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Die Wahrheit · 1899-02-18 · Heft 7 (18.2.1899) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 7 (18.2.1899)
Date
1899-02-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Oestrrr.-ungar. Cantoren-Zritung. Nr. 7. Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit". is. Jahrg. Wir ersuchen die geehrten Herren Cantvren, in den Gemeinden fleihig für unser Blatt thätig *it sein. Probenummern stehen;ur Verfügung. Die Vorbildung der Lantoren. (Schluss.) Dr.Lövy-Birkenfeld: Weim hier ausgesprochen ist, es genüge, wenn stimmbegabte junge Leute sich im Cantorate allein ausbilden, so halte ich das doch nicht für angebracht. Einmal, weil schon in der Ausbildung nicht nur die musikalische Seite in Betracht kommt, sondern auch die liturgische. Andererseits aber kann man nicht annehmen, dass irgend ein junger Mann sich dem Cantorate widmet, um von vornherein an einer großen Gemeinde Cantor zu werden. Es ist doch nicht jedem tüchtigen Cantor an der Wiege gesungen, dass er einst an einer großen Gemeinde fnngiren wird, sondern Jeder muß mit der Möglichkeit der Anstellung selbst an einer ganz kleinen Gemeinde rechnen. Die Verbindung des Cantorats mit dem Lehramt erachte ich für ganz selbstverständlich. Silberberg-Posen: Wir haben so viel für unbemittelte kleine Städte und Orte zu sorgen, dass wir uns nicht zu Einrichtungen, die nur einigen großen Städten in Deutschland zu Gute kämen, Geldopfer auferlegen können. Zudem wählen erfahrungsmäßig die großen Städte häufig Ausländer zu Cantvren, die gar nicht in Cantoren-Schulen vvrgebildet sind. Dr. Vogelstein-Stettin: Es ist dankenswerth, dass der Verband in Breslau diese Frage hier angeregt hat, denn trotz der Bemerkung des Referenten ist doch nicht zu leugnen, dass für die großen Gemeinden, die hinsichtlich der mnsikalischen Leistungen des Cantors größere Anforderungen stellen, immerhin ein gewisser Uebelstand vorhanden ist. Daraus folgt nun aber nicht, dass auf dem vorgeschlagenen Wege dieser Uebelstand beseitigt wird. Ich stimme zunächst vollkommen mit dem, was meine Vorredner gesagt haben, darin überein, dass jeder Cantor Lehrer sein muß. Herr Dr. Reich hat auch die Zahl derjenigen Gemeinden, die blos Cantvren anstellen, hier zu hoch angegeben, es sind vielleicht nicht einmal ein Dutzend Gemeinden in Deutschland. In meiner Gemeinde,, die recht ansehnlich ist, haben wir zwei Cantvren; beide sind gleichzeitig Lehrer und wir können sie nicht entbehren als Lehrer; und ebenso sieht es in Königsberg, Danzig, Dresden nnd vielen anderen Gemeinden ans. Eine Trennung ist nicht möglich. Der Cantor soll mehr sein als ein Opernsänger, er soll auch die genaue Kenntnis der einschlägigen Litteratur sich angeeignet haben, er soll auch der Gemeinde gegenüber durch sein ganzes Auftreten den Eindruck eines gebildeten Mannes machen. Das könnte durch den Besuch einer besonderen Cantorenschnle nicht erreicht werden, wenn nicht zugleich auch ein besonderes Wissen in der deutschen Sprache u. s. lv. gefordert wird. Es kann Jemand in kurzer Zeit ein Zeugnis erlangen als herrlicher großer Cantor, und doch dürften sich große Gemeinden schwerlich entschließen, einen solchen Mann anzustellen, oder wenn sie es thun, so werden sie es nachher bereuen, weil er zu ungebildet ist und dadurch die Religion herabsetzt. Die hier gegebenen Anregungen sind ja dankenswerth, und der Herr Referent, dessen Verdienste um die Ausbildung der Lehrer allgemein anerkannt sind, wird es nicht übelnehmen, wenn man ihm sagt, es müsste denjenigen, die eine ganz besondere Befähigung haben und die sich dazu eignen, an einer großen Gemeinde als Cantoren zu fnngiren, noch Gelegenheit zur weiteren Ausbildung gegeben werden. Auch der Gedanke, die Ausbildung nicht blos tüchtigen Musikern, sondern auch praktischen Cantoren zu übertragen, hat sehr viel für sich; es wird viel zu viel nach Noten gesungen. Wenn die verschiedenen Lehrerseminare sich diese Anregungen ad notam nehmen, so wird das gute Früchte tragen. Dass der Verband die Mittel dazu hergibt, verlangt Niemand, wohl aber soll er insofern für die großen Gemeinden etwas thnn, dass er ihnen tüchtige Cantvren verschafft, indem er die Lehrerseminare veranlasst, der cantoralen Ausbildung ihrer Zöglinge größere Sorgfalt angedeihen zu lassen. Vorsitzender Prof. Philippson-Berlin: Vielleicht könnte die Sache dadurch erledigt werden, dass der Verbandstag den Beschluss fasst, es sollen sämmtliche jüdischen Lehrerseminare ersucht werden, auf die Ausbildung von Cantoren großes Gewicht zu legen. Dann geben sich vielleicht die Herren ans Breslau damit zufrieden, dass die Frage hier erörtert ist. Dr. Reich stellt folgenden Antrag: „Der Verbandstag hält es für wünschenswerth. dass im Anschluss an die bei einzelnen Lehrerseminaren bestehenden Einrichtungen zur Ausbildung von Cantoren ein Nachcnrsns zur Vervollständigung der Ausbildung von Cantoren, die sich für größere Gemeinden eignen, eingerichtet werde." Zu Gunsten dieses Antrages wird der Antrag des „Liberalen Vereins" in Breslau zurückgezogen nnd der Antrag Dr. Reich angenommen. Der Ausschuss hat es für nvthwendig erachtet, den bestehenden acht jüdischen Lehrerseminaren von den gefassten Beschlüssen, welche sich auf die Ausbildung der Seminaristen für das Predigamt und für das Cantorat bezogen, durch ein Rundschreiben Kenntnis zu geben. Von den wichtigsten und größten dieser Anstalten sind nachfolgende Antworten eingelanfen: Die Seminardirection in Münster theilt mit: l.) Die schon bisher gepflegten homiletischen Uebungeu sollen noch erweitert werden, indem die Schüler noch häufiger als bisher religiöse Vorträge im Betsaale des Seminars halten werden. 2.) Das Bedürfnis nach einem Fortbildnngscnrse irn Cantorfach wird anerkannt, doch eignen sich für diesen Zweck die einzelnen Lehrerseminare nicht, da ihnen gewöhnlich nur eine Lehrkraft fürs Cantorat zur Verfügung stehe. Es empfehle sich, alljährlich in Berlin, wo eine verhültnißmüßig große Zahl musikalisch gebildeter Cantvren nnd anderer geeigneter Lehrkräfte sich findet, einen Fortbildungscnrsus abzuhalten. Die Vorstandichaft der israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg erklärt, dass in ihr für homiletische und cantorale Ausbildung genügend gesorgt sei, desgleichen hält die Anstalt zur Heranbildung israelitischer Lehrer nnd Vorsänger in Eßlingen ihre homiletischen und cantoralen Einrichtungen für ausreichend. Der gewünschte Nachcnrsns existirt in Württemberg bereits, er wird für musikalisch und stimmlich geeignete Candidaten zur Vervollkommnung in der cantoralen Ausbildung unter Leitung der Oberbehörde in Stuttgart abgehalten. Am Seminar zu Kassel soll fortan das homiletische Element noch mehr als bisher berücksichtigt werden, die bisherige musikalische und cantorale Ansbildiing erscheinen ausreichend; sollte sich das Bedürfnis zur Modisication der Stundenzahl oder der Methode für den cantoralen Unterricht Herausstellen, oder für einen Nachcnrsns sich Theilnehmer finden, so wird es das Seminar nicht an sich fehlen lassen. Auch die Bildungsanstalt für jüdische Lehrer in Hannover zeigt dem Wunsche des Verbandstages ad I große Geneigtheit. Es soll sowohl im Deutschen, als auch im Religionsunterricht den Schülern des obersten Cnrsus Anleitung namentlich zur

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