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Die Wahrheit · 1899-02-10 · Heft 6 (10.2.1899) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 6 (10.2.1899)
Date
1899-02-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Oesterr.-ungar. Csntorrn-Zritung. Nr. 6. Beilage zur Zeitschrift „Die Wahrheit". >s. Iahrg. Wir danken ffienril jenen gerlzr en Herren Cantoren, welche frch um die Einfülzrung unferrs Blattes in den Gemeinden und öffentlichen Localen bemüht haben, und hoffen, dass noch viele andere ihrem Beispiele folgen werden. Probrnummern stehen zue Verfügung. Die Administration. Die Vorbildung der Lantoren. Der letzte deutsche Gemeindetag, der iu Berlin abgehalten wurde, befasste sich mit einer Frage, die nicht nur für die deutschen, sondern für alle jüdischen Gemeinden actnelle Bedeutung hat. Es ist dies die Vorbildung der Cantoren. Den Anlass zu den diesbezüglichen Verhandlungen des Gemeindetages, die wir im Nachfolgenden wiedergeben, gab ein Antrag der Breslauer Gemeinde, „dass im Anschluss an eines der in Deutschland b e st e h e n d e n Lehrerseminare eine b e s o n d e r e B i 1 d u n g s a n st a l t f ü r j ü d i s ch e C a n t o r e n eingerichtet werde mit der Maßgabe, dass sie dort außer der künstlerischen und der allgemein musikalischen Bildung auch selbstverständlich die Ausbildung eines Lehrers erhalten." Die Diskussion über diesen Antrag nahm folgenden Verlauf: Kirchenrath Dr. Kroner-Stuttgart: Bei uns ist aus den Mitteln der israelitischen Ceutral-Kirchenkasse die Einrichtung getroffen, dass diejenigen Lehramtskandidaten, welche ihre Prüfungen bestanden haben, musikalisch und mit Stimme begabt sind, einen besonderen zur Heranbildung von Cantoren eingerichteten Cursus in Stuttgart durchwachen können, für dessen Benutzung sie nichts zu zahlen haben; sie erhalten sogar von der Ceutral-Kirchenkasse ganz oder theilweise ihre Reisekosten ersetzt. Es ist ein vollständiger Unterrichtsplan für diesen Cursus ausgearbeitet, nach welchem in einer bestimmten Anzahl von Unterrichtsstunden das Lehrziel erreicht wird, das in der Ausrüstung mit den allgemein musikalischen Grundkenntnißen und in der Erwerbung der Kenntnis und Befähigung, alle für die Festtage bestimmten gottesdienstlichen Liturgien vortragen, sowie einen Chor heranbilden zu können, besteht. Vorsitzender Prof. Dr. Philippson-Berli»: Wir haben uns leider mit viel unfertigeren Zuständen zu begnügen, wir haben nicht so glückliche Verhältniße wie in Württemberg. Das Wort hat alsdann als Referent des Ausschusses Herr Director Dr. Holzman. Director Dr. Holzman-Berlin: M. H.! Der Antrag des „Liberalen Vereins" in Breslau besagt: „Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund solle dahin wirken, dass möglichst bald im Anschluss au eines der in Deutschland bestehenden Lehrerseminare eine Anstalt zur Ausbildung von jüdischen Cantoren errichtet werde." Der Antrag ist wohl geeignet, in weiten Kreisen Sympathien zu erwecken. Er zeigt, dass die Herren einerseits ein Gefühl für die Würde des Cantvrates haben, da sie die Ausbildung der Cantoren Hand in Hand mit der Ausbildung von Lehrern gehen lassen wollen, andererseits die materielle Lage kleiner und mittlerer Gemeinden in Betracht ziehen. Auch die allgemeinen Bemerkungen, mit denen der Verein seinen Antrag zu begründen sucht, dürften von Vielen von uns unterschrieben werden, insbesonders der Gedanke, dass ein würdiger und ein schöner Vortrag von großer Bedeutung werden dürfte für das Interesse der Jugend an dem Gottesdienst. Ferner, dass die Frage des synagogalen Gesanges im wahren Sinne des Wortes eine gemeinsame Angelegenheit aller jüdischen Gemeinden sei, auch das wird von Jedem von uns gern unterschrieben werden. So sehr ich nun all' dem beistimme, meine Herren, so sehr freue ich mich, erklären zu können, dass, was die Herren erstreben, bereits verwirklicht ist; so sehr aber bedauere ich auch andererseits, erklären zu müssen, dass thatsächliche Voraussetzungen, von denen die Herren ausgehen, der Wirklichkeit nicht entsprechen. Ich sage, was die Herren erstreben, ist verwirklicht. Damit wende ich nicht etwa ein, wie die Herren erwarten, dass hier und da an Lehrerseminaren zur Ausbildung von Cantoren Curse abgehalten werden. An der jüdischen Lehrerbildungsanstalt zu Berlin bildet die Ausbildung von Cantoren einen wesentlichen Theil geradezu der Organisation, und zwar muß ich zur Ehre der Berliner Gemeinde sagen, dass dieser Gedanke von ihr vor nun 40 Jahren gefasst und vor 39 Jahren, am 6. November 1859, verwirklicht worden ist. M. H.! Das Grundstatut der Berliner Lehrerbildnugsanstalt, das von dem Unterrichtsminister bestätigt und in dem ersten Bande des Werkes „Das Volksschulwesen im Preußischen Staate von Dr. Schneider und von Bremen" abgedrnckt ist, bezeichnet als Zweck der Lehrerbildungsanstalt die „Bildung von Elementar- und Religionslehrern sowie von Vorbetern." Dieser Zweck wurde von der Lehrerbildungsanstalt immer und immer im Ange behalten. Es wurde und wird sowohl eine allgemein musikalische wie eine speziell cantorale Ausbildung erstrebt. Es werden die jungen Leute in Ctavier und Geige, in Einzel- und Chorgesang unterrichtet; es wird das Studium der Theorie gepflegt, die Uebnngen im Dirigiren nicht vernachlässigt; ferner wird der liturgische Gesang gepflegt auf Grund der Compositionen vor allem des Meisters Lewandowski, des Schöpfers und Erneuerers synagogaler Gesänge; es werden aber auch Sulzers, Deutsch, Baers Compositionen nicht vernachlässigt und auch Kirschners wie Rosenhanpts Arbeiten, werden da in Betracht gezogen. Also besteht das, was die Herren erstreben. Ich bedauere aber, sagen zu müssen, dass, was die Herren hier behaupten, der Wirklichkeit nicht entspricht, wenn sie sagen: „Diese vorhandenen Einrichtungen haben sich durchaus ungenügend erwiesen und schon vermöge der unzureichenden Lehrkräfte keine nennenswerthen Erfolge erzielt." Da komme ich Ihnen mit Thatsachen. Zöglinge der Lehrerbildungsanstalt sind als Cantoren thätig in Berlin und in München, in Fürth, Nürnberg und Danzig, in Stettin und in Mannheim, in Waldenburg und St. Johann, in Pleschen und Krotoschin, in Liegnitz und in Myslowitz, in Braunschweig und Schwerin, in Bielefeld und Ruhrort, in Bendorf und Düre, in Lage und Schötmar. Große, mittlere und kleinere Gemeinden famt ich also nennen, und, soviel ich weiß, versehen unsere Zöglinge dort ihre Functionen zur Zufriedenheit ihrer Gemeinden. Die Herren sagen ferner: „und schon vermöge der unzureichenden Lehrkräfte keine nennenswerthen Erfolge erzielt." Wissen Sie, wer an der Lehrerbildungsanstalt von 1859 bis 1894 Lehrer gewesen ist? Lewandowski, den ich vorhin als Schöpfer und Erneuerer der synagogalen Gesänge habe bezeichnen können. Ihm konnten wir nach dem Tode nachrufe», dass er der einen, der Lehrerbildungsanstalt gestellten Aufgabe die Richtung vorgezeichnet und die Aufgabe selbst mit der Freudigkeit des Meisters und der Treue des Lehrers gelöst habe. Und seit Lewandowskis Tode ist der feinsinnige Musiker und sehr geschätzte Chordirigent William Wolff Lehrer, der in Lewandowskischer Weise den Unterricht ertheilt. Meine Herren! Hiernach glaube ich, sagen zu können, das, was die Herren wünschen, besteht, und dass das, was die Herren als durchaus ungenügend bezeichnen, den Anforderungen wohl entspricht, dass also das Gesuch des Vereins völlig unbegründet ist. Freilich meine ich nicht, m. H., dass wir nun schon auf der Höhe stehen. Aber ich bin mir dessen wohl

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