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Die Stimme · 1937-08-31 · Heft 673 (31.8.1937) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 673 (31.8.1937)
Date
1937-08-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sftlt» 4 Oll STIMM! Nr. 673. — Wien, Dienstag, 31. August 1937. I RUMPSCHAU | UNGARISCHE PFADFINDER machten, wie auch Pfadfinder anderer Länder, auf der Rückfahrt vom Jamboree in Deutschland auf Einladung der Hitler-Jugend „kameradschaftlichen Besuch“. Was eie dort erlebt haben, darüber berichtet einer von ihnen, ein Jude, jetzt folgendes: ..Nach einem gemeinsamen Essen im Kiulturverein wurden wir in den Deutschen Hof geführt, wo man uns in einem großen Saal in Dreieck-Formation aufstellte. Man sagte uns, eine prominente Persönlichkeit des Reiches werde zu uns sprechen. Bald kam die Persönlichkeit: Es war Julius Streicher. Er hielt an uns eine Ansprache, in der er auseinandereetzte, Ungarn und Deutsche gehörten zu einer großen Familie, der Familie der Arier. Er kenne Ungarn aus eigener Anschauung, er sei während des Krieges in Siebenbürgen gewesen. Ob nicht, fragte er, unter den Anwesenden zufällig auch Siebenbürger seien? Es meldeten sich einige Pfadfinder, die von dort stammten. Allerdings hatte man vorher die Frage ins Ungarische übersetzen müssen, denn nur wenige von den Pfadfindern verstanden Deutsch. Es folgte nun die erste peinliche Szene. Julius Streicher setzte auseinander, Siebenbürgen (wo bekanntlich eine deutsche Minderheit wohnt, die sogenannten Sachsen) sei ein kerndeutsches Land und er begrüße die anwesenden DEUT¬ SCHEN Volksgenossen aus dem Land der Sieben Burgen auf das herzlichste. Man kann sich das Erstaunen der Kameraden verstellen, als ihnen diese Begrüßung — durch den Dolmetsch mitgeteilt wurde. Peinliche Stille trat ein, worauf Julius Streicher, wohl, um die Stimmung zu retten, auf di? Juden loezog. Ungarn müsse sich, nach deutschem Muster von den Juden befreien, sonst fressen sie es auf. In Ungarn gebe es Dörfer, deren Bevölkerung zu hundert Prozent jüdisch sei und die Einwohnerschaft der Hauptstadt bestehe schon zu drei Vierteln aus Juden. Mit diesen kühnen Behauptungen hatte nun der Redner endgültig alles verdorben. Betreten, entsetzt starrten ihn die ungarischen Jungen an. Diese Statistiken waren auch für die Antisemiten unter ihnen zu toll... Streicher fragte nun, ob denn gar unter den Anwesenden auch Juden seien? Die Frage ■wurde von etwa 20 Pfadfindern mit. „Ja“ beantwortet, worauf Streicher seine Rede unvermittelt abbrach. Er sagte nur noch, er wolle für den „Stürmer“ einige magyarische Arier- Typen photographieren. Jetzt folgte nach so viel Peinlichkeiten der heitere Abschluß: Er ließ neben dem Sohn des Markgrafen Pallavicini den jüdischen» Gymnasiasten Peter Schmidek photographieren ... So weit der Tatsachenbericht. Dazu ist nur soviel zu sagen: Die Juden müßten sich’s doch endlich einmal merken, daß sie dort, wo Julius Streicher zu den „prominenten Persönlichkeiten“ gehört, nichts verloren haben. Man könnte das auch von den Ungarn sagen, die aus der Geschichte mit den „deutschen Volksgenossen aus Siebenbürgen“ auch gelernt haben könnten, daß an alle, die schwach sind, einmal die Reihe kommt, und auch verschiedene andere Völker könnten diese Wahrheit beherzigen — aber das ist zunächst ihre und nicht unsere Sache. SCHACHMEISTER TARTAKOWER, der kein Arier ist, wie schon sein Name verrät, soll auf dem Stockholmer Schachkongreß vgesagt haben, er sei gegen die „Verjudung der Institution der Sohachweltmeieterschaft“ Die Meisterschaftsrangliste weise nur zwei nicht jüdische Namen auf. Es müßte für die Festsetzung der Rangliste eine Kommission eingesetzt werden, die nicht als jüdisch angesprochen werden kann, sonst sei zu befürchten, daß nicht sachliche Maßstäbe, sondern Nebenum- 6tänd© zur Geltung kommen werden. Man muß abwarten, ob Tartakow-er die von verschiedenen antisemitischen Zeitungen gebrachte Meldung über seine Äußerung nicht demontiert. Zur Sache selbst wäre zu sagen, daß es auch keine 35 Prozent jüdische Nobel-Preisträger in Deutschland gäbe, wenn das Nobel-Premkomitee nicht durch und durch verjudet wäre, und wenn nicht die Körperschaften, die dem Komitee ihre Vorschläge machen, ebenfalls unter jüdischer Herrschaft stünden, wie zum Beispiel auch jene österreichische Körperschaft, die zuletzt den Grazer jüdischen Professor Löwy fiir den Nobel-Preis protegiert hat... CROM WELL, GUSTAV ADOLF, NAPOLEON, WILSON, alle waren sie Juden oder Judenknechte, ja auch mit dem Herzog von Windsor stimmt etwas nicht: das hat der ungarische „Historiker“ Julius Väradi von Szilicze einwandfrei ermittelt und er teilt seine Feststellungen jetzt in einem Buch der aufhorchenden JVelt mit. Das Werk geht von der Entdeckung aus, daß auch schon die Renaissance jüdisches Werk war: sie war das Mittel, „mit dem die Juden den Pöbel der ganzen Welt mit unzerreißbaren Ketten an sich gefesselt haben, um die Unzufriedenheit, die nun einmal aut der Welt nicht auszurotten ist, für ihre Zwecke dienstbar zu machen, wobei sie den Pöbel der IntelUgenzschicht(?!) in den Freimaurerlogen, in den Rotary-Clubs und in den Pen-Clubs organisierten ..Und dann geht es los: „Auch Cromwell, Gustav Adolf und Napoleon waren nichts anderes als Werkzeuge des jüdischen Strebens nach Weltherrschaft, Juden oder Judenknechte ... und jetzt haben wir da den Herzog von Windsor. Wie konnte es ein Mensch vier Monate lang in jenem Haus aushalten, wo alles jüdischen Gestank atmet, jede Wand, jeder Gegenstand, jedes Kleidungsstück, wo die ganze Luft erfüllt ist davon... ein Christ?“ Überhaupt: England ist schuld an allem, England ist die Zentrale aler jüdischen Gefahren. Darum muß es vom europäischen Kontinent verdrängt werden... Wie tief müssen die Wurzeln des Antisemitismus sitzen, daß sich die Menschen solchen Blödsinn gefallen lassen, daß Menschen wie dieser Väradi von Szilicze nicht imstande sind, alle Niehtjuden einfür allemal vom Antisemitismus zu heilen! NEIN, dem Antisemitismus schadet nic/hts. Auf einem deutschen „Historiker“-Kongreß hat unlängst ein Mann, der in der SA. die Hochschulprofessur erworben hat, in einem eingehenden Vortrag eine neue Einteilung der Zeitalter vorgenommen. Es geht, so sagte er, das Zeitalter der Barbarei zu Ende. In Deutschland ist es schon vorüber, in den anderen Ländern ist es im Sterben. Der Nationalsozialismus hat das Zeitalter der Menschlichkeit eingeleitet... IN PARIS hat wieder einmal so etwas wie eine Verschwörung der Weisen von Zion stattgefunden. Eine Bukarester Zeitung weiß darüber Einzelheiten zu berichten. Ort des Kongresses war das Restaurant „Prumier“. Zeit: Anfang August. Manchmal wird der Antisemitismus von boshaftem Pech verfolgt. Am Eingang des Restaurants, das das Bukarester Blatt meint und das richtig „Prunier“ heißt., im übrigen aber zu den international bekannten Pariser Lokalen gehört, steht groß auf einer Tafel: „Vom 1. Juli bis 1. September geschlossen ...“ Jehuda. Der leiste Flaggengruß Zum letzten Male stehen wir uan unseren Fahnenmast. Die Mosehawah des Brith-Zion ißt zu Ende. Und während unser Lagerleiter die A'bschiedisworte spricht, muß ich an die vier Wochen denken, die wir hier gemeinsam verleibt haben. Als eine Anzahl Menschen, deren innerer Zusammenhalt nur ein sehr loser war, waren diese Jungen und Mädel hierhergekommen. Gewiß gab es schon damals: Freundschaften, doch vereinten diese natur-; gemäß nur wenige. Heute jedoch sind wirj eine Gemeinschaft geworden, in der jeder weiß, daß er sich auf den andern verlassen kann, in der jeder bereit ist, sein Eigenwohl zurücktreten zu lassen, wenn es das Ge-. samtwohl erfordert. Um das zu erreichen,! hat es dieser Wochen bedurft. Die Mosehawah ist es a/udh gewesen, die es uns ermöglicht hat, unsere Ohaverim weiterzufUhren, auf dem Wege, den wir Allgemeinen Zionisten gehen. Sie wissen jetzt, daß er kein Mittelweg ist. zwischen rechts lind links, sondern der gerade Weg, den Theodor Herzl gegangen ist und von dem die anderen abgewichen sind. Wir haben es in unseren Siohoth als richtig erkannt, daß in unserem Denken kein Platz ist für die unjüdische Lehre des Marxismus und ebenso unjüdische Diktatur gelüste ehrgeiziger Führer. Wir tragen unser graues Hemd mit berechtigtem Stolz, wenn wir auch andere jüdische Jugendliche, die andersfarbige Hemden tragen, darum nicht verachten oder hassen wollen. Wir lernten in diesen Tagen, die eben hinter uns liegen, Dinge, die zu erlernen es an anderer Stelle vielleicht ebenso vieler Wochen bedurft hätte. Viele waren anfangs noch unselbständig und konnten sich nicht recht zurechtfinden. Heute haben diese Ohaverim erfahren, daß man auch ohne mütterliche Hilfe zurechtkommen kann, wenn man muß. Als reifere Menschen kehren sie nach Hause zurück. Sie haben für den Lebenskampf Kraft auf genommen, für die sie dieser Mosehawah noch einmal dankbar sein werden. Was wir aber hier gelernt haben, das lernten wir freudig und fast ohne es zu merken. Es blieb uns immer genug Zeit, hinter dem Fußball herzulaufen und in der herrlichen Umgebung des Lagers Wanderungen zu veranstalten. Und am Onegg Sabbath saßen wir an unserem Lagerfeuer, sangen Lieder und unterhielten uns. So brachte uns diese Zeit der Gemeinsamkeit Schönes und Nützliches in gleichem Maße. Jetzt in dieser letzten Stunde sind die Gesichter traurig, die ich so oft lachend gesehen habe. Heißt es doch Abschied nehmen, von vielem, was uns bereits lieb und teuer geworden ist. Jizohak W i 111 e r spricht. Er hat diese Mosehawah geleitet, ist als Erster aufgestanden und als Letzter schlafen gegangen. Unermüdlich war er in seiner Arbeit für unser Wohl, gönnte sich niemals einen Augenblick Rauhe und war sich stets seiner großen und schweren Verantwortung bewußt. Ihm verdanken wir vor allem diese schöne Zeit, und da er auch in Wien die Leitung unseres Bundes übernommen hat, ist mir um das weitere Schicksal unseres Bundes nicht 'hange. Wenn Jizohak der Vater der Mosehawah gewesen ist, dann war seine Frau in des Wortes schönster Bedeutung die Mutter. Nicht nur, daß sie, ohne unserem Bunde anzugehören, in völlig uneigennütziger Weiso von früh bis spät für uns tätig gewesen ist, brachte sie durch ihren Frohsinn und ihre Opferbereitsohaft jene Zufriedenheit in die Die Luyerleituny Lagerarbedt, die mit eine Hauptursache des Enderfolges wurde. Anna Wattier hat sich als jüdische Hausfrau im besten Sinne erwiesen. Ich müßte noch viele nennen, die mitgearbeitet haben, wollte ich allen gerecht werden. Lediglich Rikii Sinaiberger will ich noch erwähnen, der als technischer Lagerleiter seine Aufgabe, eine Zeitlang sogar unter den peinigenden Schmerzen einer eitrigen Beinhautentzündung, voll und ganz erfüllt hat. Auch er kann heute in dom Bewußtsein der getanen Pflicht vor unsorer Fahne stehen, dem schönsten Bewußtsein das es für einen Jugendfithrer gibt. Jizohak geht nun auf den Mast zu und zieht zum letzten Male die Fahne ein. Dann singen wiir die Tikwah. Während des Singens hellen sich unsere Gesichter auf; vier herrliche Wochen der Arbeit an uns selbst sind zu Ende, aber die Lehren dieser Zeit nehmen wir mit, um sie denen zu bringen, die nicht mit uns hier sein durften. Während wir auseinandergehen, klingt unser letztes „Ghasak“ wie der Schwur, niemals an die Tage, die wir hier verlebt haben, zu vergessen. Walter Fischer. Schiff „Tcl-Aviv“ wird Japanisch Jerusalem, 27. August. (JTA.) Der Personendampfer „T e 1 - A v i v“ der Palestine Shipping Company ist in dieser Woche seinen neuen japanischen Besitzern übergeben worden, die ihn für 28.000 Pfund erworben haben. Bevor es zu dem endgültigen Abschluß des Verkaufes kam, hatten Verhandlungen über eine Übernahme zwischen den bisherigen Eigentümern und der Jewish Agency stattgefunden. Sie scheiterten jedoch daran, daß die Gesellschaft verlangte, die Jewish Agency solle auch einen Teil ihrer Schulden übernehmen. Kolonialamt bestätigt Palästina - Erziehungsbudget Jerusalem, 26. August. (JTA.) Das Colonial Office hat das Budget des Erziehungsdepartements der Palästinaregierung b es t ä t i g t. In dem Budget sind Ausgaben in der Höhe von 300.000 Pfund vorgesehen. Neue Kolonie deutscher Juden Jerusalem, 26. August. (JTA.) ln der Nähe von Kfar Saba wurde am 24. August mit den Arbeiten zur Errichtung einer Kolonie fiir vorläufig 40 deutsch-jüdische Familien, die sich der gemischten Landwirtschaft widmen werden, begonnen. „Hoch die Juden!" Die bezeichnende Episode ist allgemein bekannt: wie Herzl und eine Reihe von Kongreßdelegierten in Basel von vorübermarschierenden Schweizern mit dem Zuruf „Hoch die Juden!“ begrüßt wurden, worauf Herzl und den anderen, denen noch das „Tötet die Juden!“ der Dreyfuß-Märe in den Ohren lag, die Tränen in die Augen kamen. Hätte man diesen Schweizer Bürgern erzählt, einige ihrer Enkel würden einst von der festen demokratischhumanitären Tradition ihres Vaterlandes abrücken und in Wahn und Raserei der antisemitischen Völker verfallen — sie hätten auch nur die Möglichkeit einer solchen Schande entschieden bestritten! Denn die Schweiz gehört, namentlich in ihren deutschsprachigen Gebieten, zu jenen Staaten, die als erste in Europa mit der Judenemanzipation Ernst gemacht hatten, und es äst. ebensowenig Zufall, daß Herzl und seine Mitarbeiter sich für Basel entschieden (da die Münchener Kultusgemeinde gegen die Abhaltung des Kongresses in der bayrischen Hauptstadt protestiert hatte), wie daß nahezu die Hälfte der Kongresse auf Schweizer Boden stattgefunden haben. Schon 1756 gab es zwei Züricher Abgeordnete, Ratsherr. Werdemüller und Stadtschreiber H i r z e 1, die den Judengegnern des Kantons Glarus zu bedenken gaben, ob es richtig sei, ein Volk, welches seit vielen Jahrhunderten in diesem! Lande gewohnt, kein anderes Vaterland habe j noch ha.be erlangen können, eich während dieser Zeit keiner Verbrechen schuldig gemacht hätte und daher auch des landesherrlichen Schutzes nicht unwürdig sei, unbarmherzig des Landes zu verweisen und ins Elend zu bringen (siehe Guggenheim: Zur Geschichte der Schweizer Juden). Zur gleichen Zeit lebte in Zürich der Pfarrer Johann Kaspar Ulrich, der, tief ergriffen von der Tragik der Judenheit, die aus ihrer einstigen Größe so schmählich ins Elend gesunken war, eine Geschichte der in der Schweiz ansässigen Judenschaft vom Mittelalter angefangen bis in seine Zeit hinein schrieb. Ulrich, ein guter Kenner des Hebräischen und persönlicher Freund der Juden, der auch im Jahre 1751 der feierlichen Einweihung der Synagoge von Lengnau beigewohnt hatte, forderte in einer, weiteren Schrift vom Staate To 1 er a n z für die Juden als Ausdruck humanitärer Gesinnung. Die Etappen der Judenemanzipation in der Schweiz können hier bloß angedeutet werden. Jedenfalls schaffte die neu proklamierte Helvetische Republik bereits 1798 alle Sonderabgaben der Juden — damit auch Leibzoll und Kopfsteuer — ab. Im Verlaufe der Debatte über die Judenemanzipation, die im gleichen Jahre im Großen Rat entbrannte, rief der Waadtländer Secretan aus: „Hat nicht unsere Religion den gleichen Ursprung wie die ihrige! Sind nicht ihre Propheten auch die unsrigen?... Sie sind Menschen und sollen nur als solche vom Gesetz angesehen werden. Es kam freilich auch in der Schweiz im Zusammenhang mit dem Aufblühen der Reaktion — gegen die sich die Schweiz damals noch nicht so gut wie heute zu schützen wußte — zu einem für die Judenheit ungünstigen Umschwung, und in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts mußten die Schweizer Juden, unterstützt von wackeren, aufrechten Christen, alles daransetzen, um ihre erworbenen Rechte wider einzelne Dunkelmänner zu verteidigen. Aber da waren bereits Männer auf ihrer Seite vom Range eines Augustin K e 11 e r, der sich empört gegen die Verdächtigung wandte, die Juden, zum Heeresdienst zugelassen, würden das Land verraten, da der Ruin des christlichen Staates das Ziel sei, welches ihnen vorschwebe: „Ich frage“, erklärt Keller in echter Aufwallung, „au® welcher Moral und aus welcher Geschichte nehmen die Gesuchsteller das Recht zu einer so maßlosen Verdächtigung her?“ Da war ferner Regierangsrat Emil Welfci, der in einer Debatte an das schöne Wort des englischen Historikers Macaulay erinnerte: „Die Unterscheidungspunkte zwischen Christentum und Judentum haben sehr viel damit zu tun, ob jemand zum Bischof oder zum Rabbiner taugt. Aber sie haben mit seiner Tauglichkeit, Magistratsperson, Gesetzgeber oder Finanzminister zu sein, nicht mehr und. nicht weniger zu tun, als mit seiner Tauglichkeit zum Schuhflicker“ — ein Wort, das man heute leider wieder so manchem der Herrschenden zurufen könnte! Es war kein Geringerer als der Dichter Gottfried Keller, der schließlich im Jahre 1862 mit schönen Worten der Menschlichkeit in seiner Eigenschaft als Ratsschreiber des Kantons Zürich seinen Landsleuten den Entwurf des Gesetzes vorlegte, das die letzten Hemmnisse und Schranken beseitigen sollte: „Der von euch erwählte Große Rat, •liebe Mitbürger, hat mit einigen wenigen

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