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Die Wahrheit · 1899-02-26 · Heft 8 (26.2.1899) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 8 (26.2.1899)
Date
1899-02-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 8. Die Wahrheit. Gelte 7. Maßnahmen gegen die Wanderbettelei Hinzielen, den Gemeinden keine neuen Lasten zngemuthet werden. Er ist nicht für Verlegung der Thätigkeit in's Ausland, wohl aber für strenge Grenzcontrole. (!) Für die dazu nöthigen Maßregeln soll ein Theil des bisher zu Reifennterstützungen der Wanderbettler gespendeten Geldes von den Gemeinden verwendet werden. Er ist gleich der Mehrzahl der Vorredner für Organisation und Centralisation in der Frage der Wanderbettelei. In Fällen wie den Leipziger sei eben eine Großgemeinde als Bezirksverband aufzufassen. Hall garten schlägt vor, mit Hinweis auf die vom deutschen Westen den östlichen Verbänden zur Verfügung zu stellenden Geldmittel, die östlichen Provinzialverbünde durch das Bureau besonders aufznfordern, sich an der Beschickung der Commission in Berlin Zu betheiligen und deren Arbeiten durch Aufstellung eines Arbeitsplanes und Etats zu fördern. Rosenstiel ist nicht für Einrichtung von Bureaus, sondern von Arbeitsstätten an der Grenze. Alle Anwesenden einigen sich über folgende Punkte, die als Resolution angenommen werden. 1) Die innerhalb der einzelnen Gemeinden bestehenden Wohlfahrtseinrichtungen sind zürn Zwecke gemeinsamer Arbeit zu centralisiren. 2) Bezirksverbände sind, wo noch nicht vorhanden, zu schaffen. 3) Die Bezirksverbände sind zu vereinigen. DerDeutsch-Jsraelitische Gemeindebund gilt in der vorliegenden Frage nicht als Centralverband, sondern nur als Centralstelle. 4) Es ist an dem Princip, die Einwanderer an der Grenze aufznhalten und die unwürdigen Elemente zurückzuschicken, festzuhalten. Die Ausführung ist in einer Snbcommission zu berathen, die sich zunächst mit den, den Einwandernngsstellen benachbarten Verbänden schriftlich in Verbindung zu setzen hat. _ Ungedruckte Briefe, Gedichte und Artikel von Moses Mendelssohn. Mitgetheilt von Dr. Adolph Kvhut, Ueber den großen Popularphilosophen Moses Mendelssohn, den Freund Gotthold Ephraim Lessings, besitzen wir bekanntlich zahlreiche Werke von Kayserling, Ritter u. v. a. Ist bisher leider auch noch keine vollständige Sammlung seiner Briefe veröffentlicht worden, so ist doch wenigstens der Anfang dazu gemacht, indem Kayserling in seiner Biographie Mendelssohns Briefe von und an den berühmten Denker mitgetheilt hat; aber noch finden sich zerstreut in Bibliotheken, sowie bei Einzelnen zahlreiche unedierte Zuschriften Mendelssohns, und es müsste die Aufgabe der Mendelssohuforscher sein, eine Aehrenlese zu veranstalten, um daraus einen prachtvollen Ehrenkranz für die Manen des unsterblichen Forschers zu flechten. Ich mache den Anfang dazu, indem ich aus der Radowitz'schen Sammlung den nachstehenden, meines Wissens bisher ungedruckten Brief Mendelssohns, welcher sich in der Handfchriften-Abtheilnng der Berliner Königl. Bibliothek befindet, hier mittheile. Er ist ohlie Datum und an den Frennd des Verfassers, den bekannten Berliner Buchhändler und Schriftsteller Friedrich Nicolai, gerichtet: „An Friedrich Nicolai, Hochwohlgeboren. Liebster Freund! Sagen Sie mir doch, wie man den Grafen von Dalberg, Statthalter von Erfurt, tituliert, und wie man die Ueberschrift an denselben zu machen hat? Ich wünschte künftigen Sonntag unsereu Freund Eberhard zu sprechen: wollen Sie von der Partie sein, so will ich den Wagen bestellen und auch mit Herrn Engel morgen davon sprechen. Wenn doch Herr Ramler mitkommen wollte! Das wäre ein Nachmittag pour la bonne bouche, desgleichen ich in ganz Littauen und selbst in Proculs, wo mir die Antologia zum Nachtquartier verholfen, nicht haben konnte. Moses Mendelssohn." Dieser Brief ist mit seinen Auspieluugen für uns nicht mehr ganz verständlich, aber für die Intimen Mendelssohns, wie Nicolai, den Aesthetiker Engel und den Dichter Ramler, wird er gewiss nichts Mysteriöses gehabt haben. In derselben Radowitz'schen Sammlung findet sich auch ein Stammbuchblatt von Mendelssohns Hand, also lautend: „Bestimmung des Menschen: Wahrheit erkennen, Schönheit lieben, Gutes wollen, das Beste thun. Zum geneigten Andenken Berlin. I. II. 1781. Moses Mendelssohn." Es ist bekannt, dass Moses Mendelssohn auch manches hübsche Gedicht verfasste, besonders groß war er in Gelegenheitsgedichten. Ein solches bisher unbekanntes Poöm des Denkers fand ich in dem Nachlass des Freiherrn von Meusebach, des ausgezeichneten Kenners der deutschen Litteratur, der vor 50 Jahren, 22. August 1847, auf feinem Landgut Baumgartenbrück bei Potsdam gestorben ist. Die erste Kunde von dem Gedicht gab der älteste Sohn Mendelssohns, Josef (geboren 11. August 1770, gestorben 24. November 1848), in einem an einen unbekannten Adressaten gerichteten Brief bald nach dem Ableben seines Vaters, also lautend: „Ich komme, um mein Ew. Hochrvohlgeboren gegebenes Wort einzulösen. Inliegend ein Blättchen, das von einer Seite in deutscher, von der anderen in lateinischer Sprache von der eigenen Hand meines verewigten Vaters beschrieben ist. Ich habe es aus einem kleinen Taschenbuch ausgeschnitten, desgleichen er immer bei sich zu führen pflegte, um alles, was sich darbot, ein Gedicht, einen philosophischen Gedanken, eine Notiz für das Hans, oder was es sonst war, niederzuschreiben. Dieses Blatt trägt die Spur solcher rapsodischen Notizen. Es hat noch die Eigenheit, dass es das Datum von seiner eigenen Hand niedergeschrieben enthält: 25. Dec. 1752. Er war damals 37 Jahre alt. Wünschen Sie noch etwas ans seinen späteren Jahren, so werde ich es Ihnen mit Vergnügen heranssuchen. Ihr ergebener I. Mendelssohn." Das Mendelssohnh'che Gedicht lautet nun wörtlich: Wo ist er nun, den meine Seele liebt? Ec flieht und mit ihm fliehet meine Lust; Sein Bild, sein unvergesslich Bild Betrübt mit immer neuer Unruh' meine Brust. Komm' Ehr', die ich mir zum Schutzgeist wähle, Errette mich und stärke meinen Sinn! Reiß' des Geliebten Bild aus meiner Seele, Mit dem ich doch noch mehr als glücklich bin. Und Du Vernunft, besiege meine Schmerzen Wenn's mit frischen Reizen wiederkehrt, Ach, zieh' den gift'gen Pfeil ans meinem Herzen, Der insgeheim mein bestes Mark verzehrt. Von wissenschaftlichen, bezw. philosophischen Abhandlungen enthält die Handschriften-Abtheiluug der königlichen Bibliothek in Berlin nur die Einleitung der Handschrift der „Morgenstunden" und einen geistreichen Aufsatz über: „Enthusiast, Visionär, Phanatiker, Begeisterter, Erscheiiinngsseher, Schwärmer." Den letzteren Essay hat bereits Kayserling in seiner Biographie, Seite 552 fl., mitgetheilt. Zu bedauern ist nur. dass auch der Anhang zu dieser Abhandlung, der nicht minder interessant sein

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