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Die Stimme · 1937-08-06 · Heft 666 (6.8.1937) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 666 (6.8.1937)
Date
1937-08-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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3•!*# 0 011 STIMMI Nr. G66. — Wien, Freitag, 6. August 1987. Neue landwirtschaftliche Siedlung in Südpalästina Jerusalem, 3. August. (JTA.) Im eüdpalästinensischen Steppengebiet bei Beer Tuwia. 27 Kilometer südöstlich von Rechoboth, wurde eine neue Siedlung, die den Namen Kfar Menachem erhalten hat, gegründet. Etwa 80 bis 100 Chaluzim aus G-iwat Brenner haben, mit allen nötigen Materialien ausgestattet, den Siedlungspunkt in Besitz genommen. Ein Wasser- und Beobachtungsturm wird errichtet und eine Stacheldrahtumzäunung hergestellt. Vierzig Wächter haben die Siedler begleitet und Beobachtungspunikte auf den umliegenden Bergen besetzt. An der Landnahme beteiligten eich zahlreiche Gäste aus den benachbarten Kolonien. Es wurde sofort ein Grenzwall errichtet. der 8 Meter hohe Beobachtungsturm aufgestellt und eine Werkstätte erbaut. Auf dem Beobachtungsturm wurde ein Scheinwerfer angebracht. Neue Kooperativ- Gesellschaften Jerusalem, 3. August. In den letzten drei Wochen sind 24 neue Kooperativ-Gesellschaften, 12 arabische und 12 jüdische, registriert worden. Bei den arabischen Genossenschaften handelt es eich um Kredifr- und Weidegenossenschaften, fünf von ihnen haben ihren Sitz im Unterdistrikt Akko, je zwei in Nablus und Tulkarem, je eine in den Unterdistrikten Ramie, Dschenin und Gaza. Von den jüdischen Genossenschaften ist eine eine Arbeitskooperative in Jerusalem, eine zweite eine Bäckereigesellscbaft in Kfar Saba und eine dritte eine Transportgenossenschaft in Tel-Aviv. In Natania und in einer anderen Siedlung wurden landwirtschaftliche Absatzgen ossenechaftem gegründet, Siedlungsgenossenschaften in Uscha bei Haifa und El Roi. Registriert wurden ferner Darlehens- und Spargenossenschaften, eine Baugenossenschaft in Kfar Saba, eine Genossenschaft für Rückversicherung in Tel-Aviv und eine Genossenschaft zur Errichtung von Gemeinschaftswohnungen in Tel-Aviv. Nasbashibi für jüdischarabische Round Table- Konferenz Genf, 3. August. (JTA.) Der Führer der arabischen Opposition in Palästina, Ragheb Bey N a s h a s h i b i, hat erklärt, die Araber würden der Schaffung eines Judenstaates nie zustimmen, seien aber bereit, im Falle der Schaffung eineT arabischen Föderation nicht nur jüdische Einwanderung nach Palästina bis zu 40% der Gesamtbevölkerung, sondern auch für das Gesamtgebiet der Föderation bis zu 30% oder mehr zuzulassen. Die Juden würden vollständige munizipale und kulturelle Autonomie genießen. Die Araber wünschten nicht von den Juden beherrscht zu werden, wollen sie aber auch nicht beherrschen. Dies könne durch internationale Verträge gesichert werden. Panarabischer Kongreß kann nicht stattfinden Jerusalem, 4. August. (JTA.) Der Panarabische Kongreß ist, wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, für unbestimmte Zeit verschoben worden, da es seinen Organisatoren nicht gelungen ist, einen Tagungsort ausfindig zu machen. Die Regierungen von Syrien und dem Irak haben die Abhaltung des Kongresses auf ihrem Gebiet verboten. Geheime Waffenlager der Araber Jerusalem, 4. August. (JTA.) Wie der Jerusalemer Sonderkorrespondent des .,Daily Herald“ seinem Blatte meldet, sind die Araber seit Wochen dabei, geheime Waffenlager in ganz Palästina zu errichten. Der Großmufti habe erst vor einigen Tagen einen Fonds von 12.000 Pfund für diese Zwecke bereifcgeätellt. Entfernung der Araber aus der Generalprokuratur Jerusalem, 2. August. (JTA.) „Felestin“ meldet, daß der Generalprokurator der Palästinaregierung den arabischen Prokuratoren F a u z i Bey Rasseln und M u s a Alain i mitgeteilt'habe, ihre Ämter würden ab 1. August, von englischen Beamte n besetzt werden. Dieser Beschluß steht in Zusammenhang mit der Empfehlung (|r>r Königlichen Kommission, wonach alle v ■!•;•!■!’V(irH!',!n,i' \mt<T. iiisbcr-ondere im (i r; i1 ’i s; -i v.'cmm! . um Engländern besetzt werden «sollen. Die neue Herrschaft in Oberschlesien Wir haben bereite gemeldet, daß es kurz nach dem 15. Juli, dem Datum des Erlöschens der Genfer Konvention, die auch den Juden Deutsch-Obers chleeiens Schutz angedeihen ließ, zu schweren antijüdiechen Ausschreitungen und Geechäfteplünderungen in Beuthen, dem Hauptort Deutsch-Obenschleeiens, gekommen ist. Diese Terrorwelle hat sich seither auf verschiedene andere Orte Deutsch-Ober- Schlesiens ausgedehnt. In den letzten Tagen 6ind Meldungen aus Beuthen, Hind e n b u r g und G1 e i w i t z eingetroffen, die dahin lauten, daß in diesen Städten jüdische Kaufhäuser und Läden ausgeplündeTt und jüdische Kauflente schwer mißhandelt wurden. Alle diese Meldungen kommen auf Umwegen und verspätet, sind a.ber ganz zuverlässig. Sie finden ihre tragische Bestätigung in einer Mitteilung des Gleiwitzer Polizeipräsidiums, die besagt, ein jüdischer Kaufmann in Beuthen, der inzwischen geflüchtet sei, habe sich Verfehlungen an Kindern zuschulden kommen lassen. Die darüber aufgeregte Menge sei in die Läden eingedrungen und habe „energisch ihrer Unzufriedenheit durch Worte und Kundgebungen Ausdruck gegeben11. Da der Name des Kaufmannes entgegen sonstiger Gepflogenheit nicht angegeben wird, ist es klar, daß es sich hier um die Erfindung einer Legende zur - Entschuldigung der Haltung des auf gehetzten Mobs handelt. Indessen droht der Gleiwitzer Polizeipräsident allen jenen Strafen an, die an den Unruhen teilgenommen haben. Die Mitteilung enthält aber nichts darüber, daß auch nur einer der Terroristen und Plünderer gefaßt worden sei. Die Polizeimitteilung schließt mit der nicht mißzuveretehenden Andeutung, die in O b erschlesien ansässigen Juden sollten sich klar darüber Rechenschaft geben, daß die im Deutschen Reich geltenden Gesetze und Anordnungen seit dem 15. Juli auch in Oßerschlesien in voller Kraft sind. Über die Lage der Juden in den kleineren Orten Deutsch-Oberschlesiens sind gegenwärtig Nachrichten nicht zu erlangen. Streichers Bilderbuch ist Ungarn verboten Budapest, 3. August. (JTA.) Die ungarische Behörde hat die Verbreitung des im Nürnberger „Stürmer“-Verlag erschienenen berüchtigten „Bilderbuch für Groß und Klein“, welches ein Musterbeispiel antisemitischer Pornographie ist, für ganz Ungarn verboten. Wiener KIND£R-LIDO 25 Minuten vom Zentrum, hochgelegen. Beim Hause: Schwimmbad, kalte u. warme Duschen, Sport- und Spielplatz, Liegewiesen. Heller, 180 m* großer Saal bei Schlechtwetter. Inkl. reichl. Mittagessen. Jause und Fahrt s 18*50 pro Woche. Sorgfältige Aufsicht. Auskunft: Telephon U 14-908 nur von 8 bis 9 Uhr abends _ Weltkonferenz der Juden aus Polen Von Dr. J. Taubes, Amsterdam. Nach Beendigung des diesjährigen Zionistenkongresses beginnt in Antwerpen die II. Weltkonferenz des Weltverbandes polnischer Juden im Auslande. Sie wird vom 22. bis 25. August tagen. Die bestehenden ostjüdischen, beziehungsweise polnisch-jüdischen Organisationen in den Ländern Amerika, Argentinien, Kanada, Mexiko, Brasilien, Palästina, Südafrika, England, Frankreich, Deutschland, Belgien, Holland, Luxemburg, Österreich, Schweiz und Tschechoslowakei haben ihre Teilnahme bereits zugesagt. Die bisherigen Vorbereitungen lassen schließen, daß diese Weltkonferenz weniger Gewicht auf das Repräsentative — wie es bei der Gründung des Weltverbandes 1935 in London notwendig war —, hingegen mehr auf die rein praktische Arbeit legen wird. Der Gedanke des stärkeren organisatorischen Zusammenschlusses dieser Vereine zu einem „Weltverband“ ist entstanden auf der IV. Reichskonferenz der ostjüdischen Verbände in Deutschland, die am 4. und 5. Januar 1931 in Hannover statfcgefunden hat. Das Geschehen in Deutschland hat diese Frage nur zurückgestellt und im September 1935 wurde bei einer Teilnahme von 76 Delegierten aus 18 Ländern der „Weltverband der polnischen Juden im Auslande“, mit drei Exekutrvabteilungen in New York, Palästina und Europa, gegründet. Dieser . , ' apolitische und überparteiische Weltverband steht vor der Frage: „Wie verschafft man den polnischen Juden bei der jüdischen und nichtjüdischen Umwelt Recht und Ansehen, wie schafft und stärkt man wirtschaftliche Positionen, wie schützt man polnische Juden in den westlichen Ländern Europas vor den starken Assiinilierungstendenzen, wie erhält man anderseits polnische Juden als belebenden und befruchtenden Teil des Judentums, wie wirkt man helfend unseren Brüdern in Polen, wie erhält man die stete Verbundenheit mit Erez Israel, wie beeinflußt man die Auswanderungstendenzen der polnischen Juden?“ Diese breite, rechtliche, wirtschaftliche, kulturelle und s ozialökonomische Tätigkeit bildet den Inhalt der im Auslande befindlichen jüdischpolnischen Organisationen. In den letzten Jahren hat sich in vielen Ländern eine gemeinsame Arbeitsplattform herauskristallisiert. Der „Weltverband“ bemühte sich in diesen zwei Tätigkeitsjahren in erster Linie die Organisation zu konsolidieren und in jenen Ortschaften, wo noch keine Ortsgruppen bestanden haben, solche zu schaffen und sie dem Weltverbande arizugliedern. Es ist auch den drei Exekutivabteilungen gelungen, die Organisation zu festigen und in manchen Ländern sogar der maßgebende Faktor im jüdischen Leben zu werden. Selbstverständlich darf das .Schicksal unserer Brüder in Polen dem Weltverbande nicht, egal sein, zumal der Weltverband so viel Juden im Auslande repräsentiert, als Juden in Polen leben. Wenn auch dem Weltverbande nicht nur polnische Staatsangehörige allein angehören, so besteht doch eine starke Verbundenheit mit den polnischen Landen, die sich auf verschiedene Weise stets dokumentiert. Es kann aber auch dem polnischen Staate das Verhalten des Verbandes den sich in Polen abspielenden traurigen Ereignissen gegenüber nicht egal sein. Es ist klar, daß jede konstruktive Arbeit in Polen nur in einer freundschaftlichen Atmosphäre zwischen der polnischen Regierung und dem polnischen Judentum erfolgen kann. Wie ein schöner, goldgestickter Faden zieht sich daher der Glaube an das freiheitsliebende polnische Volk, das 140 Jahre in Knechtschaft lebte, und das mit der Wiedererlangung der polnischen Staatlichkeit — nicht zuletzt bekanntlich ohne Hilfe der Juden — den Juden die volle Gleichberechtigung zu erfüllen versprochen hatte. Wir wissen, und mit Genugtuung und Freude, stellen wir das fest, daß nicht das ganze polnische Volk die judenhetzerischen Tendenzen in Polen teilt, die zu einer permanenten Pogromstimmung führen. Die auf polnischer Erde geborenen, ihre Bürgerpflichten durch Entrichtung an Steuern von Blut und Vermögen, wie alle Bürger Polens, erfüllenden Juden in Polen, haben gleichen Anspruch auf Hilfe und Schutz durch den Staat als Bürger gleichen Ranges, auf gleichen Genuß der Güter des Bodens und gleiches Recht auf allen Gebieten des Staatslebeus. Die wirtschaftliche Lage der jüdischen Bevölkerung ist stark verknüpft mit der wirtschaftlichen Lage , und der Wirtschaftspolitik des Staates. Die 1 utopische Anregung, den Boden, auf dem 1 die Juden seit 1000 Jahren leben und an dessen wirtschaftlicher und kultureller Ent-; Wicklung ßie generationenlang mit ganzer schöpferischer Kraft mitgewirkt haben, mit dem sie gleich allen anderen Bewohnern verknüpft-, und auf dem sie gleichberechtigt sind, zu verlassen, um anderen Platz zu I machen, kann von den Juden der Welt und in erster Reihe von der jüdischen Bevölkei rung in Polen nicht beachtet, werden, j Polen ist zum Minderheitenschutz durch ' den Vertrag vom 28. Juni 1919 völkerrechtlich verpflichtet. Die Rechtslage der Juden als Minoritätsvolk, die sich bei der amtlichen Zählung zu 80% zur jüdischen Nationalität bekannt haben, beruht auf den Artikeln 95, 96, 109, 110 der polnischen Verfassung vom 17. März 1921 mit Berücksichtigung der Verfassungsänderung vom 2. August 1926 und 16. Juni 1935. Diese Artikel sichern „allen, ohne Unterschied der Herkunft, Nationalität, Sprache, Rasse oder Religion, vollen Schutz des Lebens, der Freiheit und des Eigentums zu“. Die letzten traurigen Ereignisse in Polen bedeuten einen starken Verfassungsbruch, da sich die Regierung berechtigt fühlt, die Juden aus dem po 1nischen Wirtschaftsleben auszuschalten und der permanenten Pogromstimmung keinen entsprechenden Wall bietet. Die fundamentalen Zweige der Industrie sind für die jüdischen Arbeiter geschlossen, der systematische, wirtschaftliche Ausstoßungsprozeß wird durch die polnischen Magistrate und durch die Monopolwirtschaftspolitik der Regierung betrieben, der organisierte Boykott der jüdischen physischen und geistigen Arbeitskräfte erschüttert die Grundfesten des jüdischen Lebens und erzeugt einen permanenten organ isierten „Volkszorn“, die 3*2 Millionen Juden in Polen werden in das ökonomische Ghetto verdrängt« Die beispiellose Verarmung und Deklassierung nimmt Formen an, die eine vollkommene Erschütterung der jüdischen Substanz herbeiführt. Der Weltverband, der bei Ausschaltung jeder parteipolitischer Tendenz, die Parole der sozialkonstruktiven Hilfe verfolgt, wird naturgemäß zu all diesen Problemen Stellung nehmen müssen und will versuchen, in freundschaftlicher Zusammenarbeit mit anderen jüdischen Organisationen, die wirtschaftliche Not der Juden in Polen zu lindern. Vajda Voevod über die jüdische Territorialfrage Bukarest, 2. August. (JTA.) Die von der Zeitung „Curentul“ veranstaltete Rundfrage bei den rumänischen Staatsmännern über ihren Standpunkt zu dem Palästinaproblem im Zusammenhang mit dem allgemeinen jüdischen Auswanderungsproblem hat in der rumänischen Öffentlichkeit ein starkes Interesse geweckt. Nach dem Vorsitzenden der Nationalen Bauernpartei, M i c h a 1 a c h e, über dessen Ausführungen wir bereits kurz berichtet haben, ergreift nun der frühere Ministerpräsident Vajda Voevod, der von den nationalistischen Fronten als der künftige Ministerpräsident propagiert wird, das Wort zu folgenden Ausführungen: Es ist ein Recht und eine seelische sowie materielle Pflicht deT Juden, nach allen Mitteln und Wegen zu streben, um eich ein Vaterland zu sichern. Eine Konfession ohne Raum und ohne realem Boden kann bestehen; eine Nation aber kann ohne Territorium sich nicht kristallisieren und auch nicht oxistier e n. Das jüdische Problem ist. wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Natur. Es muß .sowohl im Intcresso der Ruhe der verschiedenen Nationen, als auch im Intcresso der Judenschaft selbst gelöst werden. Was ist also zu tun? Ich glaube, daß es Pflicht dos Völkerbundes und dir Staaten mit '.rroßeu Kolonialreichen wäre, eine großzügige Vereinbarung zu treffen, welche auf weitestgehender Grundlage alle internationalen und jüdischen Interessen, ohne Rückhalt und ohne Hintergedanken, umfassen soll. Die Lösung des jüdischen Problems kann nicht durch Pseudolösungen, durch humanitäre Formeln wie durch den Versuch der Schaffung des palästinensischen Staates, erfolgen. Damit ein Nation bestehen, sich entwickeln und sich behaupten kann, benötigt sie einen entsprechenden Raum. Was soll mit dem Überschuß der jüdischen Jugend geschehen, welche auswanderu will, um sich eine neue Existenz zu schaffen, um die Energien und die Kenntnisse zum Wohle des eigenen Volkes zu verwerten? Für diesen Überschuß an hervorragenden Fähigkeiten muß irgendwo ein genügend großes Territorium mit gesundem Klima und wirtschaftlichen Möglichkeiten für eine normale Entwicklung gefunden werdon. Alle Staaten, die großon und die kloineu, worden früher oder später gezwungen sein, mit Unterstützung der voraussollenden Führer der Judenschaft, an einer solchen endgültigen Lösung des Judenproblerns mitzuarbeiten. Ich zweifle nicht daran, daß Antoncecu (der Außenminister Rumäniens) beim Völkerbund auf der Höhe seiner Berufung sein und dermaßen zur Sicherung des Weltfriedens und zur Sanierung des diidonproblenis beitragen wird.

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