Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 10 (14.3.1899)
- Date
- 1899-03-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10. Die Wahrheit. Nr. 10. / Vereinsbote. Wie«. (Verein zur Hebung der Gewerbe in Wien.) Der über alle Erwartungen so zahlreiche Besuch der am 5. d. M. statt gefundenen Plenar- Versammlung des Vereines hat die Vereinsleitung trotz der scharfen Controle durch Abnahme von Eintrittskarten in nicht geringe Verlegenheit versetzt, indem die Thore des Gewerbevereinshauses behördlich geschlossen werden mussten, weil der bereits um 7 Uhr überfüllte große Festsaal ein weiteres Eintreten nicht zuließ. Weit über hundert Personen, den besten Ständen unserer Stadt angehörend, mussten unwillig abziehen. Der Abend war aber auch ein herrlicher und jeder Besucher dieser Versammlung wurde für die geringe Unbequemlichkeit des Platzmangels reichlich entschädigt. Herr Hof- und Gerichts-Advocat Dr. Heinrich Sieger, den man als großen Redner und Vertheidiger kennt, hat an diesem Tage seine Zuhörer entzückt. Er führte die Versammlung in den Gerichtssaal ein, stellte derselbe den Gerichtspräsidenten, den Staatsanwalt, die Beisitzer, die Geschwornen, den Vertheidiger, die Berichterstattung, das Auditorium in würdiger und erhebender Weise vor, und nur sehr ungerne verließ man jenen Gerichtssaal, den man sonst gerne hinter sich weiß, unter dieser hochinteressanten Führung. Der Vortragende wurde mit rauschendem Beifalle, insbesondere nach den mit einigen Pointen gewürzten Dankesworten des Präsidenten B ro d beehrt und allseitig beglückwünscht. Die in Naturgröße vom Herrn kaiserlichen Rechnnngsrathe Oscar E n der vorgeführten Coloraturbilder aus Japan sind wahre Meisterstücke. Jedes derselben wurde mit sichtbarer Freude von den aufmerksamen Beobachtern belohnt. Unter den Anwesenden bemerkte man: Regierungsrath Gcwerbe-Oberinspector Kulka sammt Frau, k. k. Universitäts-Professor Dr. Politzer sammt Frau, kaiserlicher Rath Dr. Kohn sammt Frau, die Vorsteher der Cultusgemeinde, Schuldirector Simon, Architekten Fleischer und Modern, Religions-Professor Kanitz, die Commercienräthe Eisenberger undStiaßny, Bezirksausschuss Waldstein, Genossenschafts-Vorsteher Zolles, Obercantor Bauer, Herausgeber der „Wahrheit", die Vorsteher der Export- und Oe st.-ung. Colonial-Gesellschaft u. A. mehr. Allgemein wird eine Wiederholung der beiden Vorträge gewünscht. Wie«. Nach dem vorliegenden 18. Jahresbericht des humanitären Vereines „Kind er schütz" (Kanzlei I., Wollzeile 6—8) betrugen die Einnahmen im abgelaufenen Jahre 4618 fl., darunter 1357 fl. an Mitgliedsbeiträgen, 1294 fl.' an Subventionen und Spenden. Die Verpflegskosten der Schützlinge beliefen sich auf 2169 fl. Der Verein berücksichtigt, obwohl er von der Wiener Gemeinde keine Unterstützung erhält, die Kinder aller Confesssonen, war aber leider heuer bemüsfigt, die Zahl der Pfleglinge auf 22 zu reduciren. Die Vereinsleitung gedenkt im Berichte des am 25. Februar 1898 veranstalteten Costümfestes, das geeignet war, mit neuen Gönnern und Gönnerinnen in Fühlung zu treten, und einen Reinertrag von 602 fl. erzielte. Im December wurden die Schützlinge des Vereines mit Geschenken, bestehend in Büchern, Wäsche und Winterkleidern, bescheert und wurden dieselben - aus religiösen und socialen Motiven in die Wohnungen der einzelnen Kinder geschickt, was wohl weniger feierlich, aber eine Schonung des kindlichen Zartgefühles ist. Bei der am 22. Februar 1898 stattgehabten General-Versammlung wurde Herr Dr. Sigmund Feßler als Obmann, die Damen Minna Trebitsch und Sophie Popper als Obmann-Stellvertreterinnen, ferner Herr Direktor Langbank als Eossier, Herr Dr. Max Brück als Schriftführer wiedergewählt. Nach dem Tode ihres Gatten resignirte die um den Verein bestverdiente Fau Minna Treb lisch auf ihr Ehrenamt. Ihr und der Frau Mathilde Hellmann wurde in Anbetracht ganz außerordentlicher Verdienste die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Inniger Dank gebührt auch der Frau Elise Adler für die erfolgreiche Mühe bei Aufstellung von Sammelkörbchen, welche die beträchtliche Summe von 127 fl. ergaben. .Als unentgeltlicher Arzt fungirte Herr Dr. I. Treulich, 111.. Nennweg 1°, nach dessen Bericht der Gesundheitszustand der Schützlinge als äußerst günstig bezeichnet werden kann, was sicherlich zumeist der mütterlichen Sorgfalt der Aufsichtsdamen zu danken ist, die bei den knappen Vereinsmitteln oft tief in die eigene Tasche zu greifen Anlass haben, um das Nöthige zu besorgen. — Möge es ihnen der Allvater reichlich lohnen l Wien. Im „Vereine zur Abwehr des Antisemitismus" hielt vorigen Freitag der Schriftsteller und Bibliothekar Dr. Bernhard M ü n z einen Vortrag über den Universalismus des Judenthums. Redner motivirte das Entstehen der Blutbeschuldigung durch die ähnliche Anklage der Römer gegen die ersten Christen, und auch die gegen den Talmud gerichteten Anwürfe wurden gründlich widerlegt. Bibel und Talmud zeigen sich viel liberaler gegen die Fremden und Sclaven, als es bei einem Volke des Altenhums sich finden lässt. Der Betrug gegen Andersgläubige wird strenger getadelt, da zugleich die Entweihung des göttlichen Namens damit verbunden ist. Auch die späteren Decisoren äußern sich höchst tolerant gegen das Evangelium und wünschen, dass dasselbe von seinen Bekennern beobachtet werde, es wäre dann auch zum Heile Israels; überhaupt sei das Christenthum als Etappe zur Verwirklichung der messianischen Verheißungen zu betrachten, indem den Völkern der Glaube an die Offenbarung, Auferstehung und Vergeltung nach dem Tode dadurch erschlossen wurde. Der Stifter der Kirche wird als Freund der Juden geschildert, der gar nicht die Absicht hatte, das Alte Testament aufzuheben, im Gegentheil es erhalten und befestigen wollte, da es für das „auserwählte Volk" für ewige Zeiten bestimmt ist. Nur den heidnischen Convertiten wurden Concesstonen gemacht. Das gewählte Auditorium zollte dem Redner reichen Beifall. Wie». Samstag, den 25. Februar d. I. veranstaltete der humanitäre Verein „Die Szeniczer in Wien" in den Pracht- Localitäten des Hotel „Bayerischer Hof" seinen ersten Vergnügungsabend, der sehr gut besucht war und den humanitären Zwecken des Vereines ein hübsches Erträgnis sicherte. Das abwechslungsreiche, durchaus heilere Programm wurde vom Publicum lebhaft acclamirt und verdienen die Concertsängerin Fräulein Gorowaja, der Tenorist Herr Petri, das Duettistenpaar Fräulein Hammer und Herr Lutz, sowie der Komiker Herr W oll er besondere Erwähnung. Nach den Vorträgen folgte ein recht animirtes Tanzkränzchen. Für das treffliche Arrangement gebührt dem eifrigen Damen- und Herren-Comita, an dessen Spitze der Obmann Herr Back stand, Dank und Anerkennung. Wien. Der jüdische Volksverein veranstaltete Mittwoch, den 5. März in Jellinek's Restauration (Margarethen) eine Versammlung behufs Fassung einer Resolution in Angelegenheit von Kirchen- und Tempelbauten. Die jüdischen Gemeinderäthe sollten dafür eintreten, dass die Commune auch den Bau jüdischer Gotteshäuser subventionire. Durch die jüngste Entscheidung des Verwaltungs-Gerichtshofes wurde der Gegenstand besonders actuell. Das Referat hatte Dr. Arnold Ascher, der die Frage von allen Seiten gründlich beleuchtete. Nach ihm sprachen die Herren Plaschkes, Baum, Zerkowitz, Architekt Fränkl, Holitscher, Spitzer, Hoffmann, Wessely rc. Durch Herrn Dr. Wiesengrüu wurde der Zionismus auf's Tapet gebracht, was die Versammlung in zwei Lager theilte, und es lag die Gefahr nahe, die Versammlung resnltatlos auflösen zu müssen. Es wurde nämlich Herrn Dr. Herzl vorgeworfen, dass er seine Anhänger auf den Irrweg führe, das wollten aber seine Jünger nicht zugeben. Durch Herrn Aork Steiner wurden aber bald die schäumenden Wogen applanirt, und so konnte die erwähnte Resolution einstimmig gefasst werden. Prag. (Unterstützungsverein für mittellose isr. Universitätshörer in Prag.) In der am 28. Feber abgehaltenen ordentlichen Vollversammlung, bei der Herr J. ü. Dr. Rudolf Wiesler den Ehrenvorsitz führte, erstattete der Obmann Herr «1. U. Dr, Max Lasch den Ausschußbericht für das abgelaufene Vereinsjahr und wies in demselben auf die besonders günstigen Erfolge der Vereinsthütigkeit hin. Hierauf verlas der Cassier, Herr