Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 665 (3.8.1937)
- Date
- 1937-08-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIB STIMME Wien, Dienetag, 3. August 1937. — Nr. 665* I RUNDSCHAU I IN HOFGASTEIN bietet sich dem Besucher de» christlichen Friedhofes inmitten der vielen Kreuze und kreuzgeschmückten Grabsteine ein eigenartiger Anblick. Es stehen da zwei Grabsteine nebeneinander, die den Magen David tragen. Gepflegte Gräber liegen darunter, den Grabsteinen selbst sieht man es auch an, daß sich jemand um sie kümmert, die eingemeißelten Zionssterne werden immer rechtzeitig frisch vergoldet. In diesen Gräbern liegen, die Inschriften geben Namen, Geburtsort und alle Daten genau an, zwei russische Juden, die als Soldaten des Zaren in Kriegsgefangenschaft geraten waren und in Hofgastein, wo sie in Arbeit standen, starben. Sie wurden auf dem christlichen Friedhof begraben, weil es keinen jüdischen gibt. Die Steine aber hat — der Pfarrer von Hofgastein setzen lassen. Er hat das Geld krönen- und hellerweise gesammelt, unermüdlich, bei Jud und Christ. „Ich weiß“, sagt er den jüdischen Badegästen, die sich bei ihm nach der Geschichte der Gräber und der Steine mit dem Magen David erkundigen, ,.ich weiß, daß ihr Juden eure Toten mit großer Pietät behandelt. Darum hielt ich 'es für meine Pflicht, die beiden rassischem Juden so begraben und ihre Gräber so pflegen zu lassen, ale ob sie zu Hause gestorben wären. Ich habe auch ihre Angehörigen verständigt, damit sie wissen, wann sie das Totenlicht anzünden sollen ...“ Es ist gut, solche Dinge aufzuzeic.hnen. Es sollten der Zukunft nicht nur die Dokumente der Verirrungen dieser Zeit überliefert -werden. Ein Pfarrer wie der von Hofgastein müßte irgendwo in den jüdischen Annalen einen würdigen Platz bekommen. * EI OSTSEEBAD HERINGSDORF dagegen wurde jüngst Julius Streicher feierlich zum Ehrenbürger ausgerufen. Es gab die üblichen Paraden, Fackelzüge und Ansprachen. Der Bürgermeister von Heringsdorf verstieg sich in seiner großen Festrede zu folgenden Sätzen: „Gauleiter Julius Streicher hat wie keiner die Ehrenbürgersohaft des Bades Heringsdorf verdient. Wir Heringsdorfer wissen besser als manche Volksgenossen im Reich, was das heißt: Judenherrschaft. Wenig Gegenden Deutschlands haben unter der jüdischem Tyrannei so gelitten wie wir hier in Heringsdorf. Darum feiern wir Heringsdorfer von ganzem Herzen in Julius Streicher unseren tapferen Befreier!“ Der gute Mann ist an diesen Sätzen nicht erstickt. Die Juden haben Heringsdorf durch Jahrzehnte in der Weise tyrannisiert, daß sie Sommer für Sommer zu Tausenden aus Berlin W dorthinfuhren, um dort Tausende von Mark zuriickzulassen. * IN OBERSCHLESIEN hat am 15. Juli die Wirksamkeit der Gesetze über den Schutz der Minderheiten aufgehört. Seither gelten auch in diesem Gebiet die Gesetze, die im Reich die Juden entrechten und diffamieren, also die Nürnberger und alle anderen Rassen-Schamdgesetze. „Der Stürmer“ hat aus diesem Anlaß eine Sondernummer herausgegeben, in der einerseits die oberschlesischen Volksgenossen für ihren tapferen Widerstand gegen die polnischen Okkupationsversuche und ihr einmütiges Vaterlandsbekenntnis bei der Volksabstimmung im Jahre 1921 gebührend gelobt, anderseits aber die oberschlesischen Juden, die sich ebenso tapfer geschlagen und ebenso einhellig für Deutschland gestimmt haben, für diese selben Taten greulich beschimpft werden, „denn sie kämpften und stimmten in Wahrheit nur für die jüdische Weltherrschaft, weil der Jude für nichts anderes kämpfen und stimmen kann.“ Dabei passiert dem „Stürmer“ aber ein fürchterliches Malheur. Eine lange Geschichte erzählt von den Heldentaten des „braven deutschen Jungen Rudolf Haas“, der, so schreibt „Der Stürmer“ wörtlich, „im Kampf für das Deutschtum immer in vorderster Linie gestanden hat. Sein unerschrockenes Eintreten für sein Vaterland zog ihm den glühenden Haß seiner Gegner zu... Rudolf Haas, der 15jährige Gymnasiast, hatte seine Liebe zu Deutschland mit dem Tode besiegelt.“ Pech! Rudolf Haas war Jude... J e h u d a. Jüdische Künstlerspiele. Das für den 7. August angesetzte Gartenfest der Jüdischen K il n s 11 e r s p i e 1 e am Konstantinhügel, Prater Hauptallee, wurde wegen Verhinderung mehrerer Mitwirkender auf einen noch näher zu bestimmenden Termin Ende Auguet yersch oben. Mandatskommission hat begonnen Ormsby Gores Rede in Genf Genf, 80. Juli. Die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes ist heute um 11 Uhr vormittags zusammengetreten, um den englischen Plan der Dreiteilung Palästinas zu beraten. Den Vorsitz führt der Belgier Orts. Marquese T h e o d o 1 i ist nicht erschienen. Stellvertretender Vorsitzender ist der bekannte Schweizer Gelehrte Professor William Rapard. Die erste Sitzung endete um 4 Uhr nachmittags. Die Kommission nahm einstimmig eine Tagesordnung an, die die Prüfung und Erwägung des Berichtes der von Lord Peel geführten britischen Königlichen Kommission sowie des Statement of Policy der britischen Regierung enthält. Das belgisohe Mitglied der Mandatskommission Pierre Orts, der den Vorsitz in dieser Session führt, führte aus, der Kommission obliege die Prüfung und Berichterstattung, während definitive Ents c h e i d u n g en auf Grund dieses Berichtes dem Völkerbundrat, der sich in seiner Sitzung im September d. J. mit demselben befassen wird, Vorbehalten bleiben. Der Koionienminisfer vertritt den Teilungsplan Genf, 30. Juli. (Privat.) Als Vertreter der englischen Mandatsmacht gab heute der britische Kolonialsekretär Ormsby Gore eine bedeutsame Erklärung ab. Er hat selbst einst der Mandatskommision angehört und ist, wie er sagte, als Neffe Balfours, immer ein warmer Verfechter der zionistischen Idee gewesen. In seiner Rede verwies er darauf, daß England sieb bewußt sei, daß es sein Mandat über Palästina nur im Aufträge des Völkerbundes ausübe. Aber in keinem anderen Mandatsgebiet seien so weitreichende Interessen wie in Palästina. Im Lichte der Erfahrungen der ganzen 17 Jahre der Mandatsvervvaltung muß jetzt ein Plan aufgestellt werden für eine „bessere Regierung“ in Palästina im Einklang mit dem Völkerbundpakt, der Balfour-Deklaration, dem Wöhle aller Teile der Bevölkerung und unter Wahrung der erwähnten weitreichenden internationalen Interessen im heiligen Land. Ormsby Gore rühmte die freimütige und verständnisvolle Beurteilung aller wesentlichen Tatsachen im Bericht der Königlichen Kommission. „Nie hat“, so sagte er, „die Mandatskommission eine wichtigere Tagung abgehalten als diesmal, und die Frage, welches Gutachten sie dem Völkerbundrat erstaaten soll, legt ihr eine schwere Verantwortung auf. Es ist ihre Pflicht, zu einem unabhängig gen Urteil über die verschiedenen Dokumente zu gelangen, die ihr vorliegen, und über die Anregungen, die ich noch im Laufe der Tagung als Vertreter der Mandatsraacht geben werde.“ Die englische Regierung ist im vollen Einverständnis mit dem Argumenten und Schlußfolgerungen der Königlichen Kommission. Die Mitglieder der Kommission haben anerkannt, daß die von der englischen Regierung und ihren Nachfolgern übernommenen Mandatsverpflichtungen nicht unvereinbar wären mit ihren Verpflichtungen gegenüber den Arabern und Juden, sofern' diese ihre nationalen Ansprüche miteinander in Einklang bringen, um die Errichtung einer einigen und einheitlichen Verwaltung zu ermöglichen. Gerade diese Ansprüche der Araber und Juden haben sich jedoch als unversöhnlich zu einander erwiesen und diese Ansprüche können, nach dem Wortlaut des gegenwärtigen Mandats nicht befriedigt werden. Darum ist der Plan einer Teilung in großen Umrissen von der Kommission als der beste Ausweg aus der jetzigen Sackgasse empfohlen worden. Die englische Regierung will, eingedenk ihrer Verpflichtungen gegenüber dem Völkerbundpakt und gegenüber anderen internationalen Verträgen, jetzt die geernteten Schritte unternehmen, um freie Hand zu erhalten für die Verwirklichung eines Teilungsplanes, wobei sie hofft, daß es in ausreichendem Maße gelingen werde, Die Zustimmung der Gemeinschaften in Palästina zu erlangen. Ormsby Gore verwies auf den Beschluß des Unterhauses, wonach der Bericht der Kommission vor den Völkerbund gebracht werden soll, um es der englischen Regierung zu ermöglichen, dem Parlament einen endgültigen Plan unter voller Berücksichtigung der Kommisisonsvorsobläge vorzulegen. Der Minister sagte, er wisse klar, daß die Mandatskommission in dieser außerordentlichen Tagung vom Völkerbundrat ermächtigt werden ist, nur ein vorläufiges Gutachten an dem Rat zu erstatten, und wenn das englischo Parlament Vorbehalte gemacht hat, so könne die Kommission und ebenso auch der Völkerbundrat solche Vorbehalte machen* Aber auch eine vorläufige Billigung oder Mißbilligung der Ausarbeitung einer Art von Plan würde schon weiterführen. Eine Billigung des Plane« durch die Kommission würde in sich schließen Verhandlungen mit den Juden und Arabern, ob eie gewillt sind, zu verhandeln, und würde in eich beinhalten die spätere Abfassung eine s definitven Planes, der der Kommission vorgelegt werden soll. Auch damit aber wäre die Zusammenarbeit mit der Kommission noch nicht abgeschlossen, denn die Idee eines endgültigen Planes auf Grund der vorgeschlagenen allgemeinen Linien beinhaltet die Abfassung von Verträgen, finanziellen und militärischen Abmachungen und die Aufstellung eines verbesserten und veränderten Mandats über jene Teile Palästinas, über die die englische Regierung als Mandatsraacht im Namen des Völkerbundes ihre Verwaltung auszuüben hätte, Das ist ein sehr weitreichendes Programm, daß zunächst unsere gemeinsame Zusammenarbeit in der .Kommission, ferner Anträge der Kommission an den Rat und später dann die Zustimmung des Rates zu einer weiteren Etappe erfordert. Unser Ziel ist die Beendigung des Mandats über Transjordanien und über den den größten Teil von Palästina und die Schaffung zweier neuer unabhängiger und souveräner Staaten, eines arabischen und eines jüdischen Staates, abgesehen von bestimmten Gegenden Palästinas, die zum Teil einem permanenten britischen Mandat, zu anderen Teilen einem eventuell zeitweisen britischen Mandat unterworfen wären. Ein solches Mandat würde Änderungen der Bestimmungen des gegenwärtigen Mandats erforderlich machen. Die Schwierigkeiten sind offenkundig, aber eie müssen überwunden werden. Denn diese Lösung bedeutet nach unserer Überzeugung den befriedigendsten Ausweg aus der Sackgasse. Wir sind durch die Unvereinbarkeit der jüdischen und arabischen Aspirationen an einem toten Punkt angelangt. Es muß aber ein Ausweg gefunden werden, wenn es Frieden, Fortschritt und eine gute Verwaltung in diesem Teil von Asien und in den umgebenden Ländern geben soll. Das ist meine persönliche Auffassung, daß die Darstellung der Tatsachen in dem Bericht der Königlichen Kommission wahrheitsgetreu ist. Ich mache die Mandatskommission vor allem dringend auf das Kapitel aufmerksam, in welchem die Gründe für unsere Teilungspolitik auseinandergesetzt werden. Die englische Regierung hat es nicht versucht, den Teiiungsplan bis ins Einzelne auszuführen. Die Royal-Kommission legt selbst dar, daß ihre Teilungsvorschlä^e. nicht die einzige Lösung dieses schwierigen Problems darsteilen werde. Sie schlägt darum vor, daß diese Aufgabe einer Grenzkommission übertragen werden soll. Es kann sein, daß vorbereitende Verhandlungen mit den Parteien schon stattfinden, ehe diese Abgrenzungskommission eingesetzt wird, ihre Einsetzung aber wird einen entscheidenden Schritt bedeuten, ' ohne den die Aufstellung eines definitiven Planes nicht möglich wäre. Darum möchte ich ln der Kommission vor allem diesen Punkt besprechen, denn davon hängen die späteren Maßnahmen ab, die ins Auge gefaßt werden sollen, sobald der Völkerbundrat sich über die Vorschläge der Mandatskommission geäußert haben wird, ab. Die Frage, in welchem Zeitpunkt die Abgrenzungskommis8ion eingesetzt werden soll, bedarf einer besonders gründlichen Prüfung. Chamberlains Anssprache mit Grandi London, 29. Juli. (JTA.) Der Besuch des italienischen Botschafters Grandi beim Premierminister Neville Chamberlain am 27. Juli, der von ungewöhnlich langer Dauer war, wird als der Beginn einer Entspannung zwischen Italien und England gewertet. Über Verlauf und Ergebnis der Unterredung verlautet, daß Neville Chamberlain, der ein Befürworter der Völkerbundpolitik ist, die Mitarbeit Italiens im Völkerbund zu sichern wünscht; dies solle noch vor der Herbsttagung des Völkerbundes in Genf erfolgen, in welcher sowohl über die Zugehörigkeit Abessiniens zum Völkerbund, als auch über das Schicksal Palästinas entschieden werden soll. Hierbei brachte Chamberlain auch die italienische Propaganda unter den Arabern zur Sprache. ST HINTERBRtlHL Pension Forti nv Hauptstraße 41, Tel. 117 Pension Brühlegg, Hauptstraße 114, Tel. 7 Erstklassige Häuser / Beste KUche / Mäßige Preise Wedgwood hält den Teilungsplan für tot London, 1. August. (JTA.) Der Abgeordnete Wedgwood schreibt dem „Daily Telegraph“, daß die Situation in Palästina sich kaleidoskopartig ändere. Die Teilung,' die vor wenigen Tagen unmittelbar bevorzustehen schien, sei jetzt bei weitem nicht mehr gewiß, ja vielleicht sei der Teilungsgedanke schon tot. Weder von den Arabern, noch von den Beamten in Palästina werde die Teilung jetzt gewünscht. Auch funktioniere die Polizei wieder. Die Verhaftung des Obersten Arabischen Ausschusses würde jetzt keine Schwierigkeiten machen. Haussuchungen nach Waffen, die man früher als undurchführbar bezeichnet habe, gehen jetzt glatt vonstatten. Nachdem es sich nunmehr erwiesen habe, wie leicht es ist, der Anarchie ein Ende zu machen, bestehe kein Grund mehr für einen Mandatsverzicht Englands und für die Teilung. Der Peel-Bericht habe festgestellt, daß die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit mit steigender Einwanderung wächst. Man solle daher den Juden selbst die Kontrolle über die Einwanderung in den für sie bestimmten Teil Palästinas überlassen. Die Araber wünschten jetzt das Verbleiben Englands in Palästina, aber die Juden dürften es kaum wünschen, solange die Gefahr der Einschränkung der Einwanderung auf 12.000 jährlich und die Hervorrufung neuer Unruhen durch eine schwache Regierung über ihrem Haupts hängt. Um Daganla London, 29. Juli. (JTA.) Der Abgeordnete T. Williams richtete am 28. Juli im Unterhaus an die Regierung die Frage, ob sie erklären könne, welches das Schicksal von D a g a n i a, der ersten koopera^ tiven jüdischen Siedlung in Palästina, die laut den Vorschlägen der Königlichen Kommission in das Gebiet des zu schaffenden jüdischen Staates1 nicht exngeschlossen ist, sein werde. In Vertretung des abwesenden Kolonieministers erwiderte Unterstaatssekretär Lambeng Ward, es sed noch ge- PUBLIKATIONEN DES XX. ZIONISTEN KONGRESSES 1. Berlohte an den XX. Zlonlstenkongrel a) Bericht der zionistischen Exe-i kutive . (hebräisch, engl.) b) Bericht des Keren Hajeesod . (hebräisch, engl.) o) Bericht des Keren Kajemeth| Leisrael .. , (hebräisch, engl.) 2. Kongreßzeltungen offizielle Organe des Kongresses, erscheine (in hebräischer und deutscher Sprach« während des Kongresses und der Tagun des Counoils der Jewlsb Agency for Pt lestine täglich : Abonnements in der Sohweiz . . . S 6.5 „ In den übrigen Ländern S 7.6 S 7.5 3. Stenographisches Protokoll des XX. Zionistenkongresses und der Tagung des Councils der Jewlsh Agency for Palestine (in hebräischer Sprache) . . S 18.— Oeneralabonnement für alle drei Publikationen . , . . S 22.— Alle diese Publikationen können durch das Büro des Zionistischen Landesverbandes gegen Erlag des Gegenwertes bestellt werden.