Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 3 (17.1.1899)
- Date
- 1899-01-17
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14. Nr. 3. „Beilage: Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeitung." Comits mit den Vorarbeiten beschäftigt, so dass diese Carnevalsveranstaltung auch wegen der anderen geplanten Ainnsements einen glänzenden Verlauf zu nehmen verspricht. Gruppenanmeldungen genießen eine Ermäßigung um die Hälfte des Eintrittspreises, der sonst per Person 2 fl. betrügt. Auskünfte ertheilen die Herren Dr. Szamek, Obmann des Vereins, Stadt, Kohlmarkt 7, und Adolf Kraus, Obmann des Vergnüguugscomits, Leopoldstadt, Rueppgasse 9, wo auch Karten zu haben sind. Vermischte Nachrichten. Perfönalnachrichten. Frl. Else Gut mann, Tochter des gewesenen Präsidenten der Cultusgcmcinde, Wilh. Ritter v. Gutmann, hat sich mit Herrn G.vonOeres verlobt. — Frl. Gisela Pollatschek, Tochter des Armcnrathes und Bethausvorstandes im 2. Wiener Bezirke, Brigittenau, Herrn David Pollatschek, hat sich mit Herrn Arthur Wilheim verlobt. Wien. Der in weiteren Kreisen bekannte Religionsprofessor am akademischen Gymnasium, Dr. Adolf Weiß, feiert am 20. d. M. mit seiner Gattin das Fest der silbernen Hochzeit. Dr. Weiß hat sich als Obmann des „Verbandes jüdischer Religionslchrer an den österr. Mittelschulen" mannigfache Verdienste um die Förderung der Interessen seiner Berufsgenoffen erworben, und die vielfachen Verehrer und Freunde des Jubelpaares werden es gewiss nicht unterlassen, ihren Ehrentag durch Sympathiekundgebungen zu verschönern. H. L. Wien. Ein intercssan'.er Bortragscyclus wird im laufenden Semester von der Jüdisch-akademischen Lesehalle im Saale des Niederösterreichischen Gewerbevereines, 1. Bezirk, Eschenbachgaffe Nr. 1l, veranstaltet Den Cyclus cröffnete Universitätsproseffor Benedikt mit einem Vorträge über „Anderswerthigc und minderwcrthige Menschen". Am 5. Februar liest Herrmann Bahr über „Humor". Am II. Februar wird die gewesene Burgschauspiclerin Frau v. Türk-Leuthold im Anschlüsse an einen Vortrag Heinrich Glückmann's, der über „Die Komödie des Lebens" spricht, verschiedene Dichtungen rccitiren. — Noch im Laufe dieses Monats, am 28. d., spricht Dr. Rudolf Lothar über das Burgtheatcr und seine Dichter. Boskowitz. Anlässlich des Todestages des vor einem Jahre verstorbenen Gemeindemitgliedcs Elias B i x spendete dessen Gattin, Frau Rest B i x, dem hiesigen LeÜi Eswickraseti eine kostbare Thorarolle. AuS diesem Anlässe fand am 7. d. M. im Letü Eauüäraseli, in lvelchem Gotteshause der Verstorbene viele Jahre hindurch als Tempelvorsteher sungirte, eine erhebende Feier statt, welcher der Herr Rabbiner Dr. Funk, der eine formvollendete Rede hielt, die Tempclvorsteher und ein zahlreiches Publicum beiwohnten. Lemberg. Der jüdisch-galizische Gemeindetag soll in allernächster Zeit zusammcntreteu. Die ständige Commission hat für denselben folgende Tagesordnung festgesetzt: 1. Berathung über die ökonomische Lage der Juden in Galizien und über die etwaigen Mittel zur Abhilfe; 2. Berathung über die Nichtzulaffung der Juden, trotz Gleichberechtigung zu den öffentlichen Staats- und autonomen Behörden und die etwa dagegen zu ergreifenden Mittel; 3. Antrag, betreffend die Einführung der polnischen Sprache als Amtssprache in der Verwaltung der israel. Cultusgemeinden; 4. Anträge der Delegirten und der einzelnen Cultusgemeinden. Lesemaschrne für den hebräischen Lese- und Sprachunterricht an Volks-, Bürger- und Mittelschulen ohne Unterschied der Unterrichtssprache von Rabbiner H. Kohn, Reichenau, herausgegeben vom „Israelitischen Landeslchrverein" in Böhmen. Preis 8 fl. Bestellungen an Rabbiner M. Freund, Bodenbach a. E. — Die Besprechung eines Lehrmittels für den israelitischen Religions-Unterricht gehört zu den Seltenheiten selbst iu düsen Spalten. Der Grund hicfür liegt auf der Hand. Vorerst wagt cs niemand, ein Lehrmittel für diese Disciplin aus Furcht vor mangelndem Absatz hcrauszugebeu, und dann hielten ja unsere Lehrer der Religion für' nnnöthig, solche überhaupt in Anwendung zu bringen. Das hebräische Lesen wird noch wie anno dazumal nach der Buchstabiermethode eingcbelfert und der Erfolg bleibt auch meist aus. Mangelhafte Fertigkeit im hebräischen Lesen, Unlust zu dem Gegenstände, die nie mehr besiegt werden kann, weil dem Kinde der Anfang zu schwer gemacht wurde. Gibt cs doch bisher kein Lehrmittel für den Anfangsunterricht im hebräischen Lesen, während ein Lehrmittelfür alle anderen Sprachen in jeder Dorfschule zu finden ist! Und doch ist das Erlernen des hebräischen Lesen nicht leichter, die Unterstützung, die dieser Disciplin seitens des Hauses entgegengebracht wird, keine wärmere. und die den Kindern selbst hiezu innewohnende Lust keine größere. Aufs wärmste ist daher das Unternehmen des rührigen Israelitischen Landeslehrervercincs iu Böhmen zu begrüßen, der eine von Rabbiner H. Kohn in Reichenau erfundenen Lesemaschine mit großen Kosten herausgegebcn hat. Das Lehrmittel repräsentirt sich in anständigem Gewände, kann leicht von einem Lehrzimmer in das andere transportirt werden und lässt sich nach der demselben beigegebenen Anleitung nicht blos zum ersten Unterricht im Lesen, sondern auch Einüben von Gebetstücken, ferner besonders zum Sprachunterricht mit Nutzen verwenden. Was unseren Kindern zumeist fehlt, ist die Liebe für den hebräischen Unterricht, und diese kann durch Anwendung dieses Lehrmittels, welches den Unterricht nicht nur anziehend, sondern auch leicht gestaltet, erreicht werden. An den Cultusgemeinden liegt es, das Lehrmittel, dessen Preis sehr niedrig ist, anzuschaffen, an den Ncligionslehrern, sich mit der Anwendung desselben vertraut zu machen, und wir sind überzeugt, dass die Klagen über mangelnde Fertigkeit im hebräischen Lesen allmälig verstummen werden. F. Bit Röntgen Strahlen beim Schächten. Die neuesten Errungenschaften der Wissenschaft werden in den Dienst der jüdischen Religion gestellt. Aus der Schweiz wird uns Folgendes mitgetheilt: Mit den größten Schwierigkeiten, hauptsächlich zur Sommerszeit, haben in Thiengen, sowie in Rheinheim die schweizerischen Metzger zu kämpfen, wenn nacheinander 2 und 3 Stiere für trefoh erklärt werden. Um diese Schwierigkeiten zu überwinden, behelfen sich in Frankfurt a. M. sowie in Mühlhausen und Kalmar seit 30. Juni die Schächtereien mit den Röntgen- Strahlen; bis jetzt sind die Erfolge glänzende. Unter 100 Stück ist im höchsten Fall 1 bis 2 Stück trefoh geworden. Die neuesten Verbesserungen der Röntgen-Strahlen sind derart, dass sie nicht nur bei Ochsen die Zusammcnwachsung innerer Organe, sondern auch Eiscnstücke, Geldstücke und andere Bestandtheile im lebenden Thiere constatiren, die im Futtersack vorhanden waren. Auch in Thiengen ist man mit den Erfolgen sehr zufrieden. _ Publicationen des ofterr.-ung. Lantoren-vereines. Das Vereinsmitglied, Cantor Simon Löw in Jglau, ist in Folge einer schweren Erkrankung berufsunfähig geworden und der Vorstand hat in der am 14. d. M. stattgehabten Sitzung beschlossen, demselben im Sinne der Statuten einen Juvaliditätsbeitrag zu bewilligen. Die geehrten Mitglieder werden darum ersucht, den Pflichtbeitrag per 1 fl. ö. W. baldigst an den Vereinscassier, Herrn Cantor M. Blatt, Wien, II., Tempelgasse 3, einzusenden. Der Vorstand des österr.-ung. Cantoren-Bereines. Eingesendet. Aus Budapest erhalten wir nachstehenden Prospect: Infolge der Erfahrung, dass der Mangel an geschulten, modern gebildeten Cantoren immer mehr fühlbar wird, haben sich die Unterzeichneten entschlossen, in Budapest eine ungarischjüdische Cantorenschnle zu gründen, welche dem unentbehrlichen Functionär einer jeden jüdischen Gemeinde, dem Vorbeter, die für dessen hehren Beruf nöthigen Borkenntniße bieten soll. Es ist bekannt, dass es in unserem Vaterlande eine solche Schule noch nicht gibt, obzwar in einer Zeit, wo vom Rabbiner und Lehrer fachgemäße Bildung gefordert wird, es doch nur natürlich wäre, dass der Verdolmetscher der religiösen Gefühle der Gemeinde in der Erwerbung einer Qualification jenen nicht uachsteht. Darum die allgemeine Klage im Lande. Die Gemeinden sind unzufrieden mit ihren Cantoren, die Cantoren ihrerseits sind unzufrieden mit ihrer Stellung. Unserer Ueberzeugung nach würde der Uebelstand aufhören, sobald die Gemeinden tüchtige, in ihrem Fache wohlbewanderte, für ihren Beruf gründlich vorbereitete Vorbeter anstelle» könnten, und die Cantoren würden die ihrer Stellung gebührende Achtung stnden, wenn sie auf pädagogischem Wege zu gesinnnngstüchtigen, selbstbewussten Männern hcrangebildet wären. So wollen wir den Gemeinden und Candidaten Gelegenheit bieten, ihre vitalsten Interessen wahrzunehmen, indem wir eine ungarisch-jüdische Cantorenschnle gründen. A.ls Lehrgegenstände