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Die Wahrheit · 1899-04-06 · Heft 12 (6.4.1899) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 12 (6.4.1899)
Date
1899-04-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit. Nr. 12. Zöglingen des Mädchen-Waisenhauses gesungen, hierauf verrichtete Obercantor Professor Adolf Lazarus das Abendgebet, worauf die eigentliche Trauerfeier folgte. Obercantor Lazarus trug das Trauerlied „Wenn der Stifter der Geschlechter, unsere Lieben zu sich ruft", in ergreifender Weise vor. Nach demselben würdigte Rabbiner Vr. Samuel Ko hu in einer formvollendeten, inhaltsreichen Gedenkrede die reichen Verdienste der hochherzigen Frau, deren eminente Wohlthätigkeit ihr ein unvergängliches Denkmal im ungarischen Israel errichtete. Ein Waisenmädchen sprach sodann ein von Max Szabolcsi verfasstes, wirklich schönes und erhebendes Gebet, worauf Professor Lazarus den El mole rachamim in künstlerischer Vollendung vortrug und das Kaddischgebet recitirte. Den Schluß der tiefergreifenden und würdevollen Trauerfeier bildete der Trauerchoral „Wir werden auferstehen!" den Obercantor Professor Lazarus mit dem Chore der Waisenmädchen höchst brillant zu Gehör brachte. 8—r. Budapest. Die Fortschritte der Technik gestatten es, selbst die größten und theuersten Gebäude, ohne dass dieselben den geringsten Schaden erleiden, fortzubewegen oder sie zu heben, und von diesem Gedanken geleitet, hat der Architekt A. K r u mholz ein Memorandum betreffs der Verschiebung des Tempels der Pester israelitischen Cultusgemeinde in der Tabaksgaffe ausgearbeitet. Den Anlass zur Ausarbeitung hiefür bot die Eröffnung der Wesselenyigasse, durch welche in der unmittelbaren Nachbarschaft des Tempels ein Platz geschaffen und dadurch Gelegenheit geboten wird, den jetzt zwischen Zinshäusern eingekeilten Tempel frei und imponirend zu situiren. Nach dem Projecte soll das Tempelgebäude um 37-7 Meter südwestlich an die Straßenflucht der neuen Weffelenyigasse geschoben werden, so dass der Grund, auf dem jetzt der Tempel steht, 674 Ouadratklafter, als Baustelle verwerthet werden könnte. Zwischen dieser Baustelle und dem Tempel bliebe eine acht Klafter (15 Meter) breite Straße. Der Tempel würde vollständig freistehen, jede der Langseiten an einer acht Klafter breiten Straße. Die Flügelbauten vor dem Tempel und das kleine Bethaus auf dem Hofe müssten demolirt werden. Durch die neue Situirung würde ferner auch die Zugänglichkeit des Tempels, insbesondere was den Wagenverkehr betrifft, gewinnen. Anlässlich der Verschiebung soll auch das ganze Tempelgebäude um einen Meter gehoben werden, da er sonst durch die neuen vierstockhohen Zinshäuser der Umgebung gedrückt würde. Die Kosten der Verschiebung betrügen etwa fl. 126.000; dazu kommen noch die Ausgaben für das neue Fundament und für den einen Meter hohen Steinsockcl, die Neupflasterung und die Legung eines provisorischen Fußbodens, um während der Verschiebung den Gottesdienst ungestört abhalten zu können. Ferner sollen auch die Langseiten des Tempelgebäudes mit farbiger Majolika decorirt werden. Der Unternehmer erklärt sich bereit, bei der eventuellen Uebernahme der Verschiebungsarbeiten eine Caution zu hinterlegen und volle Verantwortung dafür zu übernehmen, dass an dem Gebäude keinerlei Riffe oder Beschädigungen anderer Art Vorkommen werden. Die Verschiebung würde in 90 bis 120 Tagen vollendet werden. Elberfeld. Den Jahresberichten der beiden höheren und mittleren Mädchen-Schulen entnehmen wir, dass sich Herr Rabbiner vr. Auerbach wegen Ueberhäufung mit Arbeit veranlasst sah, sein Amt an den genannten Schulen niederzulegen. „Ungern" — so lesen wir in dem Berichte der höheren Mädenschule und Lehrerinnen-Bildungsanstalt in der Weststadt — „sahen wir den verehrten Mann aus seiner Stellung scheiden, die er so viele Jahre verwaltet hat. Sein liebenswürdiges Wesen, seine große geistige Frische hatten ihn uns lieb und werth gemacht." An seine Stelle trat Herr Hermann Zivi, dem die königliche Regierung zu Düsseldorf auf Grund seiner Zeugniße den gesammten Religionsunterricht an den ihr unterstellten Anstalten definitiv übertragen hat. Auch vom königlichen Provinzial-Schul- Collegium zu Coblenz ist Herr Zivi als Religionslehrer anerkannt und mit dem Unterricht in der dritten Abtheilung des Real-Gymnasiums sowie mit dem ganzen Unterricht an der Realschule betraut worden. _ Vereinsbote. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien.) Sonntag, den 23. April, Abends %8 Uhr, findet in Hernfeld's Saal- Localitäten, I., Marc Aurelstraße 6, die General-Versammlung mit nachfolgender Tages-Ordnung statt: I. Jahresbericht. II. Cassabericht. III. Wahl des Vorstandes. IV. Wahl der Cassa-Revisoren. V. Wahl des ständigen Schiedsgerichtes. Anträge und Candidaturen für den Vorstand sind acht Tage vor der General- Versammlung an die Vereinsleitung bekanntzugeben. S. Brod, Präsident, A. Kisch, Schriftführer. Wien. Der Vorstand der „O e sterr eichisch-Israelitischen Union" beschäftigte sich in seiner am 23. v. M. stattgefundenen Sitzung unter Anderem auch mit dem vom Abgeordneten Schneider im Niederösterreichischen Landtage eingebrachten Anträge auf Abänderung der Dienstboten-Ordnung in dem Sinne einer Erschwerung der Aufnahme christlicher Dienstboten bei jüdischen Dienstgebern. Nach eingehender Discussion wurde beschlossen, Verwahrung gegen die Zulassung und Verlesung dieses Antrages nicht einzubringen, und zwar aus folgenden Gründen: Die Begründung des Antrages enthält allerdings eine Reihe der nichtswürdigsten Schmähungen und niedrigsten Verleumdungen gegen die jüdischen Dienstgeber und insbesondere gegen die jüdischen Hausfrauen. Die Juden sind es aber nicht allein, welche in diesem tollwüthigen Schriftstücke angegriffen werden. Es werden in gleich unqualificirbarer Weise die höchsten Autoritäten des Staates, die obersten Justizbehörden, die Gesetzgebung und V erw altung beschimpft und verunglimpft, deren Urtheile, Entscheidungen und Verfügungen herabgew ürdigt und dem öffentlichen Spotte aus gesetzt. Es wäre die Pflicht des Landmarschalls gewesen, diesen Missbrauch der I mmunität spontan dadurch zu verhindern, dass er den Antrag mit seiner ungeheuerlichen Begründung zur Verlesung nicht zugelassen hätte. In jedem anderen Parlamente der Welt wäre diese Censur von Seite des Vorsitzenden zweifellos erfolgt. Da es sich hier nicht blos um die Ehre der Juden, sondern zum Mindesten auch in dem gleichen Maße um die Ehre und das An sehen aller staatlichen Autoritäten handelt, war der Vorstand der „Oesterreichisch- Jsraelitischen Union" der Ansicht, dass eine Remedur gegen die ungeheuerliche Begründung des Antrages Schneider zunächst Pflicht und Aufgabe jener Factoren wäre, welche über die Achtung vor dem Gesetze zu wachen haben. Wien. (Jüd.-akad. Lesehalle.) In den Ausschuss für das Sommersemester 1899 wurden gewählt: Präses: oaed. Arthur Bader, I. Vicepräses: jnr. Abraham Glasberg, II. Vicepräses: weck. Abraham Glanz, I. Schriftfüher: weck. Otto Ehrenfest, II. Schriftführer: ined. Gabriel Wolf, I. Cassier: wed. Max Kronfeld, II. Cassier: jur. Wilhelm Löw, ferner phil. Adolf Jampoller, med. Norbert Kohn, med. Wilhelm Balban, jur. Arthur Müller. In den Ersatz-Ausschuss: jur. I. Uhrmann, wed. M. Weiß, vaad. R. Fantl, med. Freund. Am 18. d. M. fand in unserem Vereinslocale ein Kammer- Musikabend statt, zu dem ein zahlreiches, meist aus Damen bestehendes Publicum erschienen war. Die Anwesenden folgten mit großem Interesse den Darbietungen der Herren Walther und Robert Epstein, Joseph Wegenftein und Joseph Portelli, die sie mit aufrichtigem und lautem Beifall belohnten. Wien. Der Synagogen-Bauverein für Wieden und Margarethen in Wien hielt am 23. März in Jellinek's Saallocalitäten seine dritte ordentliche Generalversammlung ab, welcher als Vertreter der Cultusgemeinde Vicepräsident vr. Gustav Kohn anwohnte. Der Bericht des Vorstandes gedachte der Schwierigkeiten, die sich der schönen Idee der Erbauung einer Jubiläumssynagoge entgegenstellten, so dass der Vorstand nach reiflicher Ueberlegung von dem großen Plane abgehen musste und sein Ziel in kleinem Maßstabe, aber in würdiger Weise zu erreichen hofft. Durch einen glücklichen Zufall steht das Gebäude, in dem sich seit langen Jahren das jetzige Gotteshaus befindet, im Verkaufe, und es

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