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Die Wahrheit · 1899-02-18 · Heft 7 (18.2.1899) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 7 (18.2.1899)
Date
1899-02-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 7. Die Wahrheit Seite 11. wie auf den Wink eines zaubervolleu Szepters, wurde es überall still und nur die Stimme des Vorbeters hörte' mau, der das reizvolle, rührende Gebet „Psach lonu schaar“^ (0effite7mi§ die Himmelpfotte) saug. Das ist ein wundervoller Hymnus, nbabgefasst in hochpoetischer Form, die Gemeinde sagt es feierlich nach, fröhlich und aufgeregt jeden von dem Vorbeter vvrgetrageneu Vers^wiederholeud. Als ich^diese herrliche Melodie hörte, als ich die wundervollen Verse des Textes durchlas, bemächtigte sich meiner plötzlich eine schöpferische Kraft. Ich fühlte die Nähe Gottes und ich eilte rasch nachhause, um sofort dem empfangenen Eindrücke und der ans ihm emporwachsenden Schöpfung eine Form zu geben. Das Resultat war mein Werk: „Oeffnet mir die Kerkerpforte". Also — rief David off laut — Ihrem Synagogenbesuche ist eine^solche Perle zu verdanken, diese wundervolle'Composition, die in ganz Rußland und in der guten deutschen Uebersetzung „Oeffnet mir die Kerkerpforte" in der ganzen Cultnrwelt gesungen wird? Rnbinstein^lächelte eindvenig. — Ich habe schon lange daran gedacht, sagte er nach einer langen Panse, mich mit synagogaler Musik zu beschäftigen und viele nationale, im höchsten Grade originelle Gesänge zu bearbeiten, wie sie sich besonders in den Gebeten des Neujahrs- und des Bersöhnnngstages finden. Als ich das reizende Gedicht „Prinzessin Sabbath" von Heine las, beschloß^ich, einesMelodie zu „Lecho dodi“ und zu einigen poetischen Stellen aus dem „Hallel“, die einfach entzückend sind, zu schreiben. Ich besitze sogar Entwürfe und Notizen, die ich in Rußland und im Auslande gesammelt habe. Ich wollte Alles in Ordnung bringen, komme aber aus Mangel an Zeit nicht dazu. Wie ich nur aber meiner vielen Angelegenheiten ein wenig ledig bin, fetze ich mich dazu und hoffe daun für meine Stammesgenossen etwas Hübsches zu schaffen. Später kam Anton Grigorewitsch vielmals auf dieses Thema zurück, besonders viel sprach er darüber zum letzten Mal vor sechs Jahren bei Gelegenheit der Jubiläumsfeier des Beffel'- schen Musikverlages, bei einem Champagnerglas . . . Allein bald darauf ging Anton Grigorewitsch itt die Ewigkeit hinüber, ohne sein Versprechen erfüllt zu haben. Gemeinde-Bote. Wien. Es verlautet, dass im Stadtrathe auf Vorschlag des Magistrates ein Antrag vorbereitet werde, welcher dahin gehe, Maßregeln zur Verhütung uunöthiger Thierquälerei beim Schlachten der Thiere anznordneu. Die Maßregeln sollen zwar allgemein gehalten sein, und sollen beispielsweise auch Schweine und Hühner, bevor sie getödtet werden, betäubt werden, allein die gegen die für die orthodoxen Juden rituell vorgeschriebene Schlachtung gekehrte Tendenz dieser Maßregel ist darum nicht weniger deutlich erkennbar. Ein allgemeines Schächtverbot zu erlassen, hat die Commuualverwaltung keine gesetzliche Handhabe, dagegen steht es ihr frei, im Wege einer Schlachtordnung in den ihr gehörigen Schlachthäusern eine gewisse Methode des Schlachtens zu untersagen. Wie wir vernehmen, soll dies auch der Weg sein, auf welchem der Stadtrath dieses neueste Stück „Socialreform" im eigenen Wirkungskreise durchzusetzen beabsichtigt. Budapest. (Organisierung der orthodoxen Judenschaft.) Am 7. und 8. d. tagte hier eine Conferenz. an welcher die orthodoxen Rabbinen, beziehungsweise Oberrabbinen von Pest, Großwardein, Hilßt, Szatmar, Kiraly-Helmez, Kaschau, Nagy- Küroly, Deutsch-Kreuz, Nagy-Szöllös, Sarospatak, Papa, Raab, Nyir-Mada und Waitzen, sowie drei weltliche Mitglieder theilnahmen. Wie die „Allg. Jüd. Ztg." meldet, befasste sich die Versammlung mit der Frage der Organisation der jüdischen Orthodoxen, die nunmehr ernstlich in Angriff genommen werden soll. Die Conferenz beschloß, die Stelle eines Vicepräsidenten der orth.-jüd. Centralkanzlei zu kreiren, welch letztere bekanntlich das vermittelnde Forum zwischen der orthodoxen Judeuschast und der Regierung bildet. Zugleich wurde ein aus sechs Ober- Rabbinen und fünf Laien bestehendes Caudidationseomits gewählt. München. Ein interessantes Bild von dem Leben in unserer Gemeinde gibt der eben von der Verwaltung veröffentlichte Bericht über die Wohlthätigkeitspflege innerhalb derselben jür das Jahr 1898. Bekanntlich dürfen hier aus den Einü'lnsten der Gemeinde und namentlich auch aus den Cultusbeiträgen der Mitglieder keinerlei Äuswendungen für Wohlthätigkeitspflege gemacht werden. Es besteht daher unabhängig von der eigentlichen Gemeindceasse eine besondere Wohlthätigkeitscasse. Aus dieser Casse werden Armen zweimal im Jahre Beiträge zum Wohuungsmiethzinfe und in dringenden Bedürfuißen sonstige Unterstütznugen gewährt. Ausnahmsweise werden auch nicht hier wohnhafte Arme, für welche in erster Linie die Fürsorge des Fremdeuarmenvereins eiutrirt, mit Spenden bedacht. Die Einnahmen dieser Casse betrugen 15.526 38 Mark. Die Ausgabeu 11.988-05 Mark. Der Activrest 4538 33 Mark. Außerdem ist hier anzureihen die israelitische Waisenstistung, deren Einnahmen 10.370-21 Mark, deren Ansgaben 6749 32 Mk. botrugen. Der Slammfond hatte am Schluffe des Jahres 1898 396-261-27 Mark. Baden. Wie wir hören, hat sich der Großherzog von Baden während seiner Anwesenheit hier auch lebhaft für das Fortschreiten des Synagogenbaucs, den er wiederholt besichtigte, interessiert. Bor der Abreise wurde der Synagogenrath zur Audienz befohlen, um die Abschrift der Urkunde, welche anlässlich der Grundsteinlegung eingemauert wurde, zu überreichen. Der Großyerzog sprach seine volle Anerkennung für den schönen Bau aus und betonte seine Befriedigung über das Erstehen einer Synagoge in Baden, wodurch auch den Fremden-Jnteressen gedient sei. Auch gab der Großherzog sein Interesse für die israelitische Gemeinde der Stadt Baden kund, wodurch die hiesigen Israeliten sich hochgeehrt fühlen.!)ereins-Bote. Wien. (Gesellschaft für Sammlung und Conservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums.) Diese Gesellschaft veraustaltet Donnerstag, den 2. März d. I., halb 8 Uhr abends, im kleinen Musikvereinssaale einen musikalischen Vortragsabend unter Mitwirkung der Herren: Ignaz Brüll, Eduard Gärtner, Prof. D. Popper und S. Storch. Das ebenso interessante als reichhaltige Programm weist Compofitionen von Mendelssohn, Meyerbeer, Moscheles und Rnbinstein, dann von Brüll, Goldmark, Grünseld, Popper und Schenker auf. Der allgemeine Kartenverkauf beginnt Montag, den 20. d., in der Musikalienhandluug von Alexander Ross, I. Karntnerring 11. Wien. Der humanitäre Verein „Die Szcnitzer" veranstaltet am 25. d. M. in den Prachtsälen „Baierischer Hof" II. Taborstraße ein Elite-Kränzchen mit Borträgen. Bedeutende Knnstkräfte haben in Anbetracht des humanen Zweckes ihre Mitwirkung zugesagt. Eiferet ff Barffurim ist der schöne und bezeichnende Name des jüdischen Jüuglingsvereines. welcher diesen Sonntag im Hause des Herrn Frommer (II. Ncstroigasse) seine erste Generalversammlung abhielt. Der Verein bezweckt hauptsächlich, Talmudbeslissene in der Jeschibah finanziell zu unterstützen, außerdem wird den Mitgliedern — bisher allsabbathlich, fortan täglich — ein leichtsasslicher Schiur vorgetragen, wozu Herr Beckman in entgegenkommender Weise sich bereit erklärte und mit passenden sofort gleichsam die HITHS begann; ebenso hatten wir angenehme Gelegenheit, mehrere gute Exegesen von Herrn Marmor zu hören. Der Verein zählt 60 Mitglieder und hatte im ersten Jahre 141 fl. Einnahnien, wozu auch durch Verwendung Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Fürst ein auswärtiger Gönner eine relativ hohe Summe beitrug. Der Stand des Baarvermögeus beträgt 64 fl., welche nach der ganz richtigen Ansicht des Herrn Steiner besser hätterr verausgabt werden sollen, u. zw. durch reichlichere Unterstützung der Bachurim. Dem Bor-

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