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Die Stimme · 1937-07-30 · Heft 664 (30.7.1937) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 664 (30.7.1937)
Date
1937-07-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Wien, Freitag, 80. Juli 1937. — Nr. 064. Oll STIMM! S«lt« 5 Hofgastein früher Westend, jetzt Gaststätte Anderka 3 Minuten vom Kurhaus 1 Streng rituell u. A. d. Schiffschul Wien, la Wiener Küche, günstige Pensionsarrangements in Zimmern und Thermalbädern mit jedem Komfort, fließendes Wasser usw. Mäßige Preise. Uber die hohen Feiertage geöffnet. — Gefl. Anfragen an Georg Wolff, Haus Anderka, Hofgastein Ablehnung ritueller Schlachthäuser Nach einer Meldung der Korrespondenz Herwei, gibt der Vorarlbergische Tiersohutzverein bekannt, daß von Interessenten aus der Schweiz das Ansuchen gestellt wird, in Vorarlberg Schlachthäuser für rituelles Schlachten errichten zu dürfen. Der Gemeindetag von Dornbirn habe jedoch ein solches Ansuchen aibgewiesen, und zwar mit der Begründung, daß das Schlachten eine Tierquälerei sei. Der Vorarlberger Tierschutzverein spricht die Erwartung aus, daß auch andere Gemeinden die gleiche Haltung einnehmen. Wir haben vor kurzem eine Entscheidung der Landeskonimission von Böhmen veröffentlicht, die ausdrücklich feststellt, daß von einer Tierquälerei keine Rede sein kann. Das ist allgemein bekannt. Aber beim Schlachten handelt es sich gar nicht um Ethik oder Mitleid für Tiere, was auch für Kreise, die die Jagd als männliches Vergnügen schätzen, lächerlich wäre. Es ist einfach ein antijüdischer Akt. Juden! Spendet Kleider, Wäsche, Schuhe für die Chaluzim und Chaluzoth, die sich auf landwirtschaftlicher Hachscharah befinden! Allfällige Spenden werden vom Bureau des Landeskomitees, Marc-Aurel-Straße 5 (Tel. U 22-2-11), abgeholt. Als Dr. Herzl in mein Städtchen kam. Von Menadtem G. Glenn GEBIRGSFERIENHEIM IN ANHABERG (1100 M.) Der August-Transport geht am 3. August ab! Streng-rituelle Vollpension (5 Mahlzeiten) für Kinder unter 14 Jahren 5 k.-~ pro Tag. Anmeldungen: Montag bis Donnerstag nachm. 3—-7 Uhr im Ferienbüro, II., Malzgasse 14/3 Streik in Transjordanien Jerusalem, 26. Juli. (JTA.) Der Generalstreik, der in Aman und Es Salt ausgebrodhen ist, beginnt sich, wie in Jerusalem verlautet, a/uf ganz Transjordanien auszubreiten. Man ist überzeugt, daß die Streikbewegung von Emissären des Mufti entfacht worden ist, die die Stimmung der transjordanischen Araber gegen den Teilungsplan mobilisieren wollen. Die Polizei hat den Bruder des Generalsekretärs dies Obersten Arabischen Ausschusses Auni Bey Abdul Hadi, F u a d Abdul H a d i, in Ramleh verhaftet, wo er sieh seit ein paar Tagen verborgen gehalten hatte. In der tramisjordanisclien Hauptstadt Amman wurden drei Araber aus Jerusa- I em verhaftet, die beschuldigt werden, eino Verschwörung gegen das Leben mehrerer transjordanischer Notabein geplant zu haben. In ihrem Besitz wurden Bomben, Zündstoffe sowie Listen mit den Namen und Adressen der Notabein gefunden. Die arabischen Terroristen Jerusalem, 27. Juli (Palcor.). Gestern abends stieß eine Polizeipatrouille auf eine bewaffnete Bande auf der Hauptstraße zwischen .lenin und AlTuleh. Die Räuberbande hatte versucht, Barrikaden auf der Straße aiifzurichton. Es wurden einige Schüsse gewechselt. Die Bande entkam. Am Sonntag nachts wurden auf der gleichen Strecke der Straße einige Lastautos aulgehalten und dio Chauffeure beraubt. In jedes jüdische Haus „Die Stimme" Ate ich noch ein kleine« Kind war und und in die Alef-Beth-Sohule ging, lernte ich Dr. Herzl kennen ... Von meiner frühesten Jugend an habe ich einen Bund geschlossen mit den Beth- Miohasch-Bowohnern — den Jeschivah Bachunim. Mein Großvater ist der Schamesoh gewesen, und ich weilte im Schatten des Beth- Michasch. Und noch als kleines Kind schloß ich Freundschaft mit jenen Talmud- Schülern, die von weither gekommen waren, Gottes Wort zu lernen. Gerne lauschte ich ihren mir unverständlichen Talmudgesprächen und noch lieber ihren weltlichen Auseinandersetzungen. Damals hörte ich zum erstenmal, wie sie in einem Atem über den Kischinever Pogrom und den jüdischen Führer sprachen, der im aufgeklärten, westlichen Österreich wohnte. Bei uns im Städtchen wohnte ein „Zionist“. Er hieß bei uns „Oha.skel, der Zionist“. Die einzige Zeitung im Städtchen war die „Hazefinah“, die wurde ihm zweimal in der Woche zugestellt, da es nur zweimal in der Woche Post gab. Er kam in unser Städtchen als Eidam des Gevir (reicher Mann) Reib Chaskel, des Gabbai der Synagoge, des angesehensten Mannes im Städtchen. Obzwar Chaskel nie öffentlich hervortrat, wurde nichts ohne ihn unternommen. An einem schwülen Sommerabend stürzte Chaskel zwischen Miuobah und Maariv ins Bethaus und rief mit tränenerstiokter Stimme: „Weh’ uns, Dr. Herzl ißt niftar (gestorben) geworden!“ Obwohl ich noch nicht gut lesen konnte, ließ mich der Anblick von Chaskels schwarzumrändeter Zeitung ahnen, daß etwas Fürchterliches geschehen war und ich brach in Tränen aus. Gleich darauf schickte Chaskel um den Chasan, der in einer anderen Synagoge war, er soll3 eine Aekasah (Trauergebet) verrichten. Ich werde es nie vergessen, wie Chaskel Tränen vergoß, und mit ihm viele andere Juden, als der Chasan die Worte sang: „Es nischmas Hadoktos Binjomin Seev Ben Jaakow Herzl...“ Am Schlüsse des Trauergebete sagte Chaskel Ivaddisch. Nach diesem Trauergebot stieg er auf den Ahnemor (wir Kinder, wie immer, wenn ein Redner sprach, setzten uns auf die Stufen) und hielt eine Rede zum Gedächtnis Doktor Herzl«. Das war mein erster Unterricht im Zionismus. Ich erinnere mich an Chaskels Worte: „Es war einmal ein großer Mann, auf den die Strahlen der Liebe seines Volkes fielen. Er mühte sich für sein Volk bis sein Herz zu schlagen aufhörte. Wie ein Brandopfer verzehrte er sich auf dom Altaro seines Volkes. Er strebte danach, sein Volk in sein Land zuriiokzuibringen. Er sagte: ,Da« Land ohne Volk wartet auf das Volk ohne Land!“4 I Diese Worte prägten sich in mein Gehirn und ich vermeinte mit eigenen Augen die stattliche Gestalt Dr. Herzls zu sehen, seine traurigen Augen, seine edlen Gesichtszüge. In dieser Nacht sah ich ihn im Traum. Er stand vor mir, nahm mich bei der Hand und führte mich einen langen Weg über Steine und Felsen. Wir gingen über eine Brücke aus Papier, bis wir zu einem großen Sec kamen, und Dr. Herzl sprach zu mir: „Ich habe dich bis zu diesem See geführt und jetzt wirst du selbst vorwärts gehen, bist du zu deinem Ziel kommst.“ In diesem Augenblick erwachte ich. Seit jener Zeit träumte ich oft von Dr. Herzl. Seit jenem Tage erwachte mein Interesse an allem, was Dr. Herzl betraf. Chaskel L e v i n wurde der Bote Dr. Herzls. Ich folgte ihm, wohin er immer ging, ich heftete mich an seine Fersen. Einmal, da niemand in Chaskels Haus war, schlich ich mich ein und wie angenagelt stand ich vor dem Bild Dr. Herlzs. Er stand auf einer Brücke und blickte mit träumerischen Augen ins weite Land. Plötzlich drangen die Worte an mein Ohr: „Laß ihn, es ist Josches, des Schamesch Enkel, laß ihn stehn, so lang er will...“ Ich wollte davonlaufen wie ein ertappter Dieb, aber Chaskel tätschelte meine Wange, gab mir ein kleines Buch, welches Bilder von Dr. Herzl und anderen jüdischen Führern enthielt und sagte zu mir: „Für Kinder wie du es bist, träumte Dr. Herzl seinen erhabenen Traum. Noch bist du klein, aber wenn du groß sein wirst, wirst du es verstehn ...“ * Ich:/weiß nicht, wo Chaskel Levin jetzt weilt. Ist er ein Pardessan (Orangenzüchter), efn Bauer in Palästina, oder... liegt er schön lange auf einem Schlachtfeld Europas oder in einem kleinen litauischen Friedhof? Eines weiß ich aber: Er brachte Doktor Herzl in unser Städtchen, und er war der Erste, der mir Unterricht in Zionismus gab. Am Gedenktage Dr. Herzls gedenke ich Chaskel Levins. Saisoneröffnung im KREUZ-KINO mit Jean Arthur als Das öffentliche Ärgernis \\\\\m\\\m Ein Sensationsfilm der Columbia , Star Film, Wien . JÜDISCHES KINDER-FERIENHEIM „A TI D“ Sfiäal tu» SemnedHty wo m) Inhaber u. pädagog. Leiter: A. Taglicht Modernst - Rituell - Erstrangig Glänzende Erholungserfolgei - Ständige ärztliche Kontrolle! - Ärztereferenzen Verhandlungen zwischen Juden und Arabern? London, 28. Juli. (Privat.) Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur meldet, erhielten eine ganze Anzahl englischer und amerikanischer führender Tageszeitungen Informationen über ernste Verhandlungen, dio gegenwärtig zwischen Juden und Arabern zum Zwecke der Hintanhaltung der Teilung Palästinas stattfinden. „Daily Telegraph“ meldet, daß augenblicklich in Genf zwischen Delegierten der Araber und jüdischen Vertrauensmänner eingehende Besprechungen stattfinden. Aus New York wird telegraphiert, daß die „New York Times“ von ihrem Jerusalemer Korrespondenten dahin informiert wurde, daß sieh die arabischen leitenden Persönlichkeiten an die englische Regierung selbst gewendet haben, damit dieso unter ihrem Protektorat Verhandlungen zwischen Arabern und Juden herbeiführo. Die Araber wollen dabei durch einen der mohammedanischen Fürsten vertreten sein. Die Bedingungen Der Londoner „Daily Herald“ meldet, daß in der zionistischen Exekutive die Neigung zu Vereinbarungen bestellt, wobei die Vertreter der Juden folgende Forderungen zur Abänderung des englischen Planes stellen würden: Dio Stadt Jerusalem soll in ihrem neu aufgebauten jüdischen Teile unter jüdische Verwaltung kommen, während der alte Stadtteil mit den religiösen Heiligtümern unter englischem Mandat verbleibe. Eine Reihe von Städten, so T i b e r i a s und A k k o, sollen jüdisch bleiben, ebenso das von den Juden erbaute .Elektrizitätswerk und die chemischen Industrien am Toten Meer. Die Juden erhalten ferner im Negew die Möglichkeit zu neuen Kolonien unter englischem Mandat. Schließlich erhalten dio Juden in dem ihnen zugesprochenen Gebiete möglichst schnell ihre volle Autonom i e, näm-‘ lieh auch das Steuerecht, und dio Ordnung des Einwanderungswesens geht auf die Jewish Agency über. Ähnliche Forderungen haben auch die palästinensischen Gewerkschaften gestellt. Erklärung der griechischen Zionisten Saloniki, 27. Juli (JTA.) Die zionistische Föderation Griechenlands, der Verband der radikalen Zionisten und die Gruppe Max Nordau haben eine Protestresolution gegen die Teilung Palästinas veröffentlicht. Der Misrachi hat es abgelehnt, die Resolution mitzuunterzeichnen. In der Resolution wird erklärt, daß die Mandateverpflichtungen gegenüber den Juden und den Arabern miteinander nicht unvereinbar seien. Die Schaffung des jüdischen Nationalheims in dem historischen Palästina zu beiden Seiten des Jordan sei von 52 Nationen versprochen worden. Der Versuch, dem jüdischen Volk jetzt nur ein Fünftel des Landes zu geben, sei ein Bruch internationaler Verpflichtungen, eine Ungerchtigkeit gegenüber dem schwächsten Volk der Welt und ein schrecklicher Schlag für die Hoffnungen von Millionen, die nur im Judenstaat eine Heimstätte und Rettung finden können. Dieser Staat müsse das nationale und geistige Zentrum der Judenheit sein; Jerusalem, als der Sitz der kulturellen, religiösen und nationalen Institutionen müsse jüdisch bleiben. Der Anspruch auf Jerusalem erstrecke sich jedoch nicht auf die Altstadt, die das gemeinsame Erbe von Judentum, Christentum und I s- 1 a m sei. Wie das ganze jüdische Volk, heißt es zum Schluß, sind auch die griechischen Zionisten fe-st entschlossen, die Arbeit für die Errichtung des Judenstaates in seinen historischen Grenzen fortzusetzen. Sie richten an das britische Parlament und die britische öffentliche Meinung den Appell, das dem jüdischen Volk durch die Balfour- Deklaration gegebene Versprechen aufrecht zu erhalten; au den V ölkerb und und die öffentliche Meinung der Welt, das Versprechen des Mandats zu wahren; an die griechische öffentliche Meinung, den Zionismus mit derselben Sympathie weiter zu unterstützen, wie bisher; an die Nationalregierung, daß sie in Übereinstimmung mit den geistigen und politischen Überlieferungen unseres Vaterlandes beim Völkerbund die gerechten Fordeningen der Juden unterstütze. Die Resolution wurde dem Generalsekretär des Völkerbundes, A v e n o 1, zur Weiterleitung an die Vorsitzenden des Völkerbundrates und der Mandatskommission, an den britischen Generalkonsul in Saloniki zur Weiterleitung an das Colonial Office, an die griechische Regierung und am die zionistische Exekutive gesandt. Die Heiligung des Menschen ist sein eigenes Werk. (Max Dionemann, Judentum und Chris temtura) * Das gepriesene biblische Israel und das verachtete mittelalterliche Juda-, es ist ein und dasselbe Volk, nur verschieden beurteilt in den verschiedenen Phasen seines Lebens, (Dubnow) $ Das Leben zu wählen und zu gestalten, das ist die Forderung, die das Judentum an dm Menschen richtet. (Leo Baerk, Lehren des Judentums) Im sozialen Gedanken werden die Menschen zur Menschheit. (Leo Baerk, Lehren des Judentums) * Wir sind nicht, da um des Besitzes willen, nicht um der Macht willen, auch nicht um des Glückes willen, sondern wir sind da zur Verklärung des Göttlichen aus menschlichem Geiste. (Rathenau, Von kommenden Dingen) Zwuistei* *, fyedeuUet des ICeteultafatodU in det* Somnecfusdio* üud ICuzadeu.

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