Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 2 (9.1.1899)
- Date
- 1899-01-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Die wahrhttt^ Nr. z. nicht autonom und demnach nach Kant — E. v. Hartmann nicht moralisch. Was thut aber Lazarus? Er bezieht diese talmudische Bemerkung auf einen anderen Vers, Kohelct 1, 9 „und es ist nichts Neues unter der Sonne", als ob der Talmud habesaM wollen, dass die sittliche Gedankenwelt nicht ails dem Jdeenkreise der Natur abgeleitet werden könne, mit anderen Worten: der Talmud habe hiermit die Autonomie des Sittengesetzes aus-., gesprochen! — Es mag wohl ein Jrrthum vorliegen, der / aber, sehr bedauerlich ist. —; Wir haben oben ausgeführt, - dass wir nur durch Gott und das geoffenbarte Gesetz erst wissen, was zur .Sittlichkeit gehört. Die talumdischen Weisen haben daher die Autorität der Thora als unantastbar hingestellt. Keiner kann die Seligkeit erlangen, wenn er an der göttlichen Autorität der Thora zweifelte Aber nicht nur die geschriebene Thora, sondern auch die Lehrer und Ueberlieferer des mündlichen Gesetzes mussten., dieselbe Autorität besitzen, wenn ihre Ueberlieserungen Gesetzeskraft haben sollten. Daher der bekannte Ausspruch: Jephta in seiner Zeit gilt soviel als Samuel in seiner Zeit. Mau .müsse daher das Wort des Kleinsten ebenso anerkennen wie das des. Größten, weil alles von einem Hirten (Moses) stamme.,,Die Worte der Thora (des Gesetzes) lenken den Sinn des Menschen von den Wegen des Todes ab nach den Wegen des Lebens. (Sisre Deut. 41.) Hier wird doch offenbar die unbedingte Autorität gelehrt und das Nützlichkeitsprinzip dazu. Nach Lazarus (Seite 93) wird hier die Autorität des Lehrers als. gleichgiltig hingcstellt! Es ist bekannt, welche grenzenlose Verehrung der Talmud dem Tempel und dem Opferdienst entgegenbrachte. Aber wer. im Judcnthum nichts als Ethik erblickt, dem muß gerade der Tempeldienst als etwas Störendes erscheinen. Die Reformer haben auch demgemäß alle auf den Tenrpcl bezüglichen Geboteabgeschafft.. Und diese Tcmpelseindlichkeit hat Lazarus bei. einem. talmudischen? Weisen entdeckt! Er schreibt Seite 409: Aus's Höchste zu schätzen ist auch der Ausspruch des R. Eleasar, dass der, Tempeldienst viel mehr ein von Gott trennendes, als. mit Gott verbindendes, Moment des religiösen Lebens war;, er, laptet:.„an dem,Tage., da der Tempel zerstört wurde, ist eine eiserne Mauer zwischen Gott und der Gemeinde Israels gefallen." (Berach. 3Zh).Es - wäre höchst sonderbar, wenn gerade R. Eleasar so etwas geäußert., hätte, da er unmittelbar vorher sagt: „Seit dem Tage, da der. Tempel zerstört wurde, sind die Thore des, Gebetes perschlosseuworden. Aber thatsächlich sagt auch nicht R. El., die , eiserne, Wand sei gefallen, sondern als Scheidewand, errichtet? und das mit Bezug auf die Warte in.Ezechiel 4, 3 „Upd^ Du nimm Dir eine eiserne Platte und. stelle sie als eiserne. Wand, zwischen Dir und die Stadt!" Es liegt, hier.eine jrrthümliche.. Uebersetzung des Wortes N^OO^ vor, Eine ähnliche Geringschätzung des Opfcrdienstes findet. Lazarus bei R.^Jochayan. den Sakkai, der nach der Zerstörung des Tempels , gesagt haben, soll: jetzt erst recht könne der göttliche Ausspruch voll erfüllt, werden: Liebe verlange ich.und nicht Opfer (Seite 19 u. 158), Das „jetzt erst rechts sind aber Lazarus/ Worte, nicht- R. Joch, beu Sastais. Diesen tröstete nur den R. Jospa,öer> wehklagte, dass Süudru Israels-gesühnt wurden,, zerstört sei,,mit'^»^880^ : Mir', ,habe» eine Sühne, die..gleich; mepthigist, das .'^-r' Oachit hat er aber nur..! wiederholt,, das^ Wohlthätigkest eine.,ebensolchk^.! Grundsäule des. Judenthums wäre, wie der Tempeldienst. .Von einer Geringschätzung des letzteren ist hier nicht die Rede.. .. . Selbst biblische Stellen tverden oft gegen den wahren Sinn - ausgel.egt. Richter 17, 6, und 21, 25 findet sich die Bemerkung : Ein jeder that, was Recht war in seinen Augen. Lazarus findet hier die Perurtheilung des Subjectiv.ismus, weil nicht schlechte und. böse Thatcn hier erzählt,, werden.. (S. 79). Nun werden gerade an beiden Stellen — Diebstahl, Götzendienst, Ranbsodomüische Brutatität. erzählt, — wohl schlechte Thaten genug! Für den absoluten Merth der Sittlichkeit verweist Lazarus ans Spr. Salonn 3, 15, ,)p es heißt: „Werthvoller ist sie als Perlen, und all. Deine Kostbarkeien. gleichen ihr nicht. Aber der folgende Vers bildet geradezu , einen Protest gegen die „Autonomie" :, Länge der Tage (langes Leben) ist zu ihrer Rechten, zu ihrer. Linken — Reichthum unh.Ehre. Ebenso die Verse 5 und 7: „Vertraue auf den Ewigen, mit- Deinem ganzen Herzen, und aus Deine Vernunft verlasse Dich nicht! Sei nicht weise in Deinen Äugen. Fürchte den (Ewigen und meide das Böse!" Natürlich ist, wer so etwas behauptet, nach E. v. Hartmaun uusi ttlich, nnd Lazarns UlMMt davon keine Notiz! Aber fast die ganze heilige Schrift sowie der Lanze Talmud, müsste verleugnet, werden, wenn man aus, der Ethik des Judenthums den göttlichen Gesetzgeber und Lohn und Strafe ansmerzen. wollte. . Freilich gibt es auch Stellen darin, welche zum Jrrthum geradezu verlocken, aber um so größer war hier Vorsicht geboten. Da heißt-es rin mal (Rösch, haoohnna 28"), die, Gebote sind nicht zum Gennse, gegeben worden. — Es handelt sich darum, ob man einen Schofar benützen darf, der, aus einem dem Genuss verbotenen Thiere stammt. ,— Rabha entscheidet, man darf einen solchen Schofar benützen, weil NM^ eK, ja chich^y lhut, um sich einen musikalischen Genüsse zu verschaffen. sondern um der Pflicht zu genügep. Lazarus aber verallgemeinert diesen Satz und solgers aus ihm, dass, die Gesetze, nicht gegeben seien, um irgend einen sinnlichcu (aber geistigen?) Befnedigungszweck, sei cs des Einzelnen, sei es der Gesammtheit zu erreichen. (S. 233.) Dass aber diese Folgerung falsch ist, wird jedem.klar, der denselben Rabha gleich darauf entscheiden sieht, dass, wenn jemand Schofar bläst in der Absicht zu musiciren, er dennoch seiner Pflicht genügt. Oder könnte eine unmoralische That als Pflichterfüllung angesehen werden? Allerdings erklärt der Talmud, wie wir schon bemerkt haben,,dass man die Gebote (eben weil sie, Gebote sind) ohne. . Nebenabsicht ausnben, solle, sondern oder H-. man solle beim Ansüben sich bewusst sein,, etwas zu thnn, weil es.Gott geboten, nicht aber um dadurch irgend einen , Portheil zu erlangen, da die. Mat in . diesem Falle nicht als ErMungdes Gebotenen — N1LZ2 — sondern als Erfüllung des eigenen Wunsches angesehen werden müsste. ,Aber das Bewusstsein blieb immer im Hintergründe : Eine solche im Namen Gottes geübte That ist um, so verdienstlicher.und der. Lohn um so größer. Im Ta/muh;.U'säLrÜL .62» heißt, es : >Per Mensch sage nicht: Ich wist (die Bibel) lesen, damit man mich den Weisen nenne, ich; will, hie,Mischna lexnen,. damit MN mich. Rabbi nenne.... sondern lerne .aus,Liebe. — und-die Ehre komyst am Ende doch!. Vgl. dazu Lazarus. S, 133. Autigonos aus Socho -.sagte.:. SW nscht wie. die ..Sklaven, welche, hem Herrn dienen, um Lohn .j jgu empfangen, sondern seid wie die Sklaven, welche dem Henn j ohne dle Absicht dienen, Lohn -W empfangen, und die. Fzrrcht..