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Die Stimme · 1937-08-13 · Heft 668 (13.8.1937) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 668 (13.8.1937)
Date
1937-08-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Oll ITIMMI Nr. 668. — Wien, Freitag, 18. August 1987. Die Zionistische Bezirkssektion VIII./IX. Währingerstraße 6—8 veranstaltet zu in ihren Sälen einen Festgottesdienst fwrmn um dt MMM Kartenbestellungen bei den AueeohuOmltglfedern und In der Sektion MMMMSMMMMMMe&MMNMIMMMMiMMMHMfaoeMWMMMiMMWi Oie Nationalratsabordmsitg ln Gen! Verhandlungen mit der Mandatskommission der Toten der Bewegung. Rev. Goldb I o o m hielt die Gedenkrede. Hierauf setzte der Kongreß die Tagesordnung fort. Ruppin und dieser Kaplan erstatteten Wirtschaft* liehe Referate. Welzmann nach Genf. Präsident Welzmann hat unmittelbar nach der Abstimmung Zürich verlassen. Gr ist nach Genf abgereist, um der Mandatkomraission den Beschluß des Kongresses zu notifizieren. Es heißt, daß Kolonienminister 0 r m s b y Gore in den nächsten Stunden in Genf eintreffen wird. Restaurant Rillet Bestrenommierte Küche 'v: Reichhaltige Menüs a S 1*90 u. 2*60 II., Hammerpurgstaligasse 3 (nächst Salztorbrücke) Die Nacht Sitzung vor der Abstimmung Die Sitzung in der Nacht zum Mittwoch, den 11. August, stand im Zeichen der letzten großen Auseinandersetzung zwischen dem Präsidenten der Organisation und Führer der Jasager, Dr. Chaim W e i zm a n n und dem Präsidenten des Kongresses und Führer der Neinsager, M. M. U s s i s c hk i n. Den Vorsitz in dieser Sitzung führte Dr. Stephen S. W i s e, der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas. Ussischkin appelliert in bewegten Worten an den Kongreß, den Teilungsplan und jede •weitere Verhandlung über Teilung abzulehnen. Wenn der Kongreß einer Teilung Palästinas zustimmt, rief Ussischkin, so wird noch ein großes Unglück über uns kommen. Teilen bedeutet Fluch. Den Teilungsplan akzeptieren, bedeutet einen Sprung ins Dunkle, heißt, sich in die größte Gefahr begeben. Sich an Dr. Weizmann wendend, rief Ussischkin: Seit zwanzig Jahren übt Doktor Weizmann und in den letzten Jahren üben auch Ben Gurion und Shertok eine große Zurückhaltung in der Kritik an der britischen Regierung; das unfreundliche Verhalten der Palästina-Administration gegenüber der jüdischen Arbeit in Palästina wurde verschwiegen. Jetzt bietet man uns einen Staat mit 5 Millionen Dunam an. Davon ist nur 1 Million Dunam in jüdischen Händen. Vier Millionen Dunam sind in arabischem Besitz. Werden diese vier Millionen Dunam Boden je in jüdische Hände übergehen? Ich glaube es nicht. Die Araber werden freiwillig Boden an Juden nicht verkaufen. Würde man sie auf Grund eines internationalen Arrangement-s zwingen, den Boden des jüdischen Staates zu verlassen? Gewiß nicht. Die im Territorium des geplanten jüdischen Staates verbleibenden 300.000 Araber werden unser Unglück sein. Sodann ergriff Prof. Dr. Chaim Weizmann das Wort. Ussischkin, sagte er, war gewiß aufrichtig in seiner Opposition gegen den Teilungsplan, aber er war nicht berechtigt, die politische Seite der Frage so zu behandeln, wie er es tat. Die Durchführung des Mandats ist für England infolge der internationalen Komplikationen schwierig geworden. Der Judenstaat wird das sein, was die Juden aus ihm machen werden. Ich glaube an die Kraft unseres Volkes. Wenn wir einmal die zwei Millionen Juden, von welchen ich gesprochen habe, ins Land gebracht haben werden, dann würde sich eine so große Perspektive vor uns eröffnen, wie wir sie früher nicht einmal zu träumen wagten. Friede mit den Arabern wird auf Grund der Reziprozität zustande kommen. Wir Juden werden in der Lage sein, den Arabern auf wirtschaftlichem und auf manchem anderen Gebiete etwas zu bieten. Bis heute konnten wir das nicht tun, weil wir nicht Herren in unserem Hause gewesen sind. Ich appelliere an den Kongreß, d i e Teilung im Prinzip anzunehmen unddieweitereEntwicklungder Zukunft zu überlassen. Ich appelliere an euch, den Weg des Vertrauens in die Kräfte des jüdischen Volkes zu gehen. Aus dem Gefühl des Selbstvertrauens wird Großes erwachsen, Größeres als das, was die Balfour-Deklaration im Jahre 1917 uns gebracht hat. Was wir jetzt zu tun im Begriffe sind, ist nicht Abschaffung des Mandats, sondern Evolution der Balfour-Deklaration. Es ist ein schwerer Weg, aber wir müssen ihn gehen, weil er der Weg der größeren Möglichkti cii Lt. Genf, 10. August. (JTA.) Der Leiter der Abordnung des Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat in Palästina) bei der Mandatskommission in Genf, Dr. A. K a t z n e 1s o n, teilte mit, daß die Abordnung einen schönen Erfolg erzielt hat. Sie wurde von den Mitgliedern der Mandatskommission überaus herzlich empfangen und sehr aufmerksam angehört. Sowohl der Vorsitzende der Kommission, Pierre Orts, als auch der Vizevorsitzende, Prof. Rappard, zeigten größtes Interesse für die palästinensischen Probleme und großes Verständnis für die jüdische Arbeit und die jüdischen Nöte und Leiden. Unser Auftreten, sagte Dr. Katznelson, hat nicht nur auf die Mandatskommission, sondern auch auf andere Völkerbundkreise starken Eindruck gemacht und gewisse Wirkungen erzielt. Auch mit dem Kolonienminiister, Ormsby-Gore, hat die Abordnung alle aktuellen Fragen besprochen. Die Mitglieder der Mandatskommission!, van H a s b e k (Holland), P a 1 a c i a s (Spanien) und G r a c i a (Portugal) beteiligten sich besonders eingehend an den den Mitgliedern der Abordnung gestellten Fragen. Großen Eindruck machten die von den Vertretern der palästinensischen Judenheit gegen die aus politischen Gründen angeordnete Beschränkung der jüdischen Einwanderung in Palästina und gegen den Teilung s p 1 a n in seiner gegenwärtigen Form vorgebrachten Argumente. Die Mitglieder der Abordnung informierten die maßgebenden Faktoren auch eingehend über die jüdischarabischen Bezieh un- PENSION ECKSTEIN-$in$ neu renoviert I RUNDSCHAU I TISZA ESZLÄR war eine der größten Blamagen des Antisemitismus. Er hat sie nie ganz verwinden können, es wurden immer wieder Versuche gemacht, den gerichtlich einwandfrei geklärten Fall nachträglich irgendwie so zu drehen, daß doch der Ritualmord herauskomme. Jetzt unternimmt einer, den schon sein Name zu ängstlichem Schweigen verpflichten müßte, einen neuen Versuch in dieser Richtung. Es ist der ungarische Schriftsteller Bary, ein Neffe des Untersuchungsrichters im Ti&za Eszlärer Ritualmordprozeß. Dieser Untersuchungsrichter hat mit allem erdenklichen Schwindel und mit Anwendung brutalster Gewalt gegen Moriz Scharf, den Sohn des Hauptangeklagten, „Beweise“ und „Geständnisse“ produziert — die das Gericht samt und sonders verwarf. In einer Broschüre hat Karl v. Eötvös, einer deT Verteidiger der angeklagten Juden, nach Abschluß des Prozesses das gesamte Material dieser Affäre, sich streng an die Prozeßakten haltend, für das breite Publikum zugänglich gemacht und für die Zukunft featgehalten. An diesem Fall ist wirklich nichts mehr zu deuten und zu drehen. Was will jetzt der Neffe des Mannes, der aus dem Tiszacszlärer Prozeß als der einzige Verurteilte hervorgegangen ist, mit dem neuen Buch über Tiszaeszlär, das er demnächst veröffentlicht? Die Umstände, unter denen es verlegt wird, sagen genug über Inhalt und Zweck dieses Werkes: Herr Bary hat es einem deutschen Verleger verkauft, es wird in Deutschland gedruckt und verlegt — und auch verfilmt. Der Vertrag zwischen Autor und Verleger ist mit Intervention der Budapester deutschen Gesandtschaft zustande gekommen und die zuständige ungarische Behörde hat im voraus ihre Einwilligung zur Reimportierung von Buch und Film nach Ungarn gegeben. Der Verlag hat sich verpflichtet, das Buch in einer Million Exemplaren zu drucken... An der Sache ist eigentlich das eine interessant: Daß sie wieder einmal die innere Unsicherheit der antisemitischen Hetzer beweist, die doch in Deutschland wirklich über alle erdenkliche Macht verfugen und schon ein ganzes Gesetzbuch zur Vernichtung der Juden geschaffen haben, sich aber doch immer wieder genötigt gen und die Aussichten eines Friedensschlusses zwischen den beiden Völkern. Mandatskommission gegen die Einmengung der arabl* sehen Staaten Genf, 9. August. (JTA.) In der Mandatskommission sind die Einmischungsversuche der arabischen Staaten in die inneren Angelegenheiten Palästinas zur Sprache gekommen. Die Mitglieder der Kommission übten Kritik an der unentschlossenen Haltung der Mandatarmacht gegenüber den Interventionen der arabischen Herrscher. Sie wiesen dabei auf die besondere völkerreohtliche Stellung Palästinas als e i n im Aufträge des Völkerbundes verwaltetes Mandatsgebiet hin. Eine Einmengung in die inneren Angelegenheiten eines solchen Landes, so wurde von den Mitgliedern der Kommission betont, dürfe keinesfalls geduldet werden. Der Vertreter der Mandatarmacht, John Hathorn Hall, erwiderte darauf, die arabischen Herrscher hätten diese Intervention auf eigene Initiative hin unternommen. Die Mitglieder der Mandatskommission richteten an den Vertreter der Mandatarmacht sodann Fragen über das Verfahren, das angewandt werden solle, wenn die maßgebenden Faktoren zu einer Verständigung über die Lösung des Palästina-Problems gelangen werden. Zionistische Delegation zu Lloyd George? London, 9. August. (JTA.) „Sunday Times“ melden, daß in den nächsten Tagen eine zionistische Delegation aus Zürich zu Lloyd George fahren wird, um ihn dazu zu gewinnen, sich aktiv für die jüdischen Forderungenbezüglich Abänderung des Tdrlungsplanes einzusetzen. sehen, zu verzweifelten Mitteln zu greifen, um ihre „Ideologie“ zu beweisen. Der Antisemitismus ist ebenso dumm wie brutal, und man könnte fast hoffen, daß er sich mit solchen Mitteln doch einmal überschlagen wird, um in einem fürchterlichen Katzenjammer zu enden; wie es zum Beispiel in Frankreich nach dem Dreyfus-Prozeß gekommen ist. DER KLEINE GRENZVERKEHR MIT DEUTSCHLAND hat in der letzten Zeit in den österreichischen Gebieten, die daran beteiligt sind, eine ungeahnte Hochkonjunktur hervorgerufen. In Schwärmen kommen die Leute aus Deutschland herüber, nur auf ein-zwei Stunden, aber diese kurze Zeit wird von ihnen so ausgiebig und intensiv ausgenützt, daß die Geschäftsleute und die Bauern diese flüchtigen Gäste heute nicht weniger schätzen als den reichen amerikanischen oder englischen Sommergast. Die Leute verbringen ihre kurzen Besuche nämlich ausschließlich mit — Essen. Drüben gibt es verschiedene gute und wichtige Sachen überhaupt nicht mehr oder man bekommt sie nur rationiert. Eier, Butter, Milch sind für die Leute in Deutschland Delikatessen geworden, ja auch das Brot wird ihnen zugeteilt und früher als vierundzwanzig Stunden naoh dem Backen darf es überhaupt nioht gegessen werden, was bei dem Zwang zur Beimischung von Mais, der das Brot bekanntlich besonders schnell zum Austrocknen und Zerbröseln bringt, besonders unangenehm empfunden wird. In Österreich finden sie nun in Fülle alles, was zu Hause so rar ist, Sie nützen, soweit sie sich der Wohltaten des kleinen Grenzverkehrs erfreuen, die gute Nachbarschaft weidlich aus. Sie nützen sie häufig und gründlich aus. Es wird eine Stunde lang, zwei Stunden lang gegessen und gegessen. Essende Deutsche sind das Charakteristische im Leben manches österreichischen Grenzorteß geworden. Man ißt, solange die paar Mark, die man herüberbringen kann, Vorhalten. Und morgen kommt man wieder... IN DEN JÜDISCHEN SCHULEN IN RUMĬ NIEN unterrichten nichfcjüdieche Lehrer die Schüler in der rumänisohen Sprache. Es gibt natürlich genug jüdische Lehrkräfte, die die rumänische Sprache und die rumänische Literatur vollkommen beherrschen und auch Lehrbefugnie für die&o Fächer besitzen. Aber die rumänische Unterrichtsbehörde (die die Lehrbefugnls gegeben hat) ißt doch der Meinung, daß nur ein Nationalrumäne geeignet sei, besonders jüdische Schüler in die Mysterien des Rumänischen einzuführen. Im Gymnasium von Galatz hat »ich nun bei der Schlußprüfung des abgelaufenen Schuljahres in einer höheren Klasse ein Professor namens Jonel Bote* den Scherz geleistet, zur schriftlichen Prüfung die Werke des „Dichters“ Vasil Alexandru, eines wüsten antisemitischen Hetzers, als Thema aufzugeben. In einer Lehrerkonferenz machten zwei jüdische Kollegen den Professor Botez auf das Unmögliche seines Vorgehens aufmerksam. Er antwortete — mit einer Beschwerde an das Unterrichtsministerium, in der er darlegte, daß jüdische Professoren, die sich gegen „nationale“ Dichter wenden, nicht einmal an einer jüdischen Schule zu unterrichten würdig seien. Ehe seine Beschwerde erledigt war, ereignete sich in derselben Schule ein zweiter — Skandal, der, zusammen mit dem ersten, nun tatsächlich drei jüdischen Lehrern die Existenz kostete. Bei der Soblußfeier des Gymnasiums sangen nämlich die Schüler nach der rumänischen Nationalhymne die Tikwah. Auch das wurde sofort nach oben gemeldet. Sofort kam eine Verordnung an die Schulleitung, daß der stellvertretende Direktor Herskovits sowie die Professoren Schächter und Leker fristlos zu entlassen seien. Schächter und Leker waren es gewesen, gegen die schon wegen der Affäre mit Vasil Alexandru eine Beschwerde vorlag, während Herskovits als Leiter der Schlußfeier für das Singen der Tikwah verantwortlich gemacht wurde. Ein allgemeiner Erlaß an die jüdischen Schulen verbietet für die Zukunft strengstens das Singen anderer als rumänischer Nationallieder, unter denen in einer „Empfehlung“ des Unterrichtsministeriums auch das Lied der Eisernen Garde, also etwa das rumänische Horst-Weseel-Lied, genannt ist. Zu bemerken ist noch, daß die jüdischen Schulen in Rumänien ausschließlich von Juden erhalten werden und nioht einen Leu staatliche Subvention genießen. Jehuda. ST HINTERBRtlHL “W Pension Fortin, Hauptstraße 41, Tel. 117 Pension BrUhlegg, Hauptstraße 114, Tel. 7 Erstklassige Häuser / Beete Küche / Mäßige Preise Vor Kampf Im Council der Jewlsh Agency Zürich, il. August. Führende „Nichtzionisten“ in der Jewish Agency verlangen die Hälfte der Sitze in der Exekutive. Ihr Wortführer ist Felix Warburg (New York), der nächsten Montag in Zürich eintrifft. Warburg hat sich, wie es heißt, lange überhaupt geweigert, nach Zürich zu kommen. Man ist hier gespannt, ob eine Austragung mit den Nichtzionisten gelingen wird. BLAU - WEISS - Zünder (Keren-Kaiemeth- Zünder) erhältlich bei: Viktor Adlersberg, Trafik- und Haushaltartikel, Wien, VII., Zollergasse 5. Tel. B 83-402. Weizmann schreibt seine Memoiren Auf einer zionistischen Versammlung in Zürich gab Präsident Weizmann bekannt, daß er mit der Niederschrift seiner Memoiren befaßt sei, die die 40jährige Epoche des politischen Zionismus widorspiegeln. Er hoffe, in kurzer Zeit mit der Niederschrift fertig zu sein, so daß sie schon im kommenden Jahre in Buchform werden erscheinen können. Ein besonderes Kapitel meiner Memoiren, sagte Weizmann sarkastisch, behandelt die „Schnorrer ei“. Leider müsse man heute noch Beiträge zur Ermöglichung der zionistischen Arbeit erbetteln. Er, Weizmann, hätte selbst neun Reisen nach Übersee gemacht, um Fonds für Palästina zu sammeln. Ich hoffe, schloß Weizmann, noch den Tag zu erleben, an dem reiche Juden ihre Schecks mit der Post einsendon. Eine Anfrage im Washingtoner Senat Washington, 11. August. (Reuter.) Senator Copland, der den Vorschlag einer Teilung Palästinas verurteilt, hat im Senat eine Anfrage eingebracht, in der das Staatsdepartement gefragt wird, was es zum Schutze der Rechte deT Vereinigten Staaten gemäß dem Vertrage von 1924 mit Großbritannien hinsichtlich Palästinas unternommen habe. Senator Copland betonte, daß der Vertrag Großbritannien jedwede Änderung des Mandats des Völkerbundes ohne Zustimmung der Vereinigten Staaten untersage,

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