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Die Wahrheit · 1899-01-09 · Heft 2 (9.1.1899) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 2 (9.1.1899)
Date
1899-01-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Aeite 10. Sie Vahrbeik. Nr. t Der Vorsitzende begrüßt die 6 wiedergewählten und 4 neugewählten Vvlflandsmitglieder und beglückwünscht den Vorstand zur Acquirirung der neuen Männer. Die letzteren werden sehen, dass es im Schoße des Vorstandes keine Parteien gibt, und dass Alle bestrebt sind, im Dienste der Gemeinde zit wirken. Hierauf entwirft er ein Bild jener Arbeiten, die in nächster Zeit den Vorstand beschäftigen werden. Da der bisher für das Siechenhaus aufgebrachte Fond für Bau, Einrichtung nnd Erhaltung dieses Institutes nicht ansreicht, ist die Gemeinde gezwungen, noch weiter an den Wohlthätigkeitssinn der Mitglieder zu appelliren und der Präsident ersucht die Vorsteher, in ihrer bisherigen Thätigkeit nach dieser Richtung auch, fernerhin nicht zu erlahmet«. Nächst dem Siechenhause ist der Ausbau des Versorgungshauses und Spitales, die Gründung des Pflegerin«,en-Jnstitntes bevorstehend; zur Fürsorge für Wöchnerinnen ist eine Action bereits im Zuge. Die Armenpflege soll unter Heranziehung außerhalb des Vorstandes stehender Kräfte nach dem Ergebnis der i,n Vorjahre stattgehabten Enquete umgestaltet werden; die Frage der Bethausvereine, das Minjanwesen, die Koscherfleisch- Frage bedürfen einer Regelung. Auf dern Gebiete des Schulwesens muß der Vorstand zunächst die confessionelle Claffeneintheilung im Auge behalten, außerdem ist für die Auswahl der Lehrbücher und für die Heranbildung der Religivnslehrer die nöthige Vorsorge zu treffen. Al3 eine der dringendsten Agenden erscheint die Controle des Rechnungsabschlusses pro 1898. Es müssen eingehende Berathungen über die Art der Beschaffung der für den Gemeindehaushalt erforderlichen Geldmittel stattfinden, damit das Gleichgelvicht zwischen den Einnahmen unb Ausgaben hergcstellt werde, unb auch die bereits angekündigte Steuerreform tvird den Vorstand baldigst beschäftigen. Die allzugeringe Besoldung der niederen Angestellten, namentlich in den Vororten, erheischt eine ^Systemisirung der Gehälter. Außerdem wird eine Statutenänderung nothwendig sein, die Friedhvfgebahrnng ist einer Reform zu unterziehen, linb die in der letzten Zeit der Gemeinde zngewandteu Stiftungen sollen unter Berücksichtigung der seitens der verschiedenen Vereine und Institute ausgesprochenen Wünsche activirt werden. Zu all' dem kommen noch die Berathungen über Initiativanträge einzelner Vorsteher. Es eröffnet sich somit ein weites Gebiet sachlicher Thätigkeit, nnd der Präsident appellirt au die Geneigtheit der Vorstandsmitglieder, an diesen Arbeiten theilzuuehmen. Hierauf wird zur Tagesordnung übergegangen. Wahl der Sections-Obmänner. Als gewählt erscheinen: I. Sectio» : Obmann Dr. Steiner. Obmann-Stellv. Architect Fleischer; EL Sectivn: Obmann 2. Vicepräs. Dr. Kvhn, Obmann-Stellv. Dvcent Dr. Grnnfcld; HI. Section: Obmann Baurath Ritter v. Goldschmied, Obmann-Stellv. Salo Cohn; IV. Section: Obmann kais. Rath Hirsch. Obmann-Stellv. Tauffig; V. Section: Obmann 1. Vicepräsident Dr. Stern, Obmann-Stellv. Dr. Spitzer; VI. Section: Obmann Banrath Stiaßuy, Obmann-Stellv. Oberingenieur v. Mises. Wahl der Vicepräsidenten. Als gewählt erscheinen: 1. Vicepräsident Dr. Stern. 2. Vicepräsident Dr. Kohn. Dr. Stern dankt für das ihm durch die neuerliche Wahl bezeugte Vertrauen, das er selbstverständlich als besondere Auszeichnung ansieht. Er werde bestrebt sein, so gut als möglich dem Präsidenten zur Seite zu stehen, und wenn er berufen sei» sollte, denselben zu vertreten, in seinem Geiste zu wirken. Dr. Kohn dankt gleichfalls für die neuerliche Wahl nnd bemerkt, dass er. den Ausführungen des Vorredners sich vollkommen anschließend, den Vorstand der Mühe enthebe, eine längere Rede von ihm anznhören. Hierauf folgt die Wahl der Cnratvren für mehrere Stiftungen und die Ergänzung der einzelne«« Comites. Vorsteher Reitlinger dankt im eigenen Namen sowie namens der anderen neugewählten Vorstandsmitglieder für die ihnen seitens des Präsidenten theilgewordene Begrüßung mit dem Versprechen, »ach Kräften zum Wvhle der Gemeinde thütig zu sei««. Nach Verlesung des Spendeneinlaufes bringt der Präsident ein Schreiben des Statthalters zur Kenntnis, in welchem der Gemeinde der allerhöchste Dank für die Sr. Maiestät anlässlich des 50jähr. Negierungsjubilänms dargebrachte Huldigung knndgegeben wird. Eine Zuschrift des Wiener Magistrates bezüglich der Einwe««dnngen der Cultusgemeinde gegen die prvjectirte Straßenfnhrnng durch den ausgelassenen jüdischen Friedhof in Währing «vird über Antrag Dr. Steiner's der Rechtssectivn überwiesen. Namens des Bancvmitss berichtet Banrath Stiaßuy über d«e Herstellung eines Ceremvniensaales im Leopoldstädter Tempel nnd über Beseitigung der Garderobe des Chorpersonales aus dem kleinen Bethause daselbst. Im Anschlüsse daran erinnert Doceut Dr. Grünfeld, dass der kleine Betsaal auch als Bibelschnle be««ützt «vird, n««d wünscht, dass bei einer eventuell vorznuehmenden Adaptirung eine bisher fehlende Bentilationsvorrichtnng angebracht werde. (Wird genehmigt.) v. Mises referirt namens des Spitalscomitvs über den Bericht des Spitalsfunctionärs, dem es oblag, im allgemeinen Krankenhanse die Kranken zu besuchen, mit ihnen zu beten und Wünsche derselben ihren Angehörigen und dem Vorstande zu übermitteln. Diese Institution habe sich außerordentlich bewährt. (Der Bericht «vird zur Kenntnis genommen und dein Functionär Anerkennung ausgesprochen.) Im Anschlüsse daran macht Dr. Grünseld die Mittheilnng, dass es ihm durch das Entgegenkommen des Krankenhaus- Directors Rcgierungsrath Dr. Mucha gelungen sei. für die jüdischen Kranken eine ständige, würdige Localität im Krankenhanse zur Abhaltung des Gottesdienstes an den Festtagen zu erwirke«» Ueber seinen Antrag tvird dein Director des Krankenhauses dankende Auerkeu««ung ausgesprochen. Dr. Berger referirt über die Koscherfleisch-Frage. Er habe auf einer im Vereine mit Herrn v. Mises nnternonunenen Informationsreise die diesbezüglichen Einrichtungen in mehreren größeren Gemeinden Deutschlands ftvibivt und sei der Uebcrzeugung, dass die Koscherfleisch-Frage nur daun eine allseits befriedigende Lösung finden könne, wen«« die Schochtine von der Gemeinde angestellt würden. Die diesbezüglich eingeleitete Action sei noch nicht abgeschlossen. Vicepräsident Dr. Kohn beantragt dem Talmnd-Thora- Verein derBezirke Xli—XV. für das Jahr 1899 eine Subvention von 400 fl. zu bewilligen. (Wird genehmigt.) Dr. Grünfeld verweist auf den vor Kurzem erschienenen 1. Band der ,,Ethik des Judenthnms" von Professor Lazarus. Dieses mvnnmentale ' Werk verdanke seine Entstehung einer Anregung, die der verewigte Wilhelm Ritter v. Gutmann in der Vorstandssitznng vom 29. Octvber 1882 gegeben hat. Im Jahre 1883 tvurde die Ausführung dem Professor Lazarus übertragen. Die Ethik ist ein Knnstwerk ersten Ranges. Vornehm im Tone ist sie eine umfassende Darstellung der jüdische«« Ethik. Sie enthält keine Apologetik, keine Polemik. Der Verfasser hat nicht nur sich, sondern auch dem Anreger ein monumentum aere perennius gesetzt. Redner beantragt, dem Verfasser den Dank ansznsprechen und aus Gemeindemitteln 200 Exemplare ä 2 Mark für Bibliotheken rc. anzuka««fen. (Wird genehmigt.) Dr. Kohn referirt über Ausbesserung der Bezüge der Religivnslehrer. Den drei Categorien der Religionslehrer werden Theuernngsbeiträge von 60, 72 und 40 fl. jährlich bewilligt. Vorsteher Rosner referirt über die Bewilligung periodischer Unterstützungen an 131 verarmte Gemeindemitglieder im Gesammtbetrage von ca. 15.000 fl. Nach längerer Debatte, an welcher sich die Herren Salo Cohn, Dr. Steiner. Ritter v. Goldschmied" betheiligen, wild der Antrag des Referenten genehmigt. Ritter v. Goldschmied meldet für die Sectionsberathung einen Antrag an, dass in Zukunft diese Unterstützungen mit Hinzuziehung eines aus Gemeindeniitgliedern bestehenden Comites bewilligt werden sollen, Hierauf wiid die öffentliche Sitzung geschlossen.

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