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Die Stimme · 1937-08-20 · Heft 670 (20.8.1937) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 670 (20.8.1937)
Date
1937-08-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 DIS STIMME Nr.''670. — Wien, Freitag, 20. August 1937* or hinterbrDhl 1 Pension Porti II, Hauptstraß« 41, Tel. i Pension Brühlegg, Hauptstraße ll4, Tel. . Erstklassige Hauser / Beste Küche / Mäßige Preise Einstellung zur Person oder zur Politik Weiztnanns handeln. Man kann Weiz manns Politik billigen oder ablehnen, Man verzerrt aber die Dinge, wenn man sie von der einen oder der anderen Seite aus persönlicher Sympathie zu Weizmann als der Weisheit , letzten Schluß verklären oder aus Haß entstellen will. Wer sich in der einen oder in der anderen Art und Weise emsteilt, kann nicht zu einer objektiven Einschätzung der Lage kommen und muß in die Irre gehen. Wir dürfen uns auch gar nicht den Luxus erlauben,, uns subjektiv zu den Dingen einzustellen. Weizmanns Verdienste um die Balfour-Deklaration und die Zionistische Organisation sind über jeden Zweifel erhaben. Dem verschlagt es aber nicht, daß die Neinsager erklären müssen: Bis hierher und nicht weiter! Es mag richtig sein, daß England die Teilung will. Niemand aber war und ist berechtigt, hier im jüdischen Lager die Initiative zu ergreifen und — wenn auch nur prinzipiell — der Tei lung Palästinas zuzustimmen. In der Öffentlichkeit wurde in Beziehung auf Palästina das bekannte Urteil Salomos zitiert. Das mag England tun. Das jüdische Volk darf nie der Teilung stimmen, auch dann nicht, wenn die ganze Welt es verlangt. Denn das jüdische Volk ist die echte Mutter. Sie kann und darf nicht die Zerstückelung ihres Kindes verlangen oder billigen. Warum dann trotz allem Weizmann? [Warum dann trotz allem eine Koalitionsexekutive? Die Antwort kann nur lauten: Wir haben keinen besseren Mann als Weizmann, wenn er auch nach unserer tiefsten Überzeugung hier einen schweren Fehler gemacht hat. Und weiter:. Wir sind der Staat unterwegs, bedroht von allen Seiten und dürfen uns nicht den Luxus leisten, die Organisation in zwei feindliche Lager zu spalten, Nicht einmal in einem Judenstaat diesseits und jenseits des Jordans, der so jüdisch wäre wie England englisch, dürften wir uns den Luxus gegenseitiger Zerfleischung leisten. Das wäre zwangsläufig das Ende des Judenstaats. Wir müssen zusammen arbeiten. Ist ein Fehler geschehen — und er ist geschehen —, dann müssen wir alle Anstrengungen machen, ihn in gemein sanier Arbeit auszumerzen, alle Kräfte des Volkes zu mobilisieren, die unveräußerlichen Rechte des jüdischen Volkes auf ein ungeteiltes Erez Israel vor aller Welt zu proklamieren und für sie mit unserem Herzblut zu kämpfen. Wir sind nach Zürich stärker denn je und wir wollen dieser Welt ein Beispiel geben. Sind wir ins Unglück geraten sind wir sogar durch unsere Lässigkeit Erez Israel gegenüber ins Unglück ge raten und . durch Handlungen und Unterlassung unserer Führung — wir wollen und werden diese Scharte auswetzon. Die Neinsager sind dazu berufen. Sie gehen den geraden Weg. Der XX. Kongreß hat das ganze jüdische Volk wachgerübtelt, nicht nur die Zionisten. Unsere große Zeit ist angebrochen. Wir fühlen in uns die Kraft, einer ganzen Welt ins Auge zu sehen und für ein ungeteiltes Erez Israel zu kämpfen und zu siegen. Vergäße ich dein, Jeruscholajim, verdorre meine Rechte! —- — Anläßlich der Hohen Feiertage findet wie alljährlioh im Prachteaal •zum „Auge Golfe»“, IX., Nußdorferstraße 75, ein feierlicher Gottesdienst statt. Kartenverkauf ab 22. August dortselbst täglich von 3 bis 6 Uhr nachm., Sonn- und Feiertage von 9 bis 12 Uhr vorm. Erstklassige Kantoren. Karton von S 3.— aufwärts. Vorstand des Tempelvereines, Wien, IX., MUllnergasse. Vorstand des Vereines npa Wien, IX., Liechtenetelnstraße 113 Die Schlußsitzung des XX« Kongresses! Die neue Exekutive Zürich, 17. August, Gestern abends ist der XX. Zionistenkongreß nach feierlichen Ansprachen von Dr. Stephen S. Wi s e, David Ben Gurion, Dr. Weizmann und M. M. Ussischkin geschlossen worden. Vorher wurden die Wahlen ins Aktionskomitee lind in die Exekutive vorgenommen. Weizmann wieder Präsident Zum Präsidenten der Zionistischen Organisation wurde mit allen gegen die Stimmen der Judenstaatspartei Dr. Chaim W e i z m a n n wied'ergewählt. Der Kongreß brachte Präsident Weizmann eine stürmische Ovation dar. W i e d e r g e w ä h 11 wurde auch die bisherige Exekutive, die die folgende Zusammensetzung hat: David Ben G u r i o n, Prof. Selig B r o d e t s k y, Mosche S h e r t o k, Jizchak Grtinba u m, Rabbi J. L. Fish m a n, Elieser Kaplan, Dr. Fischei Rottenstreich, ferner der Leiter des Kolonisation.?- und Wirtschaftsdepartments der Jewish Agency Dr. Arthur Ruppin und der ■ Repräsentant der Exekutive in Genf Dr. Nahum G o 1 d m a n n. Als Beigeordnete (assistant members), der Exekutive mit' Stimmrecht in allen ihre Departments betreffenden Angelegenheiten wurden hinzugewählt: Der Führer des Welt-Heehaluz Elijahu D o b k i n (Arbeiterpartei), der Führer des Hapoel Hamisrachi in Palästina Mosche S c h a p i r o und der Londoner Reverend M. L. P e r 1 z w e i g (Weltvereinigung der Allgemeinen Zionisten). Wiedergewählt wurde auch das amerikanische Mitglied der Exekutive ohne Stimmrecht Louis Lipski. Mit der Wiederwahl der Exekutive und der Zuwahl der Beigeordneten war die fünftägige Leitungskrise überwunden. Bei all diesen Wahlen stimmten die Judenstaatler mit „nein“. Gewählt wurde ein Aktionskomitee von 70 statt bisher 54 Mitgliedern. Zum Präsidenten des Aktionskomitees wurde M. M. Ussischkin wiedergewählt, und zwar mit dem Recht, den Sitzungen der Exekutive beizuwohnen. Bei der Wiederwahl Ussischkins stimmten . die : MTüdM-3 staatler ausnahmsweise mit „ja“. Nach den Abstimmungen verließen sie demonstrativ den Saal. Das Aktionskomitee wurde vom Kongreß beauftragt, eine politische Kommission zur Beratung und Unterstützung der Exekutive in London einzusetzen. Es verlautet, daß dieser Kommission führende englische und amerikanische Zionisten angehören werden. in den VJandelgängen des Kongresses einräume.' Die Amerikaner wollen nicht nur als Geldgeber angesehen werden. Dr. Wise sagte der Exekutive loyale Unterstützung zii, verlangte jedoch, daß den T e i 1 u n g s g e g n e r n auf dem n ä c hs,te.n Kongreß die Möglichkeit zur offenen Darlegungihres Standpunktes g e b o te n werde. Die künftige Haltung der Neinsager werde von dem. Verhalten YVeizmanns und der Exekutive in der Teilungsfrage abhängen. Von Weizmann verlangte Dr. YVise, daß or von England die Erfüllung des Paiästinamandates verlange. Seit 1922, schloß Dr. Wise, habe ich davon geträumt, daß der Völkerbund und Großbritannien den Juden sagen werden: Jüdisches Volk, ganz Palästina gehört dir wieder. Statt dessen kam der Plan der Teilung. Ich habe jedoch den Glauben nicht, verloren. Ich werde für das Ideal des Zionismus weiterkämpfen. Der wiedergewählte Vorsitzende der Exekutive, David beit Gurion sprach hebräisch. Der.XX. Kongreß, sagte er, stand vor einer Schicksalsfrage; die Probleme, die er zu behandeln hatte, waren die wichtigsten seit Entstehen des politischen Zionismus, vielleicht sogar seit der Zerstörung des Zweiten Tempels. YVenn aber der Kongreß das Hauptproblem ungelöst ließ, so nicht darum, weil es ihm an Mut gefehlt hat, sondern weil das Problem noch nicht lösungsreif ist. Mausu. KikkengMätc Glas- und Porzellanwaren, Edelkeramik. Bleikristalle'. Komplette Ausstattungen In bester Qualität Samuel Zuckermann Wien, II., Im Werd 1, Telephon A 41-6-45 Die Schlußaiisprachen Nach Beendigung der Wahlen ergriff der Präsident der zionistischen Organisation Amerikas, Dr. Stephen S. Wi s e, das Wort zu der Erklärung, die amerikanische Delegation werde nach ihrer Rückkehr nach Amerika sich mit allem Nachdruck dafür einsetzen, daß die amerikanische Judenheit ihre Leistungen für Palästina bedeutend steigere. Anderseits verlangt er, daß man den Leistungen der amerikanischen Zionisten mehr Anerkennung alsbisher zolle und ihnen nicht mehr wie bisher lediglich einen Platz Verein Volksbibllothak „Zion“. Wien gratuliert seinem Ausschußmitglied, Herrn Dr. Markus Nunbaum zu seiner Vermählung mit Fräulein Gusta Seldmann und wünscht herzlichsten aitfl *718 Wir müssen mit der Lösung bis-zum nächsten Kongreß warten,’ bis - dahin jedoch müssen wir alle, Mehrheitler wie Minderhei.tler, wie ein Mann fürdie Sache^cü®- uns heilig ist, einstehen. Bis zur düng werden wir nicht auf ein ,Jota dessen verzichten, was im .Mandat enthalten ist und dessen Erfüllung England im Namen von 52 Staaten übernommen hat. Wir verteidigen nach wie vor unser politisches und historisches Recht auf unser Land. Der Administration Palästinas, deren große Schuld sogar die Königliche Kommission festgestellt, hat, werden wir sagen: Ihr tragt die Verantwortung für jedes Blutvergießen. Es wird euch in Zukunft keine Ausrede helfen. Wir , werden uns jedem weiteren Attentat mit allen unseren Kräften entgegenstellon und worden, falls es, Gott behüte, nötig sein sollte, die Hilfo der Wolt anrufen. Wir werden den Jischuw auf allen Gebieten stärken und neben d e m pp 1 i t i s c h e n auch den wirtschaftlichen Kampf’weite rführe n. Wir werden alles tun', um unsere Kraft zu vergrößern; der Augenblick der Entscheidung wird uns gewappnet finden. Präsident Dr. Chaim Weizmann sprach der Stadt Zürich und der Schweizer Regierung den Dank des Kongresses für die gewährte Gastfreundschaft aus. Er dankte auch Prof. Namier, Leonard Stein, Stephen Wise und Prof. Frankfurter für den ihm gewährten Beistand. Ussischkin wünschte er noch viele Jahre fruchtbarer Arbeit im Dienste der jüdischen Renaissance und Erez Israels» Wir Knaben-Institut Facchetti TREVIGLIO (bei Mailand) Internat besondere geeignet für Ausländer (10 bis 18 Jahre) Praktischer untl schneller Lehrgang der italienischen, deutschen, französischen und englischen Sprache. Alle Handelsfdoher. Handelsdiplom. Musik. Sport. Schwimmbad mit gewärmtem Wasser. — LIr® OOO*— monatl.— Illustrierte Prospekte ln den obengenannten Sprachen und Ai/elandreferen/en durch die Direktion müssen, fuhr Weizmann fort, die Frage der Sicherheit Palästinas stets im Auge behalten; die Sicherheitsfrage ist Voraussetzung jeder weiteren Betrachtung, Diese Frage aber beunruhigt urts noch immer. Wir haben jedoch Vertrauen zur Mandatarmacht, daß sie Ruhe und Frieden im Lande sichern wird. Aber nicht allein das Sicherheitsmoment beunruhigt uns, sondern auch das Problem der Wirtschaft in der Übergangszeit, Es könnte, bevor politische Stabilität eintritt, zu einer Arbeitskrise kommen. Es ist die Pflicht der zionistischen Bewegung, solche Gefahr nach Möglichkeit abzuwenden. Es ist dies eine gemeinsame Pflicht sowohl der Arbeitspioniere als auch derjenigen Pioniere, die die Mittel schaffen. An alle Zionisten ergeht jetzt der Ruf, ihre Kräfte für Erez Israel zu steigern. In dieser Schicksalsstunde fühlen wir uns alle einig, wir hoffen, einen gemeinsamen Weg über die Meinungsverschiedenheiten hinweg zu finden. In einem Jahre, in 18 Monaten, spätestens in zwei Jahren wird alles geklärt sein. Inzwischen müssen wir mit Ausdauer und Mut Dunam auf Dunam erwerben. Nichts bekommt man geschenkt. Wir müssen uns der Schicksalsstunde des Zionismus würdig erweisen. Mutig und voll Vertrauen schreiten wir an unsere weitere Arbeit. BLAU * WEISS - Zünder (Keren-Kajemeth- Zünder). erhältlich bei: Viktor Aalersb e r g, Trafikun-d Haushaltartikel, Wien, VH», Zollergasse. 5. Toi. B 33-402. Tränengasbomben aus dem „Ausland“. Das Hakenkreuz in Zürich Zürich, 16. August (JTA.). Am Freitag | Teilnehmern zu verhindern. Die Polizei Vorabends wurden in ein Kaffeehaus, in dem sich das Mitglied der Zionistischen Exekutive, Mosche S h o r t o k, und mohroro Journalisten befanden, zwei Träneng a sb o m b e n geworfon. Der Polizeipräsident von Zürich, Doktor x rüh, erklärte einem Vertreter der Jüdischen Telographan-Agontur, es handelt sich bei den Stink- und Tränengasbomben um ' m Ausland hergostolltc Fabri- :ate; er halte es darum für sehr wahrscheinlich, daß dio Bomben von auswärtigen Elementen geworfen worden seien. Die Polizei habe eine eingehende Untersuchung eingeleitet und alle Maßnahmen ergriffen, um eine weitere Belästigung von Kongreßbuoht, die an den Ausschreitungen Schuldigen ausfindig zu machen und sio einer strengen Bestrafung zuzuführen. 1 Gegoii einen Mann, der eine Stinkbombo in-das Kaffeehaus geworfon hatte, Würde ein Stockbrief erlassen. Brand im Kongreßgebäude Zürich, 18. August. (JTA.) Am Montag abends ist im Züricher Stadttheater, in dom dio Plenarsitzungen des XX. Zionistenkongrefise« «tattgefunden haben, ein Brand uusgebrochon. Das Archiv und das Kongreßrnaterial wurden goborgen. Die Brandursaohe ist bisher nicht aufgeklärt. H. M. Ussischkin, der Präsident des Kongresses und des A. C., wiederholte das Wort Sokolows nach jedem beendeten Kongreß: „Es war ein schwerer, aber ein großer Kongreß.“ Ich will, sagte Ussischkin, das Wort modifizieren: Es war ein tragischer, aber großer Kongreß. Das Tragische war, daß jedes der beiden Lager geglaubt hat, den besten Weg zu gehen. Nicht einig gehen wir von diesem Kongreß, aber auch nioht gespalten. Der nächste Kongreß wird die Entscheidung bringen. Bis dahin haben wir die Pflicht, das jüdische Volk aufzuldären, worum der Kampf geht. Wenn in ouch, rief Ussischkin, der Funke aus der heroischen Epoche des Zionismus noch lebt, so singet das Lied vom Schaffen und Bauen, nicht das Lied von Angst und Mutlosigkeit. Palästina stobt, heute im Zentrum aller jüdischen Arbeit, die Hauptrodner auf dom Kongreß waren Delegierte aus Palästina. Darum trug unsere Kongreßarbeit den Stempel des Schaffens. Jerusalem ist unser Schicksal, der Mittelpunkt unserer Hoffnungen. Ungeachtet albt Meinungsverschiedenheiten wollen wir allo eins: den jüdischen Staat. Zu Dr. Weizmann gewendet sagte Ussischkin: Der Kampf ist nicht zu Endo, wir vertrauen Ihnen die Arbeit bis zum nächsten Kongreß an. Wir wissen, daß Sie auf der Basis des Palästinamandates beharren worden, so lange ein für uns annolimb a r or konkret or Plan, über den der kommende Kongreß zu beschließen haben wird, nicht vorliogt. Wir hoffen, daß Sie der Welt die Augen Uber dio Tragödie unseres Volkes öffnon worden. Wir glauben, daß dio Exekutive zum nächsten Kongroß mit einem großen Angebot kommen wird. Der XX. ZionistoiiKoiigroß ist zu Endo. Delegierto und Gästo erhoben sich und singen dio Tikwah. * Am Montag abends fand dio erste Sitzung des n o u g o w ä h 11 e n A k t i o n s- PENSION ECKSTEIN* neu a-ennvlort komiteos unter dom Vorsitz von Ussischkin statt. Es wurde beschlossen, ein engeros Aktionskomitee aus 30 Mitgliedern zu wählen. Die Wahl wurdo auch gleich vollzogen; ebenso dio Wahl der politischen Kommission für London.

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