Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 2 (9.1.1899)
- Date
- 1899-01-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 2 Seite 13. Beilage: „Mesterreichisch-ungarische Lantoren-Aeitung." Herrn Director Dr. W o k s ch und theilte mit, dass der Verband an die Herausgabe einer Vierteljahrschrift zu schreiten gedenke. Nunmehr wurde die Debatte über den vormittags abgebrochenen „Rechenschaftsbericht" wieder ausgenommen, welche einen sehr lebhaften Verlauf nahm. Wir heben nur den Standpunkt des Herrn Vicepräsidenten der isr. Cnltnsgemeinde Wien in Kürze hervor: Der Organisationsentwnrf schreibt die definitive Anstellung der Religionslehrer vor, deren Confessio» die Mehrzahl der Schüler angehört. Hier sind nur o Mittelschulen, bei denen die Majorität jüdische Kinder sind. Stellten wir uns jedoch ans den Standpunkt des Rechtes, so sagte man uns, die Paragraphe seien noch nicht in Rechtskraft getreten. Was die theologischen Kenntniße betrifft, so bestimmt der Organisationsentwurf, dass darüber die Kirchenbehörde zu entscheiden habe, also in unserem Falle die Cultusgemeinden. (Beifall). Hieranf folgt der Cassabericht und wird dem Cassier Dr. Gold Hamm er die von den Revisoren vorgeschlagene Decharge ertheilt. Hieranf folgten die Wahlen des Ausschusses und der Revisoren, und wurden sümmtliche Mitglieder desselben wiedergewählt, mit Ausnahme des Herrn Dr. Landau (Krakau), an dessen Stelle Rabbiner Dr. Kisch trat. Hierauf erfolgte der Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. K i s ch über „Analytischen Grammatikunterricht in conrentrischen Kreisen". Die Discussion über diesen interessanten Vortrag wird ans die 3. Sitzung vertagt. Um V411 Uhr eröffnet der VicepräsidentDr. F e u ch t w a n g die 3. Sitzung und ertheilt nach Bekanntgabe des Einlaufes dem Herrn Obmann Dr. Ad. Weiß (Wien) das Wort zu seinem Vortrag „Eine H e b r ä i s ch - S t n n d e", in welchem er die Methode seines Unterrichtes an einer am 19. December 1898 ftattgefilndenen Retigionsstnnde in der 1. Classe vorfnhrte. Die Ausführungen, die mit größtem Interesse und Beifall ausgenommen wurden, regten die Discussion sehr befruchtend an und ergaben ein reichhaltiges Material zur Berwerthung in der Praxis. Die Discussion, die sich auch mit dem Vortrag des Herrn Rabb. Dr Kisch befasste, wurde von Rabb. S 0 r (Wien) eröffnet, und betheiligten sich daran die Herren Jnspector Dr. Caro (Lemberg). Dr. F i 11 f (Wien), Dr. G 0 ldha m m er (Wien), Dr. Ad. Weiß (Wien), Dr. M. G r ü n f e l d (Brünn), Prof. Herzl, (Brody), Rabb. Reich (Wien) und Dr. Gnst. Kohn, der meinte, man müsse den Kindern den hebr. Unterricht so angenehm wie möglich machen. Zum Religionsunterricht gehöre in erster Reihe, dass das Kind zum begeisterten Juden her angezogen werde. Nachdem der Obmann Dr. Weiß Dank und Anerkennung für die Mühen dem Vicepräsidenten der Cnltnsgeineiiide Wien, Herrn Dr. G. Kohn, wie auch dein Obmann-Stellvertreter und den Ansschußmitgliedern ausgesprochen hatte, ebenso der Lemberger Cnltnsgemeinde, die Herrn Jnspector Dr. Caro delegierte, ergriffen chie Herren Dr. F e n ch t w a n g (Nikolsbnrg) und Prof. Herzl (Brody) das Wort, um dem Obmann für seine Verdienste um den Stand und um den jüdischen Religionsunterricht zu danken. Nach wiederholten begeisterten Hochrufen auf den Kaiser wurde hierauf der Verbandstag geschlossen. Vereinsbote. Wien. Die osterr. „Israel. Union" hielt am 29. Dezember Abends im Saale des Hotel Central ihren ersten Vortragsabend in der neuen Saison ab. Die Versammlung war sehrzahlreich besucht. Unter den Anwesenden befanden sich BarmstLeitenberger, welcher besonders begrüßt wurde, und die Cultnsvorsteher. Architekt Fleischer und Direktor Simon. Der Vorsitzende, Vicepräsident Sigmund Mayer, eroffnete mit der Mittheilung, dass der Präsident, kais. Rath Anninger, zur Herstellung seiner angegriffenen Gesundheit nach dem Süden sich begeben habe und erst in einigen Monaten znrückkehren werde. Zur heutigen Versammlung ist von dem Präsidenten ein Begrüßnngstelegramm ans Capri eingelangt. lieber Antrag des Dr. Zins wird.dcnr Präsidenten telegraphisch Dank ausgedrückt für sein durch -das Begrüßiurgstelegranun. bekundetes Interesse., Hieranf fährt der Vorsitzende fort: „Ueber die Thütigkeit des Vereines ist Ihnen vor kurzem Bericht erstattet worden. Mittlerweile war der Vorstand beim Uilterrichtsministerinm wegen eines Lehrbuches eingeschritten, das die Landesschulbehörde in Tirol zwar nicht eingeführt uub auch nicht empfohlen habe, aber dessen Gebrauch sei gestattet. Es ist das ein Lesebuch, in welchem die alte Btntlüge sehr schon den Kindern wieder erzählt wird. In wenigen Wochen werden wir auch in der Lage sein, das Resultat der galizischen Enqnöte zu veröffentlichen. Zu erwähnen ist noch hinsichtlich der Cultuswahlen, dass von den vier neugcwählten Vorständen, drei Herren, und zwar: Direktor Simon, Julius Reitlinger, Emil Horner, unsere Candidaten gewesen sind, und dass der vierte Candidat vom politischen Vvlksverein ausgestellt und von der Union acceptirt wurde." Vorsitzender ertheilt sodann dem Herrn Dr. Friedrich Du scheues, Geschäftsleiter des Centralvereines zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag, das Wort zu feinem Bortrage über „die Stellung der Inden in Oesterreich in den letzten fünfzig Jahren", den wir an anderer Stelle wicdergeben. Aach Schluss des Vortrages dankte Vorsitzender im Namen des Vereines und der Anwesenden dem Vortragenden für seine lichtvolle Darstellung. Er bemerkt überdies, dass der Centralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag zu den werthvollsten Verbindungen gehört, über welche das Abwchrcomits der Union verfügt. Hieranf wird vom Vorsitzenden die Sitzung geschloffen. Wien In Ergänzung unseres Berichtes über die Versammlung des mit der „Talm. Thora" zusammenhängenden Vereines „Beth Hamidrasch" in voriger Nummer tragen wir noch nach, dass Herr Vereinsrabbiner Kramer einen gediegenen und höchst gelungenen Vortrag hielt, nndzwar zog er eine interessante Parallele zwischen Synagoge und Lehrhans. welch' wichtige'und schone Institutionell in diesem Vereine verbunden und verbrüdert sind. Herr S. Brod, Obmann des Vereines für Gewerbetreibende, beantragte die Errichtung von Filialen des Vereines in sämmtlichen Wiener Bezirken, wo die Heranwachsende Generation Gelegenheit haben könnte, über Bibel. Sprüche der Väter und dgl. belehrende und ansklärende Borträge zu hören. —, Im Einvernehmen mit der Unterrichts-Section des Cultusvorstandes dürfte sich demnächst ein Comite mit geeigneten Kräften bilden, um die zur Realisirung dieser guten Idee erforderlichen Schritte einzuleiteli. —n. WiyN. In Sachers „Hotel Central" hielt der humanitäre Geselligkeitsverein „Rndolfsbund" seine diesjährige Sylvesterfeier, die einen ällßerst animirten Verlauf nahm. Die Vorträge waren durchwegs gediegene, und muß es ganz besonders rühmend hervorgehoben werden, dass sich viele der Vortragenden Künstler vollkommen unentgeltlich in den Dienst der Humanität stellten. Die Damen Fräulein Moraw vom Josesstädter Theater, Skopal vom Raimnud-Theater, Gisa Felsen, die Herren Werner vom Carl-Theater, Zwerenz vom Stadttheater, Sachs vom Jantsch- Theater, Waldemar vom „Orpheum", Tonuenberg, begleitet von Frl. Adele Schuster, und Beck ernteten für ihre Vorträge den reichlichsten Beifall. — Am 18. Februar findet der nächste Abend dieses Vereines in Sachers „Hotel Central" statt. Jüdische Ansichtskarten. Ein jetzt schon in fast allen civilisirten Ländern verbreiteter Sport mit Ansichtskartell erfreut sich gerade in jüdischen Kreisen besonderer Pflege, weshalb lvir heute die Anfmerksamkeit unserer Leser und Leserinnen auf die speciell jüdischen Ansichtskarterl richten wollen. Anfangs nur in Verbindnilg mit einem Glückswrrnsch wurden solche für das isr. Neu ja hissest angesertigt. seit Kurzem aber war die Nachfrage eine so bedeutende, dass zwei deutsche Firmen in Frankfurt a/M., A. I. Hofmann und Paul Grödel, eine ganze Serie jüdischer Ansichtskarten ans den Markt brachten. Die Krone gebührt den von her ersten Firma herausgegebenen Oppenheim'schen altjüdischen Familienbildern, die in -keinem