Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 11 (22.3.1899)
- Date
- 1899-03-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. Die Mahrheit. Nr. 11. Psychologie und Sprachwissenschaft heraus. Durch seine hervorragenden wissenschaftlichen Arbeiten, die er in seinen zahlreichen Werken niederlegte, hat er sich nicht nur in der Geschichte des Judenthums, sondern der gesammten Menschheit ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Gememdebote. Wie«. In der vertraulichen Sitzung, welche aus die öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener Cultusgemeinde am 12. d. M. folgte,*) gelangte die Dr. Adolf Sacks'sche Stiftung für Herz- und Aortakranke (14 Plätze L fl. 300) Dreihundert Gulden ö. W. gemäß dem Anträge des Referenten Herrn Dr. Josef Grünfeld an die bereits seit dem Vorjahre im Genüsse dieser Stiftung stehenden Petenten zur Verleihung. Weiters wurde die Josef Spitzer'sche Armen- Stift ung im Gesammtbetrage von ö. W. fl. 120 über Referat des Herrn Salomon Rosner an 4 Petenten, und die S a l o m o n Goldschmidt'sche Stiftung für Gymnasialschüler (2 Plätze ä fl. 50, 3 Plätze ä fl. 48) über Referat des Herrn Vicepräsidenten Dr. Gustav Kohn an 5 Petenten verliehen. Zwei Religionslehrern der israelitischen Cultusgemeinde wurde das Definitivum verliehen. Der Armenanstalt der israelitischen Cultusgemeinde wurde nebst dem budgetirten Betrage von fl. 2000 für das Jahr 1899 noch ein weiterer Betrag von fl. 500 z ur Verleihung von Mazzoth angewiesen. Die Lori Baumgarte n's che Herz kr anken - Stiftung und die Moritz L e in k auf's che Ka dis chw idmun g gelangen nach dem Referate des Vicepräsidenten Dr. Kohn zur Annahme. Schließlich gelangten mehrere Personalien und Steuerangclegenheiten zur Erledigung. Wie«. Am Tmr schloss Herr Rabbiner Dr. S ch m i e d l die Reihe seiner glänzenden und geistreichen Freitag-Abend-Predigten mit einer symbolischen Betrachtung der einzelnen Theile der hohenpriesterlichen Gewandung, beim Kopfbund das nb «np hervorragend und Richtung gebend. Beim Brustschild die Devise: Aron trage die Namen der Kinder Israels auf seinem Herzen, enthalte die Lehre, dass auch der jetzige Priester das Wohl seiner Gemeinde im Herzen hege und darnach handle, endlich der b'ya mit den Granatäpfeln und Glöckchen gebe die ernste Mahnung vipn bx i«22 -Kip ratwi. Man müsse im Heiligthum nur seiner innersten Ueberzeugung Ausdruck geben, dagegen das gute Wirken und Wollen nicht stets an die große Glocke hängen, dann würde auch Israel als Priestervolk mustergiltig und maßgebend von der Welt anerkannt daftehen. Nicht unerwähnt bleibe noch die historische Reminiscenz über die jüdische Gastfreundlichkeit, welche unsere Väter im Jahre 1731 übten, als die Protestanten aus dem Salzkammergut vertrieben wurden und sonst nahezu nirgends Schutz und Schirm fanden, im Gegensätze zur Intoleranz und Gehässigkeit, die man gegenwärtig bei einzelnen fanatischen Clericalen findet. Das sei weder Liebe, noch Toleranz. Br««u. (Mähr.-jüd. Landesmassafond.) Am 13. d. M. fand die diesjährige Generalversammlung der Delegirten zur Verwaltung dieses Fondes statt, wobei 41 mähr. Jsraeliten- Gemeinden vertreten waren. Zum Vorsitzenden wurde der Obmann- Stellvertreter des Curatoriums, Herr kais. Rath Mandl, gewählt, der zunächst über die anlässlich des Kaiser-JubiläumS namens der Delegirten bei dem Statthalter gemachte Aufwartung berichtete, was mit Befriedigung zur Kenntnis genommen wurde. Der Gebahrungsbericht des Curatoriums für das Jahr 1898 erwähnt zunächst den Rückgang der Einnahmen in Folge des sinkenden Zinsfußes, dem die wachsenden Bedürfniße und Ansprüche der Gemeinden gegenüberstehen. Der Aufwand belief sich insgesammt auf 46.907 fl. 83 kr., und zwar betrugen die Schulsubventionen an 49 Gemeinden 13.800 fl., die Gemeinde- Unterstützungen an 44 Gemeinden 11.855 fl., Personal-Unter¬ *) Der Bericht über die öffentliche Sitzung wurde bereits iu der vorigen Nummer unseres Blatte veröffentlicht. Die Redactton. stützungen 9440 fl., Stipendien 550 fl., an Bildungs- und Humanitäts-Anstalten 4200 fl. u. s. w. Der Bericht der Revisoren constatirt die Richtigkeit der Bücher und des Abschlusses, worauf dem Curatorium die Entlastung ertheilt und der Vortrag des Saldos von 2164 fl. 62 kr. auf neue Rechnung genehmigt wurde. Ebenso wurden die Ansätze des Voranschlages in den Einnahmen mit 48.796 fl. 12 kr., in den Ausgaben mit 48.387 fl. 20 kr. einstimmig angenommen und zu Revisoren für das Jahr 1899 die Herren G. Fischer, G. Tandler und Max Kohn wiedergewählt. Da der vorjährige Beschluss, dem Reservefonde 20.000 fl. zur Dotirung des Kaiser-Jubiläums- Pensionsfondes zu entnehmen, von der Regierung nur unter der Bedingung genehmigt wurde, wenn die 88 6 und 9 des Statuts zuvor entsprechend abgeändert werden und zugleich ein Statut für den Pensionsfond zur Genehmigung vorgelegt würde, wurde das Curatorium ermächtigt, einer demnächst einzuberufenden Delegirten-Versammlung den Entwurf der Abänderung der bezüglichen Paragraphe des Statuts, sowie überhaupt einer umfassenden, zeitgemäßen Statuten-Revision und eines Pensions- Statutes in Vorlage zu bringen, diese Vorlage jedoch vorher den Cultusvorständen zur Bekanntgabe ihrer diesfälligen Wohlmeinung zu übermitteln. Hierauf erklärte der Vorsitzende die Verhandlung für geschlossen. Zur Ergänzung dieses Berichtes wird noch von anderer Seite berichtet, dass sich auch eine sehr erregte Debatte darüber entsponnen hat, ob die sogenannten „L u e g e r - A c t i e n" (Wiener Gasanlehen), von welchen der Landesmassafond 10.000 fl. zur Anlage angekauft, resp. subscribirt hat, zu verkaufen seien. Diese Debatte machte die Sitzung, welche in früheren Jahren, obwohl stets viel geredet wurde, still zu verlaufen Pflegte, zu einer lärmenden. Schließlich wurde der Antrag unter lebhaftem Widerspruche der Minorität verworfen. Am kommenden Donnerstag findet deshalb im hiesigen städtischen Redoutensaale eine vom Wiener „Jüdischen Volfsvereiue" veranstaltete Protestversammlung statt. Die hiesigen Zionisten wollen sich aber mit dieser Veranstaltung nicht vollkommen einverstanden erklären, da sie die „Lueger-Fonds-Frage" als nicht in den Bereich des Zionismus gehörig betrachten. Boskowitz. Das Ergebnis der politischen Wahlen in unserer Jsraelitengemeinde ist folgendes: Zum Bürgermeister wurde Herr Daniel Eisler, zu Gemeinderäthen die Herren Emil Ungar, Albert Basch, Georg Ticho und Israel Werner und zu Ausschüssen die Herren Dr. Salomon Funk, Moritz Fleischer, Bernhard Munk, Heinrich Walt, Emanuel Eisler, Max Eisler, Emanuel Basch, Naihan Ulimann, Hermann Spielmann, Sigmund Beer, Julius Weiß, Ignaz Ticho und Josef Ticho gewählt. Vereinsbote. Wien. Der zweite Jahresbericht der „Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums" für das Jahr 1897 constatirt einen erfreulichen Fortschritt in der Entwicklung dieser Institution, dem sich die Sympathien der Glaubensgenossen durch Spenden und Beitritte in steigendem Maße zuwenden. Am Ende des Jahres 1897 zählte die Gesellschaft neun stiftende und 123 ordentliche Mitglieder, die bis heute eine bedeutende Vermehrung erhalten haben. Dem kurzgedrängten Berichte ist der im „Jüdischen Museum" am 3. Jänner 1898 von Oberrabbiner Dr. M. Gü de mann gehaltene Vortrag über „Das Judenthum und die bildenden Künste" angefügt. Wien. (Ottakring.) Unmittelbar, nachdem das Requiem für den seligen Herrn Jguaz Edlen von Kuffner unter sehr großer Theilnahme der Gemeindemitglieder und vieler Gäste aus anderen Bezirken in feierlichster Weise von den Herren Rabbiner Dr. Bach und I. Cantor M. Schlesinger abgehalten wurde, fand auf Anregung des Communallehrers Herrn I. Epstein eine Versammlung statt, an welcher die Vereine tomi p»n, „Einheit", „Ungarherz" und „Kinderfreunde" behufs Gründung eines