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Die Wahrheit · 1899-01-09 · Heft 2 (9.1.1899) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 2 (9.1.1899)
Date
1899-01-09
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14. „Beilage: Gesterreichisch-ungarische Lantoren-Zeilung." Nr. 2. jüdischen Hause, in keiner Sauunlnng fehlen sollen. Hermann ] Jnaker setzte die Sammlung der Bilder aus dem jüdischen Familienleben fort, und wir haben auch eine größere Anzahl vorzüglich gelungener, ebenfalls auf phvtotypischein Wege erzeugter Ansichtskarten bei der zweiten Firma zu verzeichnen. Jedes dieser Bilder erzählt ein Stück jüdischer Culturgeschichte und umft auf jeden Beschauer, ob alt oder jung, lebhaft ein. Da diese Karten zu sehr billigem Preise zu haben sind, so können sie auch überall augeschafft werden und bilden dieselben ein eminentes Lehrmittel, das den jüdischen Geschichtsunterricht wesentlich zu fördern im Stande ist. Wir wünschten, dass die Erzeugung und Verbreitung der jüdischen Ansichtskarten einen großen Aufschwung nehme. Berühmte historische Personen aus unserer Geschichte im Bilde mit biographischen Daten. Wahlsprüchen, Sentenzen rc. wären sehr willkommen. Von jüdischen Componisten ließe sich, neben dem Bilde des Betreffenden, manche kleine Composition oder Festtagsmelodie auf eitler einfachen oder Doppelkarte vervielfältigen. Auch biblische Bilder sollten Verbreitung finden; wer denkt da nicht an Professor Oppenheim's reizende Jugendarbeit: „Non, von seiner Familie umgeben, am Fenster der Arche." Aeltere Verlagsbuchhandlungen und Druckereien verfügen übergroße Mengen einschlägiger Clich 's, die hier gute Verwendung finden könnten, was nicht vorhanden ist, kann leicht auf phototypischem Wege erzeugt werden. Ansichten jüdischer Gotteshäuser, alter und moderner Grabdenkmäler, großer Wohlthätigkeitsanstalten rc. geben hinreichenden Stoff für jüdische Ansichtskartell. Indem unsere Jugend diesem Sport huldigt, lernt sie aitch unsere Geschichte und unser Bolksthnm kennen und bringt auch auf diesem Wege unserem Jndenthnm — wie wir es sehnlichst wünschen — erhöhtes Interesse entgegen. Moritz An . . . . l. Vermischte Nachrichten. (Personalnachrichten). Fräulein Ella Ehrenfeld, Tochter des Herrn Oberrabbiners Dr. Ehrenfeld in Prag, hat sich mit Herrn Dr. Brody Rabbiner in Nachod, verlobt. — Am 1. Januar 1899 feierte Herr Oberj cantor Mannheim in Landsberg sein 25jähriges Jubiläum als erster? Cantor der dortigen Gemeinde. i Wien« Die hohe k. k. Statthaltcrei hat dem Herrn Rabbiner S. Fürst an der Schiffsynagoge, in Vertretung des Herrn Schreiber in Drvhobycz. den allerhöchsten Dank Sr. Majestät für die Höchstdemselben seitens der österr. israelitischen Gemeinde in Jerusalem, mittelst einer künstlerisch ausgestatteten Adreffe dargebrachle Huldigung bekannt gegeben. Wien. Sonntag fand im Tempel der Türk. Gemeinde, die Trauung des Herrn Emil R ns s o mit Frl. Jeanette A s r i e l statt. Den Trauung 8akt vollzogen Rabbiner Papo und Oberkantor Bauer. Bei den Trauungsgesängen von H Elias wurde eine neue Solo-Einlage vom Chor-Dirigenten Löwit aufgeführt. Anderthalb Millionen für arme Kinder. Wie wir erfahren, hat Frau Baronin Hirsch wieder einen größeren Betrag für Galizien gespendet. Es handelt sich diesmal eigentlich um eine Erweiterung und Ausgestaltung der vom verstorbenen Baron Hirsch in Galizien errichteten Schulstiftung. Dieselbe ist angesichts des ungeheuren Elends unter der Bevölkerung gezwungen, nicht blos die Schulen zu erhalten, sondern auch die Schulkinder zu bekleiden und zu beköstigen. Das nimmt einen großen Theil der für die Schulen bestimmten Einkünfte — ungefähr 85,000 fl jährlich — in Anspruch. Außerdem soll in Galizien etwas für die jüdischen Mädchen geschehen, die in diesem industriearmen Lande ohne jede Arbeitsgelegenheit, ja oft sogar ohne b;e primitivsten Kenntniße der Wirthschaft zu häuslichen Diensten unfähig, ihren armen Eltern zur Last sind und nicht selten von der Noch gezwungen, der Schande in die Arme fallen. Diese beiden Umstände sind dein fürsorglichen Auge der Baronin nicht entgangen und sie hat aus eigener Initiative beschloffen, eine neue Stiftung von anderthalb Millionen Gulden zu errichten, von deren Zinsen zur Hälfte die Schulkinder gekleidet und beköstigt, zur anderen Hälfte Wirchschafts- und Handwcrksschulen für arme jüdische Mädchen errichtet werden sollen. Die erste Schule dürfte in Kolomea eröffnet werden, wo bereits mit einem Kostcnaufwande von 22,000 fl. ein besonderes Gebäude errichtet worden ist. Elberfeld. Im hiesigem „Mendelssohn-Verein" (für jüdische Geschichte und Litte-, atur) hielt dieser Tage Herr Cantor.Hermann Zivi einen sehr intereffamen und mit großem Beifall aufgenommenen Bortrag über: „Di e Musik im jüdischen A l t e r t bum". In seinen einstündigen, formvollendeten Darlegungen zeigte der Redner, dass er durch flcißigs Quellenstudium das Thema, das er sich gestellt, vollständig beherrscht. Die sehr anerkenuenden Worte, welche der Vorsitzende des Vereiiis dem Redner zollte, und die Beifallsbezeugungen des zahlreich erschienenen Auditoriums waren deshalb auch wohlverdient. Herr Zivi führte aus, dass von der alten Tempelmusik nichts mehr erhalten geblieben sei, dass vielmehr die musikalische Tradition höchstens bis in die Zeit hinaufreiche, in der die Juden aus dem babylonischen Exil znrückkehrten. Nicht auf jüdischen Tonarten bastre die Synagogen-Musik, sondern auf einem Stadium, aus dem auch die sogenannten alten Kirchentonarten hervorgegangen seien. Insofern erscheine es ganz zweifellos, dass die Musik eines Ambrosius sowie die eines Gregor nicht die Genesis der jüdischen Tradition bedeuten könne; ebenso zweifellos sei es aber auch, dass sie ihre Melodien selbst anderen Culten entlehnt haben. Redner machte sodann an Beispielen für die Meinung Propaganda, dass durch die große Völkerverschiebung in den vorchristlichen und ersten christlichen Jahrhunderten arabische, indische und persische Idiome nach dem Abendland gedrängt worden seien, die in ihrer neuen Heimaih, besonders in Russland, in der Türkei und im heutigen Ungarn, ihren ursprünglichen Nationalgesang einführten und mit dem in jenen Ländern bereits vorhandenen verschmolzen. Auf diese Weise sei eine Tonart entstanden, aus der sich allmählich nach der Völkerwanderung der ambrosianische und gregorianische Kirchengesang entwickelt habe und mit ihm ans denselben Quellen auch die jüdische Musik. Keinesfalls aber sei der Behauptung Platz einzuräumen, Ambrosius und Gregor hätten bei ihren musikalischen Organisationen auf die jüdische Musik der ersten Tempelperiode zurückgegriffen, und zwar deshalb nicht, weil mit dem babylonischen Exil der Klang der hebräischen Sprache des Alterthums und mit ihm die ihn interpretirende Musik für immer verloren gegangen sei. So dank.nswerth und so intereffant es wäre, das kulturell so hoch bestehende alte Jndenthnm auch in der Sphäre seines musikalischen Schaffens belauschen zu können, so bleibe doch unter allen Umständen zu bedenken, dass unser moderner Gehörorganismus, unsere physische,und psychische Beschaffenheit und Veranlagung, Musik in uns aufznnebmen, ein Ding sei, das aller historischen Voraussetzungen spotte. Wir seien mit diesen Eigenschaften ein Produkt unzähliger Generationen, die das wunderbare Wachslhnm unserer jüdischen Musik erlebt und verfolgt haben. Man müsste sein ganzes Wesen, seine ganze Gewohnheit zu hören, zu fühlen und zu verstehen um ein Beträchtliches znrückschrauben, um heute noch jener verloren gegangenen Musik des jüdischen Alterthums, lebendige Theilnahme entgegenbringen zu können Alsdann verbreitete sich Redner über die biblischen Instrumente und documentirte durch die Gediegenheit seines Vortrages, dass er auf dem Gebiete der Musik und deren Geschichte wohlbewandert ist. Frankfurt a. M. (Palästina-Ausstellung.) Die Ausstellung der Erzeugniße jüdischer Ackerbauer und Handwerker im „Hessischen Palais" erfreut sich in zunehmend-m Maße der Gunst des Publikums. Die Zahl der Besucher betrug in den ersten zwei Wochen nach der Eröffnung durchschnittlich 350 täglich, während sie am ersten Sonntag die Höhe von 4000 und am letzten Sonntag eine solche von 5200 erreicht hat In Erwartung einer ähnlichen Besucherzahl hal der Arbeitsausschuß gleich am Anfänge die zweckmäßige Anordnung getroffen, dass die Besucher die Ausstellung durch den an der Post gelegenen Laden betreten und sie durch eine am entgegengesetzten Ende befindliche Thür verlassen. Zahlreiche Plakate zeigen den einzuschlagenden Weg, der innegehalten werden muß, um Stockungen zu vermeiden. (Paris). In dem Befinden der schwer erkrankten Baronin Hirsch ist in der vorigen Woche eine leichte Besserung eingetreten. Die neue Seele der Adventisten. Wie es zwischen den drei Naturreichen einzelne inrermitlirende Zwischen- und Uebergangsglieder gibt, in ähnlicher Weise verhält es sich auch mit den Religionen. Tie ersten Aposteln und Christengemeinden bestanden zumeist aus Juden, und so bildet sich in unseren Tagen eine confessivwlle Vereinigung in Siebenbürgen, verschiedene von den bereits bekannten „Sovoteiky" in diesem Lande und in Rußland. Diese neue Secte beobachtet nicht blos den alttestamentarischen Sabbat mit solch subtiler Strenge, wie der orthodoxeste Chaffid, der vom Freitag Nachmittag an sich jeder Arbeit enthält, von

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