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Die Stimme · 1937-08-13 · Heft 668 (13.8.1937) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 668 (13.8.1937)
Date
1937-08-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Oll fVIMMI S«lt« 7 Nr. m. — Wien, Freitag, 18. August 1087. Bei den lüden in Keenn Man kann für Österreich bereits dasselbe wie für Deutschland oder für Polen feststeilen : die starke Abwanderung von Juden aus den Provinzorten in die großen Städte, vor allem aber in die Hauptstadt, ein Drang, der übrigens nicht eine Erscheinung von heute ist, wohl aber durch Antisemitismus und Wirtschaftsnot in den letzten Jahren wesentlich verstärkt wurde. Es ist nur wenig bekannt, daß in früheren Jahrhunderten zum Beispiel in Niedierösterreich eine Unmenge größerer und kleinerer Judensiedlungen bestanden hat, während es heute nur mehr wenige Gemeinden gibt und auch diese sich früher oder später auflösen werden müssen. Krems, eine der ältesten Judeogemeinden Österreichs, war im 13. und 14. Jahrhundert, als die Stadt den wichtigsten Handelsplatz auf dem Donauwego zwischen Regensburg und Wien bildete, ein bedeutenderes jüdisches Zentrum selbst als Wien. Sicherlich haben die Kremser Juden starken Anteil am W e i nh a n d e 1 gehabt; Urkunden und Grabsteine (in der Piaristenkirche entdeckte man zum Beispiel einen jüdischen Grabstein aus dem 13. Jahrhundert eingemauert) übermitteln uns die Namen von Glaubensgenossen aus dem Mittelalter. Trotz der Verfolgungen, denen sie zeitweise ausgesetzt waren, wohnten sie unentwegt weiter in der Stadt und in den Ortschaften der Umgebung; auch als sie schließlich aus der Stadt vertrieben wurden, besuchten sie die Jahrmärkte — die durchschnittlich von zirka 300 Juden frequentiert wurden — und es bildete sich schließlich wieder eine Gemeinde, die freilich die Bedeutung der mittelalterlichen Kehilla nicht mehr erlangte. Gegenwärtig wohnen in Krems etwa 120 Jude n, wozu noch einige Seelen in benachbarten kleinen Ortschaften wie Langenlois, Hadersfeld a. Kamp, Lengenfeld, Weiten u. a. kommen. Wenn man bedenkt, daß die Gemeinde 1925 noch zirka 400 Seelen (unter 14.000 Einwohnern) zählte, dann kann man aus dieser nüchternen Gegenüberstellung bereits mancherlei Schlüsse ziehen. Durch die rapide Abwanderung ist die Gemeinde, die sich 1894 den Bau einer repräsentativen Synagoge leisten durfte, die durch den Wiener Oberrabbiner G ü d emann eingeweiht wurde, von der Auflösung bedroht. Obwohl die Kremser Judenschaft mit der Stadtbevölkerung im allgemeinen in gutem Einvernehmen lebte und lebt, haben fremde Elemente in die friedliche und arbeitsame Bevölkerung den Samen des Hasses hineingetragen, den auszutilgen sich wohl auch die Behörden im eigenen Interesse — man beachte zum Beispiel clie Schaufenster der Buchhandlungen und der Zeitungsverkäufer! — bemühen müßten. Erfreulich ist jedoch die Feststellung, daß ein hoher Prozentsatz der Auswanderer nach Erez Israel gegangen ist, wie ja überhaupt Krems zu jenen Ortsgruppen zählt, in denen der.Gedanke des Zionismus reiche Frucht getragen hat. Die Kultusgemeinde ist zionistisch, die Kremser Juden sind stark am Schicksal Palästinas interessiert und die Berichte vom Züricher Kongreß werden eifrig studiert und diskutiert. Die zionistische Organisation besitzt ein eigenes K1 u b h e i m, wo die Mitglieder zweimal wöchentlich Zusammenkommen und wo auch eine Reihe von zionistischen Rednern, vor allem Dr. Grünbaum, Oberbaurat Stricker, Prof. Dr. Stein, Vorträge gehalten haben. Die zionistische Ortsgruppe, die von den Gesinnungsgenossen R e p h a n und Kerpen geleitet wird, gibt den Kremser Juden in dieser schweren Zeit einen festen Halt! Es wäre sehr zu wünschen, daß zwischen der Ortsgruppe Krems und der Wiener Zentrale noch weit regere Zusammenarbeit als bisher geleistet würde, daß Referenten aus Wien, aber umgekehrt auch solche aus der Provinz, weit stärker als bisher den Gedankenaustausch und den persönlichen Kontakt bewerkstelligen würden, auf daß die Judenheit der Provinz, die wohl am schlimmsten unter den Übeln dieser Zeit laboriert, eine Stützo finde an unserem Interesse und an unserer Liebe! Dr. A. W. Dem tausendjährigen Wanderer darf kein noch so weiter Weg zu lang sein. (Pinsker, Autoemanzipation) * Als Jude geplündert sein, oder als Jude beschützt werden zu müssen ist gleich beschämend, gleich peinlich für das menschliche Gefühl der Juden. (Pinsker, Autoemanzipation) * Das Leben ist mehr als philosophieren. (Moses Heß) 1 DIE KINDER-STIMME ■»■Mn redigiert von lilian grünwald HHHHHHI 7h den Trtvitot Wir machen uns ein Klavier. Nicht jeder von euch hat ein Klavier und möchte doch gern einmal ein bißchen musizieren. Da könnt ihr euch mit ein wenig Geduld und ohne Gelda/usgabe ein richtiges Musikinstrument anfertigen, auf dem ihr eure Lieder ertönen lassen könnt. Aus Mutters Küche und Speisekammer erbittet ihr euch acht, wenn es geht, auch sechzehn Einsiedegläser (sie müssen nicht von gleicher Größe sein). Ihr stellt sie in einer Reihe auf. Dann nehmt ihr einen Holzklöppel — es kann auch ein alter, nicht zu großer Kochlöffel sein — und klopft damit an das erste Glas in der Reihe. Das gibt einen ganz bestimmten Ton, der zum Grundton für die Tonleiter (Skala), die ihr nun aufbaut, dient. Der Aufbau geschieht so, daß du in das nächststehende Glas Wasser schüttest, und zwar soviel, bis beim Aufklopfen der nächsthöhere oder tiefere Ton — das muß eben ausprobiert werden — erzielt wird. Und so fort, bis du die acht Töne der Skala (von C bis C) zusammengepantscht hast. (Dazu ist natürlich notwendig, daß du die sieben Töne der Skala im Ohr hast.) Nun kannst du, falls du genug Gläser hast, eine zweite Oktave hinzufügen, denn bei einem Umfang von zwei Oktaven kannst du schon eine Menge schöner Melodien zum besten geben. Oder aber du kannst dir zwei gleich hohe Oktaven herstellen, mit denen kannst du zwar nur kleinere Melodien spielen, dafür aber ein Spiel schaffen, mit dem du deine ganze Umgebung auf ihr gutes Gehör prüfen kannst. Ein Spiel mit Tönen. Die sechzehn Gläser werden willkürlich duroheinandergestellt, und es ist nun die Aufgabe deines Prüflings, je zwei gleiohtönende paarweise zu ordnen. Fällt es ihm zu schwer, so gibst du ihm vorerst nur vier oder sechs vermischte Gläser, und erst wenn er die zu ordnen imstande ist, die übrigen. Wiener KINDiR-UDO 26 Minuten vom Zentrum, hochgelegen. Beim Hause: Schwimmbad, kalte u. warme Dusohen, Sport- und Spielplatz, Liegewiesen. Heller, 180 m1 großer Saal bei Schlechtwetter. Inkl. reiohl. Mittagessen, Jause und Fahrt S 18*50 pro Woche. Sorgfältige Aufsicht. Auskunft: Telephon U 14-008 nur von 8 bis 0 Uhr abends. Aus unserem Land Das Testament eines Kindes in Erez Israel Eine Schullehrerin aus Ejn Oharod berichtet: Eines Tages erkrankte ein Kind in meiner Schule und wurde in das Krankenhaus in Giwath-Hamoräh gebracht, um dort operiert zu werden. Gerade vor einigen Monaten war einer der Kameraden des Knaben in eben diesem Spital gestorben. Vor der Operation wandte sich der Knabe an seinen Vater: „Vater, ist hier der Salomon gestorben?“ und er fügte hinzu: „Wenn auch ich hier sterben werde nach der Operation... Vater... habe ich eine Bitte an dich — gib meine Flöte dem Gideon und meine Kugerln dem Keren Kajemeth ...“ Diese Kugerln sind Glaskugeln, mit denen die Kinder in Erez spielen. Sie haben aber auch einen Münzwert bei ihren kleinen Tauschgeschäften. Ein neuer Schulbrauch In einer Tarbuth-Scbule in Polen ist ein schöner neuer Brauch eingeführt worden: eine ganze Woche lang beschäftigen sich die Schüler mit den Plänen und Zielen des Jüdischen Natioiialfonds. Jeder Schüler der höheren (5. und 7.) Klassen erhält von seinem Lehrer die Aufgabe, eine Anzahl bestimmter Bücher zu lesen, die sich mit den Fragen des KKL. beschäftigen. Durch diesen Lesestoff bereitet jeder Schüler einen eigenen selbständigen Vortrag für die „Woche des Keren Kajemeth“ vor, den er dann seinen Klassenkameraden zur Diskussion (Wechselrede) hält. Dieses Jahr wurden folgende Themen gegeben: „Die hauptsächlichsten Aufgaben des KKL. und seine Tätigkeit in Erez.“ „Der Galil, seine Geschichte in der Vergangenheit und in der Gegenwar t.“ Am Ende der Woche ■ werden dann auch praktische Arbeiten für den KKL. geleistet, zum Beispiel die Anfertigung von Mappen und Diagrammen. (Zeichnerische Wiedergabe statistischer Angaben.) Liebe Kinder! Vom Fest der Hafeueröffnung in Tel-Aviv habt ihr in der,, Kinder-Stimme“ unlängst gelesen. Nun ist unter dem Protektorat des Nachdruck verboten. Wir spielen und lernen ein wenig Hebräisch 24. Spielt Kaiser, König, Edelmann. Die Kinder zählen aus. War zuerst übrig bleibt beim Auszählen ist der Kaiser, der zweite König usw. So wie sie ernannt worden sind, stellen sie sich kreisförmig auf. Nun beginnt der Kaiser den Ball einem zuzuwerfen, es wird absichtlich nicht sehr gut geworfen, so daß der Ball geholt werden muß. Wie er nun, um den Ball zu holen, von seinem Platz Weggehen muß, stürzen andere Kinder der niedrigeren Rangordnung zu diesem Platz, um ihn zu besetzen. Wenn er zurüokkommt, muß er meist mit dem geringsten Platz vorliebn&hmen. Es kommt aber auch vor, daß es ihm in dem allgemeinen Gedränge gelingt, den Platz des Kaisers zu besetzen. Text HI. Kaiser, König, Edelmann Bürger, Bauer, Bettelmann Schuster, Schneider u. Friseur Koch, Matrose, Militär. Text II. meleoh, ßär w’isch azil esrach, ikkar, noßs tarmil ßand’lär, chajjat w’gaddal tabbäch, ßappän w’chajjäl. Text I. x •: t 1 v v ns« ,mro t* * tiv ^31 Ö»n ■fi t” tu* töD ,rraa T” I 1T ** T“ es Regentage - da spielen die jüdischen Auch im Sommer gibt Kinder gerne mit dem Ein passendes Geschenk, das für die zionistisdie Idee •wirbt. - Handlich für die Reise E rhä Itlich Buchhandlung Rath QUARTETT CRO??E MÄNNER ÖE? JÜdl'ttH EN VOLKE? Hafe-nkomitces eino Mappe von Ausschneidebogen hcrgostellt worden. Ihr könnt damit den Tel-Aviver Hafen, so wie er wirklich ist, aufbauen, mit seinen Molen, Kaie, Lagerhäusern, Kränen, Lastwagen, Motorschleppern und genau nachgebildeten Schiffsmodellen. Allerdings kosten die zwölf Ausschneidebogen Kc 20. Da müßt ihr halt zusammensteuern. Erhältlich bei der Zionistischen Propagandastelle Praha, Dlouha I, 41. * Hans Christian Andersen und die Juden (Aus einem demnächst erscheinenden Buch: „Juden im Spiegel nordischer Dichtung“ von Lilian Grünwald.) Glückspeter (11. Fortsetzung.) Weise Männer in den ältesten Zeiten! Weise in verschiedenen Völkerschaften und Religionen. Darin ißt, die Wahrheit in wenigen Worten verborgen, wie in den Sprüchen Salomonis... Welche Kernwahrhelten! Man lernt, wie die Menschen rundumher auf der ganzen Erde seit Jahrtausenden immer dieselben gewesen ßind. ,Dein Freund hat einen Freund, und deines Freundes Freund hat einen Freund, drum sei vorsichtig in deiner Rede!* steht dort. Das ist eine Lelire für alle Zeiten. ,Niemand kann über seinen eigenen Schatten springen!1 steht ebenfalls dort, und ,Zertritt den Dorn, wenn du Schuhe anhast!1 Du solltest das Buch lesen! In ihm wirst du die Kulburabdrüoke deutlicher finden, als in den Erdschichten. Für mich, als Jude, ist es obendrein noch ein Erbstück von den Vätern!“ „Jude!“ sagte Peter, „sind Sie Jude?“ „Weißt du das nicht? Wie seltsam, daß wir beide bis heute nicht davon gesprochen haben!“ Mutter und Großmutter wußten ebenfalls nichts davon, hatten nie darüber n achgedacht, aber stets hatten sie gewußt, daß der Gesangsmeister ein ehrenwerter Mann sei, der seinesgleichen nicht hatte. Es war eine Fügung Gottes, daß Peter ihn auf seinem Lebensweg getroffen hatte; nächst Gott verdankte er ihm all sein Glück. Und nun kam die Mutter mit einem Geheimnis zuirii Vorschein, an dem sie allerdings nur wenige Tage getragen hatte, und das ihr unter dem Siegel der Verschwiegenheit von der Frau des Großhändlers anvertraut worden war. Der Gesangsmeister durfte nie und nimmer erfahren, daß man es wußte; — er war es, der Peters Aufenthalt und Unterhalt bei Herrn Gabriel bezahlt hatte. Von dem Abend an, wo er Peter das Ballett „Simson“ im Hause des Großhändlers hatte singen hören, war er allein sein werktätiger Freund lind Wohltäter gewesen; jedoch in aller Stille. Ein Jahr verging, bevor Peter mit dem Emstudieren einer Rolle begann; er wählte „Joseph“, vertauschte sie aber bald gegen den Georg Brown in der Oper „Die weiße Dame“. Der Worte und der Musik wurde er sehr bald Herr, und aus Walter Scotts Roman, der den Stoff zu der Oper gegeben hat, schöpfte er ein klares, volles Bild des jungen, lebensfrohen Offiziers, der die Berge seines Heimatlandes besucht und in die Burg seiner Väter kommt, ohne es zu wissen; ein altes Lied weckt Kindheitserinnerungen; mit ihnen kommt das Glück, und er gewinnt Burg und Braut. Das Gelesene wurde zu etwas Selbsterlebten, ein Kapitel aus der Geschichte seines eigenen Lebens; die melodienreiche Musik kam dieser Stimmung zu Hilfe. (Fortsetzung folgt.) * Briefkasten Bobby Husserl. Ich empfehle dir nicht nur die Lektüre, sondern auch die Realisierung der in der „Kinder-Stimme“ angegebenen „Ferienbeschäftigungen“. Vielleicht kommst du beim Ausprobieren selbst auf neue Ideen und teilst sie mir dann mit. Viele Grüße sendet dir der ganze W. K. L. Anonymus, Gumpendorferstraße. Es freut mich, daß Sie stets die „wertvolle Rubrik meiner Kinderbeilage mit großem Interesse verfolgen und mit Dank verwerten“. — Die Sache mit der Zitatstelle verhält sieh tatsächlich so, wie Sie schreiben. Warum übrigens hüllt sich Ihr Wohlwollen in Anonymität? L. G. JÜDISCHER KALENDER 13. bis 19. Allstut 1937. 9. bis 12. Elul 5697 Freitag (13.) Sabbath-Elngang 710 Samstag (14.) Sabbath*Ausgang 755 Wochenabsihnltt: Schoftlm "■ .. ..11 "«ü^

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