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Die Wahrheit · 1899-04-06 · Heft 12 (6.4.1899) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 12 (6.4.1899)
Date
1899-04-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 12. Die Wahrheit. Seite 7. jeden Menschen ein; wer ihre Gesetze befolgt, wird dem Israeliten gleich geachtet, ist gleich dem Hohepriester. Der ideale Antrieb allein und nicht die Abstammung entscheidet (154). Jeder, der Götzendienst verwirft (ihn leugnet, sich von ihm wendet), heißt ein Jehudi (Megillah, 13a) (158). Die Frommen unter allen Völkern haben Theil an der künftigen Welt (Sanhedrin 105a). Stammten ja sogar geistige Heroen der Juden aus fremdem Blute oder waren selbst Proselyten (159). Davids Ahne war die Moabiterin Ruth, Semaja und Abthalion, die Amtsvorgänger Hillels, waren nach der Tradition Proselyten, desgleichen Onkelos, R. Akiba, R. Meir. Damit steht nicht die spätere Abneigung gegen Proselyten im Widerspruch, denn diese war durch mancherlei Gründe vollauf berechtigt. Dennoch müssen zwei Strömungen zngestanden werden: die national-partimlaristische und die menschheitlich-universalistische (161). Auch die erste hat — bis zu gewisser Grenze — ihre Berechtigung und ihren Werth. Israel musste particularistisch sein, um universalistisch zu werden und zu bleiben (164). Die beiden Richtungen kämpfen noch heute gegeneinander. Für die Frage, ob wirklich die nationale Beschränkung aufgehoben ist (170), kommt nicht in Betracht, welche sittlichen Pflichten man dem Fremden, sondern, welches ethische Verhalten gegen ihn man sich selbst auferlegt: welche Rechte man jenem einräumt. Dass die Ethik des Judenthumes in dieser Beziehung nicht bloß eine hervorragende, sondern unvergleichliche und geradezu ausschließliche Ehrenstelle unter den der alten Völker einnimmt, ergibt sich aus Allem, was die Quellen darüber berichten (172). Es sei besonders auf die Stelle Ezechiel 47, 21—23 (173), aufmerksam gemacht, nach welcher bei einer künftigen Land-Aufthcilung der Fremde in vollkommen gleichem Maße bedacht werden sollte wie der Einheimische. Die Rechtsgleichheit ist eine charakteristische, ausschließliche und edle Schöpfung des jüdischen Geistes. Damit vergleiche man die „Barbaren" der Griechen und das Strandrecht (171) und das „Gebet um gesegneten Strand" noch in unserem Jahrhundert bei allen Völkern, welche die „Religion der Liebe" bekennen. Für den anderen Fall, dass die Juden nicht mehr Herren, sondern Beisassen sind, hat bereits Jeremia (29, 7) den klaren Grundsatz aufgestellt: „Trachtet nach dem Wohle der Stadt, wohin Ihr kommt" (176). Aus der Neuzeit sei auf den § 14 der bekannten „Grundsätze der jüdischen Sittenlehre" hingewiesen (177), welcher lautet: „Das Judenthum gebietet, das Vaterland zu lieben und für dessen Ehre, Gedeihen und Freiheit Gut und Blut willig zu opfern." Es darf mit ruhigem Bewusstsein ausgesprochen werden: die Juden haben allzeit und überall getreu diesen Grundsätzen gelebt. Unsere Ethik verbietet nicht nur jede Kränkung des Fremden, fordert für ihn nicht nur volle Rechtsgleichheit, sondern sie verlangt noch mehr: Liebe und Mitgefühl gegen die Wildfremden auf dem Markte; sie begehrt: dass wir ihn auch an unsern Freuden theilnehmen lassen. Wahrlich! Eine herrliche Ethik! II. Abschnitt. Das Ziel der Sittlichkeit. — Heiligung des Lebens. 4. Gcrpitek. Heiligung ist Versitllichung. Das Ziel aller Sittlichkeit ist die Heiligung des Lebens (187). Diese besteht in der vollkommenen Versittlichung der menschlichen Gesellschaft. Heiligung bedeutet zunächst ganz allgemein, das Leben ernst und lies nehmen. Vieles ist wichtig, aber das Heilige ist das Wichtigste. Das Heilige muss uns am meisten unverletzlich gelten, aus der höchsten Stufe der Werthschützung stehen. Von jeher wurden innerhalb des Judenthums zwei Arten des Heiligen unterschieden (188). Das den Gottesdienst betreffende Heilige einerseits und andererseits das Heilige der Denkweise, der Gesinnung, des Gemüthsftandes; kurz bezeichnet: Das rituelle Heilige und das ethische Heilige. Das rituell Heilige beruht auf einer göttlichen Einsetzung (189); seine Bestimmung folgt nicht aus dem Wesen des Heiligen oder dem Begriff der Heiligkeit. Alles rituell Heilige zusammen, Personen, Sachen, Handlungen, welche geheiligt sind, bilden eine Welt für sich — im Gegensatz zum Gemeinen, Profanen, Alltäglichen (190). Während aber dieses Heilige nur als Symbol auf eine zweite, höhere Wesenart und Lebensform hindeutet, ist das Ethische das an sich und durch sich selbst Heilige. Für Rituell-Heilig darf nicht Religiös-Heilig gesetzt werden. Denn weder kann alles rituell Heilige wahrhaft religiös genannt werden (193), noch ist alles Religiöse an rituelle Formen geknüpft. Ferner ist religiöse Heiligkeit nicht ohne ethische denkbar, und die ethische büßt nichts von ihrem Charakter ein, wenn sie zugleich zur religiösen wird. Es gibt auch sachlich Heiliges (194), das heilig ist, weil es mit Heiligem verbunden ist, zum Beispiel: Die Bundeslade, ein Gotteshaus, eine Gesetzesrolle. Bei ihnen bedarf es nicht der Heilig-Erklärung. Diese Heiligkeit hat einen psychologischen Grund (195). Alles, was zur Ehre Gottes, aus Hingebung an Gott geschieht, ist religiös. Das ist aber im Judenthume ohne das Sittliche nicht denkbar, ohne die Erkenntnis unserer Unvollkommenheit (196). Das Sittliche kann gleichzeitig religiös sein, indem wir das Sittliche um seiner selbst willen thun und zugleich im Aufblick zu Gott. Das innigste und edelste Band zwischen Sittlichkeit und Religion (197) hat der rabbinische Geist dadurch geknüpft, dass er den erhabenen Begriff des nrn ®y-rp vollkommen ausgebildet hat: also der Heiligung des göttlichen Namens durch des Menschen Sittlichkeit. Das np-tsn snp: srnpn und das Trenpr (198) ist der höchste Begriff, der von einem Menschengeiste gedacht, und das edelste Wort, das von menschlicher Zunge geredet worden ist. In der Thora ist der allgemeine Zusammenhang der Begriffe Heiligkeit und Sittlichkeit unter Anderm dadurch angedeutet, dass die kleine, aber überaus gehaltreiche Sammlung religiöser und sittlicher Gebote im III. Mos. 19, mit der Heiligkeit des Menschen — wegen der Heiligkeit Gottes - eingeleitet ist. (Fortsetzung folgt.» Unmiillische Iudenhehen. Die Negierung, unterstützt von derjenigen F-raetion der conservativen Partei, welche sich den einstigen Bukarester Bürgermeister, Nicu Filipescu, zum Führer auserkoren hat, benützte die Bauernaufstände, um eine neue Jud entsetze zu entfesseln. Seit dem vorigen Jahre, als in Bukarest die Judenkrawalle ausbrachen, hatte die Regierung des Herrn S t u r d z a es darauf abgesehen, die jüngere jüdische Generation, welche die gesetzliche Regelung der bürgerlichen und politischen Stellung der in Rumänien angesessenen Juden energisch forderte, zu entfernen.

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