Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 666 (6.8.1937)
- Date
- 1937-08-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Wien, Freitag, 0. August 1037. — Nr. 66b. Dil ITIMMI Seite 9 Streng rituell Villen-Pension Kreuzberg/ Breitenstein e. Semmering. Leitung: Lola Sdllfl. Hohe Feiertage geöffnet. Anmeldung und Auskunft: Wien, II., Krummbaumg. 1, Telephon A 44-4-62, U 10-800 und Frau Lola Schiff, Breitenstein am Semmering, Telephon 11. Auf Verlangen Prospekt mente stärken, zum Beispiel die Anglo- Palestine-Bank, den Jewish Colonial Trust, die Hypothekenbank, die Industriebank und das wichtige Instrument unseres Landerwerbs, die Palestine Land Development Company. Schließlich hat das Einkommen der großen nationalen Ponds, des Keren Kajemeth Lejisrael und des Keren Hajessod, während dieser zwei Jahre ein bemerkenswertes Ansteigen gezeigt, so daß es seit dem Luzerner Kongreß möglich gewesen ist, durch sie mehr alseineMillion Pfund für Siedlungsarbeit und Entwicklung in Palästina zu beschaffen. Und nun, verehrter Kongreß, denke ich, daß Sie wünschen werden, daß ich mich einen Augenblick mit der gegenwärtigen Situation -beschäftige. Sie werden nieht erwarten, daß ich in dieser Begrüßungsrede mehr tue, als kurz darauf binweise. Ich werde den Kongreß morgen (Mittwoch) wieder für eine ausführliche politische Darlegung in Anspruch nehmen. Die heutige Situation ist, wie Sie w-iseen, gekennzeichnet durch den Bericht der Königlichen Kommission und durch die Vorschläge, die die Regierung Seiner Majestät sich im Prinzip zu eigen gemacht hat. Die ganze zionistische Welt, wir wissen es, ißt in tiefer Erregung angesichts dieses Moments der Entscheidung. Wir haben im Laufe der Jahre schon so manche Untersuchung erlebt und viele Enttäuschungen durohgemaoht. Aber der Bericht der Königlichen Kommission, der am 8. Juli dieses Jahres veröffentlicht wurde, verdient, wenn wir auch naturgemäß nicht mit allem einverstanden sind und in den Vorschlägen emßte Fehler finden, unseren größten Respekt. In seiner historischen Analyse des Problems beweist er Sympathie und Verständnis für die jüdischen Ideale und Errungenschaften, wie sie noch nie vorher in einem solchen offiziellen Dokument kiundgegeben worden sind. Trotzdem müssen wir sagen, daß nach unserer Meinung dem Bericht eine falsche Auffassung zugrunde liegt. Die Hauptthese des Berichts ist, daß das Mandat un¬ TREFF« der STROHWITWER im Restaurant Barschak, IL Gr. Schiffg. 3, Telephon A 46-4-39. Menu v. S 1.90 aufw. durchführbar ist. Dies ist ein Satz, den wir bestreiten, und wir stützen unseren Einwand auf die Errungenschaften auf fast jedem Gebiet seit dem Jahre 1922, wovon der Bericht der Kommission selbst Zeugnis ablegt. Aber die Kommission geriet in Palästina auf eine Stimmung, die vergiftet war durch sechs Monate Grausamkeiten und Terror: sie begriff nicht, daß ein wirksames Eingreifen der Regierung die Unruhen hätte im Keim ersticken können, und infolgedessen hat sich ihr Gesichtspunkt verschoben. Die Kommission bildete ihr Urteil im Schatten von Ereignissen, die man niemals hätte zulassen dürfen und die durch entschlossenes Handeln in den ersten Stadien der Unruhen hätten verhindert werden können. In Wirklichkeit ist es nicht das Mandat, das seinem Wesen nach undurchführbar ist: die Schwierigkeit liegt darin, daß es von einer unentschlossenen Verwaltung gehandbabt worden ist, die es versäumt hat, einen wirklich ernsthaften Versuch zu machen, es durohzuführen. Das charakteristische Merkmal des Berichts ist also die eigentümliche Konsequenz zwischen seiner Analyse des Problems und seinen Schlußfolgerungen und Empfehlungen. Wie gesagt, beabsichtige ich nicht, jetzt in Einzelheiten mich zu verbreitern über die guten oder schlechten Seiten der praktischen Vorschläge der Kommission; ich werde dazu später noch Gelegenheit haben, loh möchte nur auf den auffallenden Widerspruch hinweisen zwischen der Anerkennung der Gerechtigkeit und Nützlichkeit unserer Sache, die auch den nichtjüdischen Einwohnern Palästinas Gutes gebracht hat, und ihren Empfehlungen, die praktisch auf eine Einschränkung der jüdischen B e t ä t i g u n g hinauskiufen. Diese Empfehlungen haben leider bei der Regierung e i n n u r zu williges 0 h r gef linden, <P$nn die Regierung hat in ihrer Erklärung vom 8. Juli aogekündigt, daß sie beabsichtige, ein politisches Maximum jüdischer Einwanderung von 8000 Personen für die nächsten acht Monate festzusetzen, ein Schritt, der in unbedingtem Widerspruch zu den Prinzipien der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit erscheint, die in dem Mandat und in dem Churchillechen Weißbuch von 1922 niedergelegt sind und gegen den wir unseren energischen Protest erheben. Aber abgesehen von der Inkonsequenz der Schlußfolgerungen und von ihrer von uns bestrittenen Feststellung einer im Wesen der Sache liegenden Undurchführbarkeit des Mandats, hat diese Kommission konstruktive Anstrengung gemacht, um eine Lösung des Problems zu finden. Dies ist ein Thema, das auf diesem Kongreß im einzelnen diskutiert werden wird; was ich jetzt dazu sagen will, ist nur das eine: Eine neue Note ist angeschlagen worden und eine neue Note, die — wie auch immer die Antwort ausfallen möge, die der Kongreß gehen wird — Töne auslöst, die herüberklingen aus der Zeit vor 40 Jahren, aus der Zeit von Herzls großem Traum vom Judenstaat. Wir werden uns dieser Besonderheit des XX. Kongresses bewußt bleiben müssen, wie hitzig und erregt auch die Debatten dieses Kongresses sein werden. Wir fühlen alle, daß die Entscheidung, die wir zu fällen haben, an die Wurzel unserer Existenz und an den Kern unserer Bewegung greift. Eine große Verantwortung ruht auf uns. Möge der Kongreß sich ihr gewachsen zeigen 1 Der XX. Zionistenkongreß ist eröffnet! (Bewegung im ganzen Haus. Der Kongreß erhebt sich zu stürmischen Ovationen für Weizmann.) $0b!>tentten Snblmter hilft juberläffig eauer&runtt Der Präsident des Kantons Zürich Nach Weizmann erhielt Dr. Pfister, der Präsident des Regierungsrates des Kantons Zürich, das Wort. Er begrüßte den Kongreß in einer sehr herzlichen und warmen Rede, in der er u. a. sagte: „Judenhaß ist unschweizerisch. Schon das schweizerische Ghetto bestand nicht aus finsteren engen Gassen wie anderswo, sondern es waren die freundlichen Dörfer Lengnau und Endingen, wo die Israeliten bis zu ihrer Gleichstellung mit dien übrigen Bürgern lebten, die vor etwa 80 Jahren stattgefunden hat. Seither haben sie sich zerstreut und nehmen im geistigen und kommerziellen Leben der Schweiz, namentlich auch Zürichs, einen bedeutenden Platz ein. Jeder Krieg ist Rückfall und bringt Rückfall, so auch der Weltkrieg. Er hat Europa in eine Herrschaft der Brutalität gebracht,. in eine Zeit des Nationalitäten- und Rassenhasses, die wir als längst hinter uns liegend geglaubt hatten. Die Schweiz ist ja verhältnismäßig glücklich durch diese schweren Zeiten hindurchgekommen, und wohl deshalb hat sie auch nicht jene bedauernswerte geistige Veränderung mitgemaeht, vor allem auch den Antisemitismus nicht. Und wenn es auch eine Anzahl Ausnahmen geben mag, so dürfen wir trotzdem ruhig wiederholen: Der Antisemitismus ist unschweizerisch. Sie haben sich ja allerdings mit dem Antisemitismus zu befassen, und wir bewundern Ihre Ausdauer und Ihren Mut, mit dem Sie daran gegangen sind, an der Stätte, von der ihr Volk ansgegangen ist, ein Heim für die Verfolgten Ihres Stammes, einen neuen Staatzugründen. Unsere Gemeinde, unsere Kantone, unsere Schweiz als Ganzes sind Demokratien und wir alle haben die feste und stolze Überzeugung, daß die Demokratie die beste Staatsform ist. In der Demokratie blüht die Toleranz und blüht die Freiheit des Geistes, blüht aber auch das Mitgefühl und Verständnis für Minderheiten und Verfolgte, welcher Art sie auch sein mögen. Mit Stolz sagen wir, daß besonders unser Zürich eine Stätte des freien demokratischen Geistes ist und bleiben soll. Wir hoffen, daß Sie diesen Geist fühlen und von diesem Gefühl umweht, hier angenehme Tage verleben werden. Bundesrat, Regierungsrat und Stadtrat wünschen Ihnen zu Ihren Tagungen und zu Ihrem Werk das beste Gedingen, hier in Zürich im Rat, im fernen Morgenland in der Tat, damit durch die Rückkehr zu Boden und Scholle aus dem alten Volk ein neues u n d junges V o 1 k erstellen möge, lebensfähig, lebenskräftig und lebensfroh.“ (Lebhafter Beifall.) „Die Welsen von Zion“ Im Namen des Vorstandes der K/ultusgemeinde Zürich hieß Herr Sally Braunschweig den Kongreß willkommen. Er sagte u. a.: „Seit 1933 geht das deutsche Judentum seinen Leidensweg. Maßloser Judenhaß wurde und wird mit geschickter Propaganda in die gamze Welt getragen. Die geistige Grundlage deT antisemitischen Bewegung sind die berüchtigten „Prot okolle der Weisen von Zion“. In seiner großen Mehrheit ließ sich das Schweizervolk seinen ursprünglichen und gesunden Sinn nicht vernebeln. Im bekannten Berner Protokoll-Prozeß wurden die „Protokolle der Weisen von Zion“, die geistige Waffe aller modernen antisemitischen Bewegungen, von der ersten Instanz als „Schund- und Schmutzliteratur“ gebrandmarkt. Hier wie andernorts ist das politische Ziel der Parteien, die Judenhaß predigen, der Sturz der Freiheit, der zum Untergang der menschlichen Kultur wird. Diesen Bestrebungen entgegenzutreten, heißt dem Kampf führen für Freiheit und Kultur im Namen der Humanität und der Toleranz gegen die zerstörenden Mächte der Dunkelheit und der Brutalität.“ Gedenkrede auf Sokolow Jitzohak Grün bäum hielt sodann den Nachruf für Sokolow. Er gab eine eingehende Darstellung des Lebenslaufes des Heimgegangenen und schloß mit den Worten: „Auf diesem Kongreß, der vor schwere Entscheidungen gestellt ist, vermissen wir allzusehr die Anwesenheit S o k o 1 o w s. Sein Präsidentensitz steht leerundverwaist, Sein ruhiges, durchgeistigtes, geradezu konzentriertes Antlitz, aus dem zu erkennen war, daß er den Worten dier Redner mit größter Aufmerksamkeit folge, blickt nicht mehr auf die Teilnehmer des Kongresses. Verschwunden ist diese auserlesene Persönlichkeit, das Symbol unaufhörlicher Tätigkeit. Nie mehr werden wir seine ruhige, beruhigende Stimme während der stürmischen Debatten vernehmen, nie mehr wird er durch seine milden Worte die Gegensätze mildern. Verwaist ist der Kongreß, verwaist die Zionistische Bewegung und mit ihr das jüdische Volk. Noch lange werden wir uns von .dem schmerzhaften Bewußtsein nicht befreien können, daß uns ein Mann wie Sokolow fehlt, der die außerordentliche Fähigkeit besaß, durch Aufklärung alle Herzen zu gewinnen.“ BANKGESCHÄFT Dr. OFFENBERGER Wien, I., Freyung 1 Telephon: U 27-2-11 U 28-2-55 Durchführung sämtlicher Banku. Börsetransaktfonen DieEröffnungssitzung Zürich, 3. August. Zur Eröffnungssitzung waren bis zu 10 Pfund vor Beginn für Karten geboten worden, es war aber alles ausvenkauft. Auf dem Podium stand neben dem Stuhle des Präsidenten eiin schwarz verhangener Stuhl zur Erinnerung an Sokolow. Die zum Kongreß erschienenen Delegierten des Ersten Kongresses, unter ihnen auch Dr. Schallt aus Wien, wurden beim Betreten der Tribüne von lebhaftem Beifall begrüßt. Dann folgten die Mitglieder des A. C., die Ehrengäste, und schließlich mit den Mitgliedern der Exekutive Präsident Weizmann, dem das Publikum eine stürmische Ovation bereitete. Über die Eröffnungsrede Weizmanns berichten wir an anderer Steile. Sensation erregten die Mitteilungen Weizmanns über die Anwesenheit von Miß Dugd a l e, der Nichte Balfours, einer der zionistischen Sache treu ergebenen Frau. Das Publikum bereitete ihr, ebenso Lord M e 1 c h e t1, der als Delegierter am Kongreß. teilnimmt, herzliche Ovationen. Sympathisch berührte die Rede des Vertreters des Bundesrates und der Züricher Behörden, des Präsidenten des Regierungsrates des Kantons Zürich, Pfister. Als Weizmann die Sitzung schloß, sang die Menge begeistert die Tikwah und so manches Auge wurde feucht, als Frau Dug- Restaurant Stefanie ^3 II., Taborstr. 12 — Tel. R 48-4-49 Hugo und Julie Herllnger, geb. Zöllner Erstklassige renommierte Küche Große Auswahl, reichhaltige Menus von S 1.60 aufw. Exakte Bedienung, schöner schattiger Garten # Angenehmer Aufenthalt Für WEEKEND und REISE bastbekanntan EISEN FEINWURST UND SELCHWAREN Zentrale und Postversand II., RotensterngasBe 12 dale begeistert mitsamg. Wir haben noch Freunde in der Welt... Und draußen vor der Tonhalle tanzte die Jugend, der keine Königliche Kommission ihren Optimismus rauben kann, unter dem Beifall der Gäste unermüdlich Horra. Ormsby Gores Brief an den Kongreß Zürich, 4. August. (JTA.) Der feierlichen Eröffnungssitzung des XX. Zionistenkongresses in Zürich wohnten rund 600 Delegierte und Mitglieder des Aktionskomitees der Zionistischen Organisation bei. Fast alle Regierungen waren durch ihre in Zürich und in Bern akkreditierten Gesandten und Konsuln vertreten. Der britische Kolonienminister William Ormsby Gore sandte aus Genf, wo er als Vertreter der Mandatarmacht Palästinas den Sitzungen der Mandatskommission des Völkerbundes beiwohnt, das folgende Begrüßungsschreiben an den Kongreß: „Ich und meine Kollegen werden natürlich das Ergebnis Ihrer wichtigen Beratungen mit größtem Interesse studieren. Wir haben einen Wendepunkt in der Geschichte Palästinas erreicht und ich hoffe, daß Ihre Beratungen, wenn Sie sich einen weiten Gesichtspunkt setzen, viel Prosperität und gute Verwaltung in Palästina im Gefolge haben werden.“ Begrüßungsschreiben an den Kongreß sandten auch der GeneTalsekretär des Völkerbundes J. Avenol, der Generalsekretär des Internationalen Arbeitsamtes H. Butler und andere mehr. Außer den anwesenden Vertretern der fremden Mächte begrüßte Dr. Weizmann auch die Vertreter der. schweizerischen Judenheit, die Nichte Lord Balfours Mrs. Blanche Dugdale und Lord Melchett. Die Delegierten der Judenstaatspartei blieben der Eröffnungssitzung demonstrativ fern, um auf diese Weise gegen die Entscheidungen des Kongreßgerichtes, durch die sich die Partei benachteiligt fühlt, zu protestieren. Für die zweite Sitzung des Kongresses bereitet die Partei eine Protesterklärung gegen das Kongreßgericht vor. 490 Delegierte zum XX. Zionistenkongrefi Zürich, 2. August. (JTA.) An dem XX. Zio-: nistenkongreß werden 490 gewählte Delegierte aus fast allen Ländern der Welt teilnehmen. Sie repräsentieren 1,250.000 Schekel-, zahler, so daß die bisherige Rekordzahl des XIX. Zionistenkongresses noch tibertroffen worden ist. Mit den Mitgliedern des Aktionskomitees wird der Kongreß 525 Delegierte zählen. 31 aus Deutschland Die Zionistische Vereinigung für Deutschland entsandte zum XX. Zionistenkongreß auf Grund des Sammelergebnisses von 91.612 Sobekalim eine Gruppe von 31 Delegierten, die auf Grund einer Vereinbarung zwischen allen Parteien bestimmt wurden. Provisorische Exekutive der Jewish Agency In Jerusalem Jerusalem, 2. August. (JTA.) Für die Zeit, in der die Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency sich in Zürich befinden, hat eine provisorische Exekutive in Jerusalem die Geschäfte übernommen. Sie besteht aus dem Vorsitzenden des Waad Leumi, Jizehak Ben Z w i und den Herren Bernard J o s e p h und Felix Rosenblüth. Die Mitglieder der provisorischen Exekutive haben dem Oberkommissär Waucbope einen Besuch abgestattet. Hakenkreuz-Propaganda ln USA# erschwert Washington, 4. August. (JTA.) Das Abgeordnetenhaus hat einstimmig den Gesetzentwurf des Abgeordneten McCormack angenommen, wonach die politische Propaganda in den Vereinigten Staaten durch die vom Auslande abhängigen Organisationen unterbunden werden soll. Nach den Bestimmungen des neuen Gesetzes müsson ausländische Organisationen oder solche, die Verbindungen mit dem Auslande unterhalten, in Zukunft beim S t a a. t■ s d e p a r t e ni e n t e i n g c t r a - g o n sein. Sie pr.-»sen liiefür nähere Angaben über ihre Ziele und die Betätigung ihrer Mitglieder machen.