Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 11 (22.3.1899)
- Date
- 1899-03-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11. Die Wahrheit. Seite 11. ereines zur Speisung von armen israelitischen Schulkindern im und 17. Bezirk theilnahmen. Ergreifend war die Schildemg der großen Nothlage vieler Eltern und ihrer unschuldigen Inder, denen nach dem Spruche unserer Weisen '222 nnm .*mn nrcri nna '2 a^p die Möglichkeit geboten werden üsse, sorglos lernen zu können. Die Förderung dieses religiösrmanen Zweckes fand allgemeine Anerkennung und wurde sofort n zwölfgliedriger Ausschuss gewählt. Waidhofen a. d. Thaya. Der uns vorliegende Bericht :s hiesigen „Frauen-Wohlthättgkeits-Vereines" zeigt uns eine folgreiche Wirksamkeit dieses Humanitären Vereines, dem sich ich im Jahre 1898 die Opferwilligkeit der Bewohner der ezirke Waidhofen-Zwettl, sowie der fernen Freunde zugewendet it. Der Kreis der Mitglieder und Gönner hat sich erweitert, e Beiträge sind reichlicher eingegangen und dementsprechend muten die Wohlthaten des Vereines in ausgedehnterem Maße mbt werden, so dass Heuer 231 fl. zur Vertheilung gelangten, :gen 165 fl. 6 kr. im Vorjahre. In der am 13. Februar 1898 attgehabten Generalversammlung wurden die Damen des Vorandes einstimmig wiedergewählt: Antonie Singer, Präsidentin, herese Fürst Vice-Präsidentin, Julie Pollak, Cassierin, Amalie S t u k k a r t, Schriftführerin, Mathilde Singer, Conolorin; Revisorinnen: Johanna Färber, Therese Singer; msschussdamen: Josefine Hirsch krön, Helene Kramer, lntonie K 0 l l m a n n, Hermine O e st e r r e i ch e r, Mary rchweiger, Vr. Helene Kahan, Rosa Glaser, Karoline Mannheimer. In der Sitzung vom 3. Jänner 1899 wurde lit Bedauern zur Kenntnis genommen, dass die Vice-Präsidentin nau Therese Fürst, wegen bevorstehender Uebersiedlung ihr lmt unter Versicherung fernerer Sympathien für den Verein nd dessen Vorstand zurücklegte. Der Vorstand hat eine Anrkennung des Humanitären Wirkens dieser Dame in einer Dankesdresse zum Ausdruck gebracht. — Anlässlich des bevorstehenden Pessachfestes wurden in er am 19. d. M. stattgefundenen Sitzung des Frauen-Wohl- Hütigkeits-Vereines, unter dem Vorsitz der Präsidentin Frau lntonie Singer, an verschiedene arme Familien unseres Bezirkes Interstützungen von insgesammt 65 fl. beschlossen. Außerdem raren drei Neuwahlen zu vollziehen. Die bisherige Cassierin frau Julie Pollak wurde an Stelle der scheidenden Frau llherese F ü r st zur Vice-Präsidentin, die bisherige Schriftführerin Prau Amalie Stukkart zur Cassierin und Frau Dr. Helene ah an zur Schriftführerin einstimmig gewählt. Prag. Der Verein „Afike Jehuda" veranstaltete am 2. März in der Meiselsynagoge einen Vortragsabend, an welchem?err vr. K. Werner, Rabbiner in München, der mit Recht ils einer der besten Kanzelredner unserer Zeit gerühmt wird, ns Thema „Spinoza in Wahrheit und Dichtung" behandelte. Als die )nden zur Zeit Torquemada's aus Spanien vertrieben wurden, lüchteten die meisten nach Holland; auch Spinoza's Eltern waren mch Amsterdam geflüchtet. Der frühreife Knabe Baruch hatte einen Geist am Studium des Talmud und der Kabbala geschärft, ltach seinem Tode fand man in seinem Sterbezimmer noch »ebräische Bücher auf. Spinoza hat die lateinische, italienische, panische und portugiesische Sprache beherrscht und war ein behütender Mathematiker. Sein Lehrer war der Gottesleugner franz von Ende, der seinen Glauben erschütterte. Spinoza eregte durch seine religiöse Indifferenz den Argwohn der Rabbinen md wurde in der Folge in den Bann gethan. Damals verachte auch ein Fanatiker ein Dolchattentat auf ihn. Nun ging Spinoza, 24 Jahre alt, in ein Dorf, wo er einige Jahre lang 'infam lebte, von dort ging er nach Regensburg; die letzten Lebensjahre verbrachte er im Haag, wo er sich vom Glasschleifen ^nährte und seine philosophischen Werke schrieb. Eine Tendenzchrift, in der er dem Judenthnm großes Unrecht that, war anonym erschienen; diese war seine Rache. Eine Professur in Heidelberg ehnte er ab, da er befürchtete, dann seinem Glauben entsagen;n müssen. Auch Louis XIV. bot ihm vergeblich eine Stelle als Prinzenbegleiter an. Dem Aussehen nach war der Philosoph, wie Mendelsohn, Kant u. A. m. hässlich und unansehnlich. Er war aber ein reiner Charakter. Er weigerte sich, die Erbschaft nach seinen Eltern anzutreten, und nahm sich nur ein Bett, weil er ein solches nicht hatte. Der Denker erlosch (1677) wie eine Kerze, die leuchtet und sich verzehrt. Im Haag liegt er begraben, wo ihm nach 200 Jahren die Nachwelt ein Denkmal errichtet hat. Nun beleuchtete der Vortragende noch eingehend die Philosophie Spinoza's und erläuterte dessen Grundsatz: „Gott ist die Welt, die Welt ist Gott", und: „Der Mensch muß; er kann nicht, wie er will". Schließlich führte Dr. Werner aus, dass die damaligen Rabbinen von ihrem Standpunkte zu ihrem Vorgehen berechtigt waren, denn dem Judenthum ist die Welt nur ein Werk Gottes, Gott aber steht über demselben. Spinoza's Geist lebte in Lessing wieder auf. Gutzkow hat Spinoza in seinem „Uriel Acosta" dichterisch bearbeitet. Auch der fünfundzwanzigjährige Berthold Auerbach hat einen Roman „Baruch Spinoza" geschrieben, der aber nicht sonderlich gelungen ist. Doch lernen wir dort den Autor als vorzüglichen Ghettoschilderer kennen, wie wir auch einen solchen (S. Kohn) in dieser Stadt wirken sehen. Auch Goethe wurde Spinoza's Bewunderer; unsere ganze moderne Lyrik ist spinozistisch angehaucht. Mit einigen versöhnenden Worten schloss der ebenso formvollendete als gediegene Vortrag, für den Herr Rabbiner vr. Kisch dem geehrten Gaste den Dank der zahlreichen Zuhörerschaft ausdrückte. R. M.-T. Pilsen. Am 9. d. M. fand die Generalversammlung drs israel. Kreuzer-Vereines statt. Der Obmann Herr JUDr. Rudolph Duschner hielt dem verstorbenen Schriftführer des Vereines, Herrn Ignatz Gutwillig, einen warmen Nachruf. Dem vom Cassier, Herrn Ferdinand Löwy, vorgetragenen Geschäftsberichte ist zu entnehmen, dass die Zahl der Mitglieder circa 500 beträgt, deren Beiträge sich im verflossenen Vereinsjahre mit fl. 394 bezifferten. Die Gesammteinnahmen betrugen fl. 3223, die Ausgaben st. 3911. Die Zahl der unter der Obsorge des Vereines stehenden Waisenkinder betrug 21. Der Vermögensstand des Vereines beläuft sich auf fl. 28.643. Nach dem Berichte der Revisoren, Herren Jos. Trauer und I. Herrmann, wurde dem Vorstande das Absotutorium ertheilt und auf Antrag des Herrn Wilh. Arnstein der Dank ausgesprochen. Die bisherigen Rechnungsrevisoren wurden wiedergewählt. Die Wahl in den Bereinsvorstand fiel aus nachstehende Herren: Illvr. Rudolph Duschner, Ferdinand Löwy Simon Hofmann, Alfred Recht, Herm. Strauß, Moritz Auer, 16vr. Sabath, Hugo Rudinger; Ersatzmänner: die Herren Jos. Hofmann, Markus Schickt und Herm. Zuckermann. Prag. Der Damenabend des Tempel-Gesangvereines in Carolinenthal, welcher am 15. d. M. im großen Saale der Productenbörse stattfand, nahm einen sehr schönen und animirten Verlauf. Der Verein trug eine Reihe gut einstudirter Chöre vor, darunter auch den gemisch en Chor: „Siegesfest", welchen der Dirigent des Vereines, Herr Richard Grünfeld, gewidmet hat. Die Soli in diesem Chore sangen Fräulein Marie Fuchs und Fräulein Emma Neumann. Stürmischer Beifall folgte dem Bortrage dieses Chores. Fräulein Neu mann, die über eine ansprechende Stimme verfügt, brachte noch mehrere Lieder zum Vortrage und erntete verdienten Applaus. Mit zu den schönsten Nummern des Abends gehörte der Violin-Vorttag des Concertmeisters HerrnOtto Frankenbusch vom deutschen Landestheater. Den Abend beschloss bei den Klängen der Musikcapelle des 1v2. Infanterie-Regimentes Unter der persönlichen Leitung des Capellmeisters Herrn B obe k ein aniinirles Tanzkränzchen. Literatur. Bibliographisches Lexikon der gesammten jüdischen und theologisch rabbinischen Literatur der Gegenwart, mit Einschluss der Schriften über Judni und Judenthum. Von CH. Lippe, Wien. Neue Serie. Erster Band. 8 Kronen. — Der Berfaffer hat mit nnerinüdlichem Fleiß ein Werk geschaffen, welches jede», Freund der jüdischen Literatur höchst willkommen sein wird, und, wie der Berfaffer sich bescheiden ausdrückt, sich in so mancher Hinsicht fördernd und nützlich erweisen. Leider aber ist der Nutzen einerseits nicht vollständig, indem hier durchaus nicht die gesammte jüdische Literatur vertreten ist. So fehlen sehr viele Doctor-Differtationen, während nur ein Theil derselben angeführt ist. Andererseits kann der Nutzen gerade in Schaden Umschlägen, da jede Bemerkung Uber den Werth oder Unwerth der Bücher fehlt. Kataloge, welche