Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 4 (25.1.1899)
- Date
- 1899-01-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12. .Beilage: Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung. Nr. 4. gilt auch von dem hierauf verzeichneten Onno in A-dur und von den weitersolgenden einstimmigen Gesängen mit Orgelbegleitung Nekadesch in Gr, Wenislach in Es. Es liegt nicht im Interesse des Componisten, dass diese Compositionen Onno, Nekadesch, Wenislach, Joschewbessesser, Flugblättern gleich, ohne jegliche logische Zusammengehörigkeit auseinander folgen; wir hätten diese trefflichen Arbeiten weit lieber an den ihnen, je nach Inhalt oder Gelegenheit gebührenden Stellen eingereiht gesehen. Nun folgt eine Nummer in rein classischem Oratorienstil mit deutschem Texte, 'kr. 8. „Am Vorabende des Passah-Festes". Ein vorausgeschicktes Recitativ in der plastisch gefügten Weise Häudel's leitet, gleich wie bei des letztgenannten Oratoriengesängen, den hierauffolgenden Chor ein. Dass wir bei dieser Rubin'schen Composition mächtig an Händel erinnert werden, hat seinen Grund nicht etwa in irgend einem nachweisbaren Plagiate, als viel eher in der offenbaren Nachahmung der epischen Form Handelns. Ein Text, religiös-erbauenden oder frommen, andächtige,i Inhaltes muß folgerichtig ganz anders musikalisch illustrirt werden, als ein Text, der ausschließlich der Darstellung, Schilderung und Betrachtung rc. dient. Es dürfte somit die Behauptung eines rein epischmusikalischen Stiles einleuchten; wir machen hiebei nur auf den diesbezüglichen Unterschied zwischen Bach und Händel aufmerksam. Während wir bei Bach's Meistergaben den fromm betenden, hie und da auch kirchlich-lyrischen Musiker bewundern, erblicken wir bei Händel vornehmlich die Musikillustration der Schilderung, Erzählung, Darstellung rc. Diese ausgezeichnete, aber immerhin eigenartige Richtung brachte, unseres Erachtens, Händel dahin, den bis nun üblichen Kirchenstil gänzlich zu verlassen und seinen religiösen Schilderungen einen Beigeschmack von Weltlichkeit zu verleihen, welcher für die Weiterentwickelung der Kirchenmusik in gleichem Maße bahnbrechend wirkte, wie die Richtung Richard Wagner's für den Operngesangsstil. Ganz ähnliche, musikalische Absichten müssen auch Rubin bei der Composition des vorliegenden Passah-Abendgesanges geleitet haben; nicht etwa der Gedanke, auch einmal abseits von der Heerstraße eigene, ungewöhnliche Wege einzuschlagen, sondern, unseres Erachtens, nur das Bestreben, dem Textinhalte, nicht der Textform gerecht zu werden. Die Textform, ein sieben- und sechssilbiger Strophenbau, wie: „Festlich kehrt der Tag zurück — da vor vielen Jahren — Uns'rer Väter Missgeschick — Gottes Huld erfahren." — hätte vielleicht einen Anderen zur Composition eines landesüblichen, wenn auch syuagogenfeindlichen Chorals verleitet* * 3); Rubin wählt in preisenswerther Absicht für diesen Festgesang, ganz in Händel'scher Weise, die Form eines einleitenden Recitativ's: „Festlich kehrt der Tag zurück" — mit hierauffolgendem vierstimmigen gemischten Chor: „Tief war unter Feindes Joch" — nach demselben tritt wieder die Solostimme mit einem rhythmischen Gesänge: „Doch der Gott" in seine Rechte, worauf ein vierstimmiger Gesang die Nummer abschließt. Bezüglich der musikalischen Qualität dieser Prachtnnmmer brauchen wir nicht viel Worte zu verlieren, indem wir bereits oben angedeutet, dass dieselbe in Händel'schem Stile gehalten, demnach auch als nach jeder Richtung überaus wirkungsvoll bezeichnet werden muß. Kr den Kore.*) Von Lector Frredmann, Wien. Zur Frage, weshalb der Vers njrpOT! besonders hecvorgehoben wird, muß bemerkt werden, dass schon in der Thora das erste Wort dieses Verses gekennzeichnet ist. *) Der Text ist ja zu dem aus dem Stuthgarten Gesangbuche entnommen, aüwo derselbe mit einem fulminanten Choral musikalisch verballhornt wurde. 3) Das Manuscript dieses Artikels war bereits vor Veröffentlichung der in voriger Nummer den gleichen Gegenstand behandelnden Ausführungen des Herrn Dr. Mandelkern-Leipzig in unseren Händen. (Die Rcdaction.) Der zweite Bllchstabe der Wurzel des Wortes Ppttf, das p nämlich, ist gekrönt, was im allgemeinen nur bei den Buchstaben 22i2k2VV vorgeschrieben ist. Einem solchen Brauche muß natürlich ein höheres Alter zngeschrieben werden, zumindest ragt er in die gaonäische Periode hinein. bV2 meint, man wollte andeuten, es möge das Verdienst Abraham's, dem ein Sohn geboren wurde, als er schon 100 Jahre — also p — alt war, den Betenden beistehen. Einleuchtend ist diese Begründung nicht. Vielmehr gilt diese Krönung dem ganzen Verse, oder um dieses erste Wort des Verses besonders hervorznheben, und da das tP ohnedies gekrönt ist. musste man das p oder das Ö krönen. Nun handelt diese Stelle vom Zehent — —; da mag die Zahl p an Jsak erinnern, dessen Saat hundertfältig gesegnet war, und wie die Alten erklären, habe er diese Messung vorgenommeu, um den Zehent zu geben. Was aber die Hervorhebung überhaupt betrifft, wird nur durch die Hagadah klar. Das Wort NS'pVTl bedeutet überall den nachtheiligen Blick, nur hier verwandelt sich dieser für denjenigen, der seine Abgaben genau leistet, zu einem wohlwollenden Blicke, die Verwandlung vom Fluche zum Segen. Von einem anderen Agadisten wird berichtet: Als er über diesen Vers sprechen wollte, leitete er ihn ein mit den Psalmworten '218 .rmiM 8128 (71, 16) ----- „ich komme mit Machtthaten, Ewiger". (Jeruschalmi '2V IVvQ V. 5.) Man vergleiche zur Stelle, wo dies noch stärker und weitläufiger ausgeführt wird. Dass in diesem Verse keine bescheidene Bitte vorgetragen wird, sondern eine Forderung und ein Rechtsanspruch enthalten ist, welcher sogar ein schon gefälltes Verhängnis in Segen verwandeln kann, geht dort deutlich hervor. Beachtet man den Geist der Agadisten, so erkennt man, dass sie den Werth der Wohlthätigkeit anpreisen wollten, dass auch nach der Zerstörung des Tempels fromme Sitte war, den Zehent des Einkommens für Wohlthätigkeit zu verwenden; sie nahmen zu dieser Mahnung bei jener Stelle Gelegenheit, wo besonders vom Armenzehent — '2V 1VVV — die Rede ist. Nun kann es uns nicht mehr Wunder nehmen, dass wir es hier mit einem gekrönten Worte zu thun haben; was sollte aber das stumme Wort nutzen, wenn der Vorleser nicht mit gehobener Stimme seine besondere Bedeutung hervorheben würde? Die geistreiche Erklärung des Herrn Dr. Kahau leuchtet mir deshalb nicht ein, weil der von ihm angeführte private Vorgang keine Begründung für einen Usus bei dem öffentlichen Gottesdienste abgeben kann. Gelegentlich will ich auch erklären, wenn auch sprachlich nicht rechtfertigen, woher es gekommen sein mag, anstatt „Kore", „Baal-Kore" zu sagen. ipp — Kore ist nämlich der Name eines Vogels, der als Symbol der Habsucht galt, und wurde als Spitzname für den Habsüchtigen gebraucht, der fremdes Gut an sich reißt. Nun mag es in der Gemeinde solchen Kore gegeben haben; sehr natürlich, dass man es vermied, den Funktionär Kore zu nennen. Mau nannte ihn Baal Kore, und legte es sich zurecht, Kore als Particip zu nehmen und es in nicht üblicher Weise mit Baal zu verbinden; also — ein lesender Herr.