Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 10 (1936-1937)
- Issue
- Heft 663 (27.7.1937)
- Date
- 1937-07-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite £ OIE STIMME Wien, Dienstag, 27. Juli 1937. — Nr. 663. der Unterhaus-Sitzung Im Oberhaus ist am Dienstag, im ihnen eine Konstruktion des Juden- Unte.haus am Mittwoch über die Staates vorschlägt, die unhaltbar und Teilungspläne diskutiert worden und die eine Verhöhnung der feierlichen Zu- Debatte hat hiebei eine klare Situa- Sicherungen ist, die dem jüdischen tion geschaffen. Die Regierung stimmt, Volke gegeben wurden. Diese poliwie sie zuerst erklären ließ, keiner tische Welt hat sich fünfzehn Jahre lang nicht um die Entwicklung in Palästina gekümmert. Sie hat Jahr für Jahr die Empfehlungen der Mandatskommission angenommen, wonach England für die Förderung der jüdischen Arbeit Dank und Personen im Monat zugelassen werden,! Anerkennung gebührt; sie hat die ewigen Unruhen als Orientstreitigkeiten bagatellisiert. —, und so wird sie jetzt den Antrag Englands nur vom weltpolitischen, nicht aber vom jüdischen Gesichtspunkt aus prüfen und vielleicht zu einem Kompensationsgeschäft benützen. Do ut des — was wird England zahlen? Und dieses Geschäft dreht sich um den Judenstaat, Änderung ihrer Vorschläge zu, es sei denn, daß Juden und Araber zu einem gemeinsamen Vorschlag kommen; für die nächsten acht Monate werde eine jüdische Einwanderung von tausend vorausgesetzt, daß die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit des Landes dies gestattet. Am Mittwoch ging Ormsby Gore in die Laube. Aber alle offiziellen Erklärungen zeigten, daß die Regierung für alle jüdischen Fragen einschränkende Bemerkungen hat. Es ist ein fortwährendes Wenn und Aber. Nur die englischen Interessen werden vor-. der dem 17-Millionen-Volk ein Terrain behaltlos verkündet. „Die Teilung bedeutet nicht, daß England Palästina aufgibt.“ Ach nein, England behält die militärischen Stützpunkte, die Flugplätze, die Enklaven und damit die Voraussetzungen für eine ständige Intervention. England bleibt im Lande und stellt sich zwischen die beiden Bevölkerungsteile. Und das ist so eigentlich weltpolitisch gesehen der Kern. Jahrelang ist bei jeder Gelegenheit das Mandat und seine sinngemäße Erfüllung als höchste Ehrenpflicht Großbritanniens gefeiert worden; nun, nach schweren Unruhen, in einem Zeitpunkt, in dem sich die Staatskunst und die Diplomatie hätte erst recht für höchstens drei Millionen anbietet und der außerdem durch Verträge — was sind denn Verträge! — an das britische Imperium gebunden bleibt. Der Kongreß wird zu erwägen haben: kann die neue Konstruktion, wenn sie zustande kommt, irgend einen nationalen oder kulturellen Zweck erfüllen? Kann sie die Basis für eine Lösung des Judenproblems bilden? Kann sie durch Verträge mit den arabischen Staaten erweitert und ausgebaut werden? Diese Fragen und keine anderen stehen vor uns und wir müssen ihnen ins Gesicht sehen. Eines steht aber fest: Der Kongreß darf nichts beschließen, was den Zustand, den die englische Regierung uns auf zwingen will, verewigt. Wir dürfen nichts tun, was uns den Weg zur totalen Erfüllung unserer Hoffnungen verrammeln könnte, und schließlich: Der Kongreß darf sich nicht beiseiteschieben lassen. Nur das Interesse der Nation ist das Entscheidende, nicht das Sonderinteresse mn Einzelpersonen oder Gruppen. Lese- und Redehalle iiId. Hochschüler Zum XX. Zionistenkonfreß im Luxusautocar Preis Wien - Zürich - Wien $ 70'—. Abfahrt 1. August Anmeldungen täglich : Zionistenverband, IL, Praterstraße 80, I TArmin I R 45-1-60 U; Jfid. Kulturst?lle, I, Franz-Josefskai , R 28-2-36; LG14IGI I Gl llllll | Reisebüro „Mondial“, I., Kärntnerring 12, U 40-301 Jewish Agency gegen den Bericht Wauchopes Jerusalem, bewähren ' Agency hat 25. Juli. (JTA.) Die Jewish dem High Commissioner eine müssen, wirft das offizielle England das Mandat hin, entledigt sich aller moralischen Verpflichtungen — und bleibt im Lande. Es ist der in vollste Aktivität gesetzte sacro egoismo, dessen Wirkung sich zunächst gegen den Völkerbund und den Sinn des Auftrages wendet, der am 22. Juli 1922, vor genau 15 Jahren, in London feierlich bekräftigt worden ist. England hat nie den ernstlichen Versuch unternommen, in Palästina politischen Frieden zu schaffen, es hat immer wieder die beiden Völker auseinandergehalfcen, die zur Verständigung bereiten arabischen Gruppen vor den Kopf gestoßen, um dann, in einer Zeit der schwersten Spannungen, rings um das Mittelmeer sich auf seine militärischen Notwendigkeiten zurückzuziehen. Aber die Regierung hat sich weder im Oberhaus noch im Unterhaus durchsetzen können. Das Parlament beschloß lediglich eine Ermächtigung für die Regierung, ihren Plan in Genf vorzulegen und zu vertreten. Das Parlament wird dann nochmals die Vorlagen verhandeln, wobei eine abermalige Untersuchung vorausgesetzt wird. Selbstverständlich wird auch dann keine Entscheidung fallen, da auch in diesem Falle der Völkerbund sich nochmals mit der Angelegenheit beschäftigen wird Der Versuch also, eine Denkschrift mit der Bitte um Weiterleitung an die Mandatskommission überreicht. In ihr wird scharf dagegen protestiert, daß im dem Bericht der Palästina-Regierung über die Araberunruhen im Jahre 1936 die Tatsachen entstellt und verstümmelt wiedergegeben worden sind. HINTBRBRtlHL Pension Forti nv Hauptstraße 41, Tel. 117 Pension Briihlegg, Hauptstraße 114, Tel. 7 Erstklassige Häuser / Beste Küche / Mäßige Preise Audi ein Zionist Sache zu schaffen, ist mißglückt. Kolonienminister hat erklären müssen, daß die Regierung mit dem Plan der Kommission nicht solidarisch ist. Die Debatten in den beiden Häusern haben die Vorschläge bloßgelegt. Wird nun die Regierung den Antrag in Genf so vertreten, wie er ist? Ihre Autorität ist geschwächt, da doch die Volksvertretung die Vorlage nicht deckt. Es wird nun Abänderungen in Genf, Abänderungen in London geben. Es wird mit Juden und Arabern verhandelt werden müssen. Auf der Seite der Juden, die durch den Kongreß sprechen werden, ist ein einheitlicher Verhandlungspartner vorhanden. Die arabischen Staaten haben sich bisher sehr vorsichtig und reserviert verhalten. Unter solchen Voraussetzungen wird die englische Regierung mit ihrem Vorschlag vor den Völkerbund gehen, wo sie sich mit den politischen Antagonisten, mit Italien, mit Polen und Rumänien, auseinanderzusetzen hat. Aber es ist doch so, daß unser Standpunkt nicht überall Die Zionisten jubelten, als Herbert Samuel als der erste Oberkommissär Palästinas in Jerusalem einzog. Seither freuen sie sich nicht mehr. Was hat uns Samuel nicht eingebrockt! Als die Araber randalierten, sperrte er die Einwanderung, und dann führte er durch eine Verordnung den Gesetzgebenden Rat ein, der glücklicherweise von den Arabern sabotiert wurde, so daß Samuel seine Verordnung zurückziehen mußte. Er war es auch, der Transjordanien von Palästina abtrennte, der den jetzigen Mufti aus dem Kerker holte und ihn in Amt und Würden einsetzte. Samuels Politik ist die Ursache aller unserer Leiden. Von seiner schwächlichen Haltung den Arabern gegenüber, von seiner Einwanderungspolitik, dem Gesetzgebenden Rat und der Wegnahme Transjordaniens bis zum Bericht der Königlichen Kommission führt eine gerade Linie. Wer daran noch zweifelt, fertige Tat-' der lesp doch Samuels Rede in der Palä- Der | stinadebatte des Oberhauses. Samuel verlangte, daß die Juden weiter eine Minderheit in Palästina bleiben sollten und er, der mit der Zerstückelung Palästinas begonnen hat, jammerte über seine gelehrigen Schüler in der Königlichen Kommission. Man soll endlich damit aufhören, Samuel als Zionästen zu bezeichnen. Er ist ein Assimilant und ein Mann, der uns mehr geschädigt hat als Engländer und Araber zusammen, für die er, jetzt Viscount von ausgerechnet Mount Karmel, der Kronzeuge gegen die Zionisten ist. wird. Die nichtjüdische (und ein großer i ‘ Teil der jüdischen) Welt sieht bloß die Tatsache des Judenstaates. Die Zi nisten haben vierzig Jahre lang um diesen Staat gekämpft; nun er errichtet wird, leisten sie Widerstand, erheben schroffen Einspruch, weil man Die Oxforder Kirchenkonferenz London, 24. Juli. (Privat.) In der Oxforder Kärchcuikonferenz führte ein Bericht des Komitees über die Rassenfrage zu bewegten Auseinandersetzungen. Namens des Ausschusses führte Professor Sir Walther M o b e r 1 y aus, daß die Kb-ohe heute einer vollständig gespaltenen Menschheit gegenüberstehe, weil die traditionellen Grundfesten ins Wanken gekommen sind. Zu den ' sozialen Gegensätzen sind die nationalen verstanden hinzugekommen. Es ist eine Sünde, wenn die menschliche Gesellschaft und in ihr eine einzelne Nation sieh selbst vergottet. Die soziale Struktur der Menschheit, Familie, Gemeinde und Nation sind von Gott gegeben. Aber die Nationen müssen ebenso wie die Familien nebeneinander bestehen können. Es muß daher der nationale Egoismus, die Eigenliebe der Rasse aurückjewiesen werden, wenn sie dazu führen, daß andere Völker und Rassen bedrückt oder unterdrückt oder auch nur mißachtet werden. In der von dem Komitee beantragten Resolution heißt es, daß der nationale Egoismus abzulehnen ist, wenn er dazu führt, eine nationale Minderheit um ihre Rechte zu bringen, oder wenn ein anderer Volksstamm alö minderwertig behandelt wird. Im Verlaufe der sehr ausführlichen Debatte kam es zu Auseinandersetzungen wegen der Judenfrage. Von seiten des vorbereitenden Studienkomitees war dem Plenum gegenüber ein Wunsch ausgesprochen worden, daß die Konferenz eine eindeutige Stellungnahme der Kirche zum Juden problem beschließe und den Antisemitismus als den kirchlichen Vorschriften widersprechend erkläre. Dabei wird eine Resolution vorgesohlagen, die den Antisemitismus scharf verurteilt. Professor Horton (Ohio) wies in eineT ausführlichen Rede auf die Notwendigkeit der Annäherung zwischen Juden und Christen hin. Der Vertreter der Reformierten der französischen Schweiz Dr. Cheneviöre (Genf) verlangt die Milderung einiger Schärfen der Resolution, die in Deutschland Widerstand finden müßten. Ariidte Schraube ohne Ende In Badgastein verbreiten die Nationalsozialisten Boykottlisten, in denen vor jüdischen Geschäften gewarnt wird. Darüber (hinaus werden Listen verbreitert, in denen die christlichen Geschäftsleute nach der größeren oder geringeren Verläßlichkeit der nationalsozialistischen Gesinnung eingeteilt werden und die Kurgäste werden zum Boykott der nicht nationalsozialistischen Geschäfte aufgefordert. Hier bekommen einmal christliche Geschäftsleute, die sich wahrscheinlich gar nicht erregen, wenn ein anrtijüdisoher Boykott gemacht wird, einen drastischen Anschauungsunterricht darüber, wohin der Antisemitismus führt. Erst geht es nur gegen die Juden und dann gegen alle, die keine Nationalsozialisten sind. Aber damit hat die Schraube noch keineswegs ihr Ende erreicht. Sind einmal die Juden ausgesohaltet wie in Deutschland, dann setzt sich der Brotneid, der sich früher als Antisemitismus manifestierte, in Gesinnungsschnüffelei, und diese in Denunziationen um. Das Ende dieser arischen Schraube ist nicht ahzusehen. Es ist der Kampf aller gegen alle, die Vernichtung jeder Moral und der Abscheu der gesamten Kulturwelt. Wann werden die Arier das begreifen? Die deutsche Gelehrten-Emigiation Die englische Gesellschaft zum Schutze der Wissenschaft teilt mit, daß 228 deutsche Gelehrte und Professoren, die infolge der Rassengesetzgebung Deutschland verlassen mußten, in England Stellungen gefunden haben. Insgesamt hätten 1600 Professoren ihre Tätigkeit in Deutschland verirren. Von ihnen haben 800 wissenschaftliche Stellungen ira Auslande gefunden, und zwar in 48 verschiedenen Iündern. Der Hauptteil entfällt auf die USA und -Großbritannien. Die Zion. Bez.-Sekiion Prater gratuliert ihrem treuen Mitglied, Herrn Benno CMandel herzliche anläßlich seiner Vermählung mit Fräulein Jetty Grünblatt Die ,,Union" vor Oppenheim Nach dem Ableben Theodor H e r z 1 s> im Juli 1904 hat die „Union“ an das Zionistische Aktionskomitee die folgende Kundgebung gerichtet, die in der „Welt“ vom 8. Juli veröffentlicht wurde: „Tief ergriffen durch das unerwartete Hinscheiden Ihres Präsidenten, des Herrn Doktor Theodor Herzl, spricht der Vorstand der ,Österreichisch-Israelitischen Union‘ dem geehrten Aktionskomitee md der gesamten Zionistischen Partei ob dieses unersetzlichen Verlustes sein innigstes Beileid aus. Wir betrauern in dem Dahingeschiedenen eine der schönsten Blüten und edelsten Zierden des Judentums, der dem jüdischen Hamen in der ganzen Welt zu neuem Ruhme und Glanz verholfen hat. Auch wenn er nicht eine mächtig e Bewegung zur Wiedergeburt des jüdischen Volkes angeregt hätte, würde Theodor Herzl durch seine glänzenden Geistesgaben, durch den hervorragenden Platz, den er sich als Schriftsteller erworben und durch sein edles Menschentum unserer Glaubensgemeinschaft zur höchsten Ehre gereichen. Sein Andenken wird auch in unserer Mitte dauernd fortleben und gesegnet bleiben. Mit dem Ausdrucke der vorzüglichsten Hochachtung: ,Österreichisch-Israelitische Union\ der Präsident Sigmund May er, der Sekretär Siegfried Fleischer“ * Das war 1904. Im Jahre 1987 gilbt es für die „Union“ kein jüdisches Volk und sie schimpft auf die „jüdischnationalen Zionisten.“ Oie vom Ersten Kongreß 265 Teilnehmer hatten sich kn August 1897 in Basel zum ersten Kongreß versammelt. 43 von ihnen erleben den 20. Kongreß mit; sie alle stehen bis auf wenige noch in unseren Reihen. Herr Dr. Tulo Nüssenb 1 a 11 hat ihre Namen zusa-mm eng es teilt, eine wahre Liste der jüdischen Ehrenlegion. Frau A1 c a 1 a y, Belgrad; Prof. B. Belk o w s k y, Tel.-Awiw; Dr. M. J. Bodenheimer, Jerusalem; Josua Bouchmil, Jerusalem; Dr. M. Br au de, Lodz; Ernestine Ehrenpreis, Stockholm; Dr. Markus Ehrenpreis, Stockholm; Dr. Mayer Ebner, Czemowifcz; H. Färb stein, Jerusalem; D. Farbstejn, Zürich; Bertbold Feiwel, Jerusalem; Dr. Noah Fink eist ein, Warschau; Jakob Goitein, Palästina; Leon Horodischz, Palästina; Iah« Kishor, Jerusalem; Leib Jaffe, Jerusalem; A. S. Jehuda, Jerusalem; I. H. Kann, Haag; Dr. A. Kaminka, Wien; Dr. Josef Klausner, Jerusalem; Josef Lazarus, Fiume-Wien; Dr. Heinrich L o e w e, Tel-Awiw; Dr. Josef L o u r i e, Jerusalem; Dr. David Malz, Lemberg; Doktor Alex. M i n t z, Wien; Josef M i r k i n, Paris; Dr. Josef Mohilewer, Jerusalem; Dr. Maximiiitn Piekarski, Wien; S. Rar b i n o w i c z, Tel.-Awiw; Dr. A. Salz, Tarnöw; Fd. Schach, Paris; Ingenieur Josef Seidener, Tel-Awiw; Dr. Isidor S c h a 1 i t, Wien; N. T. S c h n i e r e r, Wien; Marie Sokolow-Heymann, Berlin; Benjamin Spira, Krakau; M. Ussischkin, Jerusalem; Isidor Wertheimer, Jamnitz (Mähren); Cb. Wortmann, New York: Hulda Thomaszewsky-Zlocisti, Haift; Dr. Theodor Zloc i s t i, Haifa. iiiiiimimmmimiiimiiimiiiiimiimmmmiiii Sprechstunden Im Zion* Landes* verband Bürostanden des Zionistischen Landeskomitees im Monat August täglich (außer Samstag) nur von 10 bis 13 Uhr. mmmm niiiiiilll * Auskünfte über Palästina. Die Herren Doktor Rudolf Glücklich und Camillo Schiller von der Austro-Palästinensischen Handelskammer in Tel-Awiw, treffen dieser Tage in Wien ein und sind bereit, Mittwoch, den 4., und Donnerstag, den 5. August 1987, zwischen 18 und 20 Uhr im Büro des Palästinaamtes, Wien, I., Marc-Aurol-Straße 5, Auskünfte aller Art an Interessenten zu erteilen. Hebräisches Päda-m/duin, Wien, II., Tempelgasso 3. Die Ein -■'< ivven für das Winter-t Semester Anden a.m 7. ir.i l am 8. Oktober von 10 bis 12 Uhr statt. Die Vorümmgen beginnen am 11. Oktober um 9 Uhr,