Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 674 (3.9.1937)
- Date
- 1937-09-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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sr.fi.fi. 20 s JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 674 Wien, Freitag, 3. September 1937 27- Eint §697 10. Jahrgang Der Welterlolg französischer Filmkunst I Jean Gabln, Mirellle Balin in: Regie: Julien Duvivier «b heute Burg. I. Imperial, I. RIVIERA Wochen-Arrang. 8 Tage S 135'« DALMATIEN-SLXo lh,ü 42'* P0LEH-8Abn«'i*hrt“i<l.n Sonntag PARIS "Sonderzug (hin und zurück) 8 86'- Anmeldungen! REISEBÜRO .ORBIS“ I., Kärntnerstr. 41 IV Telephon: R 21-5-78 Zionisten f Ein Jahr voll Sorgen liegt hinter uns. Es brachte uns die Unruhen in Erez Israel und den Teilungsplan, aber auch die neuerliche Bekräftigung unserer, ewigen Rechte auf das Land unserer Väter und die Aussicht auf die Schaffung des Judenstaates. Die Zionistische Weltorganisation, ohne die die Balfour-Dekläration, Mandat und Massenalijah nicht möglich gewesen wären, steht vor neuen und ungemein schweren Aufgaben, von deren Lösung das Schicksal Erez Israels und des jüdischen Volkes abhängt. Mehr denn je ergibt sich daher die gebieterische Notwendigkeit, die Zionistische Organisation und die Ponds zu stärken und alle Juden zur Mitarbeit am Erlösungswerk heranzuziehen.; Der Zionistische Landesverband für Österreich proklamiert daher dier Zeit von bfctte September bis Mitte Dezember*’ als Wer b e qiö n a t e für; die Z i önl s t i s cji e 0 r g a n i s a t i o n. Er verpflichtet jedes seiner Mitglieder dazu, sich persönlich in den Dienst der Agitation zu stellen, neue Mitglieder der Organisation zuzuführen und überall für die zionistische Idee zu wirken. Zionisten! Die schwere Zeit erfordert vermehrte Arbeit und größere Opfer. Dfenkt daran, daß die zionistische Welt immer auf Wien blickt, auf die Stadt, in der Theodor Herzl gewirkt hat und in der er begraben liegt. Zeigt der Welt, daß der Geist Herzls in euch wach ist! Schart euch um die Fahne Herzls, kämpft mit uns und siegt mit uns! Zionistischer Landesverband für Österreich. Dr. Grünbaum m. p. Dr. Pokorny m. p, S. Paß weg m. p. Dr. Berger m. p. iiiiiiiiiriiiiiiiniiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimmiiimtiiirnnanmiimi- Wegen der jüdischen Feiertage werden die nächsten Nummern der „Stimme“ an den folgenden Tagen erscheinen: 10„ 14t *4» September und 1. Oktober. Die kommenden Palästinaverhandlungen London, 1. September. Reuter meldet aus Jerusalem, daß der Imam des Jemen dem Obersten Arabischen Ausschuß den Inhalt seiner Korrespondenz mit dem Foreign Office über den Pliin der Teilung raitgeteilt habe. Der Imam erklärt, die Britische Regierung hoffe, nach der Tagung des Völkerbundrates zu einer Lösung des ■ Pälästinaproblems auf der Grundlage neuer Verhandlungen zwischen Englände r n; A r a b e r n und Juden zu gelangen. Der Imam batte der Regierung vorgeschlagen, daß sie den Arabern Palästinas vollständige Unabhängigkeit innerhalb eines arabischen Stäatenbundefc ermöglichen und sodann die Frage der jüdischen- Einwanderung und des Bodenkäufes neuerlicn prüfen solle. Wo stehen wir? Von Dr. Oskar GrUribaum „Ein stürmisch bewegtes Jahr liegt hinter uns. Das deutsche Judentum ist zusammengebrochen, das russische; Judentum, ausgelöscht. In Polen gehen mehr als drei Millionen Juden, in Rumänien eine Million. Juden der wirtschaftlichen Vernichtung entgegen. Und auch sonst fast überall politische Entrechtung und wirtschaftlicher Zusammenbruch. Dazu noch in Palästina die' Unruhen 'und die drohende Teilung.“ Das ist das düstere Bild, das an diesem Rosch-Haschanah-Tage vielen Juden vorschwebt. Niemand kann sagen, dieses Bild sei schwarz in schwarz gemalt. Und dennoch! Wäre das Bild des jüdischen Volkes in diesen Tagen wirklich nur so düster, so bar jedes freundlicheren Tons, man müßte dem jüdischen Volke sagen: „Verzweifle, stirb!“ Es gibt aber noch ein anderes Bild, düster zwar und auch von Wolken beschattet. Aber unter diesem düsteren Firmament marschiert eine junge, mutige und siegesbewußte jüdische Generation hinter der stolz wehenden blau-weißen Fahne mit dem Zionsstern, und unter dem Tritt dieser neuen Makkabäer grünt wieder das jüdische Land, sprießen Felder und Wälder, entstehen Dörfer und Städte. Mächtig strahlt in die Nacht der Galuth?derJ Wiederglänz Ere& Israels; Die verzweifelnde Galuthjüg'end faßt neuen Mhty ihr Rücken strafft sich und sie singt neübebSsbt däs. Lied -voih neuen Bauen,- vom heuen . Schaffen, das’ Lied, von einer schöneren Zukunft. Od lo awda tikwatenu... \ Ja, wird der Pessimist sagen, das ist ein Augenblicksbild in der tausendjährigen Geschichte, der letzte Versuch der jüdischen Sonne das unheildrohende Gewölk zu durchdringen. Aber alles ist vergeblich. Bald wird es für ewig finstere Nacht im Judentum. Herzls Traum ist ausgeträumt. Wo liegt nun die Wahrheit? Eine Wahrheit ist unbestritten. Wäre nicht die zionistische Bewegung da,, hätten ,wir nicht Erez Israel aufgebaut, es gäbe keinen Lichtblick in dem düsteren Bild des jüdischen Volkes von heute. Die Frage ist daher nur: Is t das Frühlingserwachen, das zweitausendjähriges M a r t y r i u m, zweitausend Jahre Beten und Sehnen und Herzls Genie hervorgezau,bert haben, das letzte Aufflackern eines todgeweihtenVolkes, oder gehen ,w|r aufwärts und vorwärts, eiper neuen Blüte unseres uralten Volkes entgegen? Wer diese Schicksalsfrage richtig beantworten will, muß das , Fundament prüfen, auf dem’ die zionistische Bewegung steht. Ist es brüchig geworden, dann wehe uns. Ist es aber intakt gebliebeij und ist unsere Umwelt bereit, uns — dem schwächsten 'Volk der Welt — bei der Durchsetzung unserer Ideale zu helfen, dann können wir getrost in eine Zukunft blicken, deren Aspekte, auf lange Sicht berechnet, verheißungsvoll sind. Außer Betracht kann bei dieser Untersuchung das Verhalten jener Nichtzionisten und Antizionisten bleiben, die unseren Weg nur stören,- aber nicht verrammeln können. Sind sie doch bar jeder tragfähigen politischen Idee. Wo stehen nun wir Zionisten? Ist unser geistiges Konzept/ intakt geblieben und hat es Aussicht auf Realisierung? Wir sind die Jünger Theodor Herzls %nd sagen mit ihm: „D i e Ju 4 enfrage besteht. Es wäre törjeht, sie -zu leugnen . . . sJjter J ü den frage ist eine na- 'tlo-hale Frag e,. und um sie zu d ö s e n, m üs s;6 ii . wir s i e v o r allem zu einer politischen Weltfrage machen,- die im Rate der Kulturvölker zu lösen sein wird. Wir sind ein V o lk, ein Volk.“ Heute besteht an der Richtigkeit dieser Thesen Herzls kein Zweifel mehr, denn zweiundfünfzig Nationen haben sich für die zionistische Lösung der Judenfrage ausgesprochen und das jüdische Volk hat durch das Aufbauwerk in Palästina seinen Willen bekundet, den zionistischen Weg zu gehen. So konnten wir die Balfour-Deklaration und den Mandatsvertrag erhalten und , einen Jischuw von 450.000 Juden schaffen, der sich in den Stürmen des letzten Jahres herrlich bewährte. Dazu kam noch die allgemeine Wirtschaftsnot, die Staaten mit jüdischen Massensiedlungen veranlaßte, für eine weite Öffnung der Tore Palästinas einzutreten. Daß dies vor ERSTENS IST DER AUSTAUSCH BILLIG ZWEITENS GARANTIERT MAN WILLIG DRITTENS WIRST DU BESSER HÖREN HS ALSO. KAUFET MATZNER & Co. Gegründet 1910 Bankgeschäfte aller Art Wien, I., Wipplingerstraße 25 Tel. U 22 4-63 allem aus antisemitischer Gesinnung heraus geschieht, ist für uns nur ein Grund - mehr, unseren Kampf gegen den Antisemitismus zu verstärken und mit noch größerem Nachdruck für die * Gleich- ■ berechtigung der Juden zu kämpfen, aber kein Grund, eine Förderung abzulehnen, soweit sie uns genehm ist. Vor uns liegt nun eine Untersuchung über die Judenfrage, so gründlich und von so weitgehender Objektivität,, wie sie noch nie von einer mphtjüdischen Seite und noch dazu von einer Weltmacht angestellt wurde. Es’ist . dies dpr Bericht der Königlichen Kommission, in deutscher Übersetzung ein Band von 483 Seiten. Wenn' wir auch die auf eine Teilung Palästinas hinausgehenden Schlußfolgerungen der Königlichen Kommis- |sion ablehnen, so können wir doch die Analyse der jüdischen Situation und jene Schlußfolgerungen mit Gemig- Elnzigc Jüdische Handelsschule l für Mädchen .Wien, ll«, Obere DonauatraB* 19.T^.<A43-4-40 Unterfichtibcginii: *9. ScRtomterpii^. Anmeldungen und Auskünfte in der Schulkanzlei zwischen 9—IS und 16—1$ Uhr - tuung begrüßen, die als einzige Lösung1 der Judenfrage die : Errichtung des Judenstaates Vorschlägen. Die Königliche Kommission sägt in ihrem Beschlüsse: „Die Judenf rage ist nicht das geringste der vielen Probleme, welche die internationalen Beziehungen in dieser kritischen.Ze'i’t verwirrenu nd den Weg zu Frieden und Prosperität versperren“ und sie schlägt die Errichtung eines .Judenstaates vor, von dem sie , sagt: „Seine Bürger werden in der Lage sein, soviele Juden :zu* zulassen, als sie glauben, daß aufgenommen werden können. Sie werden . das" Hauptziel des Zionismus e rreichen —■ eine in Palästina verwurz eite Staatsnati o-n, die ihren Angehörigen den gleichen Status in der Welt verleiht, wie ande r e Staatsnationen den ihrigen. Sie werden endlich auf hören, das ,Leben einer Minderheit' zu führen.“ Das heißt also, daß Sinn und Zweck der Balfour-Deklaration im zionistischen Sinn von autoritativer Seite ausgelegt werden und noch mehr: Die englische Regierung hat in ihrer dem B er icht-der .Königlichen Kommission angeschlossenen offiziellen Erklärung vom 8. Juli 1987 diese Feststellungen sich zu eigen gemacht und sie ausdrücklich wiederholt. Für ängstliche Gemüter sei hier unterstrichen, daß durch die Errichtung des Judenstaates nichts geschehen soll, was die Rechte 'und politische Stellung, deren sich die Juden in irgend einem anderen Lande erfreuen, beeinträchtigen würde. Wir sehen also, daß das p-olitische Konzept des Zionismus uners chütter t ist, mag auch Eng-