Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 3 (17.1.1899)
- Date
- 1899-01-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3. Beilage: „ Oesterreich isch-ungarische Lantoren-Aeitung " Seite 13. oft in Bibel und Talmud: DH31 ^$n,nör6ö 'n ,p '2 ,S*ip 3, u. dgl. Es wird also gewöhnlich mit dem. Nomen, nicht mit dem Participinm gebraucht, und demgemäß sollte man eigentlich auch „Baal-Knali“ oder Baal-Thekiah sagen, genau wie das populäre In der Bibel aber wird in diesem letztgenannten Sinne auch sehr häufig statt das Synonim WS gebraucht, wie z. B. WS WS ,S»:u WS .naiö WS (selten im Sinne des Eigeuthums und Besitzes, vgl. Ruth 1, 3 und Hosea 2, 18). Setze man also das Synonim WS statt d. h. Slip WS, jjpin WS, so wird es ebenso richtig sein wie s.-fI WS in 3. M. 21, 9! Was die Bemerkung über den dunkeln Ursprung des sonderbaren alten Brauches der Stimmerhöhung beim Verse ,“i£PpW7 in 5. M. 26, 15 betrifft, konnte mich die geistreiche Erklärung des Herrn Dr. Kahan nicht ganz befriedigen. Erstens folgt nach Vorlesung der nilDin mit leiser und gedämpfter Stimme nicht eine besondere Erhöhung und Betonung der unterbrochenen Leseweise und Vortragsart: zweitens werden, dem Usus nach, die dem fiB'pWT vorangehenden Verse 13 und 14 niemals mit leiser oder gedämpfter Stimme vorgelesen, und nur das flö'pWl wird urplötzlich mit besonders feierlicher und erhobener Stimme vorgetragen. Es handelt sich hier folglich nur um die Erklärung der sonderbaren Auszeichnung dieses nDpWl an und für sich. Ich gestatte mir daher meine Erklärung darüber auszusprechen. Ich vermuthe nämlich, dass jener räthselhafte Brauch auf der Hagada (Thanchuma, Abschnitt SVN '3) beruht, die feststellt, dass dieses HD'pWl, im Gegensätze zu allen anderen in der Bibel vorkommenden, einzig und allein in bonam partem, während jene immer in malam partem gebraucht wird, — was Raschi zu 1. M. 18, 15 kurz und bündig sagt: HB'pWl *72 ■]WTp |WÖÖ nö'pwiö pn nsn1?, und infolgedessen wird es auch von dem Kore mit besonders betonender Stimme gekennzeichnet und hervorgehoben. Noch eine Erklärung könnte ich geben, will aber abwarten. was Fachleute, wie beispielsweise Cantor Birnbaum in Königsberg, über das von Herrn Dr. Kahan angeregteinteressante Thema sagen werden. Dr. S. Mandelkern, Leipzig. Der älteste Reformtemxel. Der älteste Reformtempel scheint die portugiesische Synagoge in Bordeaux gewesen zu sein, die mit besonderer Genehmigung des Kaisers Napoleon erbaut und im Sommer 1812 eingeweiht wurde. Von dem Glanze und der Pracht dieses Gotteshauses muß zu damaliger Zeit sehr viel gesprochen worden sein. Wir finden nämlich in den jüdisch-deutschen Schreibübuugen eines Knaben in Schwerin (der übrigens später eines der einflußreichsten Gemeindemitglieder daselbst wurde, und dessen Nachkommenschaft jetzt in Hamburg blüht) eine höchst interessante Beschreibung von der Einweihung dieser Synagoge. Die kleine Hebung ist offenbar nach dem Dictat des Lehrers oder nach einer gedruckten Vorlage, die dieser seinen Schülern mittheilte, niedergeschrieben, und ist mit großer Sorgfalt ausgeführt. Als Datum der Niederschrift ist der 27. Ab 5572 (— August 1812) beigefügt. Ich gebe im Folgenden den Wortlaut des Originals, das mir von dem hier in Hamburg lebenden Sohne des Verfassers gütigst zur Verfügung gestellt wurde, genau wieder: „Beschreibung der in Bourdeanx neugebauten Schule, das durch ein Dekret vom Kaiser Napoleon erlaubt worden, und dass die deutschen Jehudim mit den Portogisen müssen alle in eine Schule gehen,, und die 8 große und kleine Schulen sind alle zugemacht worden. Sie haben die neue Schule 3 Tage vordem Wochenfeste eingeweiht, wozu alle von den großen Staatsvbrigkeiten eingeladen und auch zugegen waren. Diese Schule ist die schönste, die auf weit und breit von Bauart zu finden ist, und die Einrichtung von einem jeden großen Beifall findet: denn der Christ läuft nach der Schule, als wenn er in die Komödie geht. Sie haben 24 Chorsänger, die Psalmen allein nach der Musik singen, worunter 12 Jünglinge, die in weißen Musselin gekleidet sind und ein blaues breites Band itm den Leib und eine weiße, sammtene, oben glatte Mütze, mit hellblauem Band eingefasst tragen. Der Oberrabbiuer ist in schwarzseidenes Zeug gekleidet, wie ein katholischer Priester und 12 ebenfalls als Priester gekleidete studierte Männer, die mau Dofcor de la loi nennt (der Gelährtheit), müssen den Oberrabbincr alle Zeit begleiten. Ein großer hellblauer seidener Vorhang, der 3000 Franken kostet, hängt vor dem ritzroteu, vergoldeten Heehal, der den Mischkan vorstellt, und sie haben beinahe alle die Kelim nachgemacht, die im Beth-Hamikdascli waren, und wenn die Kahamm duchuen, die in weißen Musselin gekleidet sind, so brennt das Kethoreth, das von Leviim unterhalten wird. Ueberhaupt wollen sic alles nachmachen, wie es vor alten Zeiten im Beth-Hamikdasch war, welches auch mit einer bewunderungswürdigen Ordnung geschieht. Die 2 Tage Jomtow ist Franken 15.000 geopfert worden. Es ist der Mühe wert, 10 Meilen Weges darum zu gehen, um die Schule sammt den Minhagim zn sehen. Sie erwarten jetzt eine große Orgel von Paris, die sehr viel Geld kostet. Ueberhaupt da ist noch vieles davon zu schreiben. Die reichen Leute gehen Sabbath und Jomtow sehr fleißig in die Schule, mehr aber aus Pläsier als aus Frommheit." Geendigt am Mittwoch, den 27. Ab 5572 (— 1812.) _ A. F. Vereins-Bote. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Am Sonntag den 8. d. M. fand eine Plenarversammlung des Vereines zur Hebung der Gewerbe statt. Der große Saal des Niederöflerreichischen Gewerbevercines war in allen seinen Tbeilen bis aus das letzte Plätzchen von Besuchern gefüllt. Man bemerkte unter Anderen Se. Excellenz den Grafen Eulenberg, die Vorsteher des Exportvereines, die Vorstehung der Oesterreichischungarischen Colonial-Gesellschast, den Profeffor der Hochschule Ingenieur Rezek, Ortsschulrath S. Heit, die Commercialräthe Stiaßny, S. Eisenberger und Trebitsch, die Bezirksausschüsse Tr. Hein und Waldstein, den Präsidenten des politischen Bolksvereines Dr. Hermann Fialla, Schriftsteller Jacques Jaeger, die Präsidentinnen und Vorstandsdamen der meisten israelitischen Frauenvereine, den Gesammtvorstaud des Vereines zur Hebung der Gewerbe mit ihren Vicepräsidenten Hermann Beck und L. Guttmann. Die meisten der Genannten waren mit ihren Frauen erschienen. Der Vortrag des Herrn kaij. Rathes Richard Schrofr klang dahin aus, dass Oesterreich bemüth sein möge, für seinen darniederliegenden Handel und zur Kräftigung des Gewerbestandes neue Absatzgebiete außerhalb des Reiches im gegenwärtigen dafür günstigen Momente zu suchen. Der hochinteressante und lehrreiche Bortrag fand allgemeinen Beifall. Daraus folgte ein Vortrag der Frau Antonie Graf über die „Frauenfrage". Die Art der Ausführung und die Vortragsweise wird allen Zuhörern unvergesslich bleiben und wird die Drucklegung des Vortrages allseitig gewünscht. Frau Graf wurde mit stürmischem Beifall belohnt. Sodann schloss der Präsident Herr Brod den interessanten Vereinsabend, von welchem auch der Vorstand des Gewerbevercines befriedigt sein kann. Wien. Der Verein „Ferienheim ' veranstaltet unter der Leitung seiner verdienstvollen Präsidentin, Frau Dr. Grünfeld, am 2. Februar in den Sofiensälen ein großes Ballsest, das sich jedenfalls den bisherigen Veranstaltungen dieses Vereines würdig anreihen wird. Mit Rücksicht auf die humanitäre Thätigkeit des „Ferienheim", die armen jüdischen Kindern zu Gute kommt, verdient dieses Ballfest die besondere Unterstützung unserer Glaubensgenossen. Das Comitvlocal befindet sich im „Hotel Residenz" l. Bez., Tcinfaltstraße. Wien. Zu dem großen Costümsest, welches am 15. Februar m den Sosiensälen vom „Leopoldstüdter Kinderschutz" veranstaltet wird, ist ein aus 45 Damen und ebensovielen Herren bestehendes