Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 669 (17.8.1937)
- Date
- 1937-08-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Wien, Dienstag, 17. August 1087. — Nr. 669. Oll ITIMMI Seite 3 Btrument in der Regulierung der Beziehungen zwischen der Mandatarmacht und dem jüdischen Volk in allen Palästina betreffenden Angelegenheiten. * Hiezu wird uns uns aus Zürich berichtet: (Die Erklärung ändert nichts an der Tatsache, daß die vom Kongreß angenommene Resolution eine Jasager-Resolution ist. Ben Gurion wollte mit seiner Erklärung seine eigenen Parteigenossen, die gegen die angenommene Resolution sind, und die erregte Öffentlichkeit beruhigen. Gleichzeitig entspringt die Erklärung, wie informierte Kreise annehmen, der Tatsache, daß wesentliche Verbesserungen des Teilungsplanes nach dem jetzigen Stand der Dinge nicht mehr wahrscheinlich elnd. Ben Gurion und seine Freunde brauchen daher mehr denn je die Neinsager und Bieine Erklärung stellt den Versuch dar, eine Versteifung des zionistische» Standpunktes gegenüber England zu unterstreichen. Aus dem Weltverband Die Fraktion des Weltverbandes der Allfemeinen Zionisten zählt 45 Delegierte und Mitglieder des Aktionskomitees. Bei der Abstimmung über die politische Resolution —- die freigegeben worden war — stimmten S3 mit „nein“, 4 enthielten sich der Stimme und 8 stimmten mit „ja“. Die Arbeiten der Weltkonferemz gehen in voller Harmonie vor sich. Es werden alle Anstrengungen gemacht, um den allgemein-zionistischen Chaluzim zu helfen, die arg benachteiligt und in letzter Zeit von den Linken und den mit ihnen in Arbeiterfragen in Palästinas verbündeten Revisionisten von Arbeitsplätzen verdrängt und persönlich attakiert werden. Wenn es noch eines Argumentes für die Existenz des Weltverbandes bedarf, so Ist es die. In den letzten zwei Jahren wurden für Kolomstutionazwecke 460.000 Pfund auisgegeben. Davon erhielten unsere Kibbuzim sage unid schreibe 2940 Pfund. An diesen Zuständen trägt die Gruppe A die Schuld, 'die eben zu allem ja sagt, was die Arbeiterfraktion verlangt. Die Hakenkrenzkrawalle in Zürich Zürich, 13. August. (JTA.). Die antisemitischen Ausschreitungen der schweizerischen Frontisten in Zürich wiederholen sich seit Beginn des Zionistenkongreisses immer wieder. Am Mittwoch abends verteilten Fronträten in Massen Exemplare des „S t ü rm e t“ und andere, direkt gegen den Zionistenkongreß gerichtete Pamphlete. In einen Saal des Oaf6s Esplanade in der Nähe des Stadtbheatens (Kongreßhaus), in welchem die Allgemeinen Zionisten, Gruppe B, eine Sitzung abhielten, wurden von Frontisten Stinkbomben geschleudert. In den Straßen wurden Kongreßdelegierte und jüdische Kongreßgäste scharf attakkiert. Unter den Vorletzten befinden sich der frühere Präsident des Weltmrärachi Rabbi Wolf Gold, der amerikanischer, und der bekannte Maler-Bildhauer Mane Katz, der französischer Staatsbürger ist. Der Kongreß befaßte sich in seiner Donnenstageitzung mit diesen Vorfällen. Im Namen des Kongresses sprach der Vizepräsident Dr. Stephen W i s e beim Züricher Stadtpräsidenten Dr. K1 o e t i vor, legte Protest gegen die Vorfälle ein und forderte Abhilzemaßnahmen. Das Kongreßgebüude wird ununterbrochen von Polizeipatrouillen. bewacht. Dieser Ruhe- und Friedensstörer wegen muß die Polizei in ständiger Alarmbereitschaft gehalten werden. Die Hetze hat bereits Früchte getragen: Kongreßteilnehmer wurden auf offener Straße belästigt, mit Farbe bespritzt, mißhandelt und blutig geschlagen. Die mutvollen Täter gehen dabei so vor, daß sie nächtlicherweile und in größeren Gruppen vereinzelte Kongreßteilnehmer anfallen. Seit Wochen besudelt damit eine kleine Minderheit von Terroristen den guten Ruf der g an z e n i hingen im Jahre 1937 zu. Die Jewish Agency Schweiz. und die ihr angcschlossenen Körperschaften Die Gesinnung, die sich in der Hetze einiger | hätten die Zeit nach Beendigung der großen verantwortungsloser Elemente kundtut, ist Tjnruhen dazu benützt, die Grundlage für nicht die Gesinnung des Schweizervolkes, Im Namen aller rechtdenkenden Schweizer erheben wir schärfsten Protest gegen ein Gehaben, das geeignet ist, den Ruf der Schweiz als freiheitliche Demokratie, als Land der religiösen Toleranz und der Gastfreundschaft, zu schänden. Zürich, August 1937. Schweizerisches Freiheitskomitee. Zur Geschichte der Araberunruhen Protest der Züricher Bürger Zürich, 14. August. Das Schweizer Freibeitskomitee erläßt den folgenden Aufruf: Für den guten Namen der Schweiz! Seit Jahren ist Zürich bestrebt, eine internationale Kongreßstadt zu werden. Monatelang haben sich die Behörden der Stadt Zürich und das Verkehrsbüro — nicht zuletzt im wirtschaftlichen Interesse der Bevölkerung — darum bemüht, den XX. Zioniatenkongreß nach Zürich zu bringen. Seit Wochen tagt hier, vom Bund, Kanton und Stadt offiziell begrüßt, der XX. Zionistenkongreß, um in schwerer Stunde über die Geschick© des jüdischen Volkes zu beraten. Seit Wochen bringen fünftausend Kongreßteilnehmer aus allen Ländern der Erde Arbeit und Verdienst nach Zürich. Journalisten der bedeutendsten Blätter der Welt berichten über ihre Eindrücke aus Zürich. Die Welt richtet gegenwärtig Ihre Blicke na ob Zürich, Zur gleiohen Zeit betreiben Weine, verantwortungslose, aber um so lautere Gruppen eine schändliche systematische Judenhetze in Schrift, Wort und Bild. Diese „Erneuerer“ de« Vaterlandes schämen sich nicht, dabei Material des ln der Sobweiz verbotenen „Stürmer“ zu verwenden. Sje beweisen damit erneut, daß sie die Schweiz zu einer Provinz des Britin ßeiobe* macken Aus dem politischen Bericht 4er Exekutive. In dem politischen Bericht, den die Exekutive der Jewish Agency für den XX. Zionistenkongreß und die V. Tagung des Council der Jewish Agency ausgearbeitet hat, wird der Palästinaverwaltung der Vorwurf gemacht, daß sje durch ihre schwankende und nachgiebige Haltung dem arabischen Extremismus Vorschub geleistet habe. Es wird erklärt, daß sich schon vor den Unruhen die Tendenz bemerkbar gemacht habe, die arabischen Führer auf Kosten des Jüdischen Nationalheims zu versöhnen. Diese Zugeständnisse hätten aber die arabischen Ambitionen nicht beschwichtigt, sondern weiter gesteigert. Zwischen der Palästinaverwaltung und der Jewish Agency sei es zu einem offenen Konflikt gekommen, weil die Verwaltung durchaus dazu neigte, die Gegnerschaft der Araber gegenüber dem Mandat als etwas anzusehen, was nicht überwunden, sondern beruhigt werden müsse; es sei nicht zu vermeiden gewesen, daß durch diese Haltung ein entschlossenes Vorgehen bei den Unruhen verhindert wurde. Die Jewish Agency, so heißt es in dem Bericht weiter, habe wiederholt auf die verderblichen Folgen der Unentschlossenheit und des Schwankens der Regierung hingewiesen. Einer der Hauptpunkte bei dem Gegensatz zwischen Agency und Palästinaregierung sei deren Haltung gegenüber der Streikbewegung und der offiziellen arabischen Führung gewesen. Die Jewish Agency habe verlangt, daß der Streik als illegal erklärt werde und daß gegen diejenigen, die ihn organisieren, eingeschritten werde. Dies wurde von der Regierung abgelehnt. Auch wurde der Vorschlag der Jewish Agency unberücksichtigt gelassen, daß die offizielle Leitung der Umsturzbewegung aufgelöst werde und die ihr angehörenden Regierungsbeamten aus dem Dienst entlassen werden sollen. Die Exekutive habe nicht die strafrechtliche Verfolgung, sondern nur die Feststellung der politischen Verantwortung und entsprechende Verwaltungsmaßnahmen verlangt. Die Einmischung der arabischen Herrscher Das Eingreifen der Herrscher der arabischen Staaten in der Paläatinakrräe wird in dem Bericht als mandatswidrig bezeichnet. Die Jewish Agency habe anläßlich der von den arabischen Herrschern an den Obersten Arabischen Ausschuß gerichteten Aufforderung, den Streik zu beenden, auf die Gefahren hingewiesen, die dieser offenkundig mit Zustimmung der Regierung erlassene Aufruf in sich berge. Die Agency habe betont, daß durch diesen Aufruf die Bahn freigemacht worden sei für die dauernde Einmischung fremder Regierungen, die sich an die Seite der Mandatsgegner stellen, in die inneren Angelegenheiten Palästinas. Ein anderes Kapitel des Berichtes ist dem Kampf gegen die Einstellung der Einwanderung gewidmet. Die verschiedenen Phasen dieses Kampfes werden dargelegt. Zu der Frage der Verteidigung während der Unruhen wird festgpstellt, daß die Bildung eines Hilfsolizeikorps die Selbstbeherrschung er jüdischen Bevölkerung gerechtfertigt und zu ihrer Aufrecbterhaltung wirksam beigetragen habe- Es werden dann die Fragen des Hafens von Tel-Aviv erörtert. Der Vorschlag, einen gemeinsamen Hafen für Tel-Aviv und Jaffa zu errichten, könne nur erwogen werden, wenn die Araber von Jaffa diesen Vorsoblag machen; inzwischen dürfe die Entwicklung des Hafens von Tel-Aviv keinesfalls behindert werden. Die Beschäftigung von Juden in Regierungsdiensten ist noch immer unbefrledi- Kaum ein Drittel der gesamten Lohn- BUmme wurde an Juden ausgezahlt, die Zahl der von Juden geleisteten Arbeitstage beträgt nur etwa ein Sechstel des gesamten Arbeitsumfanges. Die Bemühungen, eine Vermehrung des jüdischen Personals bei den Bahnen zu erzielen, brachten keinen Erfolg. Nach Beendigung der Unruhen Nach einer kurzen Zusammenfassung der von den Mitgliedern der Exekutive vor der Königlichen Kommission gemachten Aussagen wendet sich der Bericht den Entwickneue landwirtschaftliche Siedlungen zu schaffen. Die Besetzung von Böden, die in den letzten Jahren erworben worden sind, wurde begonnen. So wurden die Gebiete besetzt, auf denen sich jetzt die Siedlungen Tel-Amal, H a s s a d e und B e t-J o s er im Norden der Beisan-Ebene, En Hakore und Massada im Jordantal in der Nähe des Jarmuk befinden. Später wurden dann noch die Siedlungen Tirat Zwi im südlichen Teil der Beisan-Ebene, I r g u n Moledet auf den Taiba-Böden Jm Emek, der Kibbuz B a n i r in Juara bei Megiddo, M a o z im östlichen Beisan-Gebiet und der Kibbuz Batelem auf den Nukeib-Böden am Ostufer des Tiberias-Sees errichtet. Zur Araberfrage wird bemerkt, daß die Exekutive jede Möglichkeit benützt habe, von der eine Vereinbarung mit den arabischen Führern durch direkte Verhandlungen zu erwarten war, daß aber diese Bemühungen von offizieller arabischer Seite unbeantwortet geblieben sind. Notenwechsel Washington-London London, 15. August. (JTA-) Die Vereinigten Staaten haben, wie Staatssekretär Hüll in Washington erklärte, Großbritannien um die Zusicherung ersucht, daß die in der amerikanisch-englischen Konvention über Palästina vom Dezember 1924 vereinbarten Verpflichtungen eingehalten werden und Washington über alle Änderungen in der palästinensischen Mandatspolitik dauernd auf dem laufenden gehalten werde. In der Note der englischen Regierung verspricht diese, diesem Verlangen nachzukommen und vor etwaigen Änderungen des Mandates die Zustimmung Washingtons einzuholen. In der amerikanisch-englischen Palästina- Konvention heißt es, daß bei beabsichtigten Änderungen des Mandates die Verständigung zeitlich so zu erfolgen hat, daß die Regierung der Vereinigten Staaten in der Lage ist, in Ruhe zu entscheiden, ob irgendwelche Maßnahmen sich zum Zwecke der Wahrung der amerikanischen Rechte in Palästina als notwendig erweisen. Der Notenwechsel, der zwischen den beiden Ländern in dieser Frage stattgefuijden hat, wird in Form eines britischen Weißbuches veröffentlicht werden, Die Arbeiten des Kongresses Zürich* 12. August. In der heute, nachmittags aJbgehaltemen Sitzung hielt Rev. Goldbloom-London die Gedenkrede für die seit dem XIX, Zionrätenkongreß verstorbenen führenden jüdischen Persönlichkeiten und für die durch arabischen Terror während der Unruhen 1936 gefallenen jüdischen Opfer. Der Kongreß hörte stehend in tiefer Ergriffenheit zu. Rev. Goldibloom gedachte des während des Luzerner Kongresses verstorbenen Oberrabbiners Abraham Jizchak Hacohen Kuk, ferner des Gründers und ersten Bürgermeisters von Tel-Aviv, Meir D i z e ng o f f, dessen letztes Wort eine große An. klage gegen die Palästina-Administration gewesen sei. Weiter erwähnte er den Nestor der hebräischen Literatur Mordechai Ben Hillel Hakohen, Dr. Hillel Jaffe, J. L. Goldberg und Dr. Abraham Coralnik. Schließlich gedachte der Redner einer Reihe von Nichtjuden, die sich um das jüdische Aufbauwerk verdient gemacht haben, unter ihnen Lord Allenby, mit dessen Namen der Beginn des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina nach dem Kriege für immer verbunden sein wird. WirtsehaftsreSerat Dr. Ruppins Sodann erstattete der Leiter des Wirtschafts-Departments der Jewish Agency in Jerusalem, Dr. Arthur Ruppin, das Referat Über „die künftige Entwicklung der jüdischen Wirtschaft in Pailästinar‘ unter besonderer Berücksichtigung der Ü'bergangsperio de bis zur Schaffung des jüdischen Staates. Je größer die politischen Erfolge, führte Dr. Ruppin aus, um so notwendiger die Festigung der Wirtschaftspolitik. Die neuen politischen Ereignisse erfordern Anwendung intensiver Wirte ch af tsmethod en. Die wirtschaftliche Position Palästinas -ist in den letzten zwei Jahren trotz der Nachwirkungen des italienisch-abessinlsohen Krieges und der Unruhen im Jahre 1936 nicht erschüttert worden; keine einzige Position wurde aufgegeben. Im Gegenteil: Es kamen neue wichtige Positionen hinzu, wie der Hafen von Tel-Aviv, der eine große Zukunft hat. Nach einer eingehenden Behandlung der Fragen der Einwanderung und des Kapitalszuflusses in der vergangenen Kongreßperiode schilderte Dr. Ruppin die Arbeiten des Instituts für wirtschaftliche Forschungen, das wichtige Untersuchungen hinsichtlich der Naturschätze Palästinas augestellt habe. Von besonderer Bedeutung werden im zu errichtenden jüdischen Staate die Fragen der Bewässerung und des Absatzes der Landesprodukte (Tozeret Haarez) sein, denen sich eine Reihe neuer Aspekte eröffnet. Ein schwieriges Problem stellt auch das Dumping dar. Der palästinensische Markt ist von Waren verschiedener Länder überschwemmt; dabei* hindern Artikel 18 des Mandate („offene Türen“) und der Mangel einer Politik der Schutzzölle die jüdische Wirtschaft Palästinas an der Bekämpfung des Dumpings. Was di© wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit Palästinas betrifft, so finden die Vergleiche mit der Bevölkerungsdichte der di eh t es tb esi ed eiten europäischen Staaten in Palästina keine Anwendung, da es für solche Fragen keine allgemeingültigen Gesetze gebe. In den letzten zwei Jahren sind in Palästina 70.000 Juden, unter ihnen 20.000 aus Deutschland, eingewandert. Es ist kein Zweifel, daß die Einwanderung in Zukunft bedeutend erhöht werden kann, wenn die industriellen Möglichkeiten voll ausgenützt werden und die Kapitalien in entsprechender Höhe ins Land fließen. Wir haben unter den schlimmsten Regimes unsere Aufbauarbeit in Palästina nicht unterbrochen; wir werden sie auch in Zukunft unbeirrt fortsetzen. Der Finanzbericht KapSans Zürich, 13. August. Die Plenarsitzungen nies Zionistenkongresses in Zürich sind am Donnerstag bis auf Sonntag vertagt worden, In der Zwischenzeit werden Kommissionssitzungen stattfinden, Die Kommissionen über Arbeits-, Kolonisations¬ und Einwanderungsfragen haben bereits zu tagen begonnen. Die Plenarsitzung am Donnerstag vormittags begann mit einem Referat des Schatzmeisters der Exekutive, E1 i e s e r Kaplan, Er wisse noch nicht, sagte er* wie er den künftigen Etat aufstellen solle. Nur ein Drittel der Ausgaben, die man zu machen haben werde, seien bisher gedeckt. Der Redner gab eine Übersicht über die Auswirkungen der politischen und wirtschaftlichen Geschehnisse in Palästina auf die Finanzlage. Er wies insbesondere darauf hin, daß man in der Lage gewesen sei, eine ernste Finanzkrise nach dem Ausbruch des abessinischen Krieges zu verhindern. Auch die Unruhen hätten keine Beeinträchtigung gebracht. Im Gegenteil: während wir eine