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Die Stimme · 1937-08-17 · Heft 669 (17.8.1937) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 669 (17.8.1937)
Date
1937-08-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seit» 4 Oll ITIMMI Nr. 669 — Wien, Dienstag- 17. August 19Q7< defensive Politik get.rie.ben haben, haben wir eine Reihe von Erfolgen auf wirtschaftlichem Gebiete erzielen können. Trotzdem besteht gegenwärtig eine doppelte Unsicherheit in Palästina: Erstens — die ernste Gefahr neuer Unruhen, von denen niemand weiß, welchen Umfang sie annehmen würden, und zweitens das M i 11 e 1 m e erprob 1 e m. das sich auch auf Palästina auswirkt. Schließlich sei auch die internationale Lage zu berücksichtigen. Kaplan ging dann auf die kolonisatorischen Entwicklungen ein. Er berichtete über den Aufbau von fünfzehn neuen Siedlungen im Lande. Es genüge aber nicht, sie aufzubauen, sie müssen auch konsolidiert werden. Kaplan erörterte auch den Ausbau da? Hafens von Tel-Aviv, der aus dem Versuch der Araber entstanden sei. den Jischuw von der Welt abzuschneiden. Der Ausbau des Hafens habe 150.000 Pfund gekostet. Weiter hätten von jüdischer Seite die Kosten für dieVerteidig u n g, die eigentlich die Regierung zu bestreiten gehabt hätte, aufgebracht werden müssen. Es gelte jetzt, eine entsprechende Wirtschaftspolitik zu treiben, und insbesondere neue Absatzmöglichkeiten zu suchen. Zum Schluß appellierte Elieser Kaplan an den Kongreß, mitzuhelfen, die neuen Schwierigkeiten bei der Aufstellung des normalen Budgets zu überwinden. Der Kongreß müsse für die Aufbringung neuer Mittel sorgen. Es folgten Referate von Jizchak W i 1k a n s k y und von dem Arbeiterparteiler H a r z f e 1 d über Kolonisationsfragen. Die Kougreßkommissionen Zürich, 15. August (JTA.) Biß zum Zusammentritt des Kongreßplenums am Samstag, den 14. Augiust. abends, haben in Zürich die verschiedenen Kommißßionen getagt. Die Kolonisationskommission beriet über den vom Kolonisationsdepartement der Zionistischen Exekutive eingebrachten Budgetvoranschlag, dessen Minimum mit 100.000 bis 110.000 und dessen Maximum mit 335.000 Pfund festgelegt wurden. Das Budget sieht insbesondere die Konsolidierung der während der Unruhen errichteten Siedlungen und die Unterstützung der Mittelstandskolonisation vor. Im Falle, daß das Budgetmaximum erreicht wird, soll eine Reihe neuer Siedlungen in verschiedenen Teilen des Landes geschaffen werden. Weiter wurde die Schaffung von Absatzmärkten für die Produkte der jüdischen Landwirtschaft erörtert. Agronom Stern vom Kolonißationsdepartement der Jew-ish Agency entwickelte den Plan der Ansiedlung von 2300 Familien, der bereits auf dem XIX. Kongreß gefaßt worden war. In einem Referat über Bodenkauf und Arbeitsteilung zwischen Keren Kajemeth und Keren Hajessod schlug Ußßischkin vor. daß die Aufgabe des ersteren in Zukunft in der Erwerbung größerer Bodenflächen bestehen soll, während der Ankauf kleinerer Bodenflächen in der Nähe bereits bestehender Kcren-Haje.ssod-Siedlungen Aufgabe des Keren Hajesvsod sein soll. In der Organisationskommission schlug das Exekutivmitglied Jizchak Grünbaum vor, daß in allen Ländern unter der Leitung von ernannten Beamten Schekel- Ämter geschaffen werden' sollen. Doktor Thon (Warschau) schlug vor, daß jeder Jude das Wahlrecht zum Zionißtenkongrcß genießen solle, gleichviel, ob er Besitzer eines Schekels ißt oder nicht. — Die Subkommißsion der Organisationßkoinmisßion beschloß, eine Reduktion der Schekelgebühr in den Ländern Mittel- und Osteuropas zu beantragen. In der Kommission für die nationalen Fonds wurde der Vorschlag gemacht, daß der Kongreß an daß jüdische Volk e in M a n ifeßt erlaßse, im Hinblick auf die schwere politische Lage, auf die durch die schweren wirtschaftlichen Probleme hervorgerufone Belastung deß nationalen Kapitals und uf das Gebot der Eroberung des Bodens die nationalen Fonds weitestgehend zu unterstützen. Keren-Hajessod-Einkommen von 300.000 Pfund erwartet Zürich, 13. August. (JTA.) Die vom Zioiiistenkongreß eingesetzte Finanzkomnn i s s i 6 n beriet am 12. d. M. über das Budget der Zionistischen Exekutive für das kommende Jahr. Der .Schatzmeister der Exekutive. Elieser K a p 1 a n, teilte mit, die Exekutive rechne irr» kommenden Jahre mit einem Einkommen des Keren Hajessod in Höhe von 300.000 Pfund, wovon ein Drittel aus den Vereinigten Staaten von Amerika kommen soll. Einige Mitglieder der amerikanischen Kongreßdelegation machten Kaplan darauf aufmerksam, daß im Hinblick auf einen möglichen Bruch zwischen den Zionisten und den amerikanischen Nichtzionisten auf der in der kommenden Woche in Zürich beginnenden Tagung des Council der Jewish Agency die zionistischen Sammlungen in Amerika zweifellos eine Einbuße erfahren werden und die erwartete Summe nicht Zustandekommen wird. 150.000 Dollar für den Nationalfonds Zürich, 12. August. (JTA.) Auf eineT Konferenz der Nationalfonds-Kommissäre der verschiedenen Länder überreichte der Kommissär für Amerika, Dr. I. Goldstein, dem Präsidenten dee Jüdischen Nationalfondß, M. M. U s s i s c h k i n, drei Schecks in der Geeamthöhe von 150.000 Dollar. Das Geheimnis um den Teilungsplan Die Berichte aus Genf lassen erkennen, daß die Mandatskommission des Völkerbundes die Teilungsanträge mit wenig Sympathie betrachtet. Sie hat die Tatbestandsaufnahme abgeschlossen und arbeitet bereits ihre „Empfehlungen“ und das Gutachten für den Völkerbund aus. Es heißt, daß diie Kommission eine sehr gründliche Untersuchung über die Unruhen des Vorjahres und über die bei dieser Gelegenheit zutagegetretenen Mängel und Unterlassungen der Mandatsverwaltung vorgenommen hat, und die scharfe Kritik, die sich in der Fragestellung demonstrierte, wird auch dem Schlußbericht den Stempel aufdrücken. Aus dieser Sachlage erklärt es sich, daß Minister Orrnsby Gore sich zu dem Beschluß des Züricher Kongresses nicht äußerte; er will die Verhandlungen vor dem Völkerbund abwarten, und es ist möglich, daß die Teilung Palästinas dort überhaupt geworfen wird. Das englische Parlament hat ihr nicht zugestimmt, der Zionistenkongreß lehnt sie ab — leider nicht eindeutig genug —, die Araber sind gegen den Vorschlag. Amerika hat durch inen diplomatisebn Schritt an den Vertrag1 von 1924 erinnert, wonach zu jeder Änderung im Status Palästinas die Zustimmung Washingtons cingeholt werden muß, die französische Regierung hat mit deutlichem Hinweis auf die Stimmung der Araber in Nordafrika ihr Interesse an der Frage betont. Die britische Regierung beharrt freilich auf ihrer Absicht, sich aus dem von ihr vor 16 Jahren übernommenen Mandat zu lösen. Sie will dies — wie Weizmann in einer seiner Kongreßreden mitgeteilt hat — im Oktober erklären. Ihre Motive für diesen Entschluß sind nach keiner Richtung hin aufgeklärt. Weizmann hat betont, daß es sich um Gründe handle, die weder mit Juden, noch mit Arabern etwas zu tun haben. Es liegt demnach ein dunkles politisches Geheimnis vor, das vielleicht in der Herbstsession des Völkerbundes auf gehellt werden wird. Für alle Fälle aber steht diese Mitteilung Weizmanns in Widerspruch zu der dem Kommissionsantrag beigegebenen Botschaft England«, die das Mandat für undurchführbar erklärt, noch mehr aber zu dem Plan Englands, militärisch in Palästina zu bleiben und durch Enklaven sowohl die Politik der zu bildenden neuen Staaten unter Kontrolle zu halten. Aber solche Mysterien hat es in der Geschichte des Mandates wiederholt gegeben. Der politische Anlaß zu dem Zwang Churchills aoif die Exekutive, da« Weißbuch zu akzeptieren, die von Herbert Samuel durchgeführte Abschneidung von Transjordanien, die ganze militärische Aktion des Vorjahres, die Einmengung der arabischen Herrscher — das sind einige solcher Rätsel, die vielleicht nicht die Absicht, jedenfalls aber die Wirkung batten, das Tempo des jüdischen Aufbauwerkes aufzuhalten. Diesen Rätseln schließt sieh nun der klar kundgegebone Willen an, die Verantwortung für die Errichtung des jüdischen Nationalheims einfach den Juden zu übergeben und sie durch das Angebot einer mehr als zweifelhaften staatlichen Unabhängigkeit in Verwirrung zu setzen. Bis zu einem gewissen Gnade ist dies gelungen. Dies ist aus dem Ergebnis der politischen Abstimmung vom 8. August zu ersehen. Die 300, die für die Resolution votierten, sind nicht alle für die Teilung, und ihnen steht eine ansehnlicbo Minderheit von 158 Delogierten gegenüber, die sicherlich größer gewesen wäre, wenn nicht bei der Arbeitergruppe der Fraktionszwang gewirkt hätte. Gewiß hat in der jüdischen Gasse da« Wort vom jüdischen Staat gezündet; aber dio solcherart erzeugte Hochstimmung kann vor der nüchternen Sprache der Geographie und den Ziffern der Wirtschaft nicht standhaften. Das ganze heutige Palästina kann als jüdisches Land .unter jüdischer Verwaltung das Judenproblem zu einem guten Teil mildern; das Palästina, das der englische Plan anbiietet, bringt nur Krisen und enttäuschte Hoffnungen. Welche furchtbare Lage muß wohl entstehen, wenn die jüdische Regierung, die nur für zwei bis drei Millionen Raum hat und dem Auswanderimgsbedürfnis von sechs Millionen gegenübersteht, die Einwanderung drosseln muß! Die Resolution des Zionistenkongriessos erteilt der Exekutive die Ermächtigung, in Verhandlungen mit England die Bedingun- Den in Pragerscheinenden Berichten der sozialdemokratischen Partei Deutschlands entnehmen wir die folgenden Mitteilungen: Das statistische Ergebnis des antisemitischen Kurses bis Ende 1936 ist ein R ü c kgang der jüdischen Bevölkerung Deutschland von 517.000 auf 390.000. Es sind rund 110.000 Juden ausgewandert, die übrige Abnahme ergibt sich aus einem Überwiegen der Todesfälle über die Geburten. Auf der anderen Seite hat das Reich 153 Millionen Einnahmen aus der sogenannten Fluchtsteuer zu verzeichnen, die fast ausschließlich von Juden stammen. Diese Steuer ist nicht etwa eine Abgabe von dem nach dem Ausland gebrachten Vermögen, sondern sie muß von jedem bezahlt werden, der seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt, auch wenn er wegen Schwierigkeiten des Transfers sein Vermögen iim Inland belassen muß. Von den wirtschaftlichen Schäden, die den Juden zugefügt wurden, bilden aber diese 153 Millionen nur einen kleinen Bruchteil. Unausgesetzt gehen jüdische Großfirmen unter Zwang aus jüdischen Händen in arische über, darunter weltbekannte, wie die Zigarrenfabrik Looser & Wolff, die Schuhfabrik Herz, das Warenhaus Wertheim usw. Viel härter noch als die großen jüdischen Geschäftsleute werden die jüdischen Intellektuellen, Ärzte und Rechtsanwälte, die k1ein e n Ka u f1e u t e auf dem Lande und die Angestellten, getroffen. Ihr Leben ist, von seltenen Ausnahmen abgesehen, nichts anderes mehr als eine Kette von materiellen Schädigungen und moralischen Demütigungen. Noch können jüdische Rechtsanwälte, Kriegsteilnehmer, ihrem Beruf nachgehen, aber ein Kammergerichtsurteil zum Beispiel verbietet die Verwaltung einer arischen Erbschaft durch einen jüdischen Testamentvollstrecker auch dann, wenn der Erblasser diesen Testamentsvollstrecker ausdrücklich benannt hat. Wer kann noch einen jüdischen Arzt aufsuchen? Ein Beamter nicht, wenn er nicht entlassen werden will. Ein Arbeiter nicht, wenn er nicht riskieren will, einen Teil der Unterstützung zu verlieren. Wer bleibt übrig? Die Juden verarmen. Ungezählte bedürfen sozialer Hilfe, wenn sie nicht zum Selbstmord getrieben werden sollen. Was tun die Behörden? Sie verfügen, daß es für wohltätige Stiftungen der Juden keine Steuerfreiheit gibt. Sie entziehen armen Juden, die — gläubige Idealisten — ihr Recht vor Gericht suchen, den Armenanwalt. Bekannt ist das Schicksal der B n e - B r i t h - L o g e, die der Auflösung verfiel. Greise und Greisinnen, Insassen der Altersheime der Logen, wurden buchstäblich auf die Straße gesetzt. * Die Schande der deutschen Judenjustiz bildet ein besonderes Kapitel. Ein Amtsgericht in Remscheid erklärte Käufe, die die Ehefrau eines Nazi bei einem jüdischen Kaufmann vorgenommen hat, für null und nichtig. Ein Gericht in Hamburg scheidet eine Ehe und erklärt die Frau für den schuldigen Teil weil sie — in einem jüdischen Geschäft einen Mantel gekauft hat. 128 Verurteilungen wegen sogenannter Rassen schände sind nach der jetzt vorliegenden Statistik im dritten Vierteljahr 1936 erfolgt. Seitdem haben sich die Verurteilungen noch vermehrt. Aber weit tragischer sind die Verurteilungen, durch die Juden oder Arier ihre Liebe und ihre Treue im Zuchthaus büßen müssen. Die Republik hatte neben der Ehe auch das „eheartige Verhältnis“ unter ihren Schutz gestellt. Es gab infolgedessen zahlreiche Fälle von Lebensgemeinschaften zwischen Juden und Nichtjuden, die der amtlichen Bestätigung entbehrten. Seit dem Erlaß der Nürnberger Gesetze gelten solche Gemeinschaften als zuchthau awlirdig. gen dieser Macht für die Errichtung .des Judenstaa/tes fcstz ns teilen. Es wird sich demnach sehr bald, wohl noch in diesem Herbst erweben, wie es um die Festigkeit des englischen Planes unter den gegenwärtigen Umständen steht. Für die zionistische Organisation ist der Weg vorgezeichnet. Sie hat nunmehr den Kampf gegen die Teilung, um den Judenstaat im Ausmaß des historischen Palästina bis in das letzte Haus zu tragen. Wenn das englische Unterhaus und die Mandatskommission den Teilungsvorschlag nicht akzeptieren, so muß das jüdische Volk noch schärfer den Anschlag auf seine Zukunft zurückweisen. Da kehrt ein Manu nach langer Zeit, sehnsüchtig erwartet, aus dem Konzentrationslager in die Arme seines Weibes zurück, mit dem er seit sieben Jahren frei verbunden ist. Aber er ist Arier, sie Jüdin. Man holt ihn wieder und sperrt ihn für zwei Jahre ins Zuchthaus. Und wenn er nach zwei Jahren entlassen wird? Der Fall ist nicht etwa erfunden. Er hat sich in Hamburg abgespielt. Der Verurteilte heißt Kettenhausen. * Die hiergenannten „Deutschland-Berichte“ sind in der Lage, das stenographische Protokoll einer Berliner Ratsherrensitzung vom 3. Juni d. J. photographisch wiedergeben zu können. Da beschwert sich der Ratsherr Körner, daß sich im Freibad Wannsee — trotz ihrer sonstigen Abneigung gegen das Baden, wie er witzig bemerkt — wieder vieleJuden herumtrieben. Diese Juden wagten es nicht nur, Blicke auf arische Mädchen zu werfen, sondern auch sich mit Arbeitern über Politik zu unterhalten. Darum schlägt der Ratsherr Körner vor, den Juden durch eine Warnungstafel den Eintritt in das Freibad zu verbieten. Darauf erhebt sich der oberste Medizinalbeamte der Reichshauptstadt, Dr. Conti, und führt aus: Die Badeleiter hätten ihm erklärt, daß sie keine Mißstände bemerken könnten, aber das komme wohl daher, weil sie nicht unterscheiden könnten, wer Jude ist und wer nicht. Auch er sei der Meinung, daß die Ausschaltung' der Juden allmählich verschärft werden müsse. Er wolle alle Bäder von Berlin, bis auf eines, das „am wenigsten schöne“, für die Juden sperren. Im Freibad habe er die Dienststellen angewiesen, auf die Juden schärfer aufzupassen und sie zum Beispiel, weil der Badeanzug nicht genüge, hinauszuwerfen, aber dabei nicht viel von Juden zu reden. „Aber ein striktes Verbot? Ob es bei Wannsee ratsam ist? W a n n s e e wird viel von Ausländern besucht. Wannsee ist also der kritische Punkt.“ Und nun kommt der oberste Gebieter der Viermillionenstadt, der Oberbürgermeister und Stadtpräsident L i p p e r t und sagt: „Wir haben 1935 in Wannsee ein Schild angebracht: „Juden ist der Zutritt verboten! Auf Wunsch des Auswärtigen Amtes haben wir es wieder wegnehmen müssen, weil die Vorbereitungen zur Olympiade im Gange waren. Ich habe daraufhin den Badeleiter auf den Weg einer geschickt formulierten Selbsthilfe verwiesen. Man soll nicht alles behördlich regeln, sondern daran denken, daß es Gott sei Dank SA.- und SS.-Männer gibt. Da* hat sich im Strandbad sehr gut bewährt... Sie haben dann die Sache auch nicht so gemacht, daß sie an Ort und Stelle einen furchtbaren Krach gemacht und einen großen Menschenauflauf inszeniert haben, sondern sie haben den Bademeister darauf aufmerksam gemacht. Der Bademeister hat den Betreffenden aufgefordert, das Bad sofort, zu verlassen. Wo es nötig schien, haben die wackeren SA.-Leute draußen im Walde außerhalb des Badebetriebes ein bißchen gewartet, bis der Mann herauskam, und ihm dann das Nötige eröffne t.“ Nach dieser Schlußwendung verzeichnet das stenographische Protokoll Heiterkeit. Es war eine verständnisvolle Heiterkeit. Denn was es bedeutet, wenn SA.-Männer im Walde Juden auflauern, um ihnen „das Nötige zu eröffnen“, versteht jedermann. Das ist ein Verfahren, das der derzeitige Oberbürgermeister in Berlin angeordnet hat und das, wie er selber stolz berichtet, mit Erfolg praktiziert wird. * Nach alldem sollte man glauben, es bestehe ein einheitlich gerichteter Kurs, der darauf hinzielt, den Juden in Deutschland das Leben völlig unmöglich zu machen und sie allesamt aus dem Lande zu treiben. Das ist aber merkwürdigerweise nicht der Fall. Man will nicht darauf verzichten, die Juden Die Judenverfolgungen in Deutschland

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