Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 673 (31.8.1937)
- Date
- 1937-08-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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^Stimme JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 673 Wien, Dienetag, 31. Augtut 1937 34* Elul 3697 io. Jahrgang Das Monopol der Agudah Ein Mitarbeiter der „Reich spost“ widmet in dem österreichischen katholischen Zentralorgan der Ma.rienbader Agudah- Tagung eine Betrachtung, die davon ansgeht, daß die Öffentlichkeit dieser Kennesio zu wenig Beachtung geschenkt hat. Die Weltpresse hat den Beschlüssen des Züricher Zionistenkongresses intensive Aufmerksamkeit gewidmet, was sich der Mitarbeiter daraus erklärt, daß „in der Weltpresse die Adepten Theodor Herzls und Max Nordaus stark vertreten ■ sind“. Das ist uns und jedem Kenner der Verhältnisse völlig neu. Das Interesse der Weltpresse ließe sich aber zwanglos auis der Tatsache erklären, daß die Zionistische Organisation wirklich eine Weltbewegung ist, und daß ihr Exponent, die Jewish Agency,, vom Völkerbund als die für die Arbeit in Palästina in Betracht kommende Körperschaft anerkannt ist. Die Zionistische Organisation hat in jahrelanger Vorarbeit die Voraussetzungen geschaffen, auf denen sich das Palästinawerk aufbaut, und sie, nur sie; hat das jüdische Problem auf die Tagesordnung der Weltpolitik gesetzt. Wenn heute die europäischen Staaten und Nationen sich mit der jüdischen Frage im jüdischen Sinn befassen müssen, so ist das eben ein Erfolg der Anstrengungen, die vonden Zionisten gemacht winden-. Die Agudali, das bestätigen wir, hat sich ferne gehalten lind sie ist niemals dort gestanden, wo es um die Lebensfragen der jüdischen Nation gegangen ist. Der „Mitarbeiter der ,Reichspost4 “ stellt dies so dar, daß die Agudah ihr Hauptinteresse auf diie religiösen Probleme gerichtet hat. Erst die blutigen Ereignisse im Mandatsgebiet und schließlich der Teilungsplan hätten einen Wandel in ihrer Orientierung herbeigeführt. Man kann das auch so ausdrücken, daß die Agudah jetzt, wo greifbare Ergebnisse der zionistischen Tätigkeit vorliegen, sich bemerkbar zu machen wünscht. Es gibt so eine Anekdote — von einem kleinen Schuster, der einmal in Prag gegen die Einsetzung eines Oberrabbiners stimmte, mit der Begründung, daß der Oberrabbiner ein berühmter Mann sei, während den Schuster niemand könnt. Jetzt wisse man auch von ihm. Die Agudah wünscht, daß man von ihr wisse, nachdem sie 40 Jahre lang den Zionisten das Monopol überlassen hat, das Judentum zu organisieren und seine Sinne auf Palästina hinzulenken. Die thoratreu gerichtete Judenschaft hat im Misracbi ihren Vertreter innerhalb der Zionistischen Organisation, was die Agudah und der Mitarbeiter der „Reichspost“ verschweigen. Die Agudah, für die Palästina immer nur eine Büchsensammlungsangelegenheit war, ist der politischen Seite erst in dem Augenblick nähergekommen, als man Zertifikate erhalten konnte. Sie hat auch, wie in Marienbad offiziell mitgeteilt wurde, in Palästina 5000 Mitglieder. Der Mitarbeiter der „Reichspost“ multipliziert in der Eile und berichtet, daß die Zahl der Agudah-Anhänger in Palästina bereits mehrere Zehntausende beträgt. Wobei er aber natürlich nicht sagt, daß die Agudiiston in Palästina mit der zionistischen Exekutive, also mit den marxistischen und heidnischen Juden — als welche er die Zionisten hinstellt — sehr gut und freundschaftlich zusammenarbeitet. Dagegen fühlt er die Verpflichtung, dein christlichen Publikum zu erkläron, aus welch tieferen Gründen die Agudah Die kommenden Palästina*Verftandlungem Einsetzung einer Grenzkommission B lant London, 30. August. (JTA.) Der Bericht der Mandatskommission des Völkerbundes über das Palästinaproblem wird von der englischen Öffentlichkeit befriedigt aufgenommen. Die „Time s“ veröffentlichen einen längeren Leitartikel, in dem festgestellt wird, daß die Vorschläge der Mandatskommission einen weiteren Schritt zur Lösung der schwebenden Fragen bedeuten. „Sollte der Völkerbundrat keine Einwendungen erheben, so würde der nächste Schritt die Einsetzung einer Grenzkommission sein, die die Einzelheiten der Teilung auszuarbeiten haben würde. Diese Einzelheiten und die Arbeit der Grenzikommission müssen von der Britischen Regierung zum Gegenstand von Verhandlungen mit Juden und Arabern gemacht werden. Das ist eine langwierige und schwierige Sache, welche Entscheidungen auch immer in Genf fallen mögen. Diese ganze Arbeit wird vergeblich sein, wenn das Ziel einer Aussöhnung aus den Augen verloren wird. Die eindrucksvolle, zum Schluß erfolgte Mahnung der Mandatskommission sollte von beiden Parteien als der wohlerwogene Rat von- Richtern gehört werden, die unparteiisch, unpolitisch und frei von Leidenschaft sind.“ Jüdisch-arabische Konferenz in Paris? London, 29. August. (JTA.) Die „Times“allein der Zionistenkongreß melden aus Paris, daß das dortige „Komitee lubddie Jewish Agency treffen kann, zur Verteidigung der Rechte nder Juden in Die unbedingte Voraussetzung aller, auch Ost- und Mitteleuropa“ Schritte zur Ein- J der privaten Besprechungen müßte aber berufung einer jüdisch - arabischen Round-; sein, daß in Palästina jeder Terror Table-Konferenz zum Zwecke der Lösung eingestellt wird, ehe man sich zu einer des Palästinaproblems unternommen hat. Die; Beratung einfindet. Solange dies nicht gejüdischen Vertreter sollen dabei nicht als! schieht. und insbesondere d e r Mufti seine offizielle Repräsentanten der Verhetzung nicht abstellt, ist jede Konferenz J e w i s h A g e n c y zur Konferenz kommen, | zwecklos. Man muß es aber vollends abda die Jewish Agency von den Arabern juj lehnen, daß jüdische Vertreter von vorneridisch niemals anerkannt worden ist, son-! herein die demütigende Bedingung dem nur als Privatpersonen. annehmen, nur als Privatpersonen. zu er- Aus den Kreise» des Komitees yCTläufe^ j scheinen» weil die Araber, die Jewish Agency daß der Plan einer Teilung PäläsfihasTn fflgr j nicht anerkennen wollen. Entweder volles von der Königlichen Kommission Vorgeu n d g 1 e i c h 6 s R e c h t öder — nur Verschlagenen Form für die Araber unannehmbar ist; er würde ihnen jedoch annehmbarer erscheinen, wenn die Juden sich bereit erklärten, daß der künftige jüdisc.he Staat mit dem künftigen arabischen Staatenbirnd zu einer Föderation vereinigt werde. Der Korrespondent will schließlich erfahren haben, daß die Rede Dr. Welzin a n n s auf der Plenarsitzung des Councils der Jewish Agency am 18. August in Zürich, in welcher er sich positiv zum Gedanken einer Föderation der arabischen Staaten "geäußert habe, in arabischen politischen Kreisen einen günstigen Eindruck hervorgerufen habe. w Wenn die Konferenz dazu dienen soll, die Bestrebungen der zionistischen Exekutive zu unterstützen und eine günstige Stimmung bei den Arabern vorzubereiten, kann man sich mit ihr einverstanden erklären. Selbstverständlich kann aber diese Aussprache zu einerlei verpflichtenden- Abmachungen führen, die einzig und handluügen der Exekutive, die letzten Endes die Verantwortung zu tragen hat. Botschaft Godarts an den Jischuw Tel-Aviv, 26. August. (JTA.) Zu Ehren der beiden französisch-jüdischen Flieger, Brüder Nicola und Reymond Schuhmacher, die in einem blau-weißen und mit einem Magen David gezeichneten Aeroplan aus Paris in Palästina eingetroffen sind, veranstaltete der palästinensische Aeroklub Müllnertempel IX., Orünetorg. 21 Tempel sitze für die hohen Feiertage in der Tempelkanzlei (Eingang IX., Müllnerg. 21) wochentags von 6 bis 8 Uhr abds. erhältlich. Tel. A 13-8-91, tagsüber A13-6-91 jetzt, während des politischen Kampfes der Zionisten um den Judenstaat, Ihre Opposition in politische Formen faßt. Es ist der „vorherrschend sozialistischmarxistische Einfluß“, der die Agudah zwingt, ihr Desinteressement aufzugeben. Wir haben schon darauf hingewiesen, daß ein Agudah-Vertreter aus Palästina schwere Klagen über das soziale Empfinden der Agudah erhob, die ihre Arbeiter in Palästina verhungern lasse. Der Mitarbeiter der „Reichspost“ hält dies für nicht wichtig, und verweilt lieber dabei, daß durch die zionistische Verirrung die organische Einheit des Judentums zerrissen worden ist. Wenn man sich erinnert, in welchem Zustand sich das Judentum befunden hat, als vor 40 Jahren der Zionismus eingriff, dann muß man über diese Entdeckung staunen. Das Judentum war am Ausgang1 des 19. Jahrhunderts in voller Auflösung. Fast das gesamte Westjudentum stand in der vollsten Assimilation, das Ostjudentum kämpfte verzweifelt gegen den sozialen Radikalismus. Wäre nicht der Zionismus entstanden, so gäbe es heute wahrscheinlich kein Judentum mehr. Der Zionismus hat die jüdischen Massen und die Welt gelehrt, daß das jüdische Problem eine politische Frage ist, die nur mit politischem Mitteln angegangen werden kann.' Wäre seine Grundansicht falsch gewesen, so hätte er nie das Vertrauen der jüdischen Gasse gewonnen. Aber in dieser Zeit war von einer Agudah weit und breit nichts zu sehen oder zu hören ... Sie kommt heute mit dom marxistischen Einfluß, der sich zur Vernaderung sehr gut brauchen läßt. Wenn es dazu kommen sollte, daß ein jüdischer Staat eingerichtet wird, so wird sein Charakter von den Millionen Juden bestimmt werden, diie ins Land kommen. Sie werden sicherlich demokratisch sein und sich den Prinzipien der Demokratie unterordnen, nicht aber der Autorität eines „Rabbinischen Rates“, der aus Personen besteht, deren Namen das jüdische Volk überhaupt nicht kennt und die ihre Autorität daraus ableiten, daß sie zur Kur in Marienbad waren. Der Zionismus geht seinen schweren Weg1. Er trägt eine Verantwortung, die weit in die Zukunft reicht. Aber ihn trägt das A^ertrauen der jüdischen Naeinen Empfang. Die Gäste wurden vom Generalsekretär des Magistrats Nediwi, vom Direktor des palästinensischen Flugwesens Ydelman und dem englischen Pilot, Andrews begrüßt. Die Flieger überbrachten ein Schreiben des Senators und früheren Ministers Justin Godart an den Bürgermeister von Tel- Aviv, Israel Rokach, in welchem es heißt: „Wir wünschen, daß der jüdische Staat au f der Grundlage weiter Grenzen mit nicht beschränkter Einwanderung und einer a r a b i s c Ii - jüdischen Verständigung errichtet w erde.“ Für VATER und SOHN SfllHStL r, Taborstraße 39 IXIV., Sechshauserstraße?9 XVII., Kalvarienberggasse 34 Staatsrat Dr. Friedmann in der Jewish Agency Zürich, 26. August.. Unter den vom Zionistenkongreß in den Council der Jewish Agency entsendeten Zionisten befindet sich auch Staatsrat Dr. Desider Friedmann, der auch an den Sitzungen dies Rates teilgenommen hat. Das Admtnistrativkomitee Zürich, 26. August. Vom Council der Jewish Agency sind in das Administrativkomitee folgende Persönlichkeiten gewählt worden: Zionistische Mitglieder: Mrs. Edvard Jacobs (Hadasisa); Dr. Krämer, Rumänien; Simon Marks, England; Rabb. A. H. S i 1 v e r, Amerika; E. D. S t o n e, Amerika; Nathan Gesang, Buenos Aires; Dr. Chaim Hilf st ein, Krakau; Dr. Siegfried Moses, Palästina; Raibb. I. Rubinstein, Wilna; Rabb. Dr. Federbusch, Helsingfors; Dr. Wolfsberg, Jerusalem; A. Ha ml in, A. Harz Feld, M. Jaari, S. Kap 1 anski, B. Locker, D. R em e z, S. Rubaschoff, Dr., G. Landauer, J. Sprinzak; die Wahl von Dr. M. N ür o c k, Riga, bleibt offen. Nicht zionistische Mitglieder: Dir. Cyrus Adler, Philadelphia; Max Ritter von Anhauch, Gzemowitz; Ralbib. Dr. Leo Baeck, Berlin, James Becker, Chiikago; S. van den Bergh, Wassenaar; I. Jefroyk'in, Paris; Viscountess Erleigh, London; Lazar Margulies, Bukarest; Alexander Kahn, New York; Neville La,ski, London; Hon. Irving Lehman, New York; Dr. Saiomon Löwenstein, New York; Dr. Josef Parnas, Lemberg; Dr. Josef Popper, Prag; Prof. Herbert Speyer, Brüssel; Han. Horace Stern, Philadelphia; Senator R. Szereszewski, Warschau; Felix M. Warburg, New York; Max Warburg, Hamburg; Henry Winieman, Detroit. Die Irak-Kammer aufgelöst Bagdad, 29. August. (Havas.) Die Irakische Kammer ist durch königliches Dekret aufgelöst worden. Der Zeitpunkt der Neuwahlen wurde noch nicht festgelegt. tion, die miterlebt hat, wie aus dem Baseler Programm die Balfour-Deklaration und schließlich der Vorschlag eines jüdischen Staatswesens geworden ist. Wir führen den Kampf gegen die Verkleinerung unserer Hoffnungen und wir werden ihn durchfechten. Das ist unser Monopol, auf das wir stolz sind und das wir fest in der Hand behalten. Die Agudah mag weiter sich bemühen, alle Antisemiten und alle Todfeinde der jüdischen Sache aufzurufen. Das ist ihr Monopol. Der Mitarbeiter tröstet sich, daß dem heidnisch gewordenen Teü der Juden ein starker Konkurrent erstanden ist. Was wird Jabotinsky dazu sagen, der ja auch einmal als Konkurrent ausgezogen ist? Immerhin ist der „Mitarbeiter der ,Reichspost4 44 außerordentlich gut unterrichtet, so gut, daß er sich auch Entstellungen leisten kann, die als Alibi zu werten wären. Wir möchten aber doch wetten, daß der Mitarbeiter sich in den Reüien der jüdischen Mitglieder der Agudah befindet und die Aufgabe hat, zu ihren christlichen Gesinnungsgenossen zu sprechen.