanto fl. 100.—, Sigmund Trebitsch fl. 100.—, Firma Gebrüder Gutmann fl. 100.—, Hermann Pollack's Söhne fl. 200.—, Julius und Theodor Reitlinger fl. 50.—, Alois Lemberger fl. 50.—, Frau Auguste Jordan fl. 25.—, Leopold Langer fl. 25.—, Heinrich Krall fl. 25.—, Dr. Maximilian Steiner fl. 25.—, Adolf Pichler fl. 20.— Frau Arnold Rosenthal fl. 20.—, Sigmund Rosenfeld fl. 20.—, D. Schwarzmann fl. 10.—, Wilhelm Freiberg fl. 10.—, Moriz Waizner fl. 6.—, Emilie B. fl. 5.—, Moses Pick fl. 5.—, Israel Böhm fl. 5, ferner Frau Josefine Fröhlich v. Feldau für Arme fl. 200.—, Moriz Edler von Kuffner für Osterbrode fl. 200.—, für Arme anlässlich des Jahrzeitstages seines verewigten Vaters Ignaz Edlen von Kuffner fl. 140.—, Moriz N. Oppenheim in Frankfurt anlässlich des Jahrzeitstages seines Schwiegervaters Ignaz Edlen von Kuffner s. A. für Arme fl. 100.—, K. k. Ober- Ingenieur Arthur Edler von Mises für Arme fl. 100.—, Chewra Kadischa im XVI. und XVII. Bezirk für Arme fl. 150.—, Wilhelm Herzog und Wilhelm Brody fl. 54.— für die Talmud- Thora, fl. 36.— für das Alters-Versorgungshaus, zusammen fl. 90.—, Dr. Alfred Stern für die Boryslawer Arbeiter fl. 25.—, Dr. Jacob Treulich, k. u. k. Oberstabsarzt, für Arme und Waisen je fl. 10.—, zusammen fl. 20.—, Ch. (Anonym), wie alljährlich für jüdische Arme anlässlich des christlichen Osterfestes, fl. 10.~, Dr. Leo Goldmann für Arme fl. 5.—, kaiserlicher Rath Moriz Hirsch fl. 5.—, Kaiserlicher Rath Wilhelm Pollak 960 Liter Wein für das Passahfest, im Werthe von fl. 336.—, Moriz Weiß 139 Liter Wein im Werthe von fl. 50.—, Herr Josef Königstein spendete ein weißes Porauches für den Fünfhauser Tempel im Werthe von fl. 500.—, aus den Sammelbüchsen im Leopoldstädter Tempel wurden entnommen für die Armenanstalt fl. 27.68, für die Chewra-Kadischa fl. 20.16^2llapoteon I. und die Inden. Bon vr. A. Feilchenfeld, Hamburg. (Fortsetzung.) Auf den Kaiser machten solche Berichte, die durch die obersten Beamten der betreffenden Landestheile bestätigt wurden, umso mehr Eindruck, als er bis dahin von den bürgerlichen Verhältnissen der Juden nur wenig erfahren hatte. Unter dem ersten Eindruck der eben vernommenen Anklagen versprach er, denselben Abhilfe zu schaffen, und legte nach seinem Eintreffen in Paris dem Staatsrath die Sache zur Berathung vor. Bei dieser Verhandlung zeigte der Kaiser sich Anfangs von recht bedenklicher Feindseligkeit gegen die Juden erfüllt. Ein Mitglied des Staatsrathes, Graf Mole, der die Anklagen gegen die Juden erweiterte und ihre schlechte Handlungsweise aus den schlechten Principien ihres Sittengesetzes herleitete, fand mit seinen Ausführungen die vollste Zustimmung seines kaiserlichen Herrn. Es war schon davon die Rede, die Juden unter besondere Gesetze zu stellen. Glücklicherweise aber ließ der Kaiser in einer späteren Sitzung auch liberalere Stimmen zu Worte kommen. Diese erweckten in ihm die Besorgnis, dass er durch Aufhebung der Gleichheit eine Beeinträchtigung seines Ruhmes als Schützer der Freiheit bewirken könnte, und scheinen ihn hierdurch zum Einlenken veranlasst zu haben. Es ging ihm, wie noch heute manchen Männern, die sich zum Liberalismus bekennen, die aber zu einer gerechten Haltung in der sogenannten Judenfrage mehr durch die Consequenz ihrer Parteiprincipien, als durch die Freundschaft für die Juden veranlasst werden. So wie diese, wollte auch Napoleon vermeiden, sich mit seinen eigenen Principien in Widerspruch zu setzen. Wir wissen, dass Napoleon gerade damals sogar im Auslande gegen die Beeinträchtigung französischer Juden auf diplomatischem Wege durch seinen Minister Talleyrand intervenirt hat. Damit stimmte es nicht recht zusammen, wenn er in seinem eigenen Lande die Gleichheit aufheben wollte. Genug — er ließ zunächst durch die Behörden Erkundigungen einziehen, was über die Bethätigung der Juden im bürgerlichen Leben bisher bekannt worden sei. Da erfuhr er denn, dass es unter den Juden, wie

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