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Die Wahrheit · 1899-01-01 · Heft 1 (1.1.1899) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1899
Issue
Heft 1 (1.1.1899)
Date
1899-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1 - .. Dw Wahrheit;-----—--* - .&*itt fr Leitfadeil für s ein Verh alten.. Melcher Jude kannte und befolgte nicht die geflügelten Worte: „Richte jeden Menschen nach der guten Seite"; „Benrtheile Deinen Nächsten nichteher, bis Du... Dich in seine Lage, versetzt" 11., bergt.? Aher. tvegen, dieser., Unterlassung wolle» mir mit dein verehrten Verfasser, nicht rechten. Wir wollen vielmehr fortfahren, durch, manche Stelle, zu zeigen, wie dieses Werk geradezu . eine..EhrenrettuuA des, Judenthnms, ein OVN VN',') bedeutet. .. Der Kernpunkt des Judenthnms, die .einheitliche.. Weltanschnunng, sei so werthvoll, dass vor dieser mittäglichen Sonnen--, höhe des sittlichen Geistes alle Schatten unter chen Fußest. Ver^ schtvinden. Am segensreichsten habe dieses Streben sich hewährtzin der Erkenntnis.von der E inheit G o t t es, der Ei »» h citr d e r Welt und der Einheit d e r M e n s ch h.ej t. Nur in dem Verhältnis innerhalb eines Volkes, also der Einheitnischen zu den Beisaßen und Fremden, findet die ethische Gesinnung ihren Ausdruck. Dass die Ethik.des Jndenthums in dieser. Beziehung nicht ölos eine hervorragende, . sondern unvergleichliche und geradezu a u s s ch 1 i e ß l ich e E h reu st el l e unter den alten Völkern einnimmt, ergibt sich ans Allem, was die'Quellen darüber berichten, — Nicht nur Rechtsgleichheit, genossen die Fremden, sondern sie mussten auch »ach talmudischer Vorschrift zur Verwaltung der Gemeinde neben den Israeliten berufen werden. — Noch wichtiger ist das Gesetz,, Andere an der Freude, die mau sich selbst bereiten.kann, Dheil nehmen zu lassen. Im jüdischen Schriftthum, so führt. Lazarus. lichtvoll aus, stehen Licht und Freude NNPVl.nsiirr -oft. bei einander, wie ein Doppelwort für einen Begrsfsi; treffend wird,, damit angedentet, dass die, Freude wie das Licht sein „sollte , dieses leuchtet nicht blos Demjenigem, der es., für sich, selbst., entzündet, sondern weithin sendet, es seine Strahlen. Frcud.e ist . dem jüdischen Gemüthe erst dann eine ganze, »venu sie. denen sich nllttheilt, die sie entbehren. Vielleicht in keinem Gebiete der menschlichen Thätigkeit, stehen die Ideen und das Lebe,n, so fuhrt Lazarus an anderer Stelle aus, die sittliche Forderung und die reale Wirklichkeit so nahe, um einander zu decken, als die Idee der Menschenliebe, die Forderring des Wohltvollens seit uralten Zeiten im Stamme Israel. So getränkt, durchdrungen, ergriffen ist die jüdische Volksseele gerade von dieser sittlichen Pflicht, dass sie selbst bei sittlich sonst mäßigen, ja argen. Individuen selten ganz unerfüllt bleibt. Ja noch mehr. Man kann gütig, »vohlthätig, dienstfertig sein, weil das Gesetz es befiehlt; der' jüdische Prophet Micha-, aber fordert: dN sollst Recht thnn. demüthig sein mnd^,si,ie H'nld lieben"; lieben sollst Du sie, an's Herz». soll sie Dir wachsen; Liebe ist die Flamme in der menschlichen- Seele, die Liebe zur Liebe aber ist die GottesflanMe... Es ließen sich die Stellen verzehnfachen^ welche den.Juden, mit Stolz und den ehrlichen Nichtjuden mit Hochachtung, gegen., die jüdische Volksseele erfüllen könnten, aber wir glaube»» bereits, durch das Dargebotene der ethischen Seite der Ethik des Judeuth»lms von Lazarus gerecht gelpordeu .zu sei»»,.. Wem» wir jedoch derselben nach der ethischen Rickstiiiig. „jök.noflfte Anerkennung zollen können, so sind wir .gezwungen, sin »v i s sc n s ch a f t l i ch e r Hinsicht manche Bevensenvor-., zubringen, und gar manchen ..Jrrthnmrichtig,,.,zu.stelle»^ .hal Lazarus aus Begeisterung für seinen -Gegenstand hes .Mlten^ r zuviel gcthan und ans. Ethik ^.gegcn die Darstellung der jüdischen^ 1 Ethik gefehlt Hat. Gegen Maimonid cs erhebt Lazarus den. Botwnisi er habe im Grunde nur die Aristotelische Ethik im' jüdische»» Pe»var.»d,e voxgetrage»», ebenso-- chade Fas s£k erMntlich die Ethik, F r n g';s dargestcllt, Uns will» cs . scheinen, als chabvi .Lazariis sin Grunde -die- Kgntische Ethik vorgetragen »md.- mw' z»l .beweisen Mnchtz,, dass die Pabbiuer. dasselbe . lehrte»». Ätzers sv gewiss Kansikeinc - Kellutnis -von. den. talinudischen. Wsiscr» .hawH Wch dc»e»l Sittenlehre d»»rch Uebermittluug.cheKCtzristr:rkLr khums.^ gelchsiig war,: so gewiss ist 1 den Wcistu.-des Dalmutz Ätzv: .^Wo.rijche ^.JjtttperMy- »»»»dsias absolute..Soll gä»»zlich nnbckMtE oewesM trotz, der wiMn,Berveise,-»velche Lazar.uK mit wl-euis? 'Scharssulu und großer Wärulri erb.racht.-zu haktzn gla»»ht; <Whs-:sist es denn mit dey» kateggrischtt»; J»»»perati-a^Mb? wie .fft Kaut zu diesen», syuderdareik, ja sinirloseu Begriff gakvmMenM .Früher, fanden alle Lehre»» der Mgral, wie. Liebe, GexechtitzLeiN .Wahrhaftigkeit, ihre festeste Stutze in dein Glaccbeu an . Gatt' - Höfe -dom Zeosfenba»tcu Gesetz. Gottes Wille, Gottes, Bcsehiiiwevk;^ .dgss, »vir Me»»schen, seine Ebenbilder, moralisch scieu<-Nuu kan»H die Zeit der Aufklärung,-der Glaube an die Dffk«.bcEm»A-H»sVcrfchüttert, - und die .-phltosophi.schen Bclveise für -»das -.-Dasein Gottes hat Kaut durch seine Kritik vermichtet. Der emstaE abm. die verzweifelte Frage, was de»»»»- umlruehr.ausdex-rM-yM? werden sollte?- Ohne Gott glaubten die Weise»» des.Po»igMi Jahrhunderts gauz gut.anskommen.zn..,könuelv Aber. ohne Woralr das »var schon gefährlich. Die Moral musste erhalten -tverdeW — . um .jeden- Preis! Da verfiel - Kaut aus den scharfsinnigen Gedanken, die Moral braucht gar keinen Gott, der sie .befiehlt,» sie empfiehlt und befiehlt sich selber, sie-ist amtona-ML-es!' gibt einen ,katc gori scheu I»»»p er.ati.v, ei»» absolutes. „DKr sollst!" . Der Gedanke verblüffte, »»»»d mcn» .i»ah.»u -und nimmt itßltz noch,gläubig hin, ohne zu. bedenkL»»,^dass ^diese. Worte,, so MmpjjM sio kli»»gen, absolut, keinen. Sirm Haber». Welches Ding- «nfib«: - Welt.ka»u», mir. Befehle ertheilcu und »»»ich zrc^etDas verpflichten,ü .wenn -.esnicht- Gott. oder dex Staat thM-Wehx. ich -die>Nütz^rlichkeit .ei»»er Sache ein. gefällt mir etwach, gtzer habe tch .gar» meine Freude an. etrvas, so werde ich , gewiss^.sosirn mir ^»«eiu^ Wohl aru Herzen liegt, diese, .Sache, dieses; Etwas, »schütz«» pflegen. Bi»» ich. von Natur g»»tm,üthig und kamt kcjl»e»i Mensche«^ leiden,, scheu und kalt babei bleiben,, so > »verde ich^, »hueunach-k irgend cstren» .Befehl, zu fragen,, das Leid »»»eines Rebenineuschen- - nach Möglichkeit zu. lindern suchen. Aber »venn, ich erst . a»»f. e»»m». Befehl warten »unß, um Liede zu übe»», .gcr-cchfrM-si«^. und.:.. wieviel sonst der moralischen ForderirligM sind, so -werde ichmir^ doch den Befehlenden a»»schen, ob er das Recht, »y»d dio-vMacht hqt,^ mich.zu ehuas zu zwingen,, »vassich sonst nicht thrm würde.» N^ys,.faun, d.a der, kategorische Imperativ, ausrichttz»»,? j. In., »yeffey Namep spr»!ht.;er zu »nir? , Im - Namen.,-.d.ex. S-ittlichkyt?; IM weiß ggr. nicht/was. das ist, unp ob .cs überhaupt ügendrvÄr xxistsxt,,Es...M A.-der. That nichts Anderes, - als; die Suiyrne dorsi Handlungen, welche irgend 5pin Meusch oder eine Merffch^rgruppe-ck süp ..sittlich, halten,, und alle. Menschen ftunmen durchaus -nicht-.» darüber, überein, was sittlich-nutz, was unsittlich. fest —. Ist; Dieb-.^ stocht, sittsich? Die astcr». ,Lacedä»nonier > sagten: . Ja!.- MdIraftst... Mflttffch?,-- -Aristoteles sagt: Mein! Ist. »derMitzeri unsittlich, der.Uv.ehrla.se Gefangene: zur Feiereines GebmtstagM?^ »nyffeuhast,siiuschltzchteu lässt?..O. ueir»?, -Dllus ist -sa ,die:Mo»»nsr-. pes Melischengeschlechtes-, und hat es- »utt kaltem Mtrte^gkthan. Ünd^xin.solcher, schwankender Begriff.sotz-mir rBefchle Mheiken-ktz» treten.?. Ja selbst über Begriffe, welche anscheinMd>.-aLgemeM;M.v, sittlich anerkannt werden, gehen die Meinungen oft weit ans

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