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Die Wahrheit · 1899-02-02 · Heft 5 (2.2.1899) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 5 (2.2.1899)
Date
1899-02-02
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sssite 14. „Beilage: Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung." Nr. 5. Vermischte Nachrichten. Wien. Freitag, den 27. Jänner wurde unter zahlreicher Betheiligung von Leidtragenden, unter denen man die Gcmeinderäthe Ritter v. Goldschmidt, Matzenauer, Wmker und Dr. Mittler, die Präsidentin des „Ferienheim", Frau Sophie Grünseld, u. A. bemerkte, der ehemalige Gen .einderath Ludwig Lang zu Grabe getragen. Nach Vortrag der üblichen Trauerpselmen durch Obercantor Singer hielt Ober-Rabbiner Dr. Güdemann in der Trauerhalle die Gedenkrede auf den Verblichenen, in der er seiner Gesinnungstreue und seiner Hingebung an die freiheitlichen Ideen gedachte. Am offenen Grabe widmete der langjährige Freund des Verblichenen, Reichsraths-Abgeordneter Noske, dem Dahingeschicdenen einen Nachruf. Korneuburg. Unser allzufrüh verblichener Bethausvereins- Borstand Herr Johann Lederer, welcher nach einer Operation in einem Wiener Senatorium im 54. Lebensjahre plötzlich verschied, wurde vorigen Mittwoch aus dem isr. Centralfriedhose unter großer Betheiligung der Cultus-Mitglicder von Floridsdorf und Korneuburg zur Erde bestattet. Nach der cantoralcn Function durch Cantor Blatt sprach Bezirksrabbiner Dr. Rosenmann namens seiner Gemeinde und rühmte die Opferwilligkeit uud den Gemeinsiun des edlen Verblichenen, welcher der Gründer des Minjan-Vereines war. Rabb. Dr. Bach richtete erhebende Worte des Trostes an die Familie. Das ehrenvolle Andenken dieses frommen Mannes sei gesegnet! — n. Brünn, 27. Jänner. Welch' großer Achtung sich Herr Bernhard Morgenstern, Chef der Firma F. Morgenstern & Sohn, Ritter des Franz Joseph-Ordens, Vorstandsmitglied der israelitischen Cultusgemeinde in Brünn rc. im Leben zu erfreuen hatte, bewies die große Thcilnahme aus allen Kreisen der Bevölkerung an seinem Leichenbegängniße, welches gestern Nachmittags siattfand. In und vor dem Trauerhause, Ncugaffe 105/107, hatten sich zahlreiche Trauergäste eingefundcn, um dem Entschlafenen die letzte Ehre zu erweisen. In dem schwarz drapirten Trauergemache war die Leiche aufgebahrt. Zu der um 3 Uhr Nachmittags statt/ gehabten Trauerfeier hatten sich außer den Leidtragenden u. A. eingefnnden die Herren: Ihre Extellenzen Statthalter Baron Spens-Booden und Landeshauptmann Graf Vetter von der Lilie, weiters: Bürgermeister Dr. Ritter v. Wieser, Ober-Staatsanwalt Hofrath Patzner, Handelskammer- Präsident Herrenhausmitglied Ritter v. Gomperz, die Abgeordneten Ritter v. Bauer und Dr. Merores, Escomptebank-Präsident Ritter v. Schoeller, Commercialrath Dr. Baron Offermann, Curatorcn der Ersten mährischen Sparcaffa, Directoren der hiesigen Bank-Institute und Groß-Judustrien, Vorstand des Handels-Gremiums kais. Rath Enders, Oberschützenmeister Jelinek, Bürgercorps-Commandant Major Zelniczek mit Oberlieutenant Wesnitzky,Postamts-DirectorHaluska, Regierungsrath Pokorny,Bezirksschul- Jnspector Dr. Sonneck, Bezirksvorsteher Wawra, mehrere Gcmeinderäthe und Mitglieder des Gemeinde-Ausschuffes, Polizeichef Stadtralh Walek, Bicepräsident Tauschinsky als Vertreter der Schlapanitzer Zuckerfabrik, der gesammte Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde, das Presbyterium der deutschen evangelischen Gemeinde, mehrere höhere Staatsbeamte, viele Advocaten, Groß-Industrielle, Handelskammerräthe und Kaufleute, Vertreter deS Mährifchkn Kunstvereines, des Aufforstungsvereines und verschiedener Corporatioven und Vereine, insbesondere jener, welche von dem Verewigten in so hochherziger Weise bedacht wurden. Nach Vortrag der rituellen Trauergesänge durch Obercantor Heller intonierte der Brünner Männergesangverein, welcher corporativ erschienen war, unter Leitung des Herrn I. Niemetz einen ergreifenden Trauerchor, worauf der Sarg in den Leichenwagen der Beftattungsanstalt „Asyl" gebracht wurde. Langsam setzte sich nun der Trauerzug in Bewegung., Die Veteranen- und Feuerwehr- Vereine eröffneten denselben, zur Seite des Leichenwagens schritten Fackelträger. Der schier endlose Wagenzug passierte ein dichtes Spalier, das sich in den Straßen gebildet hatte. In der Leichenhalle des israelitischen Friedhofes hielt Herr Professor Dr. Grünfeld die Trauerrede. Er hob in ergreifender Schilderung des Lebens und Leidens des Verstorbenen dessen große Tugenden, insbesondere dessen Wohlthätigkeitssinn hervor. Er hatte seinen in harter Arbeit erworbenen Besitz nicht als sein Eigenthum betrachtet, sondern als Eigenthum der Armen und Nothleidenden, die er reich beschenkte. Kein Bittender gieng unbcschcnkt von ihm. Das Schicksal hatte ihm den Besitz von Kindern versagt, und so betrachtete er die Armen als seine Familie. Er war Vater der Waisen, Führer der Blinden. Die Ansprache übte auf die Trauerversammlung einen liefen Eindruck. Unter der üblichen Ceremonie wurde sodann der Sarg in die Erde gebettet — schon senkten sich die Schatten der Dämmerung herab, als sich das Grab schloss über den sterblichen Resten eines der edelsten Mitbürger unserer Stadt. Bernhard Morgenstern hatte jährlich durchschnittlich 20,000 fl. für wohlthätige Zwecke verausgabt. Die von ihm testamentarisch errichteten Legate und Stiftungen erreichen die Höhe von 360,000 Gulden. Kostrl. Das überall geschätzte Gemeindeinitglied, Herr Emanuel Spitz, hat anlässlich feines 80. Geburtstages ein Sefer Thora gespendet, dessen Uebergabe an die Gemeinde in festlicher Weise vor sich gieng. Durch eine aus Vorstehern und angesehenen Gemeindemitgliedern bestehende Abordnung wurde das Sefer aus der Wohnung des Spenders abgeholt und unter einem Baldachin in den Tempel getragen, woselbst es unter den üblichen Psalmgesängen, vorgetragen durch Cantor Blau, in die Bundeslade gestellt wurde. Hieraus hielt Herr Rabbiner Dr. Mandl die Festrede. Am Abend fand ein animirtes Banquett statt. kitteratur. Das Buch der Bücher von Dr. S. Bernfeld, Berlin 1809 Verlag S. Conbach, besprochen von Dr. Adolf Biach, Rabbiner und Prediger in Brüx. — Börne bemerkt einmal: „Es ist zu vermuthen, dass die Bibel, die das schönste aller Bücher wäre, wenn sie auch nicht das heiligste wäre, selbst Wcltleuten von Geschmack sehr gefallen würde, kämen sie nur erst dazu, sie zu lesen." Jeder Versuch, Interesse für die Bibel zu wecken, verdient unsere Anerkennung Deshalb begrüßen wir mit Freuden das Werk des geistvollen und mit der hebräischen Sprache und Lilteratur innig vertrauten Schriftstellers Dr. S. Bernfeld, betitelt: „Das Buch der Bücher". Sehr treffend weist der Verfasser in seinem Vorwort darauf hin, dass die Bibel selbst in gelehrten Kreisen nicht unbefangen gelesen wird. „Philologisch lassen sich nur die einzelnen Worte der biblischen Schriften erklären, was gewiss sehr verdienstvoll ist; den inneren Wert dieser Schriften kann man jedoch nur dann erfassen, wenn man den Geist jener Epoche kennt, in der sie entstanden ist". Bernfeld zeigt, wie durch die modernen assyriologischen Studien viele sogenannte Errungenschaften der Bibelkritik zu Seifenblasen geworden sind. In 17 Capiteln wird die ganze Bibel besprochen; man wird natürlich nicht mit allen Anschauungen deS Verfassers einverstanden sein, aber anerkennen muß man, dass der Verfasser sine ira et stnäio an feine Arbeit geht und viele Resultate der modernen Bibelkritik in überzeugender Weise umzustoßen verstanden hat. Sehr schön ist auch das Schlusswort, aus dem wir nur folgende Sätze hervorheben wollen. „Israel ist ja nach der biblischen Anschauung das von Gott auserwählte Volk, eine „heilige Nation". Aber niemals verliert sich die Bibel im Gefühle des nationalen Chauvinismus, in der blöden Selbstanbetung und Srlbstberäucherung. Wie kräftig und ungeschminkt haben die Propheten den eigenen Volksgenossen die Wahrheit verkündet!" . . . „Die Bibel bietet uns keine Göttersagen nnd keine Heiligenlegenden, sondern die Schilderung von Menschen in der natürlichsten Natürlichkeit, Menschen, die von moralischen Gebrechen nicht frei sind, aber dem höchsten Ideale zustreben." . . . „Geschichtliche Wahrheit, prophetische Begeisterung und poetische Erhabenheit, das sind die Hauptvorzüge des biblischen Schriftthums, von seinem hohen Wert für die religiöse Erziehung ganz abgesehen." Möge das populär-wissenschaftlich geschriebene Buch des verdienstvollen Verfassers viele Leser finden! „Kol-rinnoh" Unter diesem Titel beabsichtigt Altmeister Adolf Grünzwcig in Arad demnächst ein Werk berauszugeben, welches 40 Piecen zu den verschiedensten Gelegenheiten enthält. Sabbath-Gesänge, „Hallei“, „Tal und Geschein“, Gesänge für „Scholausch regolim“ und m. a. Psalmen und Lieder für Soli u. Chor, mit und ohne Orgelbegkeitung. Ein fünfzigjähriges Wirken auf dem Gebiete der modernen Synagogen- Musik — sagt unser Berichterstatter, der in das Werk Einsicht genommen — hat hier seinen Culmiuations-Punkt erreicht, denn wenn schon Grünzwcig mit seinen früheren fünf Werken sich volle Anerkennung erworben hat, ist dieses sechste Werk geradezu die Krone seiner bisherigen Leistungen. Geläuterter Sinn, eine hehre Auffassung bezüglich der zugrundeliegenden Texte und die vollendetste Technik betreffs Stimmführung, Melodiosität und polyphonischer Bearbeitung sprechen aus diesem Meisterwerke. Grünzwcig feiert am 8. April seinen 70ten Geburtstag und an diesem Sabbath — N2V — sind cs 50 Jahre, dass er in Kolin seinen ersten Posten

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