Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 7 (18.2.1899)
- Date
- 1899-02-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1 ei! f Seite 6. Die Wahrheit. Nr. 7. lehrervorgenommen worden, wodurch die jüdischen Schulkinder weniger Berücksichtigung fanden. Nun kommen aber die von der Gemeinde bewilligten Mittel nur jüdischen Kindern zu Gute, und es sei eine wahre Freude, einer solchen Ansspeisung, die in vier Serien zu je 30 Kindern stattfindet, beizuwvhuen. Im Anblicks derselben kommt das Bibelwort zur Geltung: „weochalto, wessowoto uwerachto ess adonoj elauhecho.“ ReduerZbittet schließlich, dem Beschlüsse des Vertretercvllegiums bezüglich der Verwendung der zum Zwecke der Ausspeisnng praliminierten 700 fl. ohne Mischeberachs und ohne Debatte die Genehmigung zu ertheilen. (Lebhafter Beifall.) Dr. Steiner hält einige Ergänzungen in formaler unv fachlicher Beziehung für uothwendig. Diese Ausspeisung ist der Anfang einer weittragenden Action. Die Not unter den jüdischen Schulkindern in der Levpoldstadt sei eine schreckliche, und oft wurde, von den Directoren und Lehrern darauf aufmerksam gemacht, dass zahlreiche Kinder ohne Fußbekleidung in die Schulz kommen, und der Vorstand um Abhilfe gebeten. In diesem Jahre mehrten sich die diesbezüglichen Klagen und unter Anderem hat ein Lehrer die Mittheilung gemacht, dass in einer Classe 23 jüdische Mädchen die ganze Woche ohne warme Kost bleiben. Trotzdem Dr. Berger sich jeden Mischeberach verbeten, so müsse dennoch betont werden, dass die rasche Durchführung der ganzen Angelegenheit, vom 22. Jänner bis 5. Februar, ihm alle Ehre mache. Redner beantragt auch, der Vorstand möge den Damen und Herren, die sich um die Förderung dieser Action bemühen und bemüht haben, schriftlichen Dank abstatten. ' Vorsitzender bemerkt, dass er die Thätigkeit des Herrn Dr. Berger nach den ihm vorgelegten Sectionsberichten mit Interesse und Aufmerksamkeit verfolgt habe, und fühlt sich gedrängt, ihm den Dank des Vorstandes auszudrücken. Mit den 700 st. könne der Vorstand allerdings nicht viel thun und er halte es für augezeigt, einen diesbezüglichen Appell an die Gemeinde- Mitglieder zu richten, der gewiss nicht ohne Erfolg bleiben wird. Salo Ko hu sieht in dieser Action einen schlageuden Beweis für das von ihm stets vertretene Princip, die Gemeinde- Mitglieder im Dienste der Wohlthätigkeit heranzuziehen, und er hofft, dass endlich auch in der Verwaltung des Spitales und des Versorgungshauses dieses Princip zum Durchbruche gelangen wird. Seit Jahren führe er nach dieser Richtung einen vergeblichen Kampf und er bittet den Vorstand, ihn angesichts der Erfolge, welche in der vorliegenden Action die Heranziehung der Gemeinde- Mitglieder herbeiführte, in seinem Kampfe zu unterstützen. Die weiteren Ausführungen des Redners werden vom Vorsitzenden, als nicht zur Sache gehörig, abgefchnitten. Nach einem Schlussworte des Referenten wird der Betrag von 700 fl. bewilligt und allen Damen und Herren, die diese Action gefördert haben, besonders Herrn Heinrich Weiner, Frau Therese Spitz, Frau Dr. Grünfeld und deren Schwester Frl. Schneider der Dank des Vorstandes votirt. Schuldirector Simon referirt namens der zweiten Section über die vom Curatorium der jüdisch-theologischen Lehranstalt in Wien geplante Errichtung eines Religionslehrer-Curses. Nach einigen Bemerkungen über das allgemein anerkannte Bedürfnis einer derartigen Institution geht Referent auf die Details des vorliegenden Lehrplanes ein. Zunächst musste man sich die Frage vorlegen, welches Materiale für den Religiouslehrer-Cnrs, dessen Dauer mit vier Jahre berechnet ist, herangezogen werden und wie die Ausbildung desselben erfolgen soll. In ersterer Beziehung werden drei Gruppen ausgestellt. . - 1. Personen, welche bereits im Lehrfache wirken und das Reifezeugnis eines Lehrers besitzen. 2. Schüler, welche die untere Mittelschule mit gutem Erfolge absolvirt haben und ihre ganze Zeit der Ausbildung im Religionslehrer-Curse widmen. 3. Schüler, welche nach Absolvirung der Mittelschule sich zu Religionslehrern heranbilden wollen. Entsprechend diesen 3 Kategorien ist auch der Lehrplan für jede Gruppe verschieden organisirt. Für die erste Gruppe ist das Lehrziel, das in 12—15 Stunden wöchentlich erreicht werden soll, folgendes: Uebersetzen der Thora, Nebiim, Pwke Aboth, des Mannheimer - Machsor, schriftliche Uebungen in der hebräischen Grammatik, Abriss der Geschichte der Juden und des Judenthums und praktische Vorträge im Bibelunterrichte. Zu letzterem Behufe sollen die Hörer des Religionslehrer-Curses demUnterrichte eines anerkannten Religionslehrers einmal wöchentlich hospitiren. Diese Organisation gilt für Lehrer, die im Besitze eines Reifezeugnisses sind. Bei den anderen zwei Gruppen, die den ganzen Unterrichtstag ihrer Allsbildung lvidmen, erhält der Lehrplan noch eine Ergänzung im Unterrichte der Vortragssprachen und in der Vorbildung zum Pädagogischen Berufe. Für die Gruppe 2 ist außerdem die Angliederung einer Cantorenschnle geplant, da in den kleineren Gemeinden zumeist das Amt des Cantors mit dem des Religionslehrers verknüpft ist, und weiters soll den Candidaten die Kenntnis einer Kanzleiführung beigebracht werden. Die Abiturienten haben sich einer Reifeprüfung und einer Lehrbefähigungsprüfung zu unterziehen. Nebst der Erziehung soll auch für die materielle Erhaltung der Zöglinge des Cnrses durch Bewilligung von Stipendien Vorsorge getroffen werden, da erfahrungsgemäß die Frequentanten derartiger Schulen sich zumeist ans den nnbemittelten Kreisen recrntiren. Zu diesem Behilfe soll die Gemeinde jährlich 2000fl. beitragen. Der Genuss eines Stipendiums tritt erst nach dreimonatlicher Freqnentirung des Religionslehrer-Curses ein, und da derselbe erst im September 1899 eröffnet werden soll, entsteht für die Gemeinde für das heurige Jahre keine Budgetbelastung. Referent stellt schließlich namens der zweiten Section folgenden Antrag: 1. Der Vorstand erklärt, die Bestrebungen des Cnratoriums unterstützen zu wollen. 2. Bewilligung von 2000 fl. jährlich zu Stipendienzwecken. 3. Die Gemeinde wird bei Anstellung von Religionslehrern in erster Linie die Zöglinae des Religionslehrercurses berücksichtigen und 4. auch'-den Provinzgemeinden die Anstellung solcher anempfehlen. Dr. Spitzer tritt mit vieler Wärme für den Antrag ein und begrüßt mit Freuden diese Gelegenheit, welche den Vorstand von seiner gewöhnlichen administrativen Thätigkeit zu seinereigentlichen Aufgabe zurückfnhrt. Es sei hier nicht der Platz, auf! die Details des Lehrplanes einzugehen, an dem ihm Vieles verbesserungswürdig erscheine, so könne er für seine Person die Allgliederung einer Cantorenschnle nicht billigen. Aber die Erörterung dieser Fragen behalte er sich für einen späteren Zeitpunkte vor und heute wolle er nur dem Vorstände die Genehmigung des Antrages wärmstens empfehlen. Dr. Kohn sieht sich veranlasst, die Ausführungen des Referenten in einigen Punkten zu ergänzen. Vor allem müsse er betonen, dass die Anregung zur Errichtung eines Religionslehrer-Curses liicht, luie der Referent behauptete, vom Curatorium sondern vom Vorstände ausging, beffen Mitglied Dr. Stein sich lange Zeit im Curatorium für diese Frage vergebens eingesetzt hat. Die Errichtung des Cnrses dürfe auch nicht dahin aufgefasst werden, dass man mit den derzeitigen Religionslehrern nicht zufrieden sei, vielmehr solle hiedurch für genügenden Nachwuchs Sorge getragen lverden. Dr. Steiner führt gleichfallsaus, dass der Vorstand sich durch Jahre mit dem Curatorium wegen dieser Frage sozusagen herumgeschlagen habe. Durch schlechte Erfahrungen sei endlich das Curatorium zur Ueberzengung gekommen, dass etwas geschehen müsse. Es wurden ja schon früher Candidateil für das Religionslehreramt am Seminar ausgebildet, aber die Resultate waren keine befriedigenden. Redner war selbst bei mehreren Prüfungen anwesend. Die Mitglieder der Prüfungscommission waren überzeugt, dass die Candidaten glänzende Noten verdienen, aber als Lehrer waren sie nicht zu verwenden. Schließlich hat die Gemeinde selbst einen Religionslehrer-Curs errichten wollen, aber trotz der