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Die Stimme · 1937-08-20 · Heft 670 (20.8.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 670 (20.8.1937)
Date
1937-08-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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&ie&H V. h. b. 20 s JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 670 Wien, Freitag, ao. August 1737 13. Eiul S667 10. Jahrgang Der Judenstaat als Machtfaktor Im Vorderen Orient Er ez Israel und arabischer Bund Zürich, 18. August. (Eigenbericht.) In der Eröffnungssitzung der Jewish Agency (über die wir an anderer Stelle berichten) hielt Präsident Dr. Weizmann eine Rede, in der er ausführlich das Verhältnis zu den Arabern behandelte. Er gab hiebei die folgende sensationelle Erklärung ab: Der jüdische Staat, den die Königliche Kommission . vorschlägt, wird vielleicht seinen Eintritt ijn die. Föderation der arabischen,Staaten proklamieren, doch bleibt die erste Voraussetzung eines solchen Schrittes der Frieden in Pal ästina. Das arabische Volk arbeitet an dem Aufblühen des Nähen Orients und stützt sich dabei auf seine Eigenstaatlichkeit. Dank unserer Arbeit werden wir in der Lage sein, im Vorderen Orient und in der Gestaltung seines Schicksals, eine wichtige Rolle zu spielen. Alles ist aber davon atb h ä n g i g, o b w i r im jüdischen Land einen gesicherten Frieden haben werden. Nur unter dieser Voraussetzung werden wir uns jun der E1 n i g u n g d e r V ö 1 k e r d e s Vorderen ,Orients beteiligen. Eine Verständigung mit den Arabern ist nur dann möglich, wenn sie den Standpunkt aufgeben, daß Palästina für uns ein Immigrationsland ist wie etwa Amerika. Wir beharren auf unserem Recht in Palästina und wir werden darauf in keinem Fall verzichten. Wir wollen in Palästina ein Eigenleben führen und werden darauf unter keinen Umständen verzichten. Wir haben den Arabern etwas zu bieten und erwarten; auf dieser Basis eine Verständigung mit dem arabischen Volke. Unser A n g ebot ist wertvoll genug, um eine Basis für ei ne V e r s t ä n d igung zu bilden. '/ Weizmann und Ormsby Gore Der Hafen von Tel-Aviv Jerusalem, 17. August. (JTA.) Anläßlich der Einweihung eines neuen städtischen Schulgebäudes in Tel-Aviv, das mit einem Kostenaufwand von 20.000 Pfund errichtet worden war, erklärte High Commis* sioner Sir Arthur Wauchope, die Regierung habe die Erlaubnis erteilt, daß im Hafen von Tel-Aviv Waren in unbeschränkter Menge aus geladen werden dürfen; die Regierung werde so bald als möglich die im Hafendienet tätigen B eamten bestätigen. Wauchope gab ferner der Hoffnung Ausdruck, daß seine Beratungen mit dem Bürgermeister von Tel-Aviv, Israel Rokach, zu einer befriedigenden Lösung aller mit der Frage des Hafens zusammenhängenden Probleme, darunter auch der Frage der Landung von Passagieren, führen werde. Arabische Überfälle Jerusalem, 17. August. (JTA.) In der Nacht zum 15. August kam es in der Nähe von Jerusalem zu einem Feuergefecht zwischen einer bewaffneten Araberbando und einer Polizeipatrouille. Ein Araber wurde verwundet. Bewaffnete Araber überfielen nachts das arabische Dorf Kubeiiba. Die Polizei vertrieb die Angreifer. Ein als britischer Captain verkleideter Araber wurde verhaftet. Eine Bande bewaffneter Araber unternahm auf die Siedlung Arza einpn schweren Feuerüberfall. Polizei und jüdische Hilfspolizisten erwiderten das Feuer und vertrieben die Angreifer.; Die Polizei hat mehrere Araberführer, unter ihnen führende Mitglieder des Streikkomitees, verhaftet. Unter den Verhafteten, die nach Akko eingeliefert wurden, befinden; eich der Sekretär des: Streikkomitees und der Leiter der arabischen „Boy - Spouts“, Rhaled Bey Duz dar. Front der Nationalisten, Faschisten und Weißgardisten in Amerika Washington, 16. August. (JTA.) Das Mitglied des amerikanischen Kongresses Samuel D i c k s t e i n teilte in einer öffentlichen Erklärung mit, daß deutsche Nationalsozialisten, italienishe Faschisten und russische Weißgardisten in Amerika sich zu einer vereinigten Front zusammengeschlossen haben, die von Colonel Archer, einem ehemaligen Organisator des K u- K 1 u x - K 1 a n, organisiert wird. Dabei werde er von dem deutschen Konsul in Los Angeles, Georg Giessling, und von dem deutschen Konsul in San Franzisko, Manfred v. K i 11 i n g e r, unterstützt. Dickst ein ruft zum Kampf gegen „die anarchistische Gefahr“ auf und kündigt an, er werde die A bb e r u f u n g der beiden Konsuln verlangen, falls sie ihre Propagandatätigkeit feirtsetzen sollten. Deutschland-Flüchtlinge In Costa Rica New York, 16. August. (JTA.) Die Refugee Economic Corporation gibt bekannt, daß sie in Costa Iiica 50.000 Acres Land zur Errichtung einer landwirtschaftllchan Siedlung für Flüchtlinge aus Deutschland erworben hat. Die „New York Times“ berichten aus San Jose, daß die Kolonie mit mehreren h u ndert Fa m i 1 i o n beginnen werde. Das Gebiet ist zu 30% Weideland, der Rest Wald. Die Kolonie wird durchaus modern eingariehtot sein, Musterhäuser und Musterdörfer erhalten, vielleicht auch einen Flugplatz. Die Durchführung des Planes macht große Ausgaben für Straßenbau, Anschaffung des Maschineninventars usw. notwendig. Der nationalistische Leiter der deutsche n G"o mein den in Costa R i c a teilte mit, er habe von dem deutschen Reiehspropagandaminister G ö b b a 1 s Weisungen erhalten, den Boykott der Juden zu pro p a gieren und es nicht zu unterlassen, dio Behörden von . Cosa Rica unausgesetzt darüber aufzuklären, welche Gefahr für dio Zivilisation die Juden darstolien. London, 17. August. „Jewish Chroniele“ veröffentlicht Jieute den Wortlaut eines G e-: däc hi tni^spr otb.k o Ti s, dasangeblich auf Grund einer Unterredung;des Präsidanten. Dr. Weizmann mit dem Köldniönminister Ormsby; Go.r,eniedergelegt worden sei. 7in /diesem Gespräch soH. der Minister in sehr konkreter Weise gewisse ■Konzessionen; an. die Juden für den Fall der Teilung Palästinas ängadetitet haben. So habe1 der Minister zur Frage des provisorischen britischen Manila t s innerhalb des jüdischen Staates, 'über Haifa, Akko, Safed und Tiberias,. erklärt, daß diese Angelegenheit spbald wie möglich liquidiert werden solle. Er habe auch die Forderung, daß der, jüdische Stadtbezirk Neu -Jerusalem dem jüdischen Staat e i n g e g 1 i e d e r t werde, a l s begründet bezeichnet und genieint, daß die Regelung dieser Frage kaum auf Schwierigkeiten stoßen würde. Er habe ferner dem Verlangen zugestimmt, daß die an den* arabischen Staat zu leistenden Zahl u ng e n in direkten Verhandlungen'zwischen den Beteiligten und. nicht durch Machtsprüche der Regierung festgelegt werden. Die Feststellung des Kommissionsberichtes, habe der Minister betont,, daß e i n D r i 11 e 1 P a 1 ä s t i n.a s den Juden überlassen werden solle, zeige. deutlich, daß die Möglichkeit für Konzessionen bestehe. (Tat- Paris, 17. August. Das französische Außenministerium veröffentlicht einen Bericht in bezug auf daß tu London-überreichte französische M e'm orandom zur Palästinafrage. Es wird ' heg:vorgedioben, daß dieses Memorandum keineswege eine Protestaktion darsteilt. Eine solche Demarche wäre auch gar nicht gerechtfertigt. Der Teilungsplan für Palästina sei derzeit bloß eine Sachverständigonanregung und die englische Regierung habe der französischen und den anderen interessierten Regierungen sofort genaue Informationen unterbreitet. Frankreich habe sich also nicht zu beklagen/ sondern im Gegenteil sich über die Möglichkeit der Eröffnung einer Konsultation zwischen London und Paris zu freuen. Was den Inhalt des französischen Memorandums anlangt, so wird mitgeteilt, daß die'Pariser Regierung ein besonderes Inter- , esse als Mandatsmacht in S y.r i e n wegen ^äehlic^L ist npr ein /Fünftel als jüdischer t&taat -Ängefepten.worden;). .. Die Fr^ge der K ali wer k eupd.jdes RuttenbergrElek trizitätswerkes/würde -geregelt werden.' Der endgültige Abschluß der Verträge; könnte e t s t, i n; e-t wa: z w e i- J a h r e n ■ erfolgen, worauf - sofort die, .provisorischen Regierungen; eingesetzt -werden sollten.. ' . ' 7 Der Hafen von Haifa Weiters teilt das Blatt mit, Ormsby Gore habe erklärt, daß sich die englische Regierung unter Druck entschlossen. habe, d e n Hafen v 0 n H a i f a von dem Gebiete abzutrennen. Weizmann habe gegen diesen Plan Einwendungen erhoben und erklärt, wenn mit Hilfe der britischen Regieriing der Hafen Haifa vom . jüdischen Staatsgebiet abgetrennt würde, so würde dieser Vorschlag der ernstest e n j ü d i s c h e n; 0 p p 0 s i t i 0 n begegnen. Erklärung Weizmanns .Zürich, 17. August.;; (Priv.) Auf eine/Anfrage erklärte Dr. Wßizmann, daß er zwar ein Gedächtnisprotokoll niedergeschrieben habe,- daß er aber bisher hoch nicht Gelegenheit . hatte, den Bericht zu sehen, um sagen zu können, ob er identisch sei. Jedenfalls habe der Publizist kein Recht gehabt, den Bericht zu veröffentlichen.. ihrer Stellung in der Levante und in der mohammedanischen und arabischen > Welt und in Nordafrika haben müsse. Sie unterstreicht' aber auch' die besonderen ' Interessen Frankreichs an den hei 1 i ge n S tä tt en Pa 1 äs ti n as, wo eine Anzahl französischer Miissiohsgesellschaften ansässig ist. Die französische Regierung legt, deshalb Wert darauf,1 bevor sie sich in Genf in der Mandatskommission aussprechen wird, mit der englischen Regierung noch g e w i s s e F ragen, die mit dem Palästinaprobiem, Zusammenhängen, z ü k l .ä r e n. I Neues Wiener Konservatorium Musikvereinsgebäudej J., Bösendorferstr. 12, Tel. Ü 46-4*87. Unterricht vom ersten Anfang bis zur letzten Ausbildung. (Staatsprüfung), erstklassige Lehrkräfte. Eigene Kinderabteilung für 6- bis 13jfthrige Schüler. Anmeldungen ab 1. September im Musikvereinsgobäude. Daselbst Auskünfte und Prospekte jederzeit. Frankreich und das Mandat Von Zürich nach Jeruscholajim Von Dr. Oskar Grünbaum Der denkwürdigste aller Kongresse seit dem ersten und vielleicht dem sechsten, dem Ugandakongreß, ist zu Ende. Mit dem sechsten Kongreß hat der zwanzigste die Erregung der Geister gemein, die durch ihn hervorgerufen wurde und man muß es vorweg wünschen, hoffen: Es möge wie nach den Wirren des Ugandakongresses — aber rascher, weil wir in einer raschlebigeren Zeit leben — eine Zeit des Aufschwungs und der Erfüllung kommen. Und ae wie damals Herzl, muß man heute den Schwur leisten: „Vergäße ich dein, Jeruscholajim, so verdorre meine Rechte!“ Oft und oft und in vielen Varianten wurde dieser Schwur auf dem XX. Kongreß geleistet: Von Neinsagern und von Jasagern. Sogar David Ben Gurion, der erklärte, er wäre auch vor den Unruhen, des Jahres 1936 „bereit gewesen, mit dem größten Enthusiasmus“ die Teilung Palästinas zu akzeptieren, sagte in einer Erklärung an die Presse, er verzichte auch nicht auf den kleinsten Teil Palästinas. Was ist, tatsächlich geschehen? Wem soll man glauben? Herrn David Ben Gurion, der mit dem größten Enthusiasmus ein geteiltes , Palästina anzunehmen bereit ist, oder demselben Herrn David Ben Gurion, der nicht bereit ist, auch nur auf das kleinste Zipfelchen Erez Israels zu verzichten? Das ist die Frage und die jüdische Öffentlichkeit weiß nicht, was sie glauben soll. Sie kann sich auch nicht an den Worten eines anderen Mitgliedes der Exekutive, des Herrn Doktor Nahum Goldman, eindeutig orientieren, der mit seiner ganzen Beredsamkeit für die Jasager-Resolution eintrat, dann bestritt, daß die von der Exekutive vorgelegte Resolution zur Teilung Palästina« „Ja“ sage, um schließlich in der letzten Sitzung zu erklären, die von der Mehrheit angenommene Resolution erledige nicht die . Frage der Teilung oder Nichtteilupg Palästinas, sondern bedeute die Erteilung einer Vollmacht an die Exekutive über einen Judenstaat i n Palästina— das heißt also in einem Teil Palästinas — zu verhandeln. ... "Und was soll man. von den schwankenden Gestalten halten, die mit „Ja“ Stimmten und dann laut ,und bis zum Überdruß . erklärten, ihr „Ja“ sei gar kein „Ja“, sondern ein „Nein?“ Des Rätsels Lösung ist nicht allzu schwer. Zwei Komponenten wirken hier. Die eine Komponente ist Präsident Weizmann, der die Teilung* als unumgänglich notwendig in öffentlicher Rede hinstellte, wenn er auch den Teilungsvorsohlag . der Königlichen Kommission ablehnte. Die andere Komponente ist. jener Teil der Delegierten und der. zionistischen Öffentlichkeit, der durch eine geschickte Regie bis zum letzten Moment über den wahren Stand der Dinge getäuscht wurde und dann zwischen dem, was er dem vereinten Führer Weizmann glauben will, und dem, was. Herz und Gehirn verlangen, wie schwankendes Rohr im Winde hin- und hergerissen wurde. Was wird nun die. Resultierende aus diesen beiden Komponenten sein? Wer die Kongreßprotokolle liest, kann schon heute antworten: Alle Regiekunst hat versagt. Die Waage neigt sich zugunsten der Neinsager. Und noch eines: Die Fäden der Übereinstimmung, di© sich heute zwischen Mensch en verschiedener Parteien spinnen, die Kristallisierung einer einheitlichen Meinung betreffend die zukünftige Gestalt Erez Israels über die Parteigrenzen hinaus, lassen ein Verhalten erkennen, daß politisch klug und trotz aller hitzigen Debatten so abgeklärt ist, daß man mit größerem Vertrauen in die Zukunft blicken kann. Hier werkt und wirkt eine gestaltende Kraft am Websbuhl der jüdischen Geschichte. Weizmann hat von einem „entgifteten Kongreß“ gesprochen und man muß dem trotz der harten Worte beipflichten, die Weizmann über die Neinsager ab und zu sprach. Eines muß aber klargestellt werden: Es handelt sich und darf sich nicht um die Frage der persönlichen

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