Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 8 (26.2.1899)
- Date
- 1899-02-26
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 8. Die Wahrheit Seite 11. ' Wenn der gefertigte Dereinsvorstand in seinen Bestrebungen gefördert wird, dann wird es bald möglich sein, dank der Mithilfe hervorragender Gönner und Förderer, welche ihre Hilfe bereits zugesagt haben, das erste Wiener israelitische Neconvalesccntcnheim für arme Frauen und Kinder ins Leben zu rufen und eine Anstalt zu schaffen, welche ein Bedürfnis ist und deren Fehlen bisher schwer genug empfunden wurde. Der gefertigte Vereinsvorstand bittet nun alle Menschenfreunde, vor Allem die jüdischen Frauen, die Gründung des geplanten Wohlthätigkeitsunternehmens durch materielle Hilfe zu unterstützen. Spenden werden bei den Gefertigten dankbarst entgcgengenommen. Wilhelmine Steiner, Amalie Beck, VI, Gumpendorferstraße Nr. 16, VIII., Langegaffe Nr. 1, Borstcheriii-Steltvertreterin. Vorsteherin. Wien. Dienstag, den 21. Februar, fand im neuen Restaurant Kühner, I. Bez., Adlergasse 6, bei zahlreicher Betheiligung eine Plenarversammlung des „Politischen Volksvereines" mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht des Vereinspräsidenten, 2. Vortrag des Reichsraths- Abgeordneten Dr. Kronawctter über „Unsere politische Lage", 3. Diskussion. Ausführlicher Bericht folgt in nächster Nummer. Wien. DerLeopoldstädtcr Krankcnunterst.-Verein „Nächstenliebe" versendet den 18. Jahresbericht, laut welchem die Einnahmen im abgelaufenen Jahre 5029 fl. betrugen. Das Baarvermögen erreichte die Höhe von 15 632 fl. Bei der am 16. d. M. abgchaltenen General-Versammlung dankte Obmann Mor. Nosenblatt dem aus Gesundheitsrücksichten zurückgetretenen früheren Vorstande I. Neumann für seine opferwillige Thätigkeit, und ebenso den zahlreich erschienenen Mitgliedern. — Bei der Neuwahl erscheinen die Herren: Gustav Pollak als Obmann-Stellvertreter, Löwy als Cassier, Arnold Winter Controlor, Adolf Reich Schriftführer und Alexander Guttmann als Schriftführer-Stellvertreter gewählt. Wir wünschen dem, im besten Sinne löblichen Vereine ferneres Gedeihen! — n. Ottakring. Am Donnerstag, als am Borebende des hielt die „Chewra Kadischa“ des 16. u. 17. Bez. ihre Gedächtnisfeier bei zahlreicher Betheiligung der dortigen Mitglieder und vieler Gäste aus den benachbarten Bezirken ab. Rabbiner Dr. Bach hob in gelungener Rede das wohlhätige Wirken des Vereines gebührend hervor und gedachte würdigend seiner Amtsvorgänger. Die Liturgie versah I. Cantor Schlesinger mit dem Tempelchor, und machten namentlich Psalm 49 und 133, wie auch der Vortrag des Li mole rachamin und Sehiwissi den besten Eindruck. Beachtenswerth ist, dass diesmal der Klingelbeutel nicht gereicht wurde, was nur Nachahmung verdient, denn im Gotteshause soll alles fern bleiben, was die Andacht stört. — n. BrÜX. Der hiesige Tempelchor-Verein veranstaltet Sonntag, den 26. Februar im Saale des Hotel „zum goldenen Löwen" ein Concert mit folgendem Programm: 1. Demophon-Ouverture für Orchester, von Vogel. 2. a) Abendgebet v. G. Lehmann, b) Abschied v. A. Förster, gemischte Chöre. Dirigent: Herr Obercantor Lamm, Harmonium: Herr Musikinstituts-Jnhaber Adolf Holtsche. 3. Valse de Concert für Clavier, v. Josef Wieniawsky. Frl. Elsa Grotte. 4. Maikönigin, gemischter Chor v. Billeter. Dirigent: Herr Obercantor Lamm, Clavier: Herr A. Holtsche. 5. a) Tiefe Andacht v. Dr. B. Placzek, 6) Altpersische Legende v. Dr. I. Weiß. Declamatorische Vorträge, Frl. Hedwig Löwy. 6. Rendez-Vous, gemischter Chor mit Clavierbegleitung v. C. M. Ziehrer. 7. „Ja so sind sie"! Lustspiel in einem Äcte v. Jarosi. Hierauf Tanzkränzchen. Verschiedene Nachrichten. Wien. Am 22. d. M. fand die Beerdigung der als Wohlthäterin bekannten Frau Cbarlotte Pick, geb. Oberländer bei sehr großer Betheilrgüng von Leidtragenden statt. Es erschienen im Trauerhause: Baurath Stiaßny, Vorsteher Dr. M. Spitzer, Herr Jacob Mohr, eine Deputation des Leopoldstädter Vereines „Nächstenliebe" und Vertreter des Vereines *7Dn ^013; Die Verstorbene war die Mutter des Dr. Joses Pick und Schwiegermutter des Dr. Geza Schulhof v. Dumbowa. Die Functionen versahen Oberrabbiner Dr. Güdemann und Obercantor Singer. Wien. VI. Bezirk. Im Bethause (Stumpergaffe) fand Sonntag nach Ablauf der üblichen nach dem allzufrühen Ableben deS Vorstehers Herrn Leopold Jokl eine Gedenkfeier statt, und waren nicht nur die Mitglieder der trauernden Familie sondern auch viele Freunde anwesend, so Architect Fleischer, Director Benedict Langbank, Jnspector Dr. Langselder, H. Kornmehl, Dr. Rubin, Straßburg, S. Kohn und viele Andere. Den Gottesdienst leitete Herr Obercantor Dünnmann mit dem Ottakringer Tempelchor. Rabbiner Dr. Bach hielt die Gedenkrede, welche mit den Worten schloss: So rein und lauter, wie das Oel zur heil. Lampe wird das Andenken des Verewigten durch die guten Werke fortleben und leuchten wie der Name Mordcchais in der Geschichte Israels! — n. Boskoivltz. Allgemeines Bedauern hat unter der hiesigen Bevölkerung das plötzliche Ableben des Herrn Leopold Ascher hervorgcrufen. Das Leichenbegängnis, welches unter großer Betheiligung stattfand, gab Zeugnis, welcher Beliebtheit sich der Dahingeschiedene erfreute. Jnsbesonders ist die tiefergreisende Rede des Herrn Dr. Funke, bei welcher kein Auge trocken blieb, hervorzuheben. Prag. Vorige Woche starb hier nach kurzer Krankheit Herr Emil Freund im Alter von 61 Jahren an Lungenentzündung. Der Verstorbene hinterlässt vier Söhne, deren einer, Herr JUDr. Arthur Freund, Advocat, ein anderer, MNDr. Heinrich Freund, Regimentsarzt beim 74. Infanterie-Regiment in Josefstadt ist. Das Leichenbegängnis fand am 17. d. M. um halb 3 Uhr nachmittags vom israelitischen Badhofe aus statt. Budapest. Die Pester israelitische Cultusgemeinde hat einen ihrer verdientesten Beamten verloren. Der als tüchtiger und diensteifriger Fachmann allgemein geschätzte Matrikelführer Leopold Goldheim ist nach langem Leiden gestorben. Das Begräbnis fand Freitag, halb 3 Uhr nachmittags, vom Trauerhause (Damjanichgaffe 28a), aus statt. Die Borstehung der Cultusgemeinde hat eine eigene Traueranzeige ausgegeben. Marburg. Beim Festacte der Universität am Kaiser- Geburtslage erhielten diesmal zwei Juden Preise für Lösung der im vorigen Jahre gestellten Preisaufgaben Das juristische Thema: „Welche Rechtswirkung hat nach dem bürgerlichen Gesetzbuch die Täuschung, durch welche Jemand zur Abgabe einer Willensäußerung bestimmt ist?" hatte deren Bearbeitung gefunden, von denen die Arbeit des Stud. jur. Paul Steinberg aus Frankfurt den Preis erhielt. Das philosophische Thema: „Welche Vorarbeit zu einem System der Grundbegriffe und Grundsätze der Wissenschaft ist in den Untersuchungen Leibnizens über die Grundlagen der Mathematik geleistet", war von Stud. phil. Ernst Cassirer aus Breslau bearbeitet worden. Diese Arbeit wurde als eine ausgezeichnete Behandlung dieses höchst schwierigen Themas und als eine hervorragende Leistung bezeichnet und mit dem doppelten Preise gekrönt. Ein Opfer der Dreyfus-Affairr. Die „Aurore" veröffentlicht ohne Namensnennung folgende rührende Geschichte: Ein junger ausländischer Schriftsteller israelitischer Herkunft, der Paris in lebt, verkehrte viel in der katholischen Familie eines ehemaligen Ministers. Die schöne und sehr reiche Tochter des Exministers verliebte sich in den jungen Philosophen, dessen Talent allseits anerkannt wird, und man begann bereits von der Heirath zu sprechen. Da erklärte der junge Mann, er sei zwar Freidenker, aber israelitischer Herkunst, und es scheine ihm unter den augenblicklichen Verhältnißen moralisch unmöglich, eine reiche Katholikin zu heirathen. Der ehemalige Minister führte seine Tochter nach dem Süden, aber auch dort vermochten die Herzenswunden des jungen Mädchens nicht zu heilen. Sie hat sich vor drei Tagen das Leben genommen, nachdem sie dem Geliebten folgenden Brief hatte zugehen laffen: „Seit Ihrer Weigerung, mich zu heirathen, achte und liebe ich Sie nur noch mehr. Ich bewundere Ihre moralische Feinheit und Ihre Willenskraft. Da ich zu schwach bin. das Leben zu ertragen, gehe ich in den Tod, und meine letzten Worte sind: Ich liebe Sie!" _ Ätteratur. Wilhelm Gefrnius* Hebräische Grammatik völlig umgearbeitet von Prof. E. Kautsch. Leipzig bei F. C. W. Fogel, 26. Auflage — 6 Mark. Die klassische Grammatik von Gesenius, deren kein Hebräisch Studierender entraten kann, hat sich allmählich unter der ebenso kundigen wie emsigen Hand Kautsch's gewiffermaßen zum Magazin der hebräischen Sprachwiffenschaft umgestaltet. Mit erstaunlichem Bienenfleiß sind sämmtliche Erscheinungen ans diesem Gebiete benutzt und in dieser Grammatik bearbeitet. Das schließt allerdings nicht ans, dass auch manches Zweifelhafte und Unrichtige mit verarbeitet wurde — für die nähere Erörterung