Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 674 (3.9.1937)
- Date
- 1937-09-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 016 STIMME Wtyn, Freitag, 3. September 1087. — Nr. 674. Die neue Internationale ^\\\\\\\\\\\\\m I OPTIKER I (KARL SEIDNER) l.; Franz-Josefs-Kal 33 II., Hollandstraß« 7 |5 gs wünscht allen Kunden, Verwandten , und Freunden ein ‘ | GLÜCKLICHES NEUJAHR I g ^\\\\\\\\\\\\\\\^ land den Versuch machen, sich der Balfour-Deklaration zu entledigen. die nach den Feststellungen der Königlichen Kommission unter Palästina das Land in seinen historischen Grenzen verstand. Daß England heute Palästina teilen will, kann für uns nur ein Ansporn sein, mit vermehrter Kraft unser Recht zur erkämpfen, aber kein Grund zu Defnitismus oder zur Nachgiebigkeit. Kein Volk der Welt hat je die Möglichkeit gehabt, die Erringung seiner nationalen Unabhängigkeit auf Grund internationaler Zusicherungen anzubatrnen und kein Volk der Welt stand außerhalb seines eigenen Landes, als es den Kampf um sein Land begann. Das ist eine einzigartige Situation. Gewiß, wir sind schwer bedrängt, wir ringen um Brot und Obdach für den nächsten Tag. Die Schwierigkeiten unseres Weges sind enorm, und Haß, Mißgunst, Unverstand und kalter Vertragsbruch machen ihn noch schwerer. Aber das jüdis c he .Volk hat, dank der zionistischen Ideologie und dank der zionistischen Aufb a uarbeit in Erez Israel, eine Chance sich die Freiheit zu erobern, wie nie ein Volk zuvor. Wenn wir nur woll e n. Das ist die wahre Lage an diesem Neujahrstage. Sie ist schwer, aber beglückend und verheißungsvoll für alle Juden, die sie als Mahnung zur äußersten Kraftanstrengung, zum letzten Aufgebot in einem beispiellosen, zweitausendjährigen Kampf um Frieden und Freiheit deuten. Niemand hat das Recht, jetzt beiseite zu stehen, denn es geht auch um ihn und seine Kinder. Es geht um die Ehre des jüdischen Namens. ' Noch in unseren Tagen wollen -wir unseren Leiden ein Ende setzen. ~Wir haben keine Zeit zu verlieren. Wir wollen mit aller Kraft kämpfen und Zeugen sein cles Tages der jüdischen Freiheit, der auch ein Tag des Segens sein wird für die Menschheit. Israelitisch-Theologische Leh ranstalt in Wien Zum Zwecke der Heranbildung von Religionslehrern für Mittelschulen eröffr»et die Israelitisch-Theologische Lehranstalt In Wien Im Einvernehmen mit der Israelitischen Kultusgemeinde ab 7. Oktofc»er d. J. einen Kurs : a) für Talmud und Bibelexegese für solche Hörer, die in diesen Disziplinen ni<=ht die genügende Vorbildung haben; b) für Pädagogik und Methodik für sämtlid-ie Hörer der Lehranstalt. Teilnehmer an diesem Kurse müs*«n die Matura an einer Mittelschule abgelegt haben. Anmeldungen zu diesem Kurse sind an das Rektorat der Israelitisch- Theologischen Lehranstalt, II., Tempelgasse 3, zu richten- Die Aufnahmeprüfung für ordentlicf-ie Hörer der Lehranstalt findet am S. und 6. Oktober d. I., statt Der Rektor: Prof. Dr. S. Krauß „Siedlungsland“ Madagaskar Der BeTic-ht der von der polnischen Regierung nach Madagaskar enteendeton Kommission wird in Warschau in den nächsten Tagen erwartet. Der bereit« vorliege-xxdo provisorische Bericht ist n i c h t g U n e fc i g. In einigen Landesteilen ist der Boden schwer kultivierbar. In anderen Gebienten würde sich der Boden für Orangcnkixltur eignen, doch eteht fest, daß die <Xort gezogenen Orangen schlechter «ein würden als die Jaffa-Orangen. Eine weitere SehwiorLgfeett ergibt eich aus den schlechten Kommunikationen im Lande und insbesondere aus den weiten und schlechten Soer outen nach Europa. BLAU - WEISS - Zünder (Keren-Kajem®th- ZUnder) erhältlich bei: Viktor Adle r bberg, Trafik, und Haushaltartlkel, Wien, VH., Zollergasse 5. Tel. B 33-402, Die Tagung der Ausländsdeutschen in Stuttgart findet insbesondere in der englischen Öffentlichkeit viel Beachtung. Die Debatten, die in der Presse rings um die Affäre der drei reichsdeutschen Journalisten geführt wurden, haben gelehrt, daß man sich in England des besonderen Charakters dieser Vertreter der neuen Weltanschauung bewußt zu werden beginnt. In Deutschland hatte man natürlich die Beschuldigung der Einmengung in innere Angelegenheiten Englands bestritten, sie aber selbst dem „Times“- Korrespondenten zugeschoben, um eine Begründung für dessen * Entfernung zu erhalten. Nun ist die Stuttgarter Tagung gekommen und die Rede des Leitors der Auslandsorganisation, Bohle, hat die in England erhobenen Beschwerden durchaus bestätigt. Er hat erklärt, daß er unter Deutsche nur Nationalsozialisten verstehe, und (laß jeder Nationalsozialist im Ausland an die Befehle seiner Partei gebunden bleibt. Es ist demnach eine „Staat-im-Staat“-Organisation errichtet worden, die so viele Filialen zählt, als es Staaten gibt, und deren Angehörige oder, besser gesagt, Untertanen sich nach Weisungen zu richten haben, die ihnen aus Berlin erteilt werden. Außerdem ist den deutschen diplomatischen Vertretern aufgetragen wurden, zu allen offiziellen Veranstaltungen, zu denen sie in amtlicher Eigenschaft zu erscheinen haben, auch die betreffenden „Landesführer“ mitzubringen. Ferner wird die Entsendung von Kulturattaches in die westlichen Hauptstädte angekündigt, die dort „aufklärend“ wirken sollen. Stellt man dazu noch die gleichfalls in Stuttgart gemachte Mitteilung, daß bei dieser Bohle-Organisation eine, eigene antisemitische Abteilung errichtet wird, so hat npm ..den Fingerzeig, in; welcher Richtung, sich die kulturelle Aufklärung; vollziehen wird. Sie wird sich auf der geistigen Linie der deutschen Reichsgesetzgebung halten, die in den Nürnberger Befehlen die vollständige Diffamierung des Judentums erklärt und auf dem kommenden Parteitag eine Erweiterung erfahren wird in dem Sinne, daß auch der Kampf gegen die katholische Kirche auf die antisemitische Basis gestellt wird. Diese Seite der Angelegenheit sollte, so müßte man meinen, in allen katholischen Kreisen, insbesondere in Österreich, besonders beachtet wurden. Hier, wo man die Vorgänge im Dritten Reich doch etwas besser sieht, müßte erkannt werden, daß jede Unterstützung der antijtidischen Bewegung zugleich auch eine Unterstützung des unterirdischen illegalen Treibens bedeutet, dem es darauf ankommt, durch irgend eine Bresche in der Gesetzlichkeit und im Rechtsempfinden gegen den Staat selbst vorzudringen. Aber da gibt es Organe, wie das Kirchenblatt „Zwei- Groschen-Blatt“ in Feldkirch oder wie das „Pfarrblatt für die Katholiken der Pfarre St. Elisabeth, Wien IV.“, die über die Grenzen ihrer kirchlichen Angelegenheiten hinaus in die Politik eingreifen und sich dem Sturm auf die Verdienst¬ und Existenzmöglichkoiten der Juden anschließen. Da wird unter Anführung von Ziffern, die ganz willkürlich erfunden. sind und sich nirgends mit der Wahrheit decken, von einem übermäßigen Einfluß „der Juden“ gesprochen, und da wird jede von Nationalsozialisten aus ihrer so dick angeschwollenen Literatur entnommene Unwahrheiten ohne kritische Prüfling ruhig weitergegeben. Und alle diese Ziffern mitsamt ihrer Erläuterung finden sich in gewissen Intervallen zur gleichen Zeit in fast sämtlichen Provinzzeitungen, gehen also von einer Organisationsstelle aus, die auf solche Weise den Vorstoß gegen Österreichs Freiheit und Unabhängigkeit vorbereitet und der die katholischen Organe in völliger Verkennung der Sachlage Schützenhilfe leisten. Obzwar die Arbeitslosigkeit und die Verarmung unter den Juden Österreichs eine geradezu erschreckende Ausdehnung gewonnen hat, wird dagegen gewettert, daß hier noch immer ein paar Juden Arbeit und Brot finden. Daneben läuft, wie wir das kürzlich an einer Bemerkung in der „Reichspost“ feststellen konnten, die Tendenz, die Juden als die geistigen Urheber der nationalsozialistischen Theorie und Praxis auch noch, mit diesen Entartungen zu belasten, obzwar jeder HEIRAT! 85jährv Intellektuelle?, alleinstehend,- Dpracben*; kundig, gute'Erscheinung einwandfreier (3bäU rakter, kerngesund, fröhlichen Gemütes, ’ mit eigenem Unternehmen, sucht 20—27jährlges liebes, schönes, dunkelhaariges, vermögendes Mädchen, die Verständnis für 3 Hauptfaktoren meiner Freizeit (Musik, Sport und Naturfreude) hat, kennenzulernen. Ich biete und erstrebe viel Innigkeit und Lebensfreude, deshalb kann nur Liebesehe in Betracht kommen. Unter „Rosch Haschanah“ a. d. Administr. d. Blattes Tag neue Beweise für die durchaus originale Abkunft der neuen Heilslehre in Massen erbringt und jeder Tag neue Dokumente für die vollkommen international betriebene Arbeit der Auslandsstellen ans Licht zieht. Sie operieren vor allem mit dem antisemitischen Argument und gehen von hier aus ihren weiteren Zielen nach. Ist man in Österreich noch nicht entschlossen, diese .Strömungen, die in England, in Nord- und Südamerika, in Südafrika, in den Mittelmeergebieten, in Ungarn bereits erkannt worden sind, aus dem Bereich dör katholischen Publizistik zu entfernen? Konditor Kar] Neumann II., Gredlerstraße 2 wOmdtt Kundin/ Fnundin und V«r« wandten «In glücklich«! N«u«i Jahr und es ist kein Wunder, daß die „Reicihispoist“-Kritik da einhackt. Die erste These, daß die Juden beherrschende Positionen anstreben, läßt «ie natürlich gelten, ja, «io stützt sie noch durch den Hinweis auf Disraeli, den sie dabei — ein sehr lustiger Beweis für die „Sachlichkeit” ihres Rezensenten — nicht etwa als Exponenten der englischen, sondern nur der — jüdischen Weltherrschaft gölten läßt, weil or in oinom angeblich von ihm verfaßten Roman von der letzteren träumt. Dieser Auffassung muß man denn doch das Christus-Wort entgegenhaltem: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!“ Disraeli ist nicht als Literat, sondern als Politiker, unsterblich geworden und die Frucht seiner Politik ist mm einmal das britische . Imperium und nicht das jüdisch/). Über gre ffbare Tatsachen kommt auch der — tüchtigste Rezensent nicht hinweg. . Um so freier herrscht er im Reicho der Gedanken, da, wo bloß Ansicht gegen Ansicht steht. Glaubt van Miller an ein Zartgefühl der Juden bei der angeblichen Bevorzugung von Positionen, die die anderen unbesetzt ließen, so belehrt ihn der Kritiker der „Reichspost“: „Die Dinge liegen vielmehr so, daß der absolute Mangel an Zartgefühl, die Hemmungslosigkeit des jüdischen Wesens, die Juden in einzelnen Berufen besonders Vordringen lassen, ohne daß man damit diesen Berufen einen besonderen Dienst erweisen würde.“ Diese Auslassung ist gleich eine Probe auls Exempel unverfälschten Zartgefühles. Man vergleiche daraufhin auch sonst die „zartfühlend“ als „Judenpresse“ stigmatisierten konfessionell neutralen Weibblätter mit. den Antifiemitenblättem, dann wird man schon darauf kommen, wo das echte Zartgefühl zu finden ist. Besonders dio Nazi- Pirea&e ist eino wahre Fundgrube* - erloson-1 ster Stilblüten' edelster Herzens- und Geistesbildung, dunen gegenüber selbst die beliebtesten von Juden verhaßten Essais bloß die Hemmungslosigkeit des jüdischen Wesens spiegeln, jene literarische Hemmungslosigkeit, die sich am vordringlichsten in der von den Hakenkreuzlern mit Recht gerügten Tatsache verrät, daß dio Juden durchaus schon mit einem Alten Testament aufwarten mußten, bevor noch das Neue erscheinen konnte ... Dr. H. Sp. PENSION ECRSfEIH-Mng neu renoviert Ungarische Pogromisten in Nürnberg Das „Linzer Volksblatt“ meldet aus ungarischer Quelle, daß zirka 1000 biß 1200 rechtsradikale Ungarn dem Nürnberger Parteitag in nationalistischer Uniform beiwohnen werden. Die Reisekosten von der deutschen Grenze ab übernimmt die NSDAP. Dio Teilnehmer müssen ihre Zugehörigkeit zu einer rechtsradikalen ungarischen Partei und ihre rein arische Abstammung (die Magyaren sind bekanntlich Ugro-Altaior, also eher Mongolen) nachweisen. Bei dem Aufmarsch vor Hitler werden 10 bis 15 ungarische Reichstagsabgeordnete an der Spitze marschieren. Im Rahmen des Nürnberger Parteitages soll dann dio Partte-i- Meinen verehrten Kunden ein glückliches Neujahr! Optiker Rudolf Haas ft Comp. II., PraterstraSe 32 einhoit der ungarischen Rechtsextremisten hi Form eine« Bluthundes Zustandekommen. In diesor Einheitspartei werden die diktaturfreundlichen Mitglieder der ungarischen Partei der Pfeilkreuzlor Graf Fostotic« und Baloghs, der Blaukreuzler Csil- 1 e r y s, der Rassenschützlor EndroHs’ und die Partei S z a 1 a s i s zusammengcschlosse.n werden. Ring der Alt-Herren-Verbünde der zionistischen 'Verbindungen. Der Ring beschließt »einen Soinrneraufonthalt im Oafo Gartenbau und eröffnet »eino Kiubräuino am 31. August am Kohlmarkt 10. Zartgefühl Ein Holländer namens Anton van Miller hat unter dem Titel „Deutsche und Juden“ ein Buch verfaßt, indem er den deutschen Juden gerecht zu werden versucht und ihre Verfolgung als Unrecht geißelt. Das geht der „Reionspost“ wilder den Strich. Statt aber mutig ihre Auffassung eiuzubokomien, daß sie schon im Prinzip solch eine Stellungnahme zugunsten der Juden als einen unverzeihlichen Fehler betrachtet, läßt sie durch ihren Rezensenten einzelnen fehlerhaften Formulierungen des Werke« nachpUrscben, um eine mißgünstige Kritik von scheinbar sachlichen Standpunkten a/us fällen au können. Wir werden gleich «ehen, wie dies« sachlichen Standpunkte auesehen. Vorerst »ei unumwunden zugegeben, daß die bei der Abfassung solcher Bücher, die das Wessen ganzer soziologischer Geraednschaften zu erfassen suchen, unvermeidliche Neigung zu Verallgemeinerungen eine Fehlerquelle bilden muß, Wir können zum Beispiel Herrn van Miller keineswegs beipflichten, wenn er erklärt, die Juden strebten zwar nach beherrschenden Positionen, wählten, aber dabei nur solche, die von den Nichtjuden vermach! äissigt würden. Beides ist falsch. Die Juden streben wie alle anderen Menschen nach Positionen, die ihnen das tägliche Brot eicherm. Daß darunter ein gewisser Prozentsatz über die rein materiellen Bedürfnisse hinaus noch ideelle Befriedigung im Berufsleben sucht und die Profession von diesem höheren Gesiohtspunkt aus wählt, ist ganz bestimmt auch keine speziell jüdische Eigenschaft, am allerwenigstem ein speziell jüdisches — Verbrechen. Natürlich ist .es unvermeidlich, daß bei dieser Ausschau nach geistig und daher auch sozial gehobenen Positionen gelegentlich auch berufliches Neuland entdeckt wird, Leider gibt es aber dabei nirgends von den anderen prinzipiell gcmledono jüdische Roser vatgebiete. Es bat sich vielmehr immer gezeigt, daß auch die von Juden neuentilookten Arbeitsgebiete, sobald sie nicht mehr wio jede Sache im Anfangsßtadhim, bloß Opfer heischen, sondern auch klingenden Lohn einbriingon, sehr rasch auch vom andersgläubigen Ehrgeizlingen überflutet werden. Hier ist also ein wirklich anfechtbarer Punkt des van-Miller-Buch.es JmcUUcms mak, I., Salzgries IS, wünscht allen Freunden und Gönnern ein glückliches Neufahr i