Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1899
- Issue
- Heft 1 (1.1.1899)
- Date
- 1899-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Nr. 1 Seite 10. Ditz Wahrheit. ichobene Anklage war, sondern überhaupt nicht exiftirt und das eigentliche Verbrechen noch viel schmutziger und unerhörter ist, liegt es nahe, dass die Militärpartei mit einem letzten verzweifelten Versuch, ihre Häupter vor dem Zorne der beleidigten französische»» Nation zu bewahren, sich gegen den Inden wendet, -ihn zerreißt und die Straßen von Paris zu einer ungeheuren Arena der Metzelei und des Blutvergießens macht. Das ist, »vas — der Himmel wolle es verhüten — geschehen kann, und das zu verhindern, müssen »vir uns zusammenthuu, unter Aufgebot unserer ganzen Kraft, unter Anspannung all unserer Sehnen und Nerven. Gemeinde-Bote. Ans der öffentliche« Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener Cnltusgemeiude vom 26. Dezember 1898 unter Vorsitz des Präsidenten kais. Rathes Klinger. Der z»vcitc Vicepräsidcnt Dr. Gustav Kohn referirt über eine Collcctiveingabe der Bethansvereinc des IV. und V., VI. und VII., VIII., IX., X. Bezirkes, in welcher folgende Petita ausgestellt werden. I. Ernennung der Vcrciussynagogen in den genannten Bezirken zu Bczirkssynagogen. II. Errichtung von Matrikelanmeldestellen für die Geburts¬ und Sterbematrikcln. EU. Die Aufbietung und Vornahme von Trairungcn sei an das Domicil der Braut gebunden, rcsp. habe in der betreffenden Bezirkssynagoge stattzufinden, wenn die Braut in einem der genannten Bezirke »vohnt. Falls die Trauung andersrvo stattfindet, ist von der Partei an die Vereinsfynagoge die niedrigste Taxe zu entrichten. IV. Leichcnbegängniße sind von den Functionären jener Bczirkssynagogen zu verrichten, in deren Sprengel der Verstorbene gewohnt hat. Punkt I »vird aus nachfolgenden Gründen abgelehnt: Ein Bethausverein beruht aus anderer rechtlicher Basis als die Gerneiude. Der Anschluss an einen Bethausverein ist für die Bewohner des Bezirkes nicht obligatorisch sondern freiwillig, i daher kann der Bcthausverein auch nicht als Repräsentation , sämmtlicher Inwohner des Bezirkes gelten. Da in manchen' I Bezirken mehrere Bethausvereine bestehen, könnte jeder derselben für fein Bethaus die Ernennung zur Bezirkssynagoge in! Anspruch nehmen, und wenn nur eine»n Vereine eine solche : Conccssion zugcstauden lvürde, müsste in jenen Bezirken, rvo ) verschiedene Riten vertreten sind, eine ungerechtfertigte Zurückn setzung des einen Ritus vor dem anderen platzgreisen. B Aus administrativen Gründen, die eine einheitliche Führung " der Geburts- und Sterbematrikcl erfordern, wird auch Punkt r II abgelehnt. ß Da die Cultusgcmeindc dem Staate gegenüber für jene «Agenden, die ein staatliches Interesse berühren, verantwortlich 7, ist, verhält sich der Referent auch gegenüber dem III. Punkte ^theilwcise ablehnend, empfiehlt jedoch nachfolgende Coucessioncn: „ In jenen Vereinssyuagogcn, wo der Vcreinsrabbiner zugleich Gcmcindcrabbiner ist, können Aufgebote und Trauungsanmelb düngen bei dem betreffenden Rabbiner stattfinden. Dieser ist auch «nach Vornahme der Training zur Ausstellung des Trauscheines p berechtigt, jedoch muß er sofort eine Abschrift desselben an die ^Cultusgemeinde leiten. . Die Vorschläge des Referenten werden angenommen, .aber ^von den Bedingungen abhängig geinacht, dass 1. sämmtliche sAendcrungen die staatliche Genehmigung erhalten, 2.' Aufgebote Lund Trauungsanmeldungcn aus allen Bezirken auch fernerhin ^bei der Centrale der Cnltusgcmcinde gestattet sind. 3. Die Festsetzung der- Trauungstaxeu mit dem Vorstande der Cultusgemeindc ^geregelt wird. Der Präsident richtet zum Schluffe der Sitzung au die 8 Versammlung eine Ansprache, worin er betont, dass cs im hHivbM aus die heute in diesem Jahre letzte stattfindende Plenarversammlung von Wichtigkeit erscheine, einen Rückblick über die Thätigkeit des Vorstandes im abgelaufenen Jahre zu halten. Dieser Rückblick empfehle sich umsoinehr .als ja die Neuconstituirung des Vorstandes unmittelbar bevorstehe. Wenn auch das Jahr 1898 im Allgemeinen kein günstiges Bild und eine wenig erfreuliche Lage darstellt, könne er doch mit Recht betone»», dass die Thätigkeit des Vorstandes der Wiener Cultusgerneinde in diesen» Jahre eine im »vahren Sinne des Wortes anstrengende und umfangreiche gewesen sei. Allerdings wäre cs nicht möglich gewesen, alle Wünsche und alle Anforderungen in gleichem Maße voll zu befriedigen. Große Schwierigkeiten bereiteten insbesondere die Wünsche ei»»zelner Bethausvereine, deren Wirken gelviss anerkennenswerth sei. Der Vorstand, dessen Wirksamkeit die Bedürfniße aller Bezirke mnfasse, sei ja vollauf bestrebt, den Intentionen »vegen Schaffung neuer »vürdiger Betstätten und wegen Erhalttrng erhebender Gottesdienste nach Möglichkeit gerecht zu »verdcn, »venngleich selbstredend zu unterscheiden ist zwischen Bethausvereinen »nit größerer und »nit geringcrer Mitgliederanzahl. Der Präsident erwähnt im weitern Verlauf der Rede die Thätigkeit des Vorstandes aus dein Gebiete des Schulwesens, des Cultus, der Ar»nenpflege, der Abwehrbestreblingen rc. und bemerkt im Anschlüsse daran: Nur durch das thatkräftige Zusammenwirken aller Mitglieder des Vorsta»»des, dessen Thätigkeit durch den Umstand allem, dass im abgelaufenen Jahre nicht weniger als 199 Sitzungen abgehalten »vurdei», illustrirt »vird, also nur durch ein derartig uuerinüdlichcs Wirke»», solvie durch den cinsigen Fleiß des mustergiltigen Burcaux »var die Bewältigung der hier geschilderten und den Vorstandsmitgliedern am besten bekannten Thätigkeit überhaupt ermöglicht und er fühle sich heute veranlasst, als Ausdruck »vahren Ernpfindens den verehrten Collegen den herzlichsten Dank auszusprechen; er müsse diesen Dank insbesonders seinen Collegen im Präsidim»», den Herren Vicepräsidcnten, ausdrücken, welche ihm während des Jahres mit Rath und That zur Seite gestanden und die Führung der Geschäfte ermöglichten; auch den Herren Sectionsoblnänncrn und deren Stellvertretern danke er vielmals für ihre anstrengende Thätigkeit, ebenso dem Sccretariate, insbesondere dem Herrn kaiserlichen Rathe Dr. Lieben und seinem Stellvertreter Herrn Dr. Adler und dem Herrn Amtsvorstande Wiener, »vie de»n ganzen Beamtenkörper. Nicht schließen aber könne, er, ohne anerke»»nend der jüdischen Publizistik zu gedenken, »velche durch Mittheilung aus unseren Sitzungsverhandlungen in da»»kenswerthcr Weise dazu beiträgt, den gewünschten Contact »nit den Gemeindeinitgliedern zu fördern. Cultusvorstehcr Dr. Sieger dankt hieraus unter lebhaftem Beifalle des Vorstandes dem Präsidenten für den unermüdlichen Fleiß und für die unbedingte Hingebung, mit der er stets fördernd und anregend die Leitung der Ge»»»einde besorgte. Hierauf erklärt der Präsident die Sitzung für geschlossen. Vereins-Bote. Wien. Donnerstag, den 29. d. M. fand die ordentliche Generalversammlung des isr. Tempclvereines im X. Gcmeindebczirke unter großer Betheiligung statt. Obmann Carl Seliginanu erstattete den Rechenschaftsbericht, »velcher mit allgeineiner. Befriedigung zur Kenntnis genommen »vurde. Im Sinne der Statuten w»»rden drei Herren des Vorstandes ausgclost, u. zw. Carl Seligmann, Obmann, Jacob S.' Straßberg, Obmann der . Tcmpelscction, »»nd Sigm. Eibuschitz,Te»upelverwalter. Sämmtliche Herren wurden »vieder zur Neuwahl vorgeschlagen. Wien. Die „Oefterr. Israel. Union" hielt Donnerstag den 29. Dezember halb 8 Uhr Abends in» Saale des „Hotel Central", II., Taborstraße 6, eine Vereinsversam»»»lung mit nachstehender Tagesordnung ab:' 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Vortrag des Herrn Dr. Friedrich Duschencs, Geschäftsleiterdes Centralvercines zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag-: „Die Stellung der Juden in Oesterreich in den letzten fünfzig Jahren." 3. Anträge und Interpellationen. Ausführlicher Bericht in nächster Nummer. ^Fortsetzung der Rubrik in der Beilage, Seite 13).