Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1937-07-30 · Heft 664 (30.7.1937) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 664 (30.7.1937)
Date
1937-07-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3053752-3054338-3054420--6828-3062728
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Wien, Freitag, 30. Juli 1937. DU «TIMM* Seite 3 Nr. 664. Für WEEKEND und REISE butbakannton EISEN PEINWURST UND SELCHWAREN Kommt der „Judenpafi“ in Deutschland? Wie das „Prager Tageblatt“ aus Berlin meldet, bereitet das Reichsinnenministerium ein Gesetz bezüglich der Erteilung von Pässen für Juden vor, welches anläßlich des in Nürnberg s t a 11 f i n d e n d e n Parteitages im September verkündet und sofort in Kraft gesetzt werden soll. Da« Gesetz sieht vor, daß künftig Juden kein Auslandspaß mehr von den Polizeibehörden ausgestellt werden darf. Für die notwendige Legitimierung bei Postanstalten, Behörden usw. soll eine sogenannte Personalkarte ausgegeben werden, welche den Vermerk tragen wird, daß sie keinen Ersatz für einen Paß darstellt und zu Reisezwecken nicht benutzt werden darf. Juden, die ins Ausland reisen wollen oder auszuwandern wünschen, werden gezwungen sein, besondere Anträge bei den zuständigen Polizeiämtern um Ausstellung des notwendigen Reisepasses einzureichen. Erst nach einer genauen Prüfung sollen solche Gesuche entschieden werden. Bu,flo"'"n‘HßrZ-U.Fraußniißjllitri TATZMANNSDORF Mineral-, Moor- und natürliche Kohlensäure - Sprudelbäder. Elektro - Kardiographisches und Röntgen-Institut. _ Reduzierte Preise. Auskünfte und Prospekte durch Kurkommiesion, Kurbad A.-G., Gemeinde, VerschönprungBverein und Fremdenzimmer Vermieter tn Bad Tatzmannsdorf, Heilbflderverband, Wien, I., Nibelungengasse t, und Reisebüro .City“, Wien, I., Kohlmarkt 8. Telephon U 26-4-29 Ausstellung „Der ewige Jude“ in München Die /Union' und ihr/Deufsdies Volksblatt' Man könnte aber ebensogut auch umgekehrt sagen: das „Deutsche Volksblatt“ und seine „Union“. Denn immer wieder zeigt es sich, daß gerade dann, wenn die „Union“ am eifrigsten auf die Zionisten loehaut, das „Deutsche Volksblatt“ oder ein anderes Blatt dieses Kalibers händereibend dabeisteht und sich darüber freut, daß es dann den Juden nach „eigener jüdischer Mitteilung“ wieder etwas auswischen kann. Und daß es fast immer die „Union“ ist, die so den Judenfeinden Material gegen Juden liefert, je verlogener, desto besser, ist kein Zufall, und wer dies etwa hätte glauben wollen, wäre schon durch die offizielle Anzeige der „Union“ vom vorigen Jahr an dein Bürgermeister Schmitz eines anderen belehrt worden. Die „Union“ allerdings läßt sich durch das Echo ihrer Auslassungen nicht im mindesten stören, auch nicht dadurch, daß die hämische Freude der anderen im Verhältnis der Steigerung von Lüge und Entstellung m den „Union“-Beriohtein wächst. So hat wieder einmal das „Deutsche Volksblatt“ mit Freude und augenscheinlichem Nutzen das Wasser der „Union“ auf seine antisemitischen Mühlen laufen lassen und beschäftigt sich mit der Frage: Was geht in den jüdischen Jugendverbänden vor? Da wird in der Üblichen Art und dem schon gewohnten Ton, der sich von dem der „Union“ in nichts unterscheidet, von Mitteilungen aus dem Organ der „Union“ berichtet, und vor allem davon, daß nach dieser Quelle zionistische Gruppen anläßlich der Verhandlungen über die Subventionierung von Jugendverbänden sich gegen einen Antrag der „Union“ gewendet hätten, durch den die Vermittlung von Kenntnissen im jüdischen Schrifttum, jüdischer Geschichte, der Bibel und der Liturgie verlangt wurde. Diese zionistischen Gruppen hätten ihre ablehnende Haltung damit begründet: „Es wäre unsittlich, die Jugend zu religiösen Handlungen zu zwingen ..Mit frommem Augenverdrehen fragt das „Deutsche Volksblatt“, in was für einem Geist diese jüdische Jugend erzogen werde, und schreit Zeter, denn man könne es, so meint das Blatt, wahrhaftig’ christlichen Eltern nicht verdenken, wenn sie hier Gefahren für ihre Kinder sehen. Es steht dem „Deutschen Volksblatt“ wahrlich nicht gut an, sich zum Hüter und Verteidiger der Religiosität aufzuwerfen. Wäre es dazu berufen, dann wäre es sehr interessant zu hören, was es denn dann zu dem Kulturkampf in Deutschland sagt, und wie es sich zu der „Los von Rom“-Parole der neuesten österreichischen Schönerianer stellt. Das wäre ihm wohl näherliegend, als sich mit der Religiosität der jüdischen Jugend zu beschäftigen. Das geschieht wahrlich von anderer berufener Seite voll und ganz. Das allerdings weiß das „Deutsche Volksblatt“ nicht, weil es ihm von der „Union“ ja nicht mitgeteilt wird. Es kann daher nichts darüber sagen, daß seit der zionistischen Verwaltung in der Kultusstube der Religionsunterricht, der Hebräischunterricht, die Pflege des religiösen Brauchtums unter den Juden Wiens, besonders aber in der jüdischen Jugendbewegung ganz besonders gefördert wurde, daß die Zahl der Religions- und Hebräischlehrer auf ein Vielfaches gesteigert worden ist. Das und vieles andere weiß das „Deutsche Volk&blatt“ nicht, weil er auch die „Union“ nicht wissen will und wüßte es davon, würde es vermutlich aus Prinzip daran auch zu mäkeln und zu tadeln finden. Es ist ja auch wirklich nicht wichtig, was dieses Blatt über die Juden sagt, schreibt oder denkt. Es ist aber wichtig, sich vor Augen zu halten, daß es Juden sind, die immer wieder auf die verwerfliche Art am liebsten durch Lügen, und am erfolgreichsten, wenn sie nicht bei der Wahrheit bleiben, den anderen Juden in den Rücken fallen. Englisch-jüdischer Gemeindebund über Mittel- und Osteuropa Im Herbst wird im Deutschen Museum in München eine große politische Schau unter dem Motto „Der ewige Jude“ eröffnet werden. Dio Ausstellung soll Propagandamaterial, Lichtbilder, Akten, Urkunden usw. über die Rasse und Herkunft der Juden, ihre Bildung, Religion’ und Reohtsauffassung bringen und „das s c h ä d 1 i c h e Wi r k e n des Judentums in der ganzep Welt veranschaulichen“. Wie der „Völkische Beobachter“ schreibt, soll die Ausstellung die Judenfrage „einzig und allein vom deutschen Standpunkt, aus“ behandeln und das „Endziel der Juden — die Eroberung der Weltherrschaft“ aufzeigen. $reMouer hilft jpifcietläffig Sauerbnmt* Juden offiziell satisfaktionsunfähig In der deutschen Studentenschaft wird die Mensur wieder eingeführt. Der neue deutsche studentische Ehrenkodex, der bereits vorliegt, beruht auf dem Prinzip, daß der Ehrbegriff nicht länger das Privileg einer bestimmten Kaste ist. Dio Trennung der Zivilisten in Satisfaktionsfähigo und Satisfaktionsiinfähige ist verschwunden, außer bei don Juden, die offiziell als satisfaktions unfähig angesehen worden. BANKGESCHÄFT Dr. OFFENBERGER Wien, I., Freyung 1 Telephon: U 27-2-11 U 28-2-55 Durchführung «amtlicher Banku. Börseiransaktionen Nationalsozialistische Propaganda in Südafrika „Morning Post“ berichtet aus Johann o b b u r g, daß eino Hochflut von nationalsozialistischem Propagandamaterial nach Südafrika verschickt worden sei. Zehntausondo von Broschüren, dio in afrikanischen Sprachen geschnoben sind, wurden in Hamburg aufgegobon. Sio wurden dadurch entdeckt, daß sio vielfach an afrikanische Juden mit arisch klmgenden Namen veixuidct wurden, diio sie den Behörden übergaben, London, 27. Juli (JTA-). Der letzten Tagung des Board of Deputies lag auch der Bericht des Joint Foreign Committee vor, der sich mit der Lage der Juden in Deutschland und Polen befaßt. Zahlreichen Juden, die Auslandsreisen unternehmen wollten — heißt es in dem Bericht — habe man es in Deutschland in der letzten Zeit unmöglich gemacht, das Land zu verlassen, indem man ihnen die Pässe abnahm oder keine Sichtvermerke erteilte. Viele verzichten freiwillig darauf, ins Ausland zu reisen, um nicht nach ihrer Rückkehr für Nachrichten in der Auslandspresse, in denen auf die Verhältnisse in Deutschland hingewiesen wird, verantwortlich gemacht zu werden. Dagegen mache man in Deutschland alle Anstrengungen, um Ausländer zu einem Besu di des Landes zu gewinnen, wo man dann bei ihnen eifrig für den Rassengedanken agitiert. Was die Propaganda des Nationalsozialismus im Ausland betrifft, so habe diese verschiedene Erfolgo gezeitigt: in Österreich zum Beispiel haben die nationalsozialistischen Theorien Fuß gefaßt, während sie in den skandinavischen' Ländern und in der Schweiz einen vollen Mißerfolg erlitten haben. Es sei sehr schwer, aus Deutschland Tatsachenberichte zu erhalten. Die offiziellen Mitteilungen seien tendenziös gefärbt, und irivate Nachrichten bringen, sofern sie eine £lage oder eine Kritik enthalten, die Verfasser in die größte Gefahr. Auf die jüngsten Exzesse in Polen übergehend, erklärt der Bericht, die Nationalradikalen und Nationaldemokraten fühlen sich anscheinend nicht nur stark genug, der Regierung zu spotten, sondern auch sich der internationalen öffentlichen Meinung entgegenzustellen. Die von der Regierung zur Unterdrückung der Unruhen ergriffenen Maßnahmen hätten nicht abschreckend gewirkt; die milden Urteile seien nicht imstande gewesen, der antisemitischen Aktivität^ wirksam zu steuern. Auffallend sei, daß im Chor der Stimmen, die berufen sind, für Toleranz und Ordnung einzutreten, die wichtigste fehlt: dieder katholischen Geistlichkeit. Nachdem aber das Beispiel Deutschlands gezeigt hat, welches Risiko eino religiöse Gemeinschaft, die die Verfolgung anderer Religionen schweigend hinnimmt, für sich selbst eingeht, sei zu hoffen, daß auch die Katholiken in Polen in ihrem eigenen Interesso sich gfegen die religiösen Verfolgungen wenden werden. Nach Erörterung der Lage der Juden in Rumänien und in 0 b e r s c h 1 es i e n wendet sich der Bericht der Frage < der jüdischen Flüchtlinge zu und teilt hierzu mit, daß auf der nächsten Vollversammlung des Völkerbundes die zukünftige Arbeit des Völkerbundes im Interesse der Flüchtlinge erwogen werden wird, wobei die Berichte des Leiters des Nansen- Amtes und des Hochkommissars für die deutschen Flüchtlinge diesen Erwägungen zugrunde gelegt sein werden. Ein einflußreicher Teil der öffentlichen Meinung in England sei der Ansicht, daß die diesjährige Völkerbundversamm- 1 u n g aufgefordert werden sollte, Vorsorge zu treffen, daß die Flüchtlingsarbeit ein normaler Zweig der Völkerbundarbeit in Permanenz werde und daß zu diesem Zwecke eine zentrale Organisation errichtet werde. Restaurant Stefanie "UM II., Taborstr. 12 — Tel. R 48-4-49 Hugo und Julie Herlinger, geb. Zöllner Erstklassige renommierte Küche O Große Auswahl, reichhaltige Menus von S 1.60 aufw. 0Exak1e Bedienung, schöner schattiger Garten Angenehmer Aufenthalt Rücktritt Kareskis genehmigt Berlin, 26. Juli. (JTA.) In einer am 23. Juli stattgefundenen Sitzung der Repräsentantenversammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde wurde die Amtsniederlegung von Direktor Georg K a r e s k y als stellvertretender Vorsitzender der Berliner Jüdischen Gemeinde zur Kenntnis genommen und Ministerialrat i. R. Fuchs zum Mitglied des Gemeindevorstandes gewählt. TREFF* der STROHWITWER im Restaurant Barschak, II., Gr. Schiffg. 3, Telephon A 46-4-39. Menu v. S1.90 aufw. Die Lage der Iwria-Bank Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin teilt mit: Infolge einiger über den Rahmen einer Genossenschaftsbank hinausgehenden Kreditgewährungen waren bei der Iwria-Bank e. G. m. b. H. in Berlin Liquiditätsschwierigkeiten eingetreten. Im Interesse, der Einleger und zur Vermeidung wirtschaftlicher Störungen haben die Gemeindebehörden Maßnahmen zur ordnungsmäßigen Fortführung der Geschäfte eingeleitet. Im Zusammenhang hiermit ist dio Geschäftsführung inan.dere Händfl Drei neue Bücher aus dem R. f.öw.t-Verlag Wien und Jerusalem: Oskar Baum: Das Volk des harten Sdilafs Roman •- Edler Ganzleinenband S 10.— Nicht sehr oft ist eine ziemlich dunkle und doch wichtige Epoche der Geschichte mit so viel Klarheit erahnt, geschaut, durch ErzÜhlen plastisch gemacht worden, wie in diesem Roman... Ich spreche von dem neuen Buch meines teuren Kameraden, des Dichters Oskar Baum, in Prag, der in seinem starken und fröhlichen Herzen sein Gebrechen besiegt hat und dessen Heldenlieben wirklich allen Blinden zum Trost vorgehalten werden sollte. Arnold Höllne et in der „Stande" vom Sonntag, den U. Juli. •h Die goldene Gasse Jüdische Sagen und Legenden. Ganzleinen-Gesdienkband S 12«— Diese Neuausgabe der alten Prager Legenden-Sammhmg „Sippurim“ vereinigt die Schönheit und Phantastik des Volksmärchens und der Volkssage mit dem historischen Schicksal, das dm jüdische Volk auf seiner Wanderschaft quer durch den Erdteil erfuhr. Das Buch, das durch Heinz Politzer frei nachgestaltet und von Friedrich Feigl mit Zeichnungen von hoher Eindringlichkeit und visionärer Kraft ausgestattet worden ist, wird zu allen Herzen sprechen. * Dr. Max Diamant: Jüdische Volkskunst Mit 36 Tafeln. 15 Abbildungen im Text und einer dreifarbigen Karte, kartoniert S 6»— Das Buch von Dr. Diamant eröffnet nicht nur der kunsthistorischen, historischen und rassischen Forschung neue Ausblicke, das reiche Tafelmaterial stellt dem jüdischen Kmsthandwerk eine ebenso charakteristische als edle Ornamentik zur Verfügung, an die es anknüpfen könnte. Für den Folkloristen ist die sorgfältige Auswahl und die eingehende Analyse dieses Materials eine wichtige Quallenarbeit. Durch jede gute Buchhandlung oder direkt vom VERLAG R. L0WIT WIEN, I«, FLEiSCHMARKT NR. 1 gelegt worden; eine demnächst zusammentretende Genossenschafterversammlung wird einen neuen Aufsichtsrat und Vorstand wählen. ge bei Kauf einer Werbepackung, aber nur bis 31. Juli 1. J. Wer Qualität sobätzt, beeilt und kauft sich jetzt nur noch die SWING Saud-Arabien zum Palästina- Problem Lausanne, 26. Juli (JTA.). Emir Saud, der Sohn des Königs Ihn Saud und Thronfolger von Saudi-Arabien, gab dem Vertreder der Jüdischen Telegraphen-Agentur in Lausanne eine Erklärung ab, in der er sich entschieden gegen eine Teilung Palästinas aussprach und dazu betonte, daß sein Vater, König Ibn Saud, mit großen! Interesse die Entwicklung der Dinge in Palästina beobachte. Dennoch, erklärte er, werde kein einziger Araber aus Saudi-Arabien während der Tagung der Mandatskommission, die sich mit dem Bericht der Königlichen Kommission zu befassen haben wird, in Genf aktiv auftreten. Die arabische Delegation in Genf werde nicht das Rocht haben, im Namen von Saudi-Arabien zu sprechen, obwohl die Bevölkerung dieses Landes mit den Beschwerden der palästinensischen Araber voll übereinetimmt. Eine Erklärung der transfordanisehen Regierung London, 26. Juli (JTA.). „Exchange Telegraph“ meldet aus Jerusalem: Dio Regierung von Transjordanien veröffentlicht ein offizielles Kommunique, worin sio kategorisch die Nachrichten dementiert, wonach der britische Plan einer Teilung Palästinas in zwei unabhängige Staaten von ihr gebilligt würde. Die Regierung von Transjordanion erklärt, daß sie keinen Augenblick den neuen britischen Teilungsplan gut,geheißen habe. Inzwischen erhält der Emir Abdullah unzählige Drohbriefe, weil man allgemein annimmt, daß er mit dieser Teilung, durch die er König eines arabischen Palästina würde, einverstanden sei. Die Leibwache des Emir mußte bedeutend verstärkt werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.