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Die Stimme · 1937-07-27 · Heft 663 (27.7.1937) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
10 (1936-1937)
Issue
Heft 663 (27.7.1937)
Date
1937-07-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Nr. 663 Wien, Dienetag, 87. Juli 1937 19. AW 5697 10. Jalirgang!Stimme JÜDISCHE ZEITUNG BILLIGE UND BEQUEME FERiENFAHRTEN VIIT DER„CZ£RNOWITZER ALLQ. ZEITUNG» NACH POLEN n. CZERNOWITZ Abfahrten: 1. u. 8. Aug. AUSKÜNFTE und ANMELDUNGEN: ausschließlich im REISEBÜRO „MARIEN* B*OC*E», WIEN, I., ROTENTURM- STRASSE 26 TELEPHON R 24-2-80/87 Die Deutschen in Palästina In die Diskussion über Palästina und die britischen Teilungspläne hat sich, wie schon kurz berichtet, auch der deutsche Nationalsozialismus eingeschaltet. Kein Geringerer als Alfred Rosenberg hat im „Völkischen Beobachter“ noch einmal den Mythos von den dunkeln Plänen der Juden angestimmt, die er durchschaut. Das überhebliche und dabei philisterhaft Kannegießern dieses Außenpolitikers kann selbstverständlich aus der heroischen Weltanschauung nicht heraus. Er schließt von sich aus und mutet den Juden eine Art Blubo-Bekenntnis zu, verbunden mit Eroberungsplänen, die auf den englischen Vorschlägen basieren. Die Kleinigkeit, daß die Juden just diese Vorschläge bekämpfen und ablehnen, ist dem Berliner Genie so unerheblich, daß er sie gar nicht erwähnt. Er gibt das Stichwort aus, daß Deutschland auf Grund seiner handelspolitischen Interessen so wie in Spanien auch im östlichen Mittelmeer mitzureden habe und er zeichnet auch die Richtlinie vor. Sie ist Feindschaft gegen uns. Das war und ist nicht anders zu erwarten, obzwar Hitler selbst bei dem Diktat der Nürnberger Rassengesetze als ihr Ziel die Herbeiführung .eines erträglichen Verhältnisses zum jüdischen Volk bezeichnet hatte. Hat der Nationalsozialismus, wie. er immer angibt, nichts weiter als die Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das wirtschaftliche und kulturelle Leben des deutschen Volkes im Auge, dann müßte er notwendigerweise die. zionistischen Bestrebungen doch etwas gerechter betrachten. Aber da er die Vernichtung des Judentums anstrebt, so will, er seine politische Macht auch auf dem Palästina-Gebiet gegen uns einsetzen und er hat denn auch bereits hiefür das Stichwort gefimden: Die deutschen Kolonien fallen ins jüdische Gebiet! Den schuldigen Mann geht’s Grausen an und so imputiert uns der deutsche Nationalsozialismus, daß die Zionisten gewissermaßen an den Deutschen Rache üben werden. Das deutsche Auslandinstitut in Stuttgart versendet eine höchst aufgeregte Mitteilung, die sich ebenso wie Rosenbergs Stammtisch-Artikel durch völligen Mangel an Sachkenntnis auszeichnet. Es handelt sich um 3000 Deutsche, die inmitten einer jüdischen Bevölkerung von 300.000 Menschen leben. Wir wünschen nicht das europäische Beispiel nachzuahmen und dieser Minderheit das Argument der Zahl unter die Nase zu halten. Die Ordnung im jüdischen Land wird von dem biblischen Gebot ausgehen: „Den Fremdling in deinen Toren sollst du nicht bedrücken, denn du warst selbst Fremder in Ägypten.“ Ein Jude bleibt ein Jude und er weiß, was Galuth bedeutet. In jüdischem Land wird es das Höchste sein, fremdes Recht zu achten imd keine Minderheit wird je in die Lago kommen, sich als Minderheit zu fühlen. Dios wird auch ohne von außen erpreßte gesetzliche Regelung geschehen. Wenn, aber eine Minderheit den Die Niederlage des TeUtingsplanes Von London nach Genf Genf, 25. JuM. (Privat.) Am Freitag dieser Woche beginnt die außerordentliche Palästina-Session der Mandatskommission. Bis zur Stunde steht noch nicht fest, ob Marchese T h e o d o 1 i zur Tagung eintreffenwird. Im Falle seines Wegbleibens würde möglicherweise Holland den Vorsitz führen. Die Kommission hat zunächst die Berichte über das Jahr 1936, insbesondere über die arabischen Unruhen, zu erledigen und wird erst dann sich mit den Anträgen der Royal-Kommission, die als Anträge der britischen Regierung vorliegen, beschäftigen. Zu diesen Plänen hat die Mandatskommission jedoch nur ein Gutachten zu erstatten. Völkerbundbeschluß erst im Jänner 1938 Durch die Vorgänge im englischen Parlament ist jedoch für die Völkerbundkommission eine sehr schwierige Lage entstanden. Das englische Unterhaus hat eine endgültige Stellungnahme zu den Vorschlägen der Royal-Kommission abgelehnt und hat vom Kabinett noch die spätere Vorlegung eines definitiven Planes verlangt. Gerade darum aber wird England in Genf auf einer baldigen Klärung der Frage bestehen. Das Gutachten der Mandatskommission wird in der Septembertagung des Völkerbundrates, an der Italien abermajs nicht teilzunehmen gedenkt, diskutiert werden. Aber auch der Rat steht vor der schwierigen Tatsache, daß ihm ein Vorschlag unterbreitet wird, der vom englischen Parlament selbst nicht als endgültig angesehen wird. Es ist nicht zu erkennen, wie der Rat unter diesen Umständen und angesichts der so wohl von jüdischer als auch von arabischer Seite angemeldeten Proteste irgend eine Entscheidung treffen soll. Es wird ihm kaum etwas anderes übrig beiben, als die Palästinafrage biszurnächs ten ordentlichen Ratstagung, die im Jänner 1938 stattfindet, z uv er tagen. Mussolinis Interesse Unter dien Kritikern, des Teilungsplanes im Oberhaus ist besondere die Rede des Lord Strabolgi hervorzuheben, des früheren Commander K e n w ö t t h y, der unter anderem ausführte: Als der Bericht der König* liehen Kommission veröffentlicht werden sollte, sprach' der . britische Botschafter in Rom bei Mussolini vor, um ihn zu bitten, sich nicht gegen den Plan auszusprechen. Nichts kann, erklärte Strabolgi, die Interessen des Führers der. italienischen Nation mehr fördern; als dies. Mussolini und seine Freunde seien mit den Zionisten bereits in Kontakt und hät.ten diesen allerlei versprochen; es werde ihn nicht wundern, wenn er hören würde, daß Mussolini auch mit den Arabern in Verbindung stehe und auch ihnen allerlei versprochen habe. — Auf den Zwischenruf Lord Molchett's, woher er die Information habe, daß die Italiener mit der Zionistischen Organisation in Verbindung stünden, erwiderte' Lord Strabolgi, er habe es von einer sehr hochgestellten offiziellen Persönlichkeit.der Zionistischen Organisation erfahren und sei bereit, ihm deren Namen privat mitzuteilen. Vom militärischen Gesichtspunkt sei der Teilungsvorschlag gänzlich unbefriedigend. Der Redner fragte den Luftfahrtminister Viscount Swinton, ob bei dem Plan die Ansicht militärischer Fachkreise eingeholt worden sei. Er befürchtete, daß man dies übersehen habe. Er glaube, in drei oder vier Jahren werde man Palästina wieder erobern müssen, wenn es in einem weit schlimmeren Zustand sein werde :als heute. Es werde eine sehr schlechte Sache für England werden, wenn die Regierung die gegenwärtigen Vorschläge verwirklichen sollte. Im Namen: der Regierung erwiderte Minister Lord Swieton, der jüdische Staat würde wirklich unabhängig sein. Die strategische Lage sei berücksichtigt worden. Dienstag Ministerrat in London London, 25. Juli. (JTA.) Wie die englischen Zeitungen mitteilen, wird die britische Regierung vor der Abreise des Kolonienministers Ormsby-Gore am 27. Juli nach Genf eine außerordentliche Sitzung zur Beratung des Palästina- Problems abhalten. König Georg VI. hat den Vorsitzenden der Königlichen Kommission für Palästina, Earl of Pee 1, empfangen. . Schutz der Völkerbundbestimmungen verlangen wird, so wird von jüdischer Seite, die sich grundsätzlich an das Menschenrecht hält, nichts. dagegen eingewendet. Gefordert wird selbstverständlich von uns der Schutz der jüdischen Minderheit im arabischen. Teil, und es ist wohl für jeden selbstverständlich, daß wir auch darauf bestehen werden, daß die in europäischen Staaten geltenden Völkerbundbestimmungen nicht unter Hinweis auf die neue Gestaltung eingeschränkt oder beiseite gelegt werden. Diese Forderung wird mit allem Nachdruck erhoben und auch durchgesetzt werden. Die Deutschen in Palästina, die in den drei Kolonien Wilhelma bei Haifa, Sarona bei oder vielmehr in Tel-Aviv und Waldheim nördlich von Nahalal konzentriert sind, haben vom ersten Augenblick der jüdischen Siedlung an mit den Juden in bester Freundschaft gelebt. Es ist unwahr, wenn das Stuttgarter Institut erzählt, daß sich die Deutschen geweigert hätten, Boden an Terrainspekulanten zu verkaufen. Sie haben ihr Gemüse, ihre Hühner und ihre Milch an die Juden geliefert und sind dar bei nicht schlecht weggekommen. Ihi Bodenbesitz hat sich im Wert geradezi durch die jüdische Siedlung um mehr alf das. Hundertfache gesteigert. Seit den Hitler-Jahr hat sich das Verhältnis ver scMimmert. Unter dem Einflüsse Ber lins, das seine Judentheorien durch eine Unzahl von (reisenden Journalisten, Stu denten, Offizieren hat verbreiten lassen sind in Wilhelma und Sarona (Waldheim dessen Bauern ein sehr schweres Daseii führen, hat sich abseits gehalten) soga: SA.-Formafcionen entstanden, die siel aktiv an der arabischen Revolte beteilig haben. Der Hakenkreuz-Wimpel an den Auto des deutschen Generalkonsuls wa: fast täglich im Gebiet von Dschenin um: Tulkarm zu bewundern, wo die Mörde: und Brandstifter ihr Zentrum hatten Fauzi Bey hatte deutsche Offiziere un sich. Selbstverständlich wurde dazu aucl noch antibritische Spionage betrieben. Ei ist klar, daß sich solche Dinge im jüdi sehen Staat nicht werden ereignen kön nen. Jedem Nichtjuden wird sein Rech auf Leben, Arbeit, Schutz verbürgt, mi oder ohne Minderheitenbeslimmung. Ahe er wird sich den Gesetzen des jüdischei Staaten zu fügen habest \ Ittotgteß-J-e&thÜMfnec de» „Stimme" Aus Anlaß des Jubiläumskongresses erscheint am SO. Juli eine Festnummer der „Stimme“, welche insbesondere dem Andenken Herzls gewidmet sein wird. Die Ausgabe wird textlich und illustrativ aufs beste ausgestattet sein und nebst Originalbeiträgen bisher unveröffentlichte* Briefe und Dokumente aus der so bedeutsamen ersten Zeit des Zionismus enthalten. USA. Übernimmt kein Mandat Washington, 25. Juli. (JTA.) Der amerikanische Außenminister Cördell H u 11 wurde darauf aufmerksam gemacht, daß' der eng* lisch© liberale Abgeordnete Geoffrey Mander im Unterhaus an Ministerpräsident Obamberlain die Frage richten will, ob die britische Regierung dem Vorschlag erwägen wolle, daß das Palästina-Mandat dem Vereinigten Staaten vom Amerika amgeboten werde. Außenminister Hüll erklärte hiezu, die Vereinigten Staaten hätten sich gegenwärtig mit zu vielen aktuellen Problemen zu. befassen, als daß sie eine solche theoretische Frage erwägen könnten. Winston Churchill über den Plan In einem Artikel im „Evening Standard“ nimmt Winston C h u r c h Hl scharf gegen den Teilungsplan Stellung. Palästina habe, so erklärte er, bis zu der Zeit der Judenverfolgungen in Deutschland und <1 mi Aufleben des Antisemitismus in andei en Teilen der Welt, die ihr Gegenstück nur in der .Zeit der Hugenotten finden,; einen beispiellosen Aufschwung genommen-: .Die ganze Last sei dann auf Palästina gefallen. — Churchill meint, ersei versucht* änzu-. _ nehmen, daß sich durch Geduld : und Aus-; dauer ein Ausgleich der' Gegensätze .erreichen lassen müßte.' Würde heute noch eine. Persönlichkeit wie Lawrence leben, so würde in kürzester Zeit eine Verständigung erzielt werden. Es sei u u m ö g l i ch, daß das Land von der Größe einer englischen Grafschaft Raum für die aus vielen Landern vertriebenen Juden bieten könne. Besonders abzulehnen sei der Plan aus militärischstrategischen Gründen. Der jüdische Staat gehe ohne b e sondere Gr e.n z e n in den arabischen über und liege völlig offen. Tatsächlich müßte der Staat bi s an die Zähne bewaffnet sein. In seiner Durchführung müßte der Plan unvermeidlicherweise dazu, führen, daß si ch England aus Palästina zurückziehe. Eine derartige Entwicklung.wäre aber höchst gefährlich. ' Churchill hofft, daß in der durch den Ausgang der Unterhausdebatte entstandenen Pause Araber und Juden angesichts der drohenden Zerstückelung des Landes eine Formel finden werden, die für beide Teile annehmbar erscheine und die Unversehrtheit des Landes sichere. Eine britische Parlamentskonunission? London, 24. Juli (Privat). Der britische Kolonialministeir Ormsby Gore wird sich am Dienstagnach Gern! begeben, um an der Sitzung der Mandatskommission des Völkerbundes persönlich teilaunehmen. Die Mandatskommission,' die eich bereits mit dem Peel-Bericht vertraut gemacht hat, wird zunächst einen vorläufigen Bericht abfassen, auf Grund dessen sich der im September zusammen tretende Völkerbundrat eiu Urteil bilden kann. Bei Wiederzusammentritt des Unterhauses Ende Oktober dürfte das Gutachten des Völkerbundes bereits vorliegen und die britische Regierung würde dann verschiedenen Presseäußerungeu nach vermutlich keine Einwendungen mehr dagegen erheben, daß ein aus Mitgliedern beider Häuser bestehendes parlamentarisches Komitee in eine Prüfung des Planes eintritt und Abänderungsvorschläge ausn rbeitet. Vor jüdisch-arabischen Verhandlungen? Der palästinensische Sonderberichterstatter der „Times“ schreibt, wenn man annohrnen wo-llto, daß dn- Teilungsplan ein inaeehiavclistischor Vermeil gewesen sei, , dii* beiden streitenden Parteion zur Veri- ’igung zu zwingen. dann zeigen sich in "••n ietztou 'ragen Anzeichen dafür, daß er , '"ögliidierweise den gewünschten Erfolg I haben werde.

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