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Die Wahrheit · 1899-04-06 · Heft 12 (6.4.1899) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 12 (6.4.1899)
Date
1899-04-06
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14. mit lebendigem Interesse für den Gottesdienst zu erfüllen, wie das „Ein Buch für unsere Kinder" nicht verfehlen kann, sie zu gottesfurchtigen, menschlich und jüdisch denkenden, fühlenden und handelnden Charakteren heranznbilden und die Bibel für das jüdische Haus wieder zu dem zu machen, was sie ehedem war: zu einer Freundin in guten und zu einer Trösterin in schlimmen Tagen. Es wäre deshalb vom Herzen zu wünschen, dass die beiden im Verlag von F. B. Metzler in Stuttgart erschienenen biblischen Geschichtswerke von S. Müller, die nach Inhalt und Form mustergiltig sind, in Schule und Haus die weiteste Verbreitung fänden. Hermann Zivi, Lehrer an der Religionsschule und an den höheren Lehranstalten zu Elberfeld. Verschiedene Vachrlchten. Personal-Nachrichten. Fräulein Elsa Blatt, Tochter des Herrn Moritz Blatt, Cantor der israelitischeu Cultusgemeinde in Wien, hat sich mit Herrn Moritz G ruber, Liqueur- und Effenzen-Fabrikanten aus Wien, verlobt. — Fräulein Camilla Tauber, Tochter des Herrn l)r. Jacob Tauber, Rabbiner in Prerau, hat sich mit dem k. k. Feldprediger Herrn vr. Josef Burstyn, Rabbiner in Ungarisch-Hradisch, Sohn des Ober-Rabbiners P. Burstyn, verlobt. Wie«. Der bekannte Hoflieferant Jacob Roth b erg er ist Freitag, den 31. März, im Alter von 73 Jahren nach kurzem Leiden gestorben. Mit Rothberger scheidet eine intereffante Persönlichkeit aus dem Wiener Geschäftsleben, dessen Thätigkeit eine bedeutsame Art im wirthschaftlichen Leben in Wien etabtirte. Das stattliche Haus auf dein Stefansplatze in Wien, auf dessen Giebel eine große goldene Scheere als Wahrzeichen und Schild zu sehen ist, ein Waarenhaus im großen Styl für fertige Herrenkleider, repräsentirt die erfolgreiche Errichtung eines Specialbazars, des Versuches einer Monopolisirnug, wie er vor Rothberger in Wien unbekannt war. Anfangs der Vierziger-Jahre kam er als armer Schneidergeselle aus Paris, wo er die Herrenmode studirt hatte, auf seiner Wanderschaft nach Wien und begann mit der Erzeugung fertiger Kleidungsstücke, die er in seiner bescheidenen Wohnung, einer Mansarde in einem Hause der Goldschmidgasse, verkaufte. Die Neuheit gefiel. Rothberger gründete bald einen Laden auf dem Stefansplatze, bis im Laufe der Jahre aus dem kleinen Geschäfte das heute bestehende Etablissement entstand. Seither errichtete er in allen größeren Städten der Monarchie, so auch in Budapest Filialen. Jakob Rothberger war Besitzer des goldenen Berdienstkreuzes. Er hinterlässt vier Söhne und vier Töchter Wie«. Am Erew Pessach ist nach langem Leiden der einst berühmte Chasen Pesche Freisinger, einer von der älteren Garde der großen polnischen Chasonim, gestorben. Bor Jahren hat er lange Zeit an der hiesigen allen Synagoge nach polnischem Ritus gewirkt, und als er von dieser Stelle schied, konnte der begabte Mann leider nirgends mehr festen Fuß fassen. Er war ein seltener Menagen, ein fruchtbares musikalisches Talent und componirte viele echt jüdische „ Sachen"; auch seine „Harmonie" bildete stets eine ausgezeichnete Specialität. Zu seinen Schülern zählen viele Cantoren, die sich jetzt in hervorragenden Stellungen befinden, so Birnbaum- Königsberg, Bauer-Wien, Epstein-Berlin, Simon-Kopenhagen rc. Der Abend seines Lebens gestaltete sich für den armen Mann recht trübe. Noth und Krankheit waren seine steten Begleiter. Am zweiten Pessachtage wurde er zur ewigen Ruhe bestattet. N'2'2'2'N. Wien, 1. April. Der in Wien sehr bekannte und allgemein beliebte Capellmeister Johann O s e r ist heute Nachts eines plötzlichen Todes gestorben. Er wurde heute Früh in seiner Wohnung, II. Bezirk, Ferdinandsstraße 22, todt im Bette aufgefunden. Ein Herzschlag dürfte dem Leben des Musikers ein Ende gemacht haben. O ser war zu Nikolsburg im Jahre 1836 geboren und feierte schon in seiner frühesten Jugend in den mährischen und ungarischen Khilles zahlreiche Triumphe als virtuoser Primgeiger. Er war auch Mitglied der bekannten jüdischen Capelle der „Schoßberger Musikanten". Seit 1863 wirtte er als Orchesterdirigent in Wien. Neun Jahre lang war er Mitglied und später Dirigent der Capelle Kaulich. Beim Sperl und in anderen Vergnügungslocalen spielte er fünfzehn Jahre lang. Nr. 12. Im Jahre 1885 unternahm er mit seiner Capelle eine Knnstreife nach England. Jil Wien arrangirte er früher jedes Jahr Bälle, namentlich seine Purimbälle waren sehr beliebt. Aus seiner Feder stammte eine große Anzahl von Musikstücken, von denen einige sogar Popularität und Beliebtheit errangen. In ganz Wien bekannt wurde die „Krach"-Polka, die Oser im Jahre 1873 componirt hat. In der Jubiläums-Ausstellung und in „Venedig in Wien"' wo er fast in jeder Saison spielte, errang er mit seiner ausgezeichneten Musikcapelle vielfache Anerkennung. Oser war verheiratet und Vater mehrerer Kinder. Wie«. Sonntag, den 9. April, 2 Uhr Nachmittags, findet im Tempel der israelitischen Cultusgemeinde, XVIII. Bezirk, Schopenhauerstraße 39, die Trauung des Fräulein Rosa Peterselka mit Herrn Armin Kaufmann statt. Die Braut ist die Tochter des Herrn Cantor M. Peterselka. Mödling. Montag, den 20. März fand die Trauung unseres Cantors Herrn I. Löwy mit Fräulein Benedikt, Tochter des seit 32 Jahren hier amtirenden Beamten der Cultusgemeinde, Herrn Ben edikt, unter Anwesenheit zahlreicher Gäste statt. Unter den Gästen befanden sich die Herren Vorsteher der Mödlinger Gemeinde, Rabbiner Friedmann aus Linz, W. Grünfeld, Nolar der Gemeinde in Preßburg, Obercantor Bauer, Cantor Löwy aus Wien, Cantor Schäfer und Secretär Inn selb ans Baden, Cantor Allenberg ans Liestng. Ueber Einladung des Bräuttgams verrichtete Obercantor Bauer das Mincha-Gebet, während Cantor Schäfer den Mi-Addir vortrug. Den Trauungsact vollzog der hiesige Rabbiner Dr. Leo Pardobitz. Brünn. Am 9. April begeht Herr Cantor Adolf Kornitzer mit seiner Gattin Marie im engsten Familienkreise das Fest der silbernen Hochzeit. In Anbetracht der zahlreichen Sympathien, deren sich Cantor Kornitzer im Kreise seiner Gemeindemitglieder und Collegen erftent, sind von dieser Seite mannigfache Ovationen für das Jubelpaar zu erwarten. Szenicz. Am 24. März ist hier Frau Leni Breuer im 89. Lebensjahre verstorben; dieselbe hinterlässt 76 Enkel, 11 Kinder, 35 Urenkel und 1 Ururenkel. Paris. Montag, den 3. April wurde Baronin Hirsch unter großer Betheiligung auf dem Friedhose Montmartre in der Familiengruft beigesetzr, in welcher bereits ihr Gatte und ihr Sohn ruhen. Auf ausdrücklichen Wunsch der Verstorbenen unterblieben Blnmenspenden und Nachrufe. Man gewahrte unter den Anwesenden die österreichischen, englischen und italienischen Botschafter, alle Notabilitälen der französischen Gesellschaft und Delegationen zahlreicher Wohlthätigkeitsvereine. Die rituelle Function vollzog der Großrabbiner Zadok Kahn. Prager Selchwaaren. Wie wir erfahren, eröffnet die bekannte Prager Firma Simon Berg in der Adlergasse Nr. 5, eine elegant ausgestattete Niederlage ihrer mannigfaltigen Erzeugniße. Die Fleischselchwaaren dieser Firma erfreuen sich hinsichtlich ihrer rituellen Herstellungsweise und ihres vorzüglichen Geschmackes seit mehr als dreißig Jahren eines wohlverdienten Weltrufes und wurden auf Allsstellungen wiederholt ausgezeichnet. Aus der in Wien im eigenen Hause etablirten Fabrik, welche maschinell nach neuestem System betrieben wird, wird dessen Niederlage alltäglich mit frisch zubereiteten Selchwaaren versehen. Der Nihilist. Ein Zeitroman aus dem russisch-jüdischen Leben. Bon Moritz Scherbel. (Nachdruck verboten.) (io. Fortsetzung.) Diese Bemerkung musste Juda Machlitz in den Kauf nehmen, als er die zehn Rubel von Wandelowicz empfangen hatte. Jetzt kam er wieder, um dessen Hilfe zu beanspruchen — kann es uns da wundern, dass er es mit pochendem, schwerem Herzen that? „Sie werden es schon nicht übel nehmen" — redete er den reichen Brauereibesitzer in höchst demüthigem Tone an „wenn ich Sie bitte, mir dadurch aus grosser Verlegenheit zu helfen, dass Sie mir zwanzig Rubel auf ein Jahr zu leihen die Güte haben. Sie wissen vielleicht, dass ich dieser Tage meiner Tochter Hochzeit zu machen gedenke." „Das finde ich in der That schön etwas stark" — brauste Wandelowicz auf, „habe ich Euch nicht erst jüngst zehn Rubel gegeben?" , Oesterreichisch-ungarische Lantoren-Ieilung."

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