Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 673 (31.8.1937)
- Date
- 1937-08-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2. DIB 8TIMMB Nr. 673. — Wien, Dienstag, 31. August 1937. ^\\\\\\\\\\\\\\W ( OPTIKER (KARL SEIDNER I., Frani-Josefs-Kai 33 II., Hollandstraße 7 Fachmännischer Rat Reiche Auswahl 0 Beste Qualität 0 Preiswert ^\\\\\\\\\\\\\\\\\\^^^^ Lord Lionel Walter Rothschild gestorben Lord Lionel Walter Rothschild ist am 27. August auf seinem Landsitz in Tringpark (Hertfordehire), nach langer Krankheit im Alter von 69 Jahren gestorben. Lord Lionel Walter Rothschild, der „zweite Lord Rothschild“, wurde im Jahre 1868 als Sohn von Nathaniel Mayer de Rothschild, dem „ersten Lord Rothschild“, dem intimen Freunde des Königs Eduard VII. und Gouverneurs der Bank von England, dem als dem ersten Juden die englische Peers-Würde verliehen wurde, geboren. Der Großvater des jetzt verstorbenen Lord Rothschild war Lionel Nathan Baron de Rothschild, Vorkämpfer der Emanzipation der Juden in England, der als erster Jude Mitglied des englischen Unterhauses wurde. Die Mutter des Verstorbenen, Emma Luise, geborene von Rothschild, stammte aus der Neapeler Linie des Hauses. Lord Lionel Walter Rothschild studierte in Cambridge und Bonn und promovierte zum Dr. phil. Er war eine Autorität auf dem Gebiete der zoologischen Wissenschaft. Er gründete in Tring ein zoologisches Museum, welches auch seine entomologische Sammlung aufnahm. Von 1899 bis 1910 war er liberales Mitglied des Unterhauses, 1916 folgte er seinem verstorbenen Vater aLs Mitglied des House of Lords. Er war Mitglied der Royal Society, die seit 1660 besteht und der alle englischen Prinzen, Staatsmänner und Gelehrte von Riuf angehören. 1932 überließ er seine »berühmte Vogelsammlung von zirka 500.000 Exemplaren dem Naturhistorischen Museum in New York. Er war Jüdische Wirtschaftspolitik Der Vizevorsitzende der Exekutive des Verbandes zur Förderung von Landwirtschaft, Handwerk und Industrie unter den Juden „ORT“, Dr. A. Sing a* 1 owsky, hielt auf der soeben in Paris beendeten IV, Weltkonferenz des Verbandes ein .großangelegtes Referat über das Thema: „Die Notwendigkeit einer jüdischen Wirtschaftspolitik und was muß ihre Grundtendenz sein?“ Dr. Singalowsky führte aus, der Kampf gegen Antisemitismus sei eine Aufgabe, die ihrem Wesen nach die Kräfte jeder einzelnen jüdischen Organisation übersteige. Denn, da es sich beim Antisemitismus nicht um eine spezifisch jüdische, sondern um eine nicht-jüdische Krankheit handele, gebe es gegen ihn auch keine spezifisch Jüdischen Heilmittel. Weiters sagte der Referent: Wae die nationalistische Welle betrifft, die jetzt durch die Welt geht, so verhalten wir uns als Juden ihr gegenüber neutral; was uns an ihr allein interessiert, ißt d e r antisemitische Zug. Der Antisemitismus sitzt nicht an der Oberfläche des modernen Nationalismus, sondern er wurzelt tief in ihm. Er ist verbunden mit den politischen, wirtschaftlichen und moralischen Krankheitsersoheinungen unserer Zeit, und darum hört seine Bekämpfung auf, eine spezifisch jüdische Sache zu sein. Die Gewohnheit, den Antisemitismus unabhängig von der allgemeinen politischen Lage und von den wirtschaftlichen Vorgängen zu beobachten, entwickelt sich allmählich zu einer außerordentlichen Gefahr für die Juden. Der kollektive jüdische Gedanke konzentriert sich allzusehr auf Antisemitismus. Als wäre er nicht eine Krankheit, sondern ein natürliches Gesetz, dessen Vorhandensein die Existenz und sogar Prosperität der Länder nicht stört. Würde ich glauben, daß der Antisemitismus die einzige Ursache unserer heutigen wirtschaftlichen Armut, unseres fortwährenden wirtschaftlichen Niederganges ist, so wäre ich viel optimistischer als ich es bin. Denn ich bin überzeugt, daß der wahnsinnige aggressive Nationalismus und seine antisemitische Ausdrucksform nicht von langem Bestand sein werden. Die Welt bedarf der internationalen Zusammenarbeit; nationalistischer wirtschaftlicher Autarkiewille, gegenseitiger Haß und andauernde Spannung können nicht zum Gesetz der Welt werden. Eine Atmosphäre, in der der Antisemitismus so blühen kann, wie in der gegenwärtigen, kann die Welt auf die Dauer nicht ertragen. Wir müssen uns zwei Momente vor Augen halten: 1. Die organisierte gewaltige | lung der handwerklich-industriellen und i landwirtschaftlichen Berufe geändert und | dem allgemeinen Wirtschaftsleben angepaßt werden. Im selben Maße, in dem diese Berufsumschichtung gefördert wird, muß aber auch die Position des jüdischen Händlers gefestigt werden, der ja der Hauptabnehmer der Produkte des jüdischen Handwerkers und Landwirtes sein wird. ORT kann sich nicht praktisch mit den Problemen des jüdischen Handels beschäftigen. Wo aber sind die anderen, die einerseits selbst den jüdischen Handel repräsentieren oder anderseits ihn für den wichtigsten SektOT der jüdischen Wirtschaft halten? Warum vernachlässigen diese Kreise die Interessen des jüdischen Handels? Wer die Lage kennt, in der sich der jüdische Handel befindet, der weiß, daß dieser den Erfordernissen der heutigen Zeit kaum entspricht. Die moderne Welt räumt anscheinend mit der Legende von den außerordentlichen kaufmännischen Fähigkeiten der Juden auf. Vor unseren Augen ersteht der' Typ des modernen nichtjüdischen Händlers, mit dem der jüdische Händler nicht mehr zu konkurrieren vermag. Dieser weiß nichts vom „Dienst am Kunden“ und davon, wie man ein Geschäft führt. Bei Juden wendet man sich dem Handelsfach zu, weil und wenn man nichts Bessere® gelernt hat. Es ist darum hoch an der Zeit, daß geeignete Organisationen sich di« Aufgabe stellen, den jüdischen Händlertyp heranzubilden, der etwas von Organisierung des Einkaufs, von Absatz und dergleichen versteht. Aber die zentrale Aufgabe einer jüdischen Wirtschaftspolitik muß sein: der Ausbau unserer Arbeitspoeitionen. In ihnen liegt die Zukunft des Volkes. Die Bedeutung dieser Aufgabe darf nicht einmal in den Augen jener klein scheinen, die den großen Außwanderangsdrang sehen und anerkennen, daß die einzige Antwort auf die Not — Kolonisation sein muß. Man darf nicht vergessen, daß die Auswanderung, auch wenn sie aufnah.m ©bereite Länder finden sollte, durch den natürlichen Zuwachs der Bevölkerung in den entlasteten Ländern ausgeglichen werden wird. Die Lösung der wirtschaftlichen Probleme der osteuropäischen Juden liegt daher in der Zukunft der osteuropäischen Länder selbst. Das Schicksal der Millionen unserer Brüder in den betreffenden Ländern ist mit dem Schicksal derselben eng verbunden. Zum Schluß schilderte Dr. Singalowsky die Aufbauarbeit des ORT im Jahre 1937 und erwähnte, daß 159 B erufsausbildungsstätten unterhalten wurden, in denen 8000 Personen geschult werden, daß 139 genossenschaftliche Werkstätten und Industrieunternehmungen bestanden, die 10.000 Personen beschäftigen, schließlich 137 landwirtschaftliche Genossenschaften und Siedlungen. Man müsse, schloß Doktor Singalowsky, mehr jüdische Arbeiter der Industrie zuführen und die Juden aus den Kleinstädten auf das Land verpflanzen. ZIONISTISCHE Itt Z RWSSEKT ON LEOPOf.DSTADT Wie alljährlich veranstalten wir auch heuer anläßlich der HOHEN FEIERTAGE Im Zentrallokal, II. TaborstraBe 8a einen FEIERLICHEN GOTTESDIENST mit PREDIGT unter Mitwirkung des bekannten Oberkantora ISRAEL RABINOWICZ Karten erhältlich täglich von halb 9 Uhr frUh bis 9 Uhr abends lm Zentrallokal, II. TaborstraBe 8a Mitglied des Kuratoriums des British Museum. Seinen Titel als Dr. h. c. der Universität Gießen legte er 1933 nach dem Machtantritt Hitlers zurück. Wie sein Vater und Großvater ßetzte sich Lord Lionel Walter Rothschild für verfolgte Juden überall in der Welt ein und spielte auch im innerjüdischen Leben Englands eine hervorragende Rolle. Er war Vizepräsident des Jewieh Board of Deputies und der Anglo-Jewish Association und Präsident des Maeoabaean Club. In die Geschichte des jüdischen Volkes wird Lord Lionel Walter Rothschild eingeben als der Empfänger der Balfour-Deklaration vom 2. November 1917, in welcher die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina verkündet wurde. 1920 präsidierte Lord Rothschild der zionistischen Konferenz in London. Magnes dementiert Paris, 26. August. (JTA.) Der Präsident der Hebräischen Universität in Jerusalem, Dr. Magnes, erklärte, daß die von „Davar“ in Tel-Aviv gebrachte Mitteilung er, Magnes, habe in Genf mit der dort weilenden arabischen Delegation über eine jüdisch-arabische Round Täble-Konferenz verhandelt und mit derselben auch einen Gedankenaustausch über die Bedingungen des arabisch-jüdischen Friedens gehabt, von Anfang an bis zu Ende erfunden sei; es handle sich um „k o m p 1 e t te Fälschungen“ (complete falsehoods). Doktor Magnes erklärt weiter, er habe seit April dieses Jahres nicht m Genf geweilt und habe niemals, weder in Genf noch an einem anderen Platz, mit einer arabischen Delegation — sei es auf der von „Davar“ angegebenen oder auf einer anderen Grundlage — Verhandlungen geführt. Uneingeschränkter Warenverkehr Im Hafen von Tel-Aviv Tel-Aviv, 27. August. (JTA.) Die Neuregelung des Warenverkehr® im Hafen von Tel-Aviv, durch die alle bisherigen Beschränkungen und der Ausschluß gewisser Warenkategorien von Löschung oder Verladung aufgehoben werden, ist bereits in Kraft getreten. Im Hinblick auf die zu erwartende Erhöhung des Warenumschlages bind 20 jüdische Zollbeamte neu in Dienst gestellt worden. antisemitische Attacke auf das jüdische Wirtschaftsleben wind anscheinend nicht so schnell Vorbeigehen. Wenn man nicht die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit der jüdischen Bevölkerung organisiert, dann wird ein großer Teil der Juden zu Bettlern werden, werden die Juden ihre wirtschaftliche Basis, ihr politisches Gewicht und ihre geistige Kraft verlieren. 2. Der Antisemitismus ist nicht die einzige und nicht die tiefste Ursache unserer spezifischen wirtschaftlichen Krise. Zahlreiche jüdische Handelsunternehmimgen können dem Druck der ökonomischen Entwicklung nicht widerstehen, werden vom Gang der Zeit überrannt und von den ständigen Änderungen, die eine Folge des Stürmens und Drängens unserer bewegten Zeit sind. Diese Gefahr ist auch bei den günstigsten politischen Bedingungen von uns nicht ohne weiteres abzuwenden. Ebenso wird die nichtjüdisohe ländliche Bevölkerung unseretwegen nicht aufhören, in die städtischen Berufe und in den Handel einzudringen. Der Kampf um das tägliche Brot erfordert von der jüdischen Gesellschaft aktive Politik und ökonomischen Selbstschutz; ein ganzes System von Maßnahmen, die im Einklang mit den Bedürfnissen der Volkswirtschaft jedes einzelnen Landes durohgeführt werden müssen. Zu diesen Maßnahmen gehören erstens: Verteidigung der alten wirtschaftlichen Positionen gegen den wirtschaftlichen Antisemitismus, zweitens: Übergehen zu neuen Berufen, Entlastung der überfüllten Berufszweige, Vorbereitung auf ein besseres Morgen. Ich weiß, wie schwer es ist, die jüdischen wirtschaftlichen Positionen auf dem Gebiete des Handels zu verteidigen; vor allem deshalb schwer, weil sich gerade das Gebiet des Handels unter dem stärksten ökonomischen Druck befindet. Ein großer Teil dieser Positionen kann überhaupt nur mehr mit Mühe gehalten werden. Auf hundert Juden, die im Handel tätig sind, kommen 90 selbständige, während es bei Nichtjuden nur 45 sind. So sehr zerbröckelt und zersplittert i s t der jüdische Handel. Das bedeutet aber nicht, daß man diesen Sektor unseres Wirtschaftslebens aufgeben soll. Die Aufgabe unserer Bewegung ist es, jeden jüdischen Arb eitssektor zu stärken, zu vergrößern und zu erweitern. Die einseitige jüdische Wirteph*aftösfrruktur muß durch Entwick- Die Aktion der Araber Jerusalem, 27. August. (JTA.) Zwei Mitglieder der nach Genf entsandten arabischen Delegation, Jamal Husseini und Doktor Izzat Tannous, sind nach Jerusalem zurückgekehrt. Die übrigen Mitglieder der Abordnung, unter ihnen Auni Bey Abdul Hadi, sind in Genf zurückgeblieben. Jamal Husseini hat seine Rückkehr nach Jerusalem beschleunigt, um gemeinsam mit den dortigen arabischen Politikern die künftigen Arbeitsmethoden zu beraten, da die Abordnung mit ihrem bisherigen Auftreten in Genf keine greifbaren Erfolge zu erzielen vermocht hat. Die Tageszeitung „Felestin“ setzt sich für eine Änderung der politischen Methoden auf arabischer Seite ein. Losungen wie „Palästina ist unser Land! Wir fordern volle Selbständigkeit oder den Tod!“ seien für Straßenkundgebungen geeignet, hätten aber in der Politik keinen Sinn mehr. Die Araber müßten mit einem klaren Vorschlag zur Lösung des Problems auftreten, damit England den Teilungsplan aufgebe. Haben die palästinensischen Araber nicht selbst den Mut, dies zu tun, dann müsse diese Arbeit von einem allgemeinen arabischen Kongreß geleistet und ein Plan ausgearbeitet werden, auf den England eingehen könnte. Das Blatt hofft, daß bei der geplanten Umgestaltung des britischen Kabinetts der Kolonienminister Ormsby-Gore möglicherweise durch den jetzigen Außenminister Eden ersetzt werden wird. Dieser habe zwar in der allgemeinen europäischen Politik versagt, aber bei der Lösung der ägyptischen Frage eine wichtige Rolle gespielt. Die arabische Zeitung „A D1 f a a“ hat den in Gen! weilenden Auni Bey Abdul Hadi, telephonisch Uber seine Meinung über den Bericht der Mandatskommission befragt. Auni Bey erklärte, er habe keinen anderen Bericht erwartet, sei aber nicht pessimistisch gestimmt. Viele Mitglieder der Kommission hätten erklärt, sie seien gegen den Teilungsplan, aber die Einflüsse, die hinter den Kulissen von jüdischer Seite ausgingen, seien stärker gewesen. über das von Melr Großman veröffentlichte Dokument (Weizmanns Verhandlungen mit Ormsby-Gore) erklärte Auni Bey, diese Veröffentlichung habe den Arabern sehr genützt. Man bringe ihnen jetzt viel mehr Sympathien gegen den Teilungsplan als früher entgegen. Das Dokument habe in Genfer politischen Kreisen starken Eindruck gemacht und sogar die Britische Regierung sei überrascht gewesen, Auni Bey ist fest überzeugt, daß die arabischen und die übrigen asiatischen Staaten in der Palästinafrage eine Einheitsfront bilden werden. Ihre Stellungnahme werde sich für die Sache der palästinensischen Araber zweifellos günstig auswirken. PanaraMscher Kongreß Jerusalem, 29. August. (JTA.) Der panarabische Kongreß, der, wie bereits berichtet, zu der Palästinafrage Stellung nehmen soll, ist nunmehr endgültig für den 8. September nach Baludan bei Damaskus einberufen worden, nachdem frühere Versuche, diese Veranstaltung zustandezuibringen, gescheitert waren. Die Regierungen der arabischen Staaten werden sich jedoch auf dem Kongreß nicht offiziell vertreten lassen. Der Oberste Arabische Ausschuß Palästinas entsendet zu dem Kongreß eine Abordnung, der Izzat Darwaza, Jemal Husseini, Achmed Hilmi Pascha und Jakub Ghussein angehören. Es verlautet, daß Emir S h ek i b A r s 1 a n, der nach jahrelangem Exil vor einiger Zeit aus Genf nach Syrien zurückgekehrt ist, bei dem Kongreß den Vorsitz führen wird. Dagegen ist nicht zu erwarten, daß der Großmufti Hadsch Emin el Husseini Jerusalem verlassen wird. Dies dürfte die Wirkung des Kongresses erheblich beeinträchtigen. Fauzl Kaukadyi von der Irak- Regierung freigelassen Jerusalem, 27. August. (JTA.) Der arabische Gewährsmann des „Dawar“ teilt mit, der Oberste Arabische Ausschuß habe aus Bagdad die Verständigung erhalten, daß die neue Irak-Regierung dem Rebellenführer Fauzi el Kaukadyi, der den bowaffneten Aufstand in Palästina geleitet hat, gestattet habe, seinen Verbannungsort Kirkuk zu verlassen. Arabische Zeitungen wissen zu melden, daß alle Furten durch den Jordan streiig bewacht und nachts mit Scheinwerfern beleuchtet werden. Es soll auf diese Weise der Waffenschmuggel aus Transjordanien nach Palästina verhindert werden. Die Polizei bat in der Gegend Nah|jyh