Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 8 (26.2.1899)
- Date
- 1899-02-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 10. Die Wahrheit. Nr. 8. Herr Emanuel Baumgarten namens eines ungenannt sein wollenden Wohlthäters Kr. 100.000 (Hunderttausend) 4% Ungar. Kronenreute mit Coupons vom 1. Juni 1899 und einen Barbetrag von fl. 700 zum Baue eines Kinderspitales übergeben habe. Ueber die Verwendung dieser hochherzigen Spende liegt ein Begleitschreiben und ein die Grundzüge für die Einrichtung eines solchen Spitales enthaltendes Promemoria vor, letzteres ddo. Wien 14. December 1898, gezeichnet von Dr. Adolf Popper, Kinderarzt. Der Präsident erklärt, dass er namens des Vorstandes dem ungenannt sein wollenden Wohlthäter und dem um die Wiener israelitische Cultusgemeinde vielfach verdienten Ueberbringer dieser Spende, Herrn Emanuel Banmgarten, den wärmsten Dank ausgesprochen, jedoch bei Uebernahme des Betrages, unter Zustimmung des Ueberbringers, protocollarisch sestgestellt habe, dass die Errichtung eines Kinderspitales dermalen nur als ein Wunsch bezeichnet werden könne, dessen seinerzeitige Realisirung von dem Vorhandensein der für die Errichtung und Erhaltung nöthigen Mittel sowie von den Beschlüssen des Vorstandes abhängig gemacht werden müsse. Die Mittheilung wird dankend zur Kenntnis genommen. Bei diesem Anlasse erwähnt der Präsident auch des Umstandes, dass für gleichen Zweck, nämlich für die Errichtung eines israelitischen Kinderspitales in Wien, aus früherer Zeit, und zwar von Frau Emilie Singer, ein Widmnngsbetrag von fl. 60.000 bei der k. u. k. nied.-österr. Statthalterei erliege, dass sohin, wenn weiters wohlthätige nennenswerthe Spenden für diesen eminent Humanitären Zweck erfolgen sollen, der Realisirung des vielfach gehegten Wunsches wegen Schaffung eines dem wahren Bedürfniße entspringenden israelitischen Kinderspitales in nicht ferner Zeit entgegengesehen werden könnte. An Spenden sind eingelaufen: Von Herrn Josef Siebeuschein anlässlich der Vermählung seines Sohnes für das Siechenhaus fl. 100, von Herrn Dr. Alfred Stern, anlässlich des Jahrzeittages des Herrn Julius Stern für die Spitalsaushilfscassa fl. 100. Ueber die an mehrere Herren und Damen ergangenen Einladungen, dem Altersversorgungshauscomite beizutreten, sind neuerlich Zustimmungsschreiben eingelaufen von Herrn kais. Rath N. Schefftel und den Damen Jda Diamant, Johanna Fröhlich und Rosa Zifferer. Herr Baurath Stiaßny referirt namens des Baucomites und der IV. Section über die Inangriffnahme des Baues des Siechenhauses. Es wird beschlossen, für die Vergebung des Baues eine Concurrenzverhandlung einzuleiten und wird mit der Durchführung der Angelegenheit das Baucomit« betraut. Herr Dr. Steiner referirt namens des Vertreter-Collegiums über die Reorganisation des Trauuugsamtes und beantragt, dass die Trauungsanmeldungen, die bisher in den Rabbinatskanzleien des I. und EL Bezirkes erfolgten, von nun ab einheitlich im Matrikenamte entgeqenzunehmen seien. Der Antrag wird angenommen. Die Graberhaltungswidmung für Frau Felice Trebitsch wird nach dem Referate des Herrn Baurath Stiaßny angenommen. Ueber Antrag der HX Section (Referent Herr k. k. Ober- Ingenieur von Mises) erfolgt die Aufnahme von 12 Personen in das Altersversorgungshaus. Schließlich gelangten mehrere Personalien zur Erledigung. Korneuburg. Der hies. Minjan-Verein, an dessen Spitze derzeit Herr Müller fleht, veranstaltete am Sonntag den 19. d. M. eine erhebende Feierlichkeit zu Ehren seines I. Vorstehers, des vorzeeitig verstorbenen Fabrikanten Johann Lederer. Es erschienen nebst den Familienmitgliedern des Verewigten in Vertretung des Tempelvereines Stockerau die Herren Vorsteher Edelhofer und Fleischmann, ferner von Floridsdorf Vorsteher Fischmann. Sr. Ehrwürden Bezirksrabbiner Rosenmann widmete dem für den Verein so thäligen Präses einen ergreifenden Nachruf, in welchem er ein lichtvolles, glänzendes Bild mit markigen Zügen nach der laufenden Liäratz entwarf. Cantor Zelinka trug das Di mole rachamim vor. Mit dem Maariw-Se&et schloss die schöne Gedenkfeier. TrebilsAz. Herr Albert Grünberger, welcher seit mehr als 20 Jahren das Bürgermeisteramt in der hiesigen Jsraeliten- Gemeinde mit Würde und Takt versehen hatte, hat aus Gesundheitsrücksichten seine Demission überreicht. Der Gemeinde- Ausschuss hat in seiner Sitzung am 12. d. M. hievon mit Bedauern Kenntnis genomnien und ihn zum Ehrenbürger ernannt. Eine Deputation, bestehend ans dem neugewählten Bürgermeister, Herrn Leopold Spira, und dem Gemeiuderathe, Herrn Simon Subak, verfügte sich zu dem aus dem Amte Scheidenden, um ihm das Bedauern über seinen Rücktritt, sowie den Dank für sein ersprießliches Wirken und seine vieljährige, aufopfernde Thätigkeit auszusprechen. Mit gerührten Worten dankte der Bürgermeister-Veteran für diese herzliche Kundgebung. Eine der letzten Schöpfungen des Herrn Grünberger ist der mit größter Sorgfalt und Umsicht durchgeführte Umbau des Gemeindehauses, wodurch einem längst gefühlten Bedürfniße Rechnung getragen wurde. Budapest. In dem mit reicher Trauerdecoration versehenen und glänzend beleuchteten Tempel des der Pester Chewra-Kadischa gehörenden isr. Alters-Versorgungshauses fand anlässlich des Sterbetages des Stifters und Wohlthäters dieser Humanitären Anstalt, für weiland Armin Kann eine erhebende Trauerfeier statt. Außer den Familienmitgliedern waren anwesend: Moses Ehrlich, Sigmund Gomperz, Moriz Heidlberg junior, Samuel Münz, Eduard Fleischmann, Dr. Franz Mezey, Jakob Messiuger, die Stiftlinge der Anstalt u. A. Rabbiner L. Pollak würdigte in beredten Worten die reichen Verdienste Kann's, welcher ein großer Menschenfreund gewesen, und verrichtete ein Gebet für dessen Seelenheil. Den gesanglichen Theil der Gedenkfeier besorgte Obcrkantor Bachmann. Eine ähnliche Feier fand auch im Tempel des israelitischen Knabenwaisenhauses statt. Cordoba. Eines der schönsten und historisch-merkwürdigsten Baudenkmäler der Khalifenstadt Cordoba, die berühmte jüdische Synagoge, befindet sich, wie der Secretär der Denkmäler-Commission von Cordoba bekannt gibt, in einem traurigen Zustande. Seit dem Jahre 1885, in welchem die Synagoge für * ein Nationalmonument erklärt wurde, hat man viel gethan, um das alte Bauwerk zu restaurieren. Leider war alles fruchtlos; die Synagoge fällt langsam zusammen; das prachtvolle Gewölbe mit dem griechisch römischen Sims ist vollständig zerstört; Regen und Wind haben das Dach durchlöchert; die Wände sind mit Schmarotzerpflanzen bedeckt, von den Mauern haben sich infolge der Feuchtigkeit große Stücke mit schönen Inschriften losgelöst, die im archäologischen Musenm aufbewahrt werden. Vereins-Bote. Ein neues Reeonvaleseenteuheim. Inmitten des aufreibenden Kampfes, welchen in unserer hochwogenden Zeit Jedermann um seine Existenz zu bestehen hat, erblickt daS Auge des edlen Menschen theilnahmsvoll das vielgestaltige Unglück und die hundertfache Noth, welche rings umher, händeringend und hilfesuchend, sich ausbreitet. Und je trüber und drückender sich die socialen Verhältniße gestalten, umso dringender wird es Pflicht eines jeden vom Schicksal bevorzugten Menschen sein, seine Hand den Schwachen und Leidenden hilfebringend entgegen zu strecken und die bitteren Thränen der Noth zu trocknen. In dieser Erkenntnis hat der gefertigte Vereinsvorstand, angeregt durch edles Beispiel, beschlossen, das erste Wiener israelitische Reconvalescentenheim für arme jüdische Frauen und Kinder ins Leben zu rufen, um dadurch jenen armen, kranken Frauen und Kindern, welche nach überstandener Krankheit noch der Nnhe und sorgsamsten Pflege bedürfen, ein Heim zu bieten, in welchem ihnen die Genesung und Kräftigung ermöglicht wird> damit sie gestärkt und gekräftigt ihrem Berufe nachgehen können. Welches edle Herz vermöchte sich auch der Noth armer Frauen und Kinder zu verschließen, die zu Grunde gehen müssten, wenn sich ihnen nicht die Thore eines gastlichen Asyls öffneten, in welchem ihnen vollständige Wiedergenesung geboten wird, und welcher Menschenfreund sollte nicht mit aller Kraft eine Wohlthätigkeitsanstalt unterstützen, deren Segnungen den armen jüdischen Müttern und Kindern zu Gute kommen sollen.