Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1937-07-30 · Heft 664 (30.7.1937) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 664 (30.7.1937)
Date
1937-07-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3053752-3054338-3054420--6834-3062734
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Wien, Freitag, 80. Juli 1937. — Nr. 664. Dil STIMM! fett« O Dr« Erwin Samstag (Znaim) Jüdisches Selbsbestimmuiigsreeht I. Das Heilige Band Der Weltkrieg brachte vielen unterdrück' ten Völkern die Freiheit. Sie wurden mündig in ihren Ländern und erhielten ihre Staaten. Nur das jüdische Volk, losgerissen von der angestammten Heimat, war ohne Land und blieb, unmündig, ohne Staat. Hat England vergessen, worum es damals ging, als englische und jüdische Soldaten Seite an Seite um die Befreiung Palästinas kämpften? Wir haben ein besseres Gedächtnis. „Selbstbestimmungsreoht“ lautete die Parole, Selbstbestimmungsreoht auch für das jüdische Volk. Gewiß, man anerkannte die historische Verknüpftheit des jüdischen Volkes mit Palästina. Aber an Stelle des Landes gab man uns nur einen Anspruch, einen Anspruch auf die Wiedererrichtung unserer nationalen Heimstätte in diesem Lande. Und nun ist Spitzfindigkeit am Werke, aus unserem unveräußerlichen Rechte auf Erez Israel, entsprungen der geschichtlichen Verbundenheit von Volk und Land, ein Zwerggebilde in u nhistorischen Grenzen als Judenstaat abzuleiten. Nicht der Völkerbund, nicht England, keine Macht der Erde vermag das heilige Band zu lösen, das die Gesamtjudenheit mit ihrer historischen Heimat verknüpft, denn niemand dreht das Rad der Geschichte zurück; aber das Band zerhauen kann jeder, dem Gewalt mehr gilt als Recht. Obwohl waffenlos, sind wir doch nicht wehrlos. Unser Anspruch steht fest: wir geben ihn nicht auf. Zwang ist vergänglich, Recht ist unzerstörbar. Das jüdische Volk bestimmt selbst sein Schicksal. II. Weltmacht gegen Ohnmacht Der Judenstaat, wie wir ihn meinen, freie Heimat eines freien Volkes, bedeutet den Schlußstein am vollendeten Ideenbau des Zionismus. Der Judenstaat, wie ihn England meint, dieser Judenstaat in John Bulls Westentasche, bedeutet den Schlußstrich unter dem letzten Kapitel im Lebeneibuche unseres Volkes. Denn dann ist es mit allen Zuknnftshoffnungen für immer vorbei. Wir wollen aber nicht sterben. Englands Interesse an Palästina ist nicht unser Interesse; dort — Sicherheit des Imperiums, hier — Lösung der Judenfrage, dort — zeitbedingter Stützpunkt zur Maohtentfaltung, hier — letztes Bollwerk der Selbsterhaltung. Wir haben bisher geglaubt, daß beides vereinbar sei. Unser mächtiger Partner ist, wie es scheint, anderer Meinung. In diesem Punkte ist Englands Weltmacht und Israels Ohnmacht im Widerstreit. Wir verzichten auf einen Judenstaat, der m winzig ist, um je ein Staat der Juden zu werden, zu schwach, um sich oder andere zu schützen, zu arm, um dem Judeneland zu steuern, angewiesen auf den versiegenden Geldsitrom aus der Galuth. Wir verzichten auf ein „Nachtasyl“ für eine oder zwei Millionen Juden, ob es nun Uganda oder Erez Israel heißt, wenn hinter Tel-Aviv schon die Galuth beiginnt und Zion in Chuz la’Arez liegt. Wir verzichten auf diesen Zwergstaat, dessen undehnbare Grenzen, kein Hindernis für die Scheelsucht übelwollender Nachbarn, unerbittlich zwischen Juden hüben und Juden drüben, zwischen Heimgekehrten und Verbannten, den Trennungsstrich ziehen und ungastlich jüdische Heimatpilger zu Fremdlingen im eigenen Lande machen würden — verewigte Galuth. Wir verzichten aber nicht auf unser anerkanntes Recht, wir verzichten nicht auf einen einzigen Juden, der in Erez Israel seine Heimat sieht, nicht auf den winzigsten jüdischen Volkssplitter, der im Schoße der Nation Geborgenheit sucht, wir vorzichten auf keinen einzigen Dunam Boden, der in den historischen Grenzen Palästina« liegt, nicht auf die lockendem Früchte unserer Arbeit, nieht auf Siedlungen, auf Werke der Technik, auf Werte der Kultur, wir verzichten nicht auf Jerusalem, das tausendjährige, geheiligte Zentrum des Judentums. Wer verzichtet, verwirkt sein Recht. Wir verzichten nicht, wir fordern: dem ganzen Volk das ganze Land. III. Ein Zwiegespräch England hat gesprochen; gewiß noch nicht sein letztes Wort. Mau wird verhandeln, man wird uns zugestehon: Dagania und Tel-Or, Kalit und Berschewa und Neu-Jerusalem. Wir hören und es wird an uns sein au antworten. Da werden wir zu England sprechen: „Wir sind ein Volk, zerstreut über die Erde. Unsere Brüder leben in vielen Vatorlänrlern, aber ein Mutterland, (las seine Arme schützend über sie breitet, haben sie nicht. Dil gibst uns Erez Israel, als Heimstätto zu Jdein, um alle. Stiefkinder der Galuth zu fassen. Hilf uns, diie Grenzen des Landes friedlich zu erweitern.“ Und England erwidert: „Ich habe das Mögliche getan. Staa-. ten haben starre Grenzen, auch der eurige. Nur im Kriege wagt man, an ihnen zu rütteln.“ Darauf wir: „Die Grenzen, die du meinst, sind auch uns heilig. Wir machen aber an ihnen nicht halt. Unser Staat greift in fried-, licher Ausdehnung über seine Grenzen hinaus.“ 1 Und England: „Das werden die Nachbarn nicht dulden. Die Gebietshoheit beginnt und endet an der Grenze. Man kann die Grenzen wahren oder nicht; aber man kann nicht beides zugleich.“ Wir: „Man kann es, wenn man einsichtige Nachbarn hat und hilfsbereite Freunde. Dein Wort gilt viel bei unseren arabischen Nachbarn. Ihre Einsicht wird mit deiner Hilfsbereitschaft wachsen, doch für das Wachstum der Kinder Erez Israels vielleicht nicht schnell genug. Darum wollen wir uns jetzt schon durch wirksame Verträge Siedlung«-' boden außer Landes sichern. Das ist es, was wir unter friedlicher Erweiterung der Grenzen verstehen. England: „Wenn ihr nur dies meint, dann rechnet mit meinen guten Diensten.“ Wir: „Dein Verständnis für unsere Notwendigkeiten gibt uns den Mut, noch weitere Beweise deiner Freundschaft zu erhoffen. Einst hast du uns in kluger Voraussicht ein feierliches Versprechen, die Balfour-Erklärung, gegeben. Hilf uns nun, ihre Grundsätze in der Verfassung unseres Staates zu verankern!“ England: ..Ein freies Volk gibt sich die Verfassung selbst. Freilich sind der Willkür, vor allem gegen Minderheiten, Schranken Wir: „Gerade hierin wäre uns dein Beistand willkommen. Selbst Minorität in aller Welt, wissen wir nur zu gut, was Minderheitssohicksal bedeutet. Nicht unterdrückt werden, aber auch seihst niemanden unterdrücken, ist unser sehnlichster Wunsch. Darum sei die Balfour-Erklärung, das Versprechen der Erfüllung dieser Sehnsucht, in unserer Verfassung Grundgesetz: ,Erez Israels — Heimstätte für das jüdische Volk; Wahrung der bürgerlichen und religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina; keine Beeinträchtigung der Rechte und der politischen Stellung der Juden in irgend einem andere Lande4.“ Das Wort, von dir verpfändet, lösen wir ein. Das Mandat mag sterben. Hilf uns, die Balfour-Eriklärung zu neuem Leben zu erwecken. England: „Der Gedanke ist verlockend. Aber die Deklaration stirbt mit dem Mandat.“ Wir: „Sie war vor dem Mandat und wird nach ihm sein, auch wenn du dem Werk im Stiche läßt. Wenn du aber für unsere Sache, die auch die deine ist, einsteht, dann wird aus dem papierenen Vorbehalt mit einem Schlage eine wirksame Tatsache der Weltpolitik.“ England: Soll da.s heißen, daß ihr euch um Anerkennung eures Staates als Schutzmacht der Judenheit bemüht? Für dieses Amt wäre der stärkste Arm zu schwach.“ Wir: „Auf Recht gestützt wäre der schwächste stark genug. Denn nicht durch Macht wollen wir unsere Brüder schützen, sondern durch Recht. Was wir erstreben, ist Gerechtigkeit für das jüdische Volk, in der Heimat und draußen in der Welt.“ England: „Gerechtigkeit wird euch werden,, in eurem Lande und in aller Welt. Ihr werdet die Tore eurer Heimstätte öffnen und den Bedrückten eures Stammes eine Zuflucht bieten.“ Wir: „Die Tore werden offen sein. Aber wird man die Wanderer in Frieden ziehen lassen? Und was mit jenen, die in das Haus der Väter nicht mehr Einlaß finden? Sollen wir die Bande der Verwandtschaft, von gemeinsamem Schicksal noch inniger geschweißt, mit eigener Hand zerreißen? Dürfen wir unsere Brüder ins Elend verstoßen und uns von ihnen lossagen, ohne den Versuch zu machen, sie zu retten?“ England: „Was aber wollt ihr tun, um die Rettung zu bewerkstelligen? Ihr glaubt doch nicht ernstlich, daß dazu die Aufrechterhaltung der Balfour-Erklärurig genügt. Auch sie ist kein Heilmittei gegen Judenuot.“ Wir: „Nur das Rezept für dieses Mittel. Man muß aber vorstehen, cs zu bereiten.“ England: „Ihr denkt mir also wohl dio Rolle des Apothekers zu. Leider ist das Mittel nun schon auf meine Art gemischt.“ Wir: „Versuche es jetzt noch einmal auf die unsere! Hilf uns den Judenstaat errichten, wie wir ihn meinen!“ England: „Darf man erfahren, wie ihr ihn meint?“ Wir: „Denke dir ein Gemeinwesen nach. Art der katholischen Kirche, jedoch nicht \ geistlicher, sondern weltlicher Natur, nicht; auf religiöser, sondern auf nationaler Grundlage; ein Gemeinwesen mit weltumspannen-' der Organisation, die ihre Macht über M e nsehen übt, und nicht über Länder, ein Weltreich, dessen Herrschaft sich Bürger mächtiger Staaten aus freiem Willen unterwerfen, ohne daß man ihre Treue zum Vaterland© in Zweifel zieht, ein Staatewesen mit einem kleinen Lande als Mittelpunkt, dessen Machtbereich über die einengenden Grenzen hinweg die ganze Erde umfaßt, mit einem Worte keinen Territorialstaat im landläufigen Sinne, sondern einen Personalst a a t. Was wir also anstreben, ist nicht ein winziger Zwergstaat in Palästina, sondern die staatliche Zusammenfassung der jüdischen Minderheiten in ihren Vaterländern, den räumlich unbegrenzten, Juden der ganzen Welt vereinigenden jüdischen Volks Staat mit Erez Israel als territorialem Zentrum.“ England: „Das stellt ihr euch also unter dem Schlagworte ,Aufrechterhaltung der Balf our-Erklärung' vor? Ich muß gestehen: ein kühner Plan, beinahe ein allzu kühner Plan.“ Wir: „Nicht kühner als dein Plan der Teilung des Heiligen Landes. Dein Eingriff in die Traditionsgebundenheit religiöser Gefühle erfordert nicht weniger Mut als unser Angriff gegen verstaubte Begriffe der Diplomatie. Aber dein Vorhaben ohne unser Jawort und unser Unterfangen ohne deine Hilfe wäre noch gewagter. Läßt sich da nicht zu unser beider Bestem eine Brücke schlagen?“ England: „Wo nahe Ufer sind, ist eine Brücke möglich. Die Schwierigkeit liegt nur in der Anlage. Ich werde die Sache erwägen. Ein Memorandum würde mir hiebei gute Dienste leisten.“ Wir: Das Memorandum steht dir zur Verfügung. Bedenke: Siebzehn Millionen Freunde in aller Welt sind eine große Macht. Es ist an dir, sie sinnvoll zu nützen.“ IV. Der jüdische Volksstaat Der jüdische Volksstaat, Schöpfung der Besonderheit jüdischen Schicksals, gibt den heimatlosen Juden ein Vaterland, den bedrängten Brüdern der Zerstreuung ein Mutterland. Jene sind Staatsbürger, diese Volksbürger des Judenstaates. Beide gleich in ihren Rechten und Pflichten unterscheiden sich bloß 'durch den Reisepaß. Denn wi die höchsten Würdenträger der katholischen Kirche Bürger der Vatikanstadt sind, ohne die Staatsbürgerschaft in ihren Heimatländern zu verlieren, so werden die jüdischen Volksbürger weder auf die Staatebürgerrechte noch auf ihre politische Stellung in ihren Vaterländern verzichten müssen. Vielmehr genießen sie darüber hinaus noch den besonderen Schutz des Judenstaates. der durch Staatsverträge die jüdischen Minderheiten überall unter solche Bedingungen stellt, daß sie nicht nur ihre nationalen, religiösen, kulturellen und wirtschaftlichen Angelegenheiten unter Wahrung ihrer Eigenart selbst verwalten, sondern auch im jüdischen Volksstaate ihre Bürgerrechte ausüben und ihren Bürgerpflichten nachkommen können, soweit diese mit den Pflichten gegenüber dem Vaterlande vereinbar ist. Wohl eine der schwierigsten Aufgaben, vor die sich der Judenstaat gestellt sieht, ist die Sicherstellung der wirtschaftlichen Existenz seiner Büiger, vor allem der jüdischen Jugend. Überall in der Welt werden durch Umstellung auf neue Wirtschaftsformen, durch Anwendung neuer Wirtsohaftsgrundsätze gewollt oder ungewollt in erster Reihe die Juden aus dem wirtschaftlichen Leben ausgeschaltet. Selbsthilfe ist der einzige Weg, die wachsende soziale Not aus dem Lebensraume des jüdischen Volkes zu verbannen. Ein neues soziales Wirtschaftssystem muß in Anwendung kommen, die all gemeine Arbeitsdienstpflicht, aufgebaut auf den Grundsätzen des großen jüdischen Philosophen Popper-Lynkeu«. Außerdem aber wird es, um die jetzige Generation vor dem wirtschaftlichen Untergang zu bewahren, notwendig sein, neben der auf Sicherung des Existenzminimums gerichteten gebundenen Wirtschaft eine eigene jüdische freie Weltwirtschaft ins Leben zu rufen. Alles, was wir von der Welt für uns selbst verlangen, Sicherheit, Gleichberechtigung. Selbstverwaltung’, sei auch den Minderheiten in unserem Lande gewährt. Kein Zwang, dein Judenstaat anzugehören; koine Beschränkung, ihre Eigenart zu entfalten; keine Majorisierung, obwohl dann picht dio Mehrheit in Erez Israel, sondern die im ailvveltliehen Judenstaat entscheidet; volle Freiheit der Vereinigung zu autonomen Personalverbänden; kurz, jedes Zugeständnis, geeignet, Mißtrauen zu zerstreuen, nachbarliche Freundschaft zu festigen und das Gedeihen des Lande« zu fördern. Nur dann, wenn wir imstande sind, im eigenen Hause Frieden und Eintracht zu wahren, werden wir auch befähigt sein, Werke des Friedens zu schaffen, eine neuzieitliche indische Kultur im Geiste der hebräisch entspräche aufzubauen, ein geistiges Zentrum für Judentum und Judenheit. V. Der Weg in die Freiheit Das Schicksal Palästinas steht vor der Entscheidung, unser eigenes Schicksal. Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Entschlüsse. Da versagen die üblichen Mittel der hohen Politik. Nicht auf Taktik kommt es an, sondern auf Strategie. Keine altbewährten Rezepte, sondern wagefreudige Konzeption. Der Weg in die Freiheit, der offen vor uns liegt, ist derselbe Weg, den einst Masaryk unter Einsatz seines Lehens seinem Volke voranzog. Aber der Einsatz, der heute auf dem Spiele steht, ist nicht Blut, sondern höchstens — Tinte. Es geht nicht Schwert gegen Schwert, sondern Feder gegen Feder. England ist Mandatar über Palästina, nicht über uns. Was wir wollen, ist die Frage, nicht was England will. Aber wollen nicht beide im Grunde das Gleiche? Ist unsere Sache nicht auch Englands Sache? Hängt an der Erhaltung der Balfour-Deklaration nicht Englands Ehre so gut wie die unsere? Ist es etwa rühmlich, ja klug, ein Wort, zurückzunehmen, wenn man es zum eigenen Vorteil halten kann? Und wir wollen ja nichts anderes, als das Versprechen Balfours auf unsere ATt verwirklicht sehen. Durch Förderung des Werkes gewinnt der Mandatar nicht nur sein Prestige zurück, sondern obendrein noch siebzehn Millionen Freunde. Man bietet uns ein Land, verschwindend klein angesichts der großen Judennot, einen Rumpf, verstümmelt, ohne Haupt; denn was dem Katholiken Rom, ist dem Juden Jerusalem. Wir wollen keine Mißgeburt, gestützt auf Krücken, ohne Seele, ohne Geist. Man erweitere die Grenzen nach Süden und Osten, man gebe uns Jerusalem als kulturellen Mittelpunkt des Judentums, noch immer zu wenig. Ein Zwerg erweckt Spott und keine Achtung, seine Ohnmacht bringt der Judenheit nicht die Erlösung. . Eres Israel in unhistorischen Grenzen ist als Judenstaat zu klein, als politisches und geistiges Zentrum des allweltlichen jüdischen Volksstaates aber zur Not groß genug. Zu jenem, dem Grabe unserer Hoffnungen, sagen wir „Nein!“, zu diesem, der Erfüllung unserer Träume, sagen wir „Ja!“. Und auch England wird „Ja!“ sagen, denn es hält sein Wort und liebt Gerechtigkeit, besonders wenn sie sich wie hier mit den eigenen Wünschen deckt. Und der Weg, den wir gellen müssen, ist Masaryks Weg: Bildung einer vorläufigen Regierung, Anerkennung durch die Mächte, Unabhängigkeitserklärung des Volkes, Machtübernahme. Zionistenkongreß und Tagung der Jewish Agency bieten günstige, wenn auch nicht einzige Gelegenheit zur Bildung einer vorläufigen Regierung des jüdischen Volksstaates. Ist deren Anerkennung durch den Mandatar enst einmal erfolgt, dann proklamiert sie feierlich die Unabhängigkeit des souveränen jüdischen Volkes und notifiziert den staatsrechtlichen Akt der Unabhängigikeitserklänvng dem Völkerbund und allen Staaten der Erde, in denen Juden wohnen. Nach Abschluß eines Freundsohaftsvertrages mit England, durch dessen Vermittlung die Aufnahme des neuen Staates in den Völkerbund und die wirksame Sicherung der jüdischen Minderheiten erfolgt, krönt die Machtergreifung über Erez Jisrael das Werk der Befreiung des jüdischen Volkes. Und wenn England „Nein“ sagt? — Das ändert nichts an unserem Entschluß. Der Weg ist auch dann derselbe, nur ein wenig länger und mühevoller. Die jüdische Regierung, allein berechtigt zu verhandeln, wird Freunde suchen und Freunde finden. Das Recht ist auf unserer Seite und das Recht wird schließlich siegen. Vor Zeiteai ist ein Licht von Zion ausgegangen; es erleuchtete und wärmte die ganze Erde. Nun liegt Zion seihst im Dunkel. Wir wollen das heilige Feuer wieder entfachen und uns selbst daran wärmen, wir frierenden Kinder der Galuth. Gartenfest in Sauerbrunn. Das Gartenfest des Keren Kajemeth in Sauerbrunn findet kommenden Sonntag, am 1. August 1937, in Königsbergs Garten-Cafe in Sauerbrunn um 5 Uhr nachmittags statt. Künstlerische Darbietungen ernsten und heitoren Charakters, Tanz und diverse Belustigungen versprechen, das Fest zu einem besonders gelungenen zu machen. Unsere geschätzten Leser werden auf die jüdische Buchhandlung Hermann Tuchner (siehe Inserat!) besonders aufmerksam gemacht, wo für alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher erhältlich sind. Reichhaltiges Lager antiquarischer Lehrbücher zu sehr er- : mäßigten Preisen. Leihbücherei eröffnet. Go- I bii.hr 10 Groschen pro Tag. Keine Neben- 1 gebühren! Für Anfragen Tel. R 44-4-20.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.