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Die Stimme · 1937-08-03 · Heft 665 (3.8.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 665 (3.8.1937)
Date
1937-08-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Nr. 665 Wien, Dienstag, 3. August 1937 * 36. Aw 5697 10. Jahrgang iStimme JÜDISCHE ZEITUNG Ab Mittwoch, 4. August: Premiere des Russentonfilms »Station Nordpol ruft!« der aktuellste Spielfilm des Jahres BURG I. IMPERIAL I. BILLIGE UND BEQUEME FERIENFAHRTEN MIT DER „CZeRNOWITZER ALLG. ZEITUNG" NACH POLEN»(ZERNOWITZ Abfahrten: 8. u. 15. Aug. AUSKÜNFTE und ANMELDUNGEN s ausschließlich im REISEBÜRO „MARIEN- BAUCHE“, WIEN, I., ROTENTURM- STRASSE 26 TELEPHON R 24-2-86/87 Genfer Geständnisse Die Rede, in welcher der englische Kolonienminister da-s Teilungsprojekt vor der Mandatskommission vertreten hat, wurde von ihm entgegen dem sonst üblichen Brauch der Presse übermittelt. Der Minister verspricht sich wohl von diesem ungewöhnlichen Vorgang eine stärkere Beeinflussung der Öffentlichkeit, die allerorten dem Plan kein günstiges Prognostikon stellt. Der Minister sagte, daß die Regierung mit den Anträgen der Königlichen Kommission solidarisch ist. Er zieht, also seine Erklärung im Unterhaus, die das gerade Gegenteil besagte, wieder , zurück. Weiters ging aus seiner Darstellung hervor, daß eine diplomatische ■ Sicherung der Vorschläge nicht erfolgt ist; dies wurde von Anfang an vermutet, nun hat man die Bestätigung. Die britische Regierung hat den Vorgang gewählt, sich zuerst eine allgemeine Ermächtigung für die Abänderung des Mandats erteilen zu lassen, um dann die Verpflichtungen gegenüber anderen internationalen Verträgen zu erfüllen und die Zustimmung der ins Auge gefaßten Gemeinschaften in Palästina anzustreben. Nun gehen aber die Anträge der Königlichen Kommission, die die Regierung nun wieder voll aufnimmt, über den Rahmen einer allgemeinen Ermächtigung weit hinaus. Sie sehen bereits eine. Regelung der Details vor, indem sie. eine Grenzziehung für den arabischen und den jüdischen Staat, für den Korridor und für die halb- und ganzpermanenten Mandats-Enklaven vornehmen. Dagegen spricht Ormsby Gore von einer Grenzkommission, die die Hauptlast des Problems zu tragen haben wird. Sie wird also die Verhandlungen mit Juden und Arabern zu führen haben, wobei sich ergeben wird, was im Kommissionsantrag aufs Abhandeln eingerichtet war. Was für die Autorität des Planes nicht förderlich sein wird. Nun hat der Minister auch eine Begründung für die Haltung Englands geliefert und damit versucht, die Eile und Überhastung zu rechtfertigen, mit der Kommission und Regierung das weltpolitische Hörnissennest aufgestöbert haben. Der Minister wies auf die in den letzten Jahren durchgeführten Änderungen in der staatlichen Struktur der Nachbarländer Palästinas, in Ägypten, Syrien und im Irak' hin und verfocht die Ansicht, daß es fast unmöglich sei, dengegenwärtigen Zustand in Palästina aufrechtzuerhalten, wenn sich überall an seinen Grenzen Veränderungen vollzogen haben. Die politische und psychologische Wirkung dieser Änderungen würde aber, wie wir meinen,. durch eine Zwei- oder Dreiteilung Palästinas nicht abgeschwächt, sondern nur verstärkt. Denn es treten an die Stelle des einen Problems gleich drei neue, die ebenso viel Konfliktstoff in sich schließen. Wenn aber schon so viele Änderungen, deren innere Verbindung mit dem Palästina- Mandat, ein Geheimnis der Ölberg- Bürokratie bleibt, zu berücksichtigen waren, mußte dies jetzt unmittelbar nach der Verschärfung im Mittelmeer geschehen? Und wenn die britische Re- Vorschau auf den Kongreß Telephonischer Eigenbericht ans Zürich. Zürich, 2. August. Die Diskussion unter den Delegierten wird von der Frage der Teilung Palästinas beherrscht. Freitag fand eine Sitzung der „Neinsager“ unter Vorsitz von U s 8 i s c hkin statt, an der unter anderem Bo'gras c h o f f (Weltverband), Berl Katzenelson (Arbeiterpartei) und Meir B e r- Ün (Misrachi) teilnahmen. In einer Sitzung der Arbeiterpartei hielt Ben Gurion ein vierstündiges Referat, in welchem er sich für die Teilung aussprach. Kaplan pflichtete ihm aus wirtschaftlichen Gründen bei. Ebenso ist Kaplansky umgefallen und tritt für die Teilung ein. In der Judenstaatspartei, die in Paris eine Sitzung abhielt, kam es zum Austritt von Lichtheim und Soskin, die ebenfalls für eine Teilung sind. Im allgemeinen kann man aber feststellen, daß bei allen Gruppen die Opposition gegen die Teilung wächst. Die Gruppe A der Allgemeinen Zionisten grenzt sich zusehends in vier Gruppen ab. Drei Gruppen, die sich um Jizchak Grünbaum und Blumenfeld scharen, und die Amerikaner stehen einander mit unverkennbarer Animosität gegenüber. Dazu kommt noch eine vierte Gruppe von Indifferenten. Die Exekutive ist gestern zu ihrer ersten Sitzung zusammengetreten. Gegenstand , der Delötte bildet, wie man hört, die Rede Weizm an ns bei der Eröffnungssitzung und die Frage, wie die p o I i t i 8 c h e Debatte abgeführt werden soll. Es steht zur Erwägung, daß die politische Debatte entweder in. der politischen Kommission oder im Plenum, auf alte Fälle aber hinter geschlossenen Türen stattflnden soll. Die Exekutive berät auch über die Frage der „Nichtzionisten“, die einen verstärkten Einfluß verlangen* Allgemeine Erbitterung herrscht über die Rede Herbert Samuels im Oberhaus, die unter Einfluß, von Felix War* bürg (New York) gestanden Sein soll, der ein entschiedener Gegner des Judenstaats ist Es verlautet übrigens mit Bestimmtheit, daß einflußreiche nichtzionistische Kreise direkte Verhandlungen mit den Araber» gepflogen haben und noch pflegen. Außerordentlicher Kongreß im nächsten Jahr? Von der Genfer Tagung der Mandatskommission hat man den Eindruck, daß der Bericht der englischen Regierung zur Kenntnis genommen/ werden wird und daß ein Antrag auf Teilung Palästinas dem gierung dies so rasch tun mußte, weshalb hat sie sich nicht vorher der Zustimmung der San-Remo-Staaten und der Amerikanischen Union versichert. Dies ist unterlassen worden. Ja, es ergibt sioh sogar die Tatsache, daß der britische Generalstab den Plan vorher nicht gekannt hat und erst jetzt die strategische Seite der Sache prüft; es ergibt sich weiter, daß die Angelegenheit der Reicbskonferenz des Imperiums nicht vorgetragen worden ist, wie aus einer Äußerung des Generals Srnuts hervorgelit, der die schweren Bedenken der Dominien betont. ' ■ Es ist noch solten ein wichtiger Staatsakt in solcher voraussicbtslosen Eile betrieben worden und er ist noch selten so widerspruchsvoll begründet worden, wie Völkerhundrat vorliegen wird, der aber Rückfragen stellen dürfte. Dann werden noch Verhandlungen mit den Juden und Arabern gepflogen werden, so daß eine endgültige Entscheidung vor dem Frühjahr nicht zu erwarten ist. Man rechnet damit, daß erst ein außerordentlicher Kongreß dazu berufen sein wird, zur Frage der Teilung endgültig Stellung zu nehmen. Zürich 1929 — Zürich 1937 ]im Jahre 1929 fand der 16. Zioniß tenkongreß in Zürich statt. Er beschloß die Erweiterung der Jewish Agency durch den Beitritt der . Nichtzionisten. Kaum war der Kongreß zu Ende, da starb Louis M a rs h a 11, auf den die führenden zionistischen Kreise so große Hoffnungen gesetzt hatten, und in Palästina begannen Araberunruhen, die in Hebron und Safed . zu regelrechten Pogromen ausarteten, große Opfer an Menschenleben forderten und ungeheueren Sachschaden mit sieh brachten. Noch ärger waren die politischen Folgen. Der damalige Oberkommiseär C h a n c e 1- 1 or und der Kolonienminister Lord Pasef i e 1 d wollten dem Jisohuw das Lebenslicht ausblasen. Im Jahre 1931 erschien das' berüchtigte P a s s f i e 1 d s c h e W e ißb u c h, das dann durch den sogenannten MacDonald-Brief einigermaßen gemildert wurde; Die Judennot aber und die zionistische Energie*erwiesen eich als stärker als die antizionistischen Attacken der englischen BureahkVatie und der Araber, und so. kam eis, daß der Jisohuw heute über 400.000 Seelen zählt. Und noch mehr: Der Judenstaat, ein Traum der Zukunft noch vor einem Jahr, , steht'vor der Erfüllung* Wieder aber sind Kräfte am Werk, wieder, sollen wir in ein Prokrustesbett gepraßt werden. Der Judenstaat soll der Hampelmann werden, der von London aus dirigiert werdensoll. Wieder . einmal stehen wir vor gigantischen Problemen. . * Kommt, man am Züricher Bahnhof an, so glaubt man sich in einem Militärlager. Es Sind Reservisten, die nach der Waffenübung auf der Heimreise. in Zürich Station machen. Jeder Schweizer Soldat hat. bekanntlich Uniform und Gewehr bei sioh zu Hause und da die Reservisten sich in Zürich vergnügen wollen, so geben eie Gewehr, Tornister und Stahlhelm in der Bahnhofgarderobe ab, wo sie schön ausgerichtet, mit roten Garderobezetteln bepickt, in Reih iimd Glied stehen. “ ' für Beteiligung der Zionisten Italiens am Kongreß Rom, 1. August. (JTA.) Ministerpräsident Mussolini hat den Oberrabbiner von Rom, Prof. Davide Prato, empfangen und ihm versichert, daß die Juden Italiens durchaus berechtigt seien, sich auf dem Zionistenkongreß in Zürich vertreten zu lassen und an ihm teilzunehmen. dies der Minister getan hat. Die Debatten im Oberhaus und im Unterhaus haben gezeigt, daß die Regierung selbst über Anlage und Durchfechtung ihres Antrages im Unklaren steckt. Sie hat die Judenschaft der ganzen Welt in Erbitterung versetzt, hat den Araberftihrern neue schöne Aussichten auf klingenden Verdienst für eine weite Zukunft geschenkt, hat überall Verstimmung hervorgerufen und das Resultat sind Berge von Schwierigkeiten, die letzten Endes unnötig waren. Ein bißchen Energie, wie sie seinerzeit Lord Plumer den Unruhestiftern gegenüber aufgebracht hat, hätte genügt, um die Ruhe zu sichern und dem Imperium das demütigende Geständnis zu ersparen, daß es das Mandat nicht ausführen kann. Die Parteien des Kongresses Jerusalem, 29. Juli. (JTA.) Nach den bisher bei der Zionistischen Exekutive gemeldeten Ergebnissen der in verschiedenen Ländern zum XX. Zionistenkongreß vorgenommenen Delegiertenwahlen erscheinen vorläufig 432 Delegierte als gewählt. Von ihnen gehören 201 Delegierte dem Arbeiterflügel an, 110 den Allgemeinen Zionisten Gruppe A (Weltvereinigung), 70 dem Misrachi, 33 den Allgemeinen Zionisten Gruppe B (Weltverband) und 8 der Judenstaatspartei, 10 Delegierte haben keine bestimmte Gruppenzugehörigkeit. Eine Erklärung Lord Strabolgis London, 29. Juli. (JTA.) Lord Strabolgi (früher . Abg. Commander Ken Worth y) sandte der Presse die folgende Erklärung: „Als ich während der Oberhausdebatte am Mittwoch davon sprach, daß zwischen den Italienern und den Zionisten eine Berührung besteht, wollte ich damit durchaus nicht sagen, daß etwa die Zionisten den Italienern eine Antwort gegeben haben. Ich persönlich habe allen Grund zu glauben, daß eine Antwort von zionistischer Seite an Italien nicht erfolgen wird. . Ich wollte nur ändeuten, daß von italienischer Seite solche Berührung&yersuche gemacht worden sind.“ ' Weizmansis Konferenzen ln Genf Genf, 30. Juli (JTA.) Der Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency Dr. Chaim Weizmann, der am 29. Juli in. Genf eingetroffen ist, hat eine Reihe Konferenzen mit Staatsmännern ab-, gehalten... - ' '' : Der Führer der amerikanischen : Delegation . zum Zionistenkongreß Dr.’’Stephen S. Wie e, der einer - der entschiedensten Gegner der Teilung Palästinas ist, weilt, i ebenfalls in Genf und wird mit Weizmann Zusammenkommen. Delegationen der Z i o n is t e n und des W a a d L e u m i halten gemeinsame Beratungen über die Frage der Teilung- Palästinas ab. In Genf weilen auch Delegationen der NeurZionistischen Organisationen und der AgU'das Jisrael, die gemeinsam, über eine Basis des Kampfes gegen den Teilungsplan und des Schutzes der jüdischen Positionen in Palästina Beratungen pflegen. ■ Arabische Abordnungen bei Ormsby Gore Bei der Mandatskommission sind Hunderte Proteste von jüdischer und arabischer Seite gegen den Plan der Teilung Palästinas eingelaufen. Vor Beginn der Tagung der Kommission empfing Kolonialminister Ormsby 'Gore eine von Auni Boy Abdul Hadi geführte Delegation des Obersten Arabischen Ausschusses und eine die Gruppe Na&hasbiibi repräsentierende Delegation und ließ sich die arabischen Ansichten vortragen. Antijfidische Ausschreitungen in Deutsch*0berschlesien Warschau, 30. Juli. (JTA.) Aus Beut h e n, der Hauptstadt Deutsch-Obersohlesiens, treffen Nachrichten über schwere antijüdi'sche Ausschreitungen ein, die sich dort in den letzten Tagen ereignet haben. Die Exzesse setzten gleich nach Ablauf der Genfer Konvention ein, Hakenkreuzjugend demolierte mehrere jüdische Geschäfte und beschädigte auch die Ortssynagogo, Dio Exzedenten forderten die jüdische Bevölkerung auf, aus dein Bezirk von Oppeln ausauwandern. " jt T — i Ti» i ‘-fämtnVi—Mir- 73

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