Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 674 (3.9.1937)
- Date
- 1937-09-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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(Wien, Freitag, 3. September 1937. — Nr. 674. DIE STIMME Seite 5 Alle Schulbücher richtige Auflagen, für antiquarische allerbilligste Preise Größte Auswahl I Spesenfreie Zusendung. Verzeichnisse umsonst. Zeit spart, wer kauft im SCHULBÖCHERANTIQUARIAT HERMANN TUCHNER Wien, II., Ecke Taborstraße 52 Telephon R 41-4-20 I RUNDSCHAU | DIE „ENTARTETE KUNST“ wird bekanntlich aus den Museen und Ausstellungen Deutschlands ausgemerzt. Er wurde aber dem bezüglichen Befehl den Verwaltungen der Museen und Ausstellungen befohlen, die „Entarteten“ nicht etwa zu vernichten, sondern sie bis auf weitere Verfügung in guter Verwahrung zu halten. Jetzt hört man, daß über den Verkauf dieser Werke an dae Ausland verhandelt wird. Abgesandte einer englisch-amerikanischen Finanzgruppe verhandeln darüber in Berlin. Die Verhandlungen gestalten sich, so wird gemeldet, schwierig, weil die deutschen Stellen schwere Bedingungen stellen: Erstens verlangen sie sehr hohe Preise, zweitens verlangen sie obendrein noch allgemeine wirt¬ BANKGESCHÄFT Dr. OFFENBERGER Wien, I., Freyung 1 Telephon: U 27-2-11 U 28-2-55 Durchführung sämtlich er Banku. Börsetransaktionen schaftliche Kompensationen, und drittens wollen sie eiin Pönale vereinbaren für den Fall, daß der Verkaufspreis der „Entarteten“ je in die Öffentlichkeit komme. Das Leben produziert doch die allerbesten Witze. Namentlich seit es einen Nationalsozialismus gibt. Man inerzt „Schund und Schmutz“ aus und dann verlangt man für Wertloses, für Vernichtenswertes, ungeheure Summen und einen Extra- Handelsvertrag als Draufgabe. Aber dm Geheimen... Überflüssige Vorsicht, denn die Welt weiß auch ohne neue Beweise, daß das Wertvollste das ist, was der Nationalsozialismus aus dem Bereich seiner Totalität ausmerzt. Die „Entarteten“ werden übrigens, wenn das Geschäft zustandekommt, von Deutschland geradeswegis nach Paris auf die Weltausstellung gebracht... der natürlich Herz und nicht Beck heißt-, er sei seinerzeit mit dem Präsidenten der Anglo Jcwish Association Montefiore bei Miron Cristea gewesen (von dem dritten Herrn, den Cristea erwähnt, weiß er nichts). Der Patriarch habo nachdrücklich erklärt, er sei kein Antisemit, und er habo hinzugefügt, unter seinen Freunden gebe es mehr als einen Juden. Er erkundigte sich interessiert nach dem Wohlbefinden verschiedener ihm persönlich bekannter hervorragender englischer Juden ... Die Angelegenheit wird demnächst auch noch in der rumänischen Kammer zur Sprache kommen. Oberst Coustantin Petresou hat an den Kultusminister wegen der Judenhetzo priesterlicher Kreise, namentlich des Patriarchen, eine Interpellation gerichtet. Der Text dieser Interpellation ist — nichts als eine Paraphrase eines Erlasses, den derselbe Kultusminister, Herr Iamandi, vor einigen Jahren seinerseits - gegen die Judenhetze in der Kirche herausgegeben hatte. Oberst Petrescu wird wegen seines mannhaften Eintretens für verfolgto Wehrlose und den guten N-amen des rumänischen Volkes — von der Hetzpresse natürlich entsprechend beschimpft. „Haut dem La-uskerl Judendebatte Im holländischen Parlament Den Haag, 30. August. (JTA.) Die Zweite Kammer de« holländischen Parlaments hat soeben einen Bericht über die laufenden Einbürgerung® - Gesetzesanträge veröffentlicht. Dein Bericht ist zu entnehmen, daß innerhalb von zwei Monaten bei -der Zweiten Kammer 57 Gesetzesanträge zur Einbürgerung von mehr als 1100 Personen (zu denen noch die miteinz-ubürgemden Familienmitglieder kommen) eingogangen sind. Bai der Erörterung der Gesetzesanträge in der Kammer gaben einige Abgeordnete der Meinung Ausdruck, daß das Einreichen einer so großen Zahl von Einbürgenings- Gesetzesanträgen die Kammer vor eine sehr ernste Frage stellt. Sie meinten, -daß die niederländische Staatsangehörigkeit nicht an solche Personen verliehen werden sollte, deren Aufnahme in das niederländische Volk die Uneinigkeit vergrößern würde. Allein die Norm der Geistes- und St-ammeeverwandtschaft sei hier ausschlaggebend. In diesem Zusammenhänge gaben sie zu erkennen, daß der Antisemitismus im Volke im Anwachsen sei. Sie erachteten es nicht Für WEEKEND und REISE bastbekanntan EISEN FEINWURST UND SELCHWAREN Zentrale und Postversand II., Ro'.enslerngasse 12 Matura-Schule „Universum“ (GrUndungsjahr 1931) IX., Qarnisongasse 3 (Telephon A 20-4-48) Beginn neuer Anfängerkurse Mitte September. Vormittags-, Abendu. Naphmlttagskurse (ab 5 Uhr). (Mittelschüler mit Vorkenntnissen können _ bereits am 1« September in die vorgeschrittenen Kurse eintreten. Mittelschüler aus der 4. Klasse mit ungünstigen Jahreszeugnissen werden für die Matura vorbereitet. Sämtliche Lehrmittel leihweise! ein paar Ohrfeigen herunter“, so schreibt ein Blatt, „das wird die beste Antwort auf seine Interpellation sein.“ Ein anderes Blatt verlangt seine sofortige Entlassung von seinem Poeten in einer Maschinenfabrik, weil diese Fabrik jetzt auch Waffen erzeugt und „man einem Hochverräter doch nicht Einblick in die wichtigsten Geheimnisse des Staates und der Landesverteidigung gestatten könne.“ — Es wäre wirklich schade, diesen Tatsachen auch nur ein Wort Kommentar ihinzuzufügen... Jehuda. für wünschenswert, daß immer mehr Juden von außen in die niederländische Volksgemeinschaft ausgenommen würden. _ Sie fragten, wieviel Juden unter den in diesen Gesetzentwürfen genannten Personen vorkämen. . Verschiedene andere Kanimermitglieder erklärten, nicht einsehen zu können, daß Einbürgerung von Juden die Uneinigkeit im holländischen Volke fördern würde. Von einem' wachsenden Antisemitismus ist nach ihrer Meinung keine Rede. Was die Frage nach der Anzahl der Juden unter den jetzt Der Strafrichter wird sich somit mit den bedauerlichen Vorkommnissen während des Zionistenkongresses nicht zu befassen haben. Es ist also möglich, daß zu einem Zeitpunkt, da unser Land Hunderttausende von Franken ausgibt, um Fremde nach der Schweiz zu locken, eine Anzahl von Lausbuben, aufgestachelt durch die frontistische Hetze, nicht nur den schweizerischen Fremdenverkehr enorm schädigen dürfen, sondern, was noch schlimmer ist, auch das kulturelle Ansehen der Schweiz beeinträchtigen.“ Dazu bemerkt das „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz“: „So schnell stellt die Polizei ihre Untersuchungen ein? Wir denken, sie hat verschiedene Verhaftungen vorgenommen; ist es ihr nicht geglückt, festzustellen, wer die antisemitischen Flugblätter Tag für Tag bezahlt hat? Die Juden hätten sich nicht auf der Polizei gemeldet? Sollten die ausländischen Gäste vielleicht, nachdem sie dauernd Belästigungen a/usgesetzt waren und viele von ihnen auch nicht einmal deutsch konnten, sich durchfragen, wo die Polizei, die sie in keiner Weise genügend geschützt hat, ihre Einvernahmestelle hat? Wenn es der Polizei ernst gewesen wäre, hätte sie ja ihre Untersuchungsbeamten in das Kongreßgebäude schicken können.“ f SC* entbietet allen Gasten und Freunden ein glückliches Neues Jahrl I., SCHWEDENPLATZ 1 Restaurant Rillet nuo Bestrenommierte Küche iw Reichhaltige Menüs ä S 1'90 u. 2'60 ll.,Hammerpurgstallgasse3 (nächst Salztorbrücke) OBERRABBINER HERZ gibt in einer Presseerklärung clem rumänischen Patriarchen Miron Cristea auf .seine jüngst-en judenhetzerischen Erklärungen oino peinliche Antwort. Im Rahmen einer Artikelserie des Bukarester „Ourentul“ über das Judenproblem hat Miron Cristea eine Erklärung reproduziert, die er angeblich vor einiger Zeit einer Abordnung englischer Juden gegeben habe. Diese Abordnung sei, als er in London war, vor ihm erschienen und habe ihn gebeten, gegen die rumänische Judenhetze aufzutreten. Cristea habe das Ansinnen abgelehnt und den englischen Juden gleich eine harte Lektion gegeben. Es seien der Oberrabbiner Beck (?) und zwei Herren von der Alliance Israeüto gewesen. Er habe ihnen auseinandergesetzt, daß man für die Juden nichts, tun könne, ja, nichts tun dürfe, denn eie saugten am Lebensmark des rumänischen Volkes, wie die Blutegel. Die Juden hätten das Land okkupiert, und es gebe Städte und Gegenden, wo nichts mehr rumänisch sei als die Armut, das schwärzeste Elend. „Ihr Juden treibt es so weit, daß unser christliches Volk eines Tages gezwungen sein wild, Haus und Hof zu verlassen und zum Bettelstab zu greifen. Wo steht es geschrieben, daß gerade wir die Parasiten an unserem Körper ruhig dulden müssen?“ Und so weiter, man kennt ja den Ton und die „Argumente“. In seiner Erklä- Miron Christea segnet den Führer der „Eisernen Garde“ Bukarest, 31. August. (JTA.) Patriarch Miron Christea hat an den Führer der gewaltantisemitischen „Eisernen Garde“, Oorneliu Codreanu, ein Schreiben gerichtet, in welchem er diesem seinen Segen erteilt und ihn ermutigt, seine Tätigkeit ungeschwächt fortzusetzen. Gleichzeitig setzen die nationalistischen rumänischen Zeitungen, gestützt auf die Erklärung des Patriarchen, im „Curenbul“ ihre intensive antisemitische Agitation fort. Die einflußreiche Tageszeitung „Universul“, die wegen ihrer scharfen antisemitischen Eineinzuibürgernden Personen betrifft, so brauche die Regierung diese nicht zu beantworten. Den Unterschied zwischen Juden und anderen kenne weder das niederländische Gesetz noch die niederländische Gesellschaft, und alles, was zur Entstehung eines sodohen Unterschiedes Anlaß geben könnte, sollte vermieden werden. Die Hakenkreuzexzesse in ZQrich In der „Baseler Nationalzeitung“ schreibt ihr Züricher Korrespondent Dr. F. Hebe rlein: „Die Züricher Stadtpolizei hat die Mode und Geschmack finden ihren Ausdruck in unseren neuen HERBSTMODELLEN UNSER ANGEBOT In handrahmengenahten Schlangenschuhen Ist unübertroffen I _ W. ii.tabqrstrasse8a Soeben erschienen Jehuda Ehrenkranz „Verteidigung der alltäglichen Worte" Erhältlich in allen Buchhandlungen Beschimpfung des Pester Oberrabbiners Dr. Simon Hevesi Budapest, 30. August. (JTA.) Der Poster leitende Oberrabbiner Dr. Simon Hevesi und der Herausgeber der politischen Wochenschrift „Tänsadalmunik“, Stadtrepräsentant Dir. Zoltän Klär, haben von der Vereinigten Ungarländfechen Nationalsozialistischen Partei herausgegebene Karten erhalten, ‘auf denen neben dem Pfeilkreuz die Worte „Stinkender Jude“, „Wir kommen, wir siegen, wir rechnen ab“ geschrieben standen. Dr. Klar erstattete beim Generalpostdirektor diie Anzeige, dia der Text der Karte und eine Abbildung auf deren Rückseite den Tatbestand der Schmähung einer Konfession darstellen. Gleichzeitig wandte er sich an den Präsidenten der Jüdischem Kultusgemeinde Hofrat Samuel Stern mit dem Ersuchen um Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung, damit die jüdischem Geaneinderepräsentanten zu dieser Beleidigung des Oberhirten der Fester Judenheit Stellung nehmen. Der Führer der Pfeilkreuzler Stefan Balohg wurde aufgefordert, dem Oberrabbiner für die Beschimpfung feierlich Abbitte zu leisten. Stellung bekannt ist, warnt die Regierung davor, sich im Zusammenhang mit der Erklärung des Patriarchen im „Curentul“ mit diesem in einen Konflikt einzulassen, da es sonst zu religiösen Unruhen kommen könnte, ähnlich denen in Jugoslawien, wo ernste Zwistigkeiten zwischen Regierung und Kirche bestehen. Die antisemitische Tageszeitung „Porunca Vremii“ hat eine Rundfrage darüber eröffnet, „wie man sich der Juden entledigen könne“. Wie das Blatt mitteilt, sind bereits Tau sende von Antworten eingelangt. In den meisten wird verlangt, daß das jüdische Vermögen konfisziert, allen Juden die staatsbürgerlichen Rechte aberkannt und eine umfassende antijüdische, wirtschaftliche Boykottkampagne organijrung sagt nun der Oberrabbiner von London, giert .werde. Untersuchungen gegen die Störenfriede des Zionistenkongresses abgeschlossen und dabei festgestellt, daß kein straf rech tlicbex Tatbestand erzielt worden sei. Viele sich verfolgt fühlende Juden hätten sich überhaupt nicht auf der Polizei eingefunden, so daß oft die Abklärung des Sachverhaltes unmöglich war. In anderen Fällen zeigte es sich, daß die Belästigung sich als viel harmloser herausstellte, als man anfänglich glaubte. Der schwerste Fall betrifft die Belästigung von Kongreßteilnehmern um Mitternacht in einem Cafö durch Tränengas. Der oder die Urheber konnten nicht ermittelt werden. Im übrigen handelt es sich meist um Pöbeleien von Lausw. a«gi«u cma auuuguuung vtm ucu jvau&cj buben auf der Straße, die die ZionistenIverlesen worden, die u. a. gegen die mit abfälligen Bemerkungen belästigten, Rassentheorie polemisiert. Ein Erlaß des Reichskulturwalters Hinkel Berlin, 31. August. (JTA.) Der Reichskulturwalter Hinkel hat folgenden Erlaß herausgegeben: „Mit sofortiger Wirkung haben alle Mitglieder des Reichsverbandes der Jüdischen Kulturbünde, die in Drucksachen, Inseraten, Ankündigungen auf Hausschildern, Visitenkarten usw. durch eine Berufsbezeichnung auf ihre künstlerische Tätigkeit hinweisen, neben dieser Berufisbezeichnung die Worte „Mitglied des Reichsverbandes der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland“ in Klammern zu setzen. Dieser Zusatz muß in gleicher Größe und in gleicher Weise sichtbar wie die betreffende Berufsbezeichnung angebracht sein. Verstöße gegen diese Anordnung werden schärfstens verfolgt.“ Gegen die Rassentheorie Berlin, 81. August. (JTA.) In allen Kirchengemeinden Deutschlands ist am 29. August eine Kundgebung von der Kanzel