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Die Stimme · 1937-07-30 · Heft 664 (30.7.1937) · page 8

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 664 (30.7.1937)
Date
1937-07-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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fett# s Oll STIMMI Nr. 664. — Wien, Freitag, 80. Juli 1007. ich Ihnen meine Sache gezeigt, für die ich von Ihnen vernünftigerweise keine wie immer geartete Förderung erwarten konnte. Vielleicht ist die Sache gar nicht schön. Vielleicht irrt sich aher auch der Kunstkenner dieses mal? Sic necken mich ein wenig mit meiner Jugend, die Sie annehmen. So jung bin ich nicht. Ich bin 37 Jahre alt, ein Alter, in dem die meisten, die et? überhaupt werden, schon Männer sind. Da Sie die Güte hatten, auch meinen Vortrag zu lesen, gestatte ich mir noch, Ihnen zu sagen, dass das Werk wächst. Es gefällt nämlich den Hungrigen, und deren gibt es leider Viele. Hochachtungsvoll ergebenst Th. H e r z I. Notizen Herzls aus dem Jahre 1895 Die Jude.nhetze ist das alte Zugstück der Weltgeschichte. Die Sache ist für mich als praktisch erledigt, theoretisch halte ich sie hoch und fest. Vielleicht zeige ich hpemit auch, daß ich nur ein Verkommener bin, ein Christ ginge für seine Idee von solcher Kraft durch dick unddünn. Ich möchte nicht wie Don Quichote ausscfien. Aber die kleinen Lösungen Argentinien oder den Übertritt der Juden zum Sozialismus akzeptiere ich nicht, denn ich bin kein Sancho Pansa. Judenspott, Selbstironie! Ihr seid nicht frei, wenn ihr spottet. ln der Freiheit sieht die glückliche Stimmung der Seele anders am — dort ist sie eine Heiterkeit mit erhaltenem Gleichgewicht. Im Spott aber zittert und zuckt die Seele wie die Lippen. * Wir sind jetzt überall Landesstiefkinder. * Das Gleichnis vom Hut Eine Art Erzählung. Ich nehme meine Bedeckung vom Kopf und zeige sie den Leuten. „Was ist das?“ „Ein Chapeau“, sagt einer. „Kein, ein Hat!“ schreit der Zweite. „Lüge! Es ist ein Capello!“ der Dritte. „Ein Kalap!“ der Fünfte. „Dummköpfe, ein Sombrero/“ der Vierte. „Schufte, es ist ein Hut!“ Und so bringt jeder ein anderes Wort — es gibt unzählige, und es sind erst nur die Generalnamen, unter denen es wieder Gattungen gibt: Mütze, Helm, Haube mut. Und die Leute sind gegeneinander aufgebracht, iveil sie verschiedene Worte für dieselbe Sache gebrauchen. Es ist ein Hut, ein Chapeau, ein Capello. Ich sage es jedem in seiner Sprache, sonst würde er mich nicht verstehen, und ich will verstanden werden, ln den Ausdrücken mache ich die größten Konzessionen-, über Worte streite ich nicht. Dazu habe ich keine Zeit. Denn jeder hat seinen Hut für sich und soll die anderen nicht durch die verschiedene Form ärgern. So kann ich die Juden zu Zionisten machen und versöhnen, iivlem ich ihnen den Sinn und Zweck einer Sache erkläre. Gott spricht zu Israel Von Alfred Werner Und manche waren, die des Ewigen Haus geschaut in alter Pracht und Herrlichkeit: die brachen angesichts des neuen Baus, der, bar an Schatz und köstlichem Geschmeid, zu ärmlich ihnen schien, in Tränen aus. Die Kinder aber jauchzten: Fort das Leid!, vom Glück beseelt, vom Augenblick betört — daß Weinen war und Jauchzen unerhört. Da sprach der Herr durch des Propheten Mund: „Getrost, mein Volk, getrost, ich bin bei dir, und halte fest an dem geschwornen Bund, mein Eigen seid vor allen Völkern ihr! In Hader, Zweifel, Sehnsucht sei euch kund: des letzten Tempels Gold- und Silberzier wird sieghaft überdauern Wahn und Trug, wird unerschüttert stehn im Zeitenflug! Denn Erd und Himmel, trocknes Land und Meer bewegen will ich, daß mein llaus gedeih Wer dich bekämpft mit Lüge, Fluch und Speer, wird segnen einst mit Flöte und Schalmei: Wohl uns, des ewigen Friedens Wiederkehr! Du wirst ihn hüten, Volk, von Bürde frei, wirst sein der Siegelring an meiner Hand, der. Boden, wo du stehst — geweihtes Landl Mendel Kremer, der als türkischer Detektiv Herzl in Konstantinopel „überwachte“ und später nach Jerusalem übersiedelte HStm KÖEMB? Der treue Soßn Am .30. April 1904 hatte Herzl, den dort Ministerpräsident Dr. Körber eingeführt, eine lange Unterredung mit dem österreichischungarischen Außenminister Graf Goluchowski. Dieser sagte Herzl den Beitritt zu dem von Lord Landsdown namens Englands geplanten Initiativantrag zu, die Hohe Pforte möge für fünf bis sechs Millionen Juden ein Ansiedlungsgebiet in Palästina und dessen Nachbarschaft bereitstellen. Doch am selbigen Tag befand ein ärztliches Konsilium, den rastlosen Volksmann wegen seines vorgeschrittenen Herzleidens aüf sechs Wochen nach Franzensbad zu schicken. Aber auch da gönnt er sich keine Ruhe. Auf neue Arbeit wirft er sich. So hat er a.m 9. Mai eine hochwichtige Konferenz mit Dr. N. Katzenellson aus Libau, der berichten kommt, was er in London beim amerikanischen Bankier Jakob Schiff erzielte: der sei gewillt, Rußland unter bestimmten Bedingungen eine Anleihe zu geben. In der Nacht darauf .schreibt Herzl das große Memorandum nieder, das Katzenellson zum Premier Plehwe nach Petersburg mitnehmen soll. Noch am 14. Mai schickt Herzl — laut seinem Tagebuch — zwei dringliche Briefe aus; den einen an Sektionsehef Suzzara am Ball hausplatz mit einer Reihe von Anregungen, um die Entrevue mit Goluchowski festzulegen und auszuwerten; und im andern schlägt Herzl dem päpstlichen Conte Lippay vor, er möge ihm mit Erzherzog Eugen, der sich für die zionistische Sache interessiere, eine Zusammenkunft im nahen Karlsbad vermitteln. Herzl arbeitet und arbeitet Ln fieberhafter Hast, weil er sich über seinen Gesundheitszustand nicht täuscht. Damals sagte er ja zu Katzenellson: „Es ist bei mir nach der dritten Glocke.“ Und im Schreiben an, Wolffsohn, den vertrauten Freund, bricht er in den Angstruf aus: „Machet mir keine Dummheiten, während ich tot bin!“ Vor der inniggel'iebten Mutter aber sucht Herzl seinen Zustand zu verschleiern. Fast täglich geht ein Brieflein an sie ab, das von seinem Wohlsein erzählt. Vier solcher Briefe hat Nr. 20 der „Welt“ vom Jahre 1910 abgedruckt. Ich bin in der glücklichen Lage, zu Herzls Jahrzelt einen weiteren Beleg aus dieser Dämmerstunde seines Erdenwallens, vom 5. Mai 1904, beizusteuern. Inmitten des BramarrWOtT5 VIIU * ‘ *1 ff"“ U Via* d**. 7r"'^ A/ ’ ^MK. C t H AA#*-' . . . * / Tt fr** *rrr* * < ♦W itU71L ' lcc*ujfe t*£l‘*4* Sb&ffyüx:; W-i* j basieren« von seinem „Faulenzerleben“ und unter Scherzen über die Kurmusik, deren „Stückeln“ er unverdrossen lausche, kann Herzl nicht, den Seufzer unterdrücken, seine Nerven seien denn doch durch all die großen Arbeiten etwas ermüdet... Franzensbad vermochte ihm nicht zu helfen. Vorzeitig brach er seine Kur dort ab und eilte, über weitere Leideusstationen, sein Wiener Heim in der Ilaizingergasso und seit 3. Juni das Sanatorium Edlaeh — dem Tode entgegen. Das kranke Herz brach und mit der Mutter trauerte ein ganzes Volk um den treuen, unersetzlichen Sohn. Dr. E. M. Zweig, Jerusalem. Uazd-Idocte Die Juden, die wollen, werden ihren Staat haben. Wir sollen endlich als freie Männer auf unserer eigenen Scholle leben und in unserer eigenen Heimat ruhig sterben. Die Welt wird durch unsere Freiheit befreit, durch unseren Reichtum bereichert und vergrößert durch unsere Größe. Und tvas wir dort nur für unser eigenes Gedeihen versuchen, wirkt machtvoll und beglückend hinaus zum Wolde aller Menschen. (Schlußworte ans „Judenstaat“.) Ich weiß es nicht, ob wir noch mit dieser Generation die Befreiung aus Schimpf und Elend erleben werden. Möglich ist es, vorausgesetzt, daß wir klug und entschlossen sind. Aber das weiß ich, daß schon das Wandern auf diesem Wege uns zu anderen Menschen machen wird. Wir gewinnen unsere verlorene innerliche Einheit wieder und mit dieser ein bißchen Charakter, und zwar unserer eigenen Charakter. Keinen marranischen, erborgten, unwahren, sondern unseren eigenen. Und dann erst wollen wir mit allen anderen rechtschaffenen Menschen wetteifern in Gerechtigkeit, Nächstenliebe und hohem Freisinn, wollen uns auf allen Feldern der Ehre betätigen, in Kunst und Wissenschaft es vorwärts zu bringen trachten, damit ein Glanz von unseren. Taten auf die Ärmsten unseres Volkes zurückfalle. So verstehe ich das Judentum. (Rede in der östorreiiohLsch-israölitlsch&n Union in Wien, gehalten am 7. November 1896.) In diesem Kongresse schaffen wir dem jüdischen Volk ein Organ, das er bisher nicht hatte, das es aber dringende mm Leben braucht. Unsere Sache ist zu groß für den Ehrgeiz und die Willkür einzelner Personen. Sie muß ins Unpersönliche hinauf gehoben werden, wenn sie gelingen soll. Und unser Kongreß soll ewig leben, nicht nur bis zur Erlösung aus der alten Not, sondern nachher erst recht. Heute sind wir hier auf dem gastlichen Boden dieser freien Stadt — wo werden wir über’s Jahr sein? Aber wo wir auch seien und wie lange unser Werk bis zur Vollendung dauere, unser Kongreß sei ernst und hoch, den Unglücklichen zum Wöhle, niemandem zu Trutz, allen Juden zur Ehre und würdig einer Vergangenheil, deren Ruhm wohl schon fern, aber unvergänglich ist. (Schlußworte aus der Eröffnungsrede zum 1. Kongreß.) i QTJJipn PUBLIKATIONEN DES XX. ZIONISTEN¬ KONGRESSES 1. Berichte an den XX. Zionistenkongreß a) Bericht der zionistischen Exe-' kutive . .. (hebräisch, engl.) b) Bericht des Keren Hajossod . c n Kn (hebräisch, engl.) b ‘,5U c) Bericht dos Keren Kajemeth Leisrael. (hebräisch, engl.) 2. Kongreßzeitungen v offizielle Organo dos Kongresses, erscheinen (in hebräischer und deutscher Sprache) während des Kongrosses und der Tagung des Councils der Jewish Agency for Palestine täglich : Abonnements in dor Schweiz . . . S 6.60 „ in den übrigen Ländern S 7.60 3. Stenographisches Protokoll des XX. Zionistcnkongressos und der Tagung des Councils der Jewish Agency for Palestine (in hebräischer Sprache) . . S 18.— Generalabonnement für alle drei Publikationen . . . S 22.— Allo dioso Publikationen können durch da< Büro dos Zionistischen Landesverbandes gegen Erlag des Gegenwertes beStollt worden.

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